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62Wort zum Nachdenken Richard Bergmann
Neues Jugendschutzgesetz verschärft Medienzugänge Ralf Amelung
Das biblische Gottesbild ist die Grundlage für gesundes Gemeindeleben Jakob Enns
Buchbesprechung: Brian Edwards: Wenn die Show das Wort erschlägt Michael Kotsch
Ich bin für Gerechtigkeit. Für Gerechtigkeit zwischen den Generation. Selbstverständlich!
Doch was heißt das eigentlich? Was heißt es eigentlich genau? Man könnte einfach sagen, dass man jedem seine vernünftigen oder berechtigten Ansprüche erfüllen muss. Da soll keiner auf den anderen neidisch sein, oder per Gesetz einer Partei etwas zugeschlagen oder etwas weggenommen werden.
Das ist gerecht. Sicher. Auf Prinzipien kann man sich noch recht leicht verständigen. Nur, das Leben besteht nicht aus Prinzipien, sondern aus ganz realen und ganz konkreten Entscheidungen. Da spielen dann plötzlich Emotionen eine Rolle: Keiner will draufzahlen, keiner will zu kurz kommen. Egal, ob Alt oder Jung. Jeder verteidigt seinen Besitzstand, der ihm zu zerrinnen droht. Der Gegner ist ausgemacht, dessen Interessen in das denkbar schlechteste Licht gerückt.
Den einen wird ein angenehmer Lebensabend missgönnt, für den man sich ein ganzes Leben abplagte und seine Knochen drangab. Aber das neue Hüftgelenk sei zu teuer.
Die anderen sehen eine immer größere Kostenlawine auf sich zurollen, die sie zu ersticken droht. Schließlich will man selbst etwas vom Leben haben, es genießen.
Das Sozialsystem ist an einer Grenze angekommen. Ihm fehlen die Beitragszahler. Wie es um die Zuneigung der Jungen zu den Alten in der Vergangenheit bestellt war, fiel nicht ins Gewicht. Denn damals herrschte kein Mangel.
Mangelnde Nächstenliebe wird in Zeiten des Mangels sichtbar und dürfte ihre schlimmste Folge sein.
Nach dem neuen Jugendschutzgesetz vom l. April dieses Jahres müssen Medien in Form von Computerspielen oder Bildschirmspielgeräten mit einer Altersfreigabe gekennzeichnet sein. Damit werden die interaktiven Videospiele den Kino- und Videofilmen gleichgesetzt, bei denen bereits eine Altersangabe erfolgen muss. Anlass für die Verschärfung der Regelungen war vor allem der Amoklauf von Erfurt im April vergangenen Jahres. Die Neuregelung soll verhindern, dass Kinder oder Jugendliche Zugang zu jugendgefährdenden Spielen erhalten. Ab sofort kann die Bundesprüfstelle auch ohne Antrag tätig werden. Damit will der Gesetzgeber erreichen, dass alle jugendgefährdenden Medienangebote kontrollierbar werden.
Trägermedien mit besonderer Jugendgefährdung sind in Zukunft sogar ohne Kontrolle der Bundesprüfstelle verboten. Dies gilt vor allem bei Medien, die den Krieg verherrlichen, Menschen in einer die Würde verletzenden Weise darstellen oder Jugendliche in geschlechtsbetonter Körperhaltung zeigen. Bücher, Videos, CD-ROMs oder DVDs dieser Art sollen damit erst gar nicht auf den Markt kommen.
Die Wirkung des neuen Gesetzes bleibt jedoch umstritten. Auch in den Bereichen, in denen eine Altersbeschränkung bereits vorlag, sind Verstöße an der Tagesordnung. So wurden und werden Filme von Kindern und Jugendlichen gesehen, deren Alter unterhalb der angegebenen Altersgrenze liegt. Eltern oder ältere Geschwister können "helfen", an solche Medien heran zu kommen. Nicht selten erhalten Kinder die Möglichkeit, ausgeliehene Videos oder DVDs mitanzuschauen, die erst ab zwölf oder 16 Jahren freigegeben sind. Aber auch an den Kinokassen werden jüngere Kinder teilweise "durchgelassen". Daneben ist es in Deutschland erlaubt, dass Sechsjährige in Begleitung eines Erwachsenen einen Film mit Freier Selbstkontrolle (FSK-Freigabe ab zwölf) besuchen dürfen. So wurde der Kinofilm "8 Mile" über Wochen an Grundschulen diskutiert. Der Film zeigt drastische Gewalt- und Sexszenen (FSK-Freigabe ab zwölf!). Wie selbstverständlich kennt auch heute ein Zehnjähriger das Filmepos "Der Herr der Ringe" (FSK-Freigabe ab zwölf). Als Ver- gleich sei erwähnt, dass beispielsweise "8 Mile" in den USA von Jugendlichen unter 17 Jahren nur in Begleitung Erwachsener besucht werden darf. Somit wird auch bei den neuen Verschärfungen im Bereich der Computerspiele an die Verantwortung der Eltern, der älteren Geschwister oder der Freunde appelliert, auf die Verletzbarkeit und den Schutz von Kindern und Jugendlichen Rücksicht zu nehmen.
Problemstellung
Bewusst, oder unbewusst klassifizieren wir die Mitmenschen, die uns in verschiedenen Sphären des Alltags begegnen: im Beruf, beim Einkaufen, ob es Freunde unserer Kinder sind, Nachbarn oder Glaubensgeschwister. Mal sind es "Mimosen", mal "Elefant im Porzellanladen", sie haben "Haare auf den Zähnen", sie können "Aalglatt" sein oder "Igeln sich ein". Obwohl dies alles, je nach Charakter der jeweiligen Person, nur äußere Darstellungsformen sind, wissen wir aus dem Zeugnis der Bibel, dass hinter diesen Eigenschaften ein kaputtes, verbogenes Wesen steht: "Denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an" (Gen 8,21b),. Dennoch gebrauchen wir diesen Mechanismus der Klassifizierung, um die Reaktionen unseres "Gegenüber" vorauszuberechnen und unsere Haltung dementsprechend anzupassen.
Somit ist es nicht verwunderlich, dass wir ein exakt gleiches Verhaltensmuster auf unsere Beziehung zu Gott anwenden. Das heißt: Meine Vorstellung über Gott offenbart sich in meinem Christsein, in der Art, wie ich mich in der Gemeinde gebe, wie ich bete, rede, was ich verkündige etc. Es ist für mich (und jeden einzelnen Christen) also sehr wichtig eine von der Bibel her begründete Vorstellung über Gott zu haben.
"Wer ist Gott tatsächlich? Als was stellt er sich in der Bibel dar?" Ich meine es nicht Seine Eigenschaften betreffend, sondern Sein Wesen. Denn Gottes Eigenschaften entspringen aus seinem Wesen und sind seinem Wesen untergeordnet. Das kann man in der Schlichtheit des Alltags folgendermaßen unterscheiden: Die Frage nach Gottes Wesen lautet: "Wer ist Gott?" Also eine Frage der Personifizierung. Mit der Frage "Wie ist Gott?" suche ich dagegen nach Beschreibungen über die Eigenschaften Gottes (barmherzig, heilig, allwissend, souverän etc.).
Der Untersuchungsrahmen:
Interessanterweise bekommen wir die gesuchten Antworten bei dem Lieblingsschüler des Herrn Jesus, dem Apostel Johannes, denn es gibt genau genommen nur drei personifizierte " Gott ist..." Aussagen. " Gott ist Geist", Joh 4, 23 - 24; " Gott ist Licht", 1Joh 1, 5 - 8; und " Gott ist Liebe", 1Joh 4,8 - 9. Die vierte Aussage: "Gott war Wort", Joh. 1,1 - 2; ist eine Aussage über Jesu Teilnahme an dem Schöpfungsakt (Kap.1,14), die wiederholend in der Perfekt-Vergangenheitsform (4-mal) gemacht wurde und aus diesem Grund in die weiteren Überlegungen nicht einbezogen worden ist. Die sieben "Ich bin" - Worte des Herrn Jesus beziehen sich auf das Erlösungswerk und haben nicht den Anspruch der Wesensdarstellung des dreieinigen Gottes. Übrigens ist die erste "Gott ist..." Aussage (Joh 4, 23) von Jesus selbst im Gespräch am Jakobsbrunnen gemacht worden, der somit selbst die "Ich bin" - Worte in einen anderen Rahmen stellt.
Um die Tiefe, die Bedeutung einzelner Wesenszüge zu verstehen, muss man den Kontext der jeweiligen Aussagen (oder besser: die Darstellung des Wesenszuges) beachten, in dem sie gemacht werden.
Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als Anbeter. Gott ist Geist,und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten (Joh 4, 23 - 24).
Eigentlich beginnt unser Bericht schon in Kap 4,1 und schildert uns das Gespräch des Herrn Jesus mit einer zwielichtigen Frau am Brunnen bei Sychar. Als Jesus ihr ihre Vergangenheit aus Gottes Perspektive zeigte (V.18), stellte sie ihm eine, wahrscheinlich aus Verlegenheit etwas unlogische Frage: "Wo sollen wir anbeten?" (V. 20). Sie meint damit, eine raumgebundene Auskunft zu bekommen, also den Ort, an dem sie Gott antreffen könnte. Dadurch offenbarte diese Frau bewusst oder unbewusst ihre eigene, aber auch jedes anderen Menschen Sehnsucht nach einer Kommunikation mit Gott. Dieses Bedürfnis ist stärker als allgemein angenommen. Wenn es nicht befriedigt wird, sind die Menschen um uns oft bereit, sich der okkulten Praktiken zu bedienen, wie es bei Saul (1Sam 28, 7-8) der Fall war und wie es die derzeitige Entwicklung auf dem esoterisch-okkulten Markt dokumentiert.
Zurück zur Frage der Samariterin: "Wo sollen wir anbeten?" "Wo ist Gott zu finden?" "Gibt es eine räumliche Vorgabe?" Jesus erklärte der Frau darauf, dass sie die Vorstellung der Heiden von einer territorialen Zuständigkeit eines Götzen aufgeben müsste. Gott unterliegt keiner räumlichen Bindung. Er ist allgegenwärtig! Auch Jona musste diese Lektion, zwar in einem anderen Unterrichtsraum, dem Bauch eines Fisches (Jona 1,3), erlernen. Zum anderen: Die Antwort, die Jesus der Samariterin gab, offenbart uns nicht nur Gottes Allgegenwart, sondern auch die Art, wie man Gott anbeten soll: nur in "Geist und Wahrheit". Gott empfängt nur auf dieser "Wellenlänge".
Es würde den Rahmen sprengen, wenn man sich jetzt die Frage stellen würde: "Wer hat den Geist empfangen, wann, in welchem Ausmaß, für wie lange u.s.w.". Für uns ist es im Moment wichtig festzustellen, dass nicht eine X - beliebige Methode zu einer Verbindung mit Gott führt, sondern nur eine von Gott vorgegebene. Die gilt ungeachtet unserer Abstammung, Wohnort, Überzeugung, Einkommen, Beruf, oder Engagement. Übrigens: dem Bibelwort zufolge, geht es nicht um irgendeine Verbindung mit Gott, sondern um die Anbetung. Es geht darum, dass wir Gott unsere Bewunderung und die Unterwerfung Ihm gegenüber wegen Seiner Eigenschaften und Taten kundtun. Letzteres geht nur "in Geist und Wahrheit". Also nicht auf der Ebene des Verstandes, sondern auf einer Ebene, die unsren inwendigen Menschen, den immateriellen Teil, betrifft.
Somit offenbart uns der Wesenszug "Gott ist Geist" Gottes immaterielle Natur, die den uns bekannten Naturgesetzen nicht unterliegt. Er ist unsichtbar und kann nicht mit denen, dem Menschen zur Verfügung stehenden Methoden lokalisiert werden. Zum anderen zeigt Jesus der Frau am Jakobsbrunnen durch seine Antwort, dass Gott allgegenwärtig ist. Man braucht keine besonderen Orte aufzusuchen, um mit Gott in Verbindung zu sein.
Zum Schluss muss man aus der gegebenen Bibelstelle erkennen, dass Gott und auch der Mensch (nach dem Ebenbild Gottes) auf Kommunikation ausgelegt sind. Allerdings kann diese Kommunikation aus menschlicher Sicht nur auf einer Ebene, "im Geist", stattfinden.
Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: dass Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. (1Joh 1,5)
Bekanntlich ist dieser Text an Christen gerichtet und behandelt das Thema "Christ und Sünde". Er zeigt einerseits wie weit der Mensch von Gott entfernt ist, auch derjenige, der sich Christ nennt und doch in der Finsternis wandelt. Andererseits wird hier Gottes unerreichbare Reinheit,seine Heiligkeit, Gerechtigkeit, Allmacht, die nur ihm zueigen sind, der Reinheit der Menschen gegenübergestellt. Es ist so, als ob da zwei parallele Ebenen sind, die per Definition sich auch in der Unendlichkeit weder kreuzen noch berühren. Auf der einen ist Gott als Licht in seiner Heiligkeit (vgl. Off 21, 23; 22, 5), und auf der anderen sind die Menschen und die Finsternis (Joh 3,19). Und diese Finsternis und Licht können sich eben nicht vertragen (Vgl. auch Jes 59, 2).
Es währe eine wahre Katastrophe, wenn Gottes Wesen nur auf Geist (Allgegenwart, Kommunikation) und Licht (Heiligkeit, Gerechtigkeit, Allmacht, Souveränität) beschränkt währe. Gott und auch die Menschen würden vor dem Wunsch, miteinander Gemeinschaft haben zu wollen und nicht zu können, verschmachten, wenn... Wenn es da nicht noch einen Wesenszug Gottes gäbe:
Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe. Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. (1Joh 4, 8 - 9)
Es ist bemerkenswert, dass Gottes Liebe in der Bibel fast ausschließlich, und nicht nur in diesem Abschnitt, mit der Erlösung der Menschen von den Sünden und deren Folgen in Verbindung gebracht wird. Liebe ist nie abstrakt, sondern wird durch Handlungen unter Beweiß gestellt. Auf Gott trifft es in besonderer Weise zu, denn er "sandte seinen Sohn zur Sühnung für unsere Sünden" (1Joh 4, 10)
Um den Wesenszug "Liebe" richtig einschätzen zu können, müssen wir uns im Klaren sein, was das Wort Liebe (agapae) in der Bibel ausdrückt. In Phil 1,8, sowie in 1Thess 3,6 wird m.E. eine entscheidende Begleiterscheinung der Liebe erwähnt: die Sehnsucht nach Gemeinschaft. "...und uns die gute Botschaft brachte von eurem Glauben und euer agapae...und euch sehr verlangt uns zu sehen." Agapae ist folglich eine Beziehung, die eine Trennung nicht ertragen kann. Liebe lässt es sich was kosten, um die Trennung überwinden zu können. Es lohnt sich, die Bibel einmal unter dem Blickwinkel zu lesen, indem man überall, wo "Liebe" vorkommt, "Sehnsucht nach Gemeinschaft" einsetzt. Man bekommt einen tieferen Einblick in die Beweggründe für Gottes Handeln. Weil er Liebe ist, ist er barmherzig, gnädig, langmütig, geduldig,
Somit schließt sich der Kreis: Gott, als Geist, ein allgegenwärtiger, unsichtbarer Schöpfergott (Gen 1, 2), ist auf die Gemeinschaft mit seinem Geschöpf, dem Menschen bedacht. Aber als Licht befindet er sich in einer anderen Dimension als die Finsternis der Menschen. Und es ist wahrhaft unser Glück, dass Gott auch Liebe ist, und ER uns aus diesem Grund mit einem größtdenkbaren Einsatz ungeachtet unseres Verdienstes aus der Finsternis herausgeholt hat.
Gottes Eigenschaften und deren Anwendung werden von Seinem Wesen bestimmt und gesteuert.
Ich möchte jetzt, nach den gewonnenen Erkenntnissen, noch einmal die eingehende Frage stellen: "Wer ist Gott?" Was ist bei Gott alles beherrschend: seine Souveränität oder seine Liebe? Sein Licht oder seine Allgegenwart? Kann man eine Rangliste seiner Eigenschaften aufstellen? Ich glaube nicht. Vielmehr bin ich überzeugt, dass ich damit ein unausgewogenes Gottesbild vermitteln würde. Wir sind aber dem Wort verpflichtet, in unserer Verkündigung ein ausgewogenes Gottesbild weiterzugeben. Anderenfalls können Irrlehren entstehen. Hier nur einige Beispiele:
Wir sollten gerade in unserer Zeit Mut zu einer ausgewogenen Verkündigung aufbringen, und den auftretenden "Modeerscheinungen" entgegenwirken. Jede dieser o.g. Folgen bringen in die Gemeinde (Ich meine dabei die lokale Gemeinde) viel Unruhe hinein. Denn es ist eine unbestrittene Tatsache, dass mein Verständnis über Gott und sein Wesen sich auf mein Verhalten zu Gott selbst, zu meinem Dienst in der Gemeinde, zu den Geschwistern in der Gemeinde, zu den Verantwortlichen usw. auswirkt.
Brian Edwards: Wenn die Show das Wort erschlägt. Tanz und Theater in Evangelisation und Gottesdienst, Betanien Verlag, Oerlinghausen 2003, 158 Seiten
Das nunmehr, 20 Jahre nach seinem Erscheinen in England, auf deutsch erschienene Buch setzt sich mit der Frage auseinander, welche Rolle Tanz und Theater für Christen in Bibel und Kirchengeschichte gespielt haben. Dabei fällt eine deutlich unterschiedliche Intention von Edwards und dem leider anonym gebliebenen Herausgeber der deutschen Übersetzung ins Auge. Bemüht sich Edwards um eine ausgewogene Stellungnahme, scheint für den deutschen Herausgeber die prinzipielle Ablehnung von Tanz und Theater festzustehen. Neben den vorgenommenen Kürzungen zeigt sich das auch in der kritischen Zuspitzung des Titels, offene Frage im englischen Original: 'Shall We Dance?' 'Sollen wir tanzen?', Ablehnung in der deutschen Variante: 'Wenn die Show das Wort erschlägt'.
Der als Pastor einer Londoner Vorstadtgemeinde in der Praxis der Verkündigung mit christlichem Tanz und Theater konfrontierte Edwards beginnt seine Abhandlung mit einer eingehenden Definition beider Verhaltensweisen (7-15). Obwohl er sich dabei renommierter Lexika bedient, tritt die Schwierigkeit zutage, Tanz und Theater eindeutig von anderen ähnlichen Verhaltensweisen zu unterscheiden. Für Edwards ist Theater: "Ein Stück in Versform, Prosa oder Mimik, das eine Geschichte erzählt und ein Thema entfaltet. Ein Theaterstück wird von Schauspielern vorgeführt, die andere - echte oder fiktive - Personen repräsentieren." (15). Den theatralischen Auftritt eines Predigers, der in die Rolle einer biblischen Person schlüpft oder mit Mimik und Gestik seine Ausführungen unterstreicht, will er ebenso wenig als Theater bezeichnen, wie den Menschen, der in seinem täglichen Leben lediglich eine Rolle spielt, obwohl die Bibel gerade in diesem Fall von 'Schauspielern' ( hypocrites, auch als Heuchler übersetzt) spricht, wie Edwards zurecht erwähnt (13). Durch die hier vorgenommene Einengung wird natürlich schon das Ergebnis des biblischen Teils der Untersuchung weitgehend vorweggenommen. In einem nächsten Abschnitt referiert Edwards weitgehend unkommentiert häufig angeführte Argumente für Tanz und Theater in der Gemeinde (15-22): 1. Tanz und Theater helfen dem Christen, seine Gefühle und Gedanken ganzheitlich auszudrücken. 2. Tanz und Theater vermitteln leicht verständlich und konsummierbar geistliche Wahrheiten in einer mediengeprägten Welt. 3. Tanz und Theater sind geeignete Kommunikationsmethoden, um den modernen Menschen zu evangelisieren. 4. Tanz und Theater helfen, Gott auch mit dem Körper unter Einsatz des Körpers anzubeten. 5. Tanz und Theater helfen Christen, Freude auszudrücken und durch Körperkontakt Spannungen abzubauen. 6. Tanz und Theater helfen, legitime kulturelle Wurzeln auszudrücken.
In einem zweiten Teil seines Buches widmet sich Edwards der Bewertung von Tanz und Theater in der Kirchengeschichte (23-55). Angesichts des besprochenen Einsatzes von Tanz und Theater zu Götterverehrung und Unmoral in der heidnischen Umwelt der frühen Christen, verwundert eine radikale Ablehnung dieser Praxis kaum. Schauspieler durften nicht Gemeindeglieder werden, allerdings auch Wagenlenker oder Lehrer nicht. In den ersten drei Jahrhunderten wurden Tanz und Theater nicht prinzipiell abgelehnt, sondern "wegen deren Verbindung mit den Göttern und ihrer grobschlächtigen, obszönen und sadistischen Gewalt." (30). Ab dem 4. Jahrhundert wurde das Schauspiel von der Kirche eingesetzt, um das Heidentum lächerlich zu machen. Historisch stark pauschalisierend bringt Edwards die Verbreitung von christlichem Tanz und Theater im Mittelalter mit einem geistlichen und moralischen Verfall der Kirche in Zusammenhang, wobei er es versäumt, diesen auch einsichtig nachzuweisen. Zu Andacht und Unterweisung wurden vor allem biblische Stoffe, moralische Geschichten und Heiligenbiographien vorgespielt. Im 14. Jahrhundert kam es während der Tanz- und Theaterdarbietungen auch immer wieder zu Unmoral und Ausschweifungen, wie übrigens zu jedem Zeitpunkt der Geschichte vergnügungssüchtiger Bevölkerungsteile. Weder die deutschen noch die schweizerischen oder englischen Reformatoren wandten sich gegen Tanz und Theater wie Edwards zu Recht feststellt. Nur gegen mögliche Ausschweifungen oder katholisierende Inhalte wurde vorgegangen. Auch wenn sie dem Schauspiel keinen besonderen Rang zubilligten, scheuten sie sich nicht, Schauspiele biblischer und moralischer Inhalte schreiben und aufführen zu lassen (38-45). Weniger auf die deutsche Situation eingehend, wendet sich Edwards dann den Puritanern zu. Angesichts eines weltlichen, von frivolen und wollüstigen Stücken beherrschten Theaters, verbot das englische Parlament 1642 alle Aufführungen für die Dauer von fünf Jahren. Angesichts des revolutionären Umsturzes der Monarchie befürchtete man Oberflächlichkeit und das Absinken der öffentlichen Moral. Geistliche verwiesen auf einen zurückgehenden Gottesdienstbesuch, Männer in Frauenrollen und den finanziellen Aufwand, der besser den Armen zukommen solle. Ähnlich dem Schauspiel lehnten die Puritaner auch den Tanz nicht pauschal ab, sie kritisierten lediglich unmoralische Inhalte der Texte und das allzu lockere Umfeld der Tanzveranstaltungen (45-51). Eine radikale Ablehnung erfährt Tanz und Theater erst unter den Evangelikalen. John Newton sieht darin eine 'Quelle allen Lasters', William Law beklagt die Verführungskraft des Theaters zur Sünde (52-55).
Einen dritten Teil widmet Edwards der Beschreibung von Tanz und Theater in der Bibel (56-81). Nach der Jewish Encyclopedia gibt es 11 hebräische Verben, die mit tanzen übersetzt werden können. Zurecht bemerkt Edwards, dass die meisten dieser Worte auch mit 'umherwirbeln', 'jubeln' oder 'hüpfen' wiedergegeben werden können. Diese will er allerdings nicht als Tanz gelten lassen. So kommt er auf 25 Stellen, an denen im Alten Testament positiv vom Tanzen die Rede ist, drei Mal wird im Zusammenhang mit gottesdienstlichen Handlungen getanzt (56-65). Edwards argwöhnt, Juden hätten möglicherweise heidnische Elemente in ihre Religionsausübung aufgenommen, zu denen auch gewisse Tanzformen gehören könnten (67). Das Neue Testament erwähnt zwar den Tanz, in positivem und negativem Kontext, nicht jedoch als Mittel der Anbetung (65-69). Nach der engen Definition Edwards fallen Gleichnisse, Allegorien, dramatische Gesten, Gegenstandslektionen, symbolische Handlungen mit späterer Deutung oder eine rein sprachliche Darstellung verschiedener Personen nicht unter den Begriff 'Theater'. Theaterähnliche Auftritte der Propheten Jesaja, Jeremia und Hesekiel finden sich im Vergleich zu ihrer Verkündigung allein durch Worte relativ selten. Bei Hesekiel kommt Edwards auf ein Verhältnis von 1 zu 20 (76). Das Neue Testament erwähnt zwar die anschauliche Verkündigung Jesu und der Apostel, die auch anhand von Gegenständen, Gleichnissen oder symbolischen Handlungen predigten, Theater wird in diesem Zusammenhang jedoch nicht erwähnt (79ff). Edwards Schlussfolgerung, das Alte Testament beschreibe eine noch unreife Phase der Anbetung Gottes, die in der Gemeinde überwunden sei (99), kann man wohl kaum folgen. Sein abschließendes Resümee hingegen ist durchaus ausgewogen: "Wenn die Bibel Tanz auch nicht ausdrücklich verbietet, so schreibt sie ihn weder vor, noch ermutigt sie dazu." (69). Aus dem Schweigen des Neuen Testaments bezüglich schauspielerischer Verkündigung "können wir kein endgültiges Gebot gegen die Verwendung von Theater aufstellen und erst Recht kein Gebot zur Verwendung von Theater." (80)
In einem nächsten Abschnitt zieht Edwards seine Konsequenzen aus der historischen und biblischen Analyse (82-105). Zurecht weist er Aussagen charismatischer Christen zurück, die Tanz und Theater von je her als essentiellen Bestandteil von Gottesdienst und Verkündigung ansehen (83f). Ferner verweist Edwards auf die Gefahren, geistliche Inhalte durch allzu leichtfertige Gags und Schauspielerei zu trivialisieren, sodass ihr Ernst zurücktritt. Auch zweifelt er an den echten Möglichkeiten, in einem von widergöttlichen ethischen Maßstäben geprägtem Medium, wirklich christliche Inhalte vermitteln zu können (86ff). Die Behauptung, Tanz und Theater fänden sich nur in Zeiten des geistlichen Tiefstands der Kirche im Gottesdienst, widerspricht allerdings Edwards eigene vorhergehende Analyse (84). Ernst zu nehmen sind seine Bedenken, durch Tanz und Theater direkte eindeutige Konfrontation der Menschen mit dem Wort Gottes zu vernachlässigen (89f, 94f). Darüber hinaus muss Theater im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Gespräch zumeist interpretiert und übersetzt werden (91ff). Auch die Tendenz, durch Schauspiel und Theater der realen Welt zu entfliehen, muss sicher kritisch betrachtet werden (95ff). Edwards schlussfolgert, es sei angesichts der Gefahren besser, ganz auf Tanz und Theater im gottesdienstlichen Rahmen zu verzichten (99-104). Den Besuch eines guten Theaterstücks zur Entspannung oder das Verfassen eines solchen allerdings hält er für durchaus gut (104f).
In einem letzten Teil seines Buches zeichnet Edwards die besondere Bedeutung der Predigt in der Bibel wie in der Kirchengeschichte nach (106-146). Dabei hebt er die neutestamentlichen Aufforderungen zum Lehren, zum Evangelisieren und zum Predigen hervor. Mit nachvollziehbaren Argumenten zeigt er die besonderen Stärken der Verkündigung durch Worte im Vergleich zu einer Verkündigung durch Tanz und Theater. Vor allem die biblische Predigt treffe den Menschen über den Verstand ins Herz (123). Erweckungen und Erneuerungen der Gemeinde nahmen zumeist ihren Ausgang in intensiven Bibelstudien, im Gebet und in einer besonderen Betonung der Predigt (125-144). Edwards fordert dazu auf, mit einer neuen Betonung der Predigt der Versündigung und Verflachung des Denkens durch die modernen Massenmedien entgegen zu halten (145f).
Im Nachwort des deutschen Herausgebers (147-151) werden die Schlussfolgerungen Edwards teilweise überspitzt auf die aktuelle Situation im deutschsprachigen Raum angewandt. Im Gegensatz zur Analyse Edwards, nach der Tanz und Theater für Christen durchaus zulässig sind, lehnt der deutsche Herausgeber beides als unbiblisch ab (149f). Scheut sich Edwards weitgehend davor, konkrete Gemeinden und christliche Werke anzusprechen, werden im Nachwort insbesondere Willow Creek und Pro Christ verurteilt (147f). Obwohl moderne christliche Musik nicht von Edwards besprochen wird, verurteilt sie der deutsche Herausgeber in einem Zug mit Tanz und Theater.
Wenn auch die persönliche Meinung des Autors dem Leser von Anfang an nicht verborgen bleiben dürfte, handelt es sich bei diesem Buch um eine durchaus ausgewogene und wohl begründete Studie zum Thema Tanz und Theater in Gottesdienst und Verkündigung. Edwards macht es sich nicht einfach. Nachvollziehbar und verständlich entwickelt er seine Argumente und stellt die relevanten biblischen Zusammenhänge deutlich dar. Er nennt die offensichtlichen Grenzen und Schwächen von Tanz und Theater im christlichen Zusammenhang, ohne sie in Bausch und Bogen zu verdammen. Zurecht fordert Edwards Christen, die einem exzessiven und unkritischen Einsatz von Tanz und Theater in der Verkündigung das Wort reden, zur biblischen Rechtfertigung ihrer Position auf.
Sowohl für den, der Tanz und Theater in einem christlichen Umfeld einsetzen will, als auch für den, dem der Einsatz von Schauspielern im Gottesdienst Bauchschmerzen bereitet, ist das Buch eine lohnende Lektüre.
Anschrift der Autoren:
Jakob Enns, Am Buchengrund 23, 31812 Bad Pyrmont
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