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57
Mai 2002
Bibelbund e.V. Infobrief Nr. 57

Schriftleitung & Verlag: Friedrichsgrüner Str. 83, D-08269 Hammerbrücke, Tel. 037465/40707, Fax: 037465/44422, eMail: verlag@bibelbund.de
Internet: http://www.bibelbund.de

Inhalt:

Wort zum Nachdenken Frieder Seidel
Historizität des Alten Testamentes Richard Bergmann
Hat Jesus am Kreuz die Krankheiten unseres Körpers "getragen"? Markus Schäller

Wort zum Nachdenken

"Denk ich an Deutschland in der Nacht,..."

Ob Heinrich Heine geahnt hat, wie zutreffend seine Sorgen über Deutschland sind - freilich aus ganz anderem Hintergrund?

Was uns prägt, ist ein unwahrscheinlicher Aberglaube,

Was uns hoffnungslos macht, sind tägliche Horrormeldungen - von weit weg; Amerika, dem Nahen und Fernen Osten und Erfurt (nahe dran!). Grund genug zum Resignieren.

Was mir Mut macht, ist die Art, wie Paulus (Apg 17) mit der geballten Macht Götzendienst umgeht.

Anstatt über die komplette "Volksverdummung" oder die "arge böse Welt" zu resignieren und zu lamentieren, knüpft er an Vergessenes, Verdrängtes, Unbekanntes und dennoch Wahres an.

Er greift Hoffnungen seiner Mitmenschen auf; Hoffnung nach irgend etwas Unbekanntem, als die Chance, ihnen Jesus Christus zu predigen - und zwar ohne Abstriche und ohne Unklarheiten und ganz nahe für jeden persönlich.

Und so gibt Entscheidungen für Jesus. Allerdings hat Paulus damals die Chance in Athen genutzt.

Schlaflose Nächte, heiße Tränen, auch "mein Weib - schön wie der Morgen - und lächelt fort die deutschen Sorgen" - sind nur Ansätze bei Heinrich Heine - keine Lösungen für uns.

Unsere Mitmenschen brauchen klare Botschaften - und wir haben sie.

Frieder Seidel

Historizität des Alten Testamentes

"... das AT ... wird als vertrauenswürdiges und verlässliches Dokument verstanden." Mit diesen Worten wird die Herausgabe eines weiteren Buches zur Geschichte Israels begründet.[1] Sofort folgt die Frage, ob man denn das AT überhaupt anders bewerten kann, ob Bücher über die Geschichte Israels aus einem anderen Blickwinkel geschrieben werden können? Man kann! Und es ist sogar üblich. Deswegen darf es als erfreuliche Abgrenzung Merrills verstanden werden, eine Geschichte Israels mit diesem Ansatz zu schreiben. Immerhin ist er Professor für semitische Sprachen und Altes Testament und somit Kenner der Debatten und Argumente - ein qualifizierter Fachmann also.

Merrill weist auf den engen Zusammenhang von Geschichte und Theologie des AT. Dabei besteht gewöhnlich breite Übereinstimmung darüber, dass das AT theologische Literatur ist. Als solche beschreibt sie die Bundesbeziehung Gottes zu seinem Volk und seine Anweisung zur Lebensgestaltung in großer Breite. Aber das AT ist nicht nur theologische Literatur, sondern berichtet auch Geschichte. Genau darüber gehen die Meinungen jedoch weit auseinander.

Selbstverständlich genügen die alttestamentlichen Berichte den Kriterien moderner Geschichtsschreibung nicht. Doch dies ist ohnehin unstatthaft. Man kann doch nicht erwarten, dass Berichterstatter vor mehr als 3000 Jahren sich auf unsere Anforderungen einstellen würden!

Müssen die Berichte deswegen aber sogleich unglaubhaft und unzuverlässig sein? Keineswegs! Um Fragen der Zuverlässigkeit soll es nachfolgend noch weiter gehen.

Zuvor jedoch noch eine andere Überlegung: Wie wichtig sind denn diese Fragen überhaupt? Muss man sich damit Kopf und Herz schwer machen? Ist nicht viel wichtiger, die richtigen Konsequenzen aus den Ereignissen zu ziehen, den Prophezeiungen zu glauben usw.? In der Tat ist der Inhalt das Entscheidende. Für die Inhalte ist die Biblische Theologie zuständig. Sie widmet sich der Untersuchung und Deutung der Berichte. Dennoch ist unübersehbar, "dass das AT trotzdem den Anspruch hat, zuverlässig Geschichte zu berichten, da es als Urkunde über Jahwes Bundesbeziehung zu seinem Volk Israel verstanden werden will, ein Bericht, der immer wieder geschichtliche Ereignisse aus der Sicht Gottes interpretiert und sie als vorhergesagt erzählt. Dabei wird vorausgesetzt, dass sie in Raum und Zeit geschehen sind, und somit die theologische Botschaft ihre Basis in tatsächlicher Geschichte hat."[2]

Damit haben wir einen wesentlichen Zusammenhang vor Augen. Geschichte mit ihren Ereignissen ist die Basis für die theologische Botschaft. Das war damals so und das gilt auch heute den Lesern der Bibel. Weshalb sollte denn beispielsweise eine Umkehr zu Gott hin vollzogen werden, der sein Volk als Reaktion auf ihren Götzendienst gestraft hatte, wenn dies so gar nicht stattfand? Wenn etwa gar kein eindeutiger Zusammenhang bestand zwischen dem Treuebruch Israels und der angekündigten Strafe Gottes für diesen Fall[3] Wenn alles nur Interpretation war ohne Bezug zu den Tatsächlichkeiten, welches Gewicht hätten Ermutigung und Segensverheißung für die Treuen?

Offenbar trifft das AT von vornherein auf eine Situation des Misstrauens und Zweifels. Als Geschichtswerk wird es nicht ernsthaft in Betracht gezogen. Nun könnte man sagen, dass dies einfach dem Umstand geschuldet ist, dass man früher ein anderes Verständnis über Geschichtsschreibung hatte als wir heute. Erst dann, wenn für Berichte der Bibel unabhängige Bestätigungen oder wenigstens Indizien zu finden wären, könnte man "mit einem guten Gefühl" von Tatsachen sprechen. Man mag dieser Überlegung bis zu einem gewissen Grad folgen können. In der Tat veränderten Funde von Archäologen und deren Bewertung als Bestätigung biblischer Darstellungen die zwangvolle Ausgangssituation. Dennoch bleibt oft genug die erhoffte Änderung in der Bewertung der Berichte aus, Zweifel bleibt. Wieso eigentlich? Sollte der Zweifel an der Geschichtlichkeit der berichteten Ereignisse nicht gerne preisgegeben werden?

Dass dem nicht so ist, gehört zu den Merkwürdigkeiten theologischer Wissenschaft. Nach einer Periode beinahe grundsätzlicher Abwertung geschichtlicher Bedeutsamkeit des AT kam es zu einem Wechsel. Er ist mit dem Namen des Theologen Gerhard von Rad verknüpft. Er zeigte die Verbindung von Israels Geschichte und Glaube auf und wie dieser in der Geschichte eingewurzelt sei. Damit erlangte das AT einen bis dahin verlorenen Stellenwert.

So weit, so gut. Dennoch überschritt v. Rad eine bestimmte Linie nicht. Er wertete nämlich die historischen Berichte nur als heilsgeschichtliche Berichte. Das ist zwar wesentlich mehr, als in den Jahrzehnten vorher erfolgte, blieb aber dennoch hinter dem Anspruch der entsprechenden alttestamentlichen Texte zurück. Denn diese wollen wirkliche Geschichte berichten. Bei v. Rad wird über Bedeutung für Heilsgeschichte nachgedacht, aber unter Verzicht auf historische Faktizität. Dies sei nicht möglich. Tradenten knüpfen in ihrem Nachdenken an bestimmte Ereignisse oder Erzählungen darüber an und formen daraus die Glaubensinhalte für das Volk Israel. Dabei formen sie die Vorlagen um oder schmücken sie aus. Das Ergebnis gilt als Wahrheit.

Ein interessanter Entwurf, der relativ viel biblische Substanz wahrt (heilsgeschichtliche Perspektive) und zugleich aus der Spannung von Geschichte und Glaube herausführt. Aus diesem Grund erfreute sich dieses Konzept recht großer und erleichterter Zustimmung. Dennoch bleibt der Mangel unübersehbar: es verkürzt unzulässig die Faktizität der Berichte, ihrer Geschichtlichkeit. Dem Anspruch der Texte wird nicht Rechnung getragen, sozusagen gegen ihren erklärten Willen verstoßen.

Ein weiteres Problem erwächst aus diesem Konzept. Es schafft wohl ein größeres, als es zu lösen vorgibt. Geschichte im AT zerfällt in zwei Ebenen. Einmal die des tatsächlichen Geschehens und zum anderen die des Bekenntnisses (Geschichte, die zum Glaubensinhalt wurde). Das ist verwirrend und stellt vor die Frage, ob dies nicht doch in eine Sackgasse führt.

Erschwerend kommt noch hinzu, worauf Merrill nachdrücklich verweist: "Doch wenn Geschichtsschreibung vom Interpreten fordert, er solle selbst entscheiden, was geschehen sei oder sich ereignet habe, öffnet sie sich radikalem Subjektivismus. Und das AT besitzt dann keine echte historische und theologische Autorität mehr."[4] Mir der möglicherweise wohlmeinenden Absicht, eines zu retten, verliert man auch das andere. Man kann natürlich so tun, als wäre dies nicht der Fall und Theologie ohne Fundament betreiben. Doch widerspricht dies ihrer Bestimmung und sie muss sich zudem nach ihrer Verantwortung fragen lassen.

Immer wieder hörten wir es: die Bibel will kein Geschichtsbuch sein. Dass sie dennoch Geschichte berichtet, haben wir gesehen. Die Frage ist aber, was lässt sich denn im konkreten Fall aus den Angaben des AT zu geschichtlichen Problemen gewinnen? Bringt es tatsächliche und nennenswerte Ergebnisse etwa bei Datierungsfragen? Stellt es eine brauchbare Informationsquelle dar?

In einem Beispiel geht es um die Datierung des Einmarsches Israels ins verheißene Land. Bei dieser Frage prallen zwei Meinungen aufeinander. Zum einen macht man geltend, dass eine Landnahme im 13. Jh. erfolgte (sogenannte Spätdatierung). Zum anderen widerspricht man dieser Einordnung energisch und plädiert für eine deutlich frühere Landnahme, nämlich bereits zu Beginn des 14. Jh. (Frühdatierung). Nun könnte man sich auf den Standpunkt stellen, jedwede Auseinandersetzung darüber zu unterlassen, da die Informationen ohnehin höchst bescheiden sein dürften. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Faktenlage.

Von den Vertretern der Spätdatierung verweist man auf ein gewichtiges Problem: In der Zeit der Eroberung im 14. Jh. lassen sich regelmäßig keine Spuren kriegerischer Auseinandersetzungen in den Ortschaften nachweisen (Zerstörungs- und Brandschichten). Diese findet man später - für das 13. Jh. Deswegen gibt man die gewohnte Datierung preis und spricht von einer durch die archäologischen Befunde vorgegebenen Spätdatierung. Auf ganz exakt wissenschaftlichem Weg gelangt man zu dieser Feststellung.

Traditionelle biblische Chronologie steckt in der Klemme. Denn sie vertritt eben die Frühdatierung und steht im Widerspruch zu den archäologischen Befunden. Es gilt nun, den Widerspruch näher in Augenschein zu nehmen. Solche Vorgehensweise ist nicht anrüchig. Es sei denn, sie zielt darauf, "gewaltsam" die archäologischen Fakten "passend zu biegen". Doch hier geht es um sachliches Analysieren und Bewerten.

Interessant ist die Vorgehensweise der Verteidiger der Frühdatierung. Sie ignorieren selbstverständlich archäologische Befunde nicht. Aber sie nehmen auch das AT als Quelle ernst. Deswegen stellten sie Beobachtungen über die Vorgehensweise Israels, über Josuas Taktik der Eroberung an. In der Tat verhielt sich Josua reichlich unerwartet, nimmt man damalige Eroberungsstrategie zum Maßstab. Josua folgte den Anweisungen Moses für genau diese Situation.[5] In der Regel sollten die Ortschaften unzerstört bleiben und der sofortigen Besiedelung verfügbar sein. Lediglich drei Ausnahmen gab es, auf die hier aber nicht näher eingegangen wird. Josua befolgte diese Anweisung peinlich genau, wovon während seiner Feldzüge[6] detailliert berichtet wird. Als Josua die Zeit seines Todes kommen sieht, richtet er das Wort (im Auftrag Gottes) an das Volk. Neben den wichtigen Ermahnungen zur Treue und Warnungen vor den verheerenden Folgen bei Bundesbruch führt er Segen für das Volk an, den Gott an ihnen wahrmachte: sie wohnten in Städten, die sie erbauten und ernährten sich von Früchten, deren Bäumen sie nicht pflanzten.[7]

Was heißt das aber? Wenn die Israeliten bei ihrer Eroberung die Städte zwar plünderten aber nicht verwüsteten, also unzerstört ließen, dann ist auch nicht mit dem Auffinden von Brand- und Schuttschichten in der ersten Hälfte des 14. Jh. zu rechnen. Israel verfolgte diese Taktik konsequent. Gott hatte seinem Volk nicht nur über die Feinde Sieg geschenkt, sondern ihnen zugleich ein "Startkapital" mitgegeben.

Für die gefundenen Zerstörungsschichten aus dem 13. Jh., die man als Indiz für die Spätdatierung wertete, kommt als Erklärung eine der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen der Richterzeit in Frage.

Sicherlich ist damit noch nicht die komplette Debatte um die Eroberung geklärt. Eines der Hauptargumente der Spätdatierungsbefürworter konnte jedoch entschärft werden. Bemerkenswert daran ist, dass es gerade dadurch geschah, dass das AT als historische Quelle ernst genommen und auf seinen Informationsgehalt hin geprüft wurde.

Wie wir über das AT zu denken haben, muss sich von dessen Anspruch her klären. Will es Geschichte und Glauben vermitteln, dann ist es unrecht, daran Abstriche zu machen oder Umdeutungen vorzunehmen. Nur die Einheit von Theologie und Geschichte stellt die rechte Perspektive dar.

Richard Bergmann

Hat Jesus am Kreuz die Krankheiten unseres Körpers "getragen"?

"Nobody is perfect." - Das wissen wir alle. Und das betrifft nicht nur unsere geistigen Fähigkeiten, unser Geschick in verschiedenen Bereichen, sondern auch unseren Körper[8] Auch der Körper eines Christen ist nicht perfekt. So wie die Welt, in der wir leben, nicht (mehr) perfekt ist. Das Thema Krankheit prägt in unterschiedlichem Ausmaß unser Leben. Dabei wird immer wieder die Ohnmacht moderner Medizin bewusst. Auch Christen sind ohnmächtig, aber sie glauben an den allmächtigen Gott, der jede Krankheit zu heilen vermag.

Damit stehen die Fragen im Raum: Was bedeutet der Glaube von Christen, der Gott viel zutrauen will, im Blick auf das Thema Krankheit? Müssen, sollen, dürfen Christen trotzdem krank sein? Wo kommt Krankheit überhaupt her? Und: Hat Jesus am Kreuz auch die Krankheit besiegt? Hat er sie uns "abgenommen"? Wie, warum und wozu heilt Gott Menschen? Heilt Gott immer und ausschließlich? Ist Heilung vom Glauben des Kranken abhängig?

Der Hintergrund

Gott schuf ein perfekte Welt. Seine "Stiftung Schöpfungstest" vergibt das Prädikat "sehr gut" (Gen 1,31). Die ersten beiden Kapitel der Bibel beschreiben das gesunde Beziehungsgeflecht der Schöpfung, in dem der Mensch als Meisterstück des Schöpfers eine entscheidende Rolle spielt: Der Mensch (Adam) steht in Beziehung zu seinem Schöpfer (Gott), zum Mitmenschen (Eva), zur Natur (Tiere, Pflanzen) und zu sich selbst.

In Gen 3 wird der große Einschnitt beschrieben: Sünde[9] (Zustand der Trennung von Gott) schleicht sich in die perfekte Schöpfung ein und beschädigt sie massiv. Das Beziehungsgeflecht geht an verschiedenen Stellen kaputt.

Die Beziehungen bestehen zwar noch, aber sie sind gestört. Die Schöpfung trägt die Folgen der Sünde. Sie steht unter dem Fluch der Sünde (Fluchstruktur):

Satan wird verflucht, der Sieg über ihn prophezeit (Gen 3,15).

Die Frau leidet in ihrer Schwangerschaft. Das Verhältnis von Mann und Frau wird für die Zeit nach dem Sündenfall als "leidige Beziehungskiste" beschrieben. (Gen 3,16)

Der Erdboden bringt "Dornen und Disteln" hervor (Gen 3,17ff): Die Arbeit des Menschen wird schwer. Seit dieser Zeit wachsen in jedem denkbaren Beruf "Dornen und Disteln". Da Krankheiten nicht in eine perfekte Schöpfung passen[10] kann man davon ausgehen, dass sie in diesem Zusammenhang entstanden.

Der Tod hält Einzug in der Schöpfung (Gen 3,19). Durch das Wort "Denn Staub bist du und zum Staub wirst du zurückkehren." wird die Vergänglichkeit des Menschen ausgedrückt. (vgl. Ps 90). Der Körper ist vorübergehender Natur, er löst sich wieder in seine Bestandteile auf. Krankheit ist Erinnerung an den Tod und oft sein Vorbote. Wir dürfen also schließen, dass mit dem Tod die Krankheit einzog.

Die Möglichkeit des ewigen Lebens wird verwehrt (Gen 3,24).

Bald kommt es zum ersten Mord (Gen 4) und zur Eskalation der Rache (Gen 5,23f).

Die großartige Prophetie (Protevangelium) von Gen 3,15 erfüllt sich eindeutig mit Jesus. Genauer: Im Kreuz Jesu. Was aussieht wie die größte Blamage für Gott, ist in Wirklichkeit der größte Triumph aller Zeiten (1Kor 1,18ff).

Das Leben Jesu - des "zweiten Adam" (Rö 5,12ff) - weist nicht zufällig manche Parallele zu Adam auf: Jesus wird z.B. wie Adam (und Eva) von Satan versucht (Mt 4), aber er widersteht.[11]

Sein Leben hat nur ein Ziel: Jesus will ans Kreuz und reagiert steinhart, wenn ihn jemand von diesem Ziel abhalten will (z.B. Petrus in Mt 16,21ff). Jesus geht ans Kreuz - um unsertwillen. Damit mit ihm eine neue Menschheit beginnt (2Kor 5,17: eine neue Schöpfung!): Die Menschheit der Zukunft. Eine Menschheit für die neue Welt Gottes, die uns am Ende der Offenbarung in Bildern beschrieben wird (Off 21-22).

Was hat Jesus durch Kreuz und Auferstehung erreicht?

Der Tod ist besiegt (1Kor 15,54ff). Allerdings bedeutet das nicht, dass wir nicht mehr sterben müssten. Paulus macht im gleichen Kapitel (15,20-28) klar, dass der Tod der letzte Feind ist, der hinweggetan werden wird. Das ist Zukunftsmusik! Auch Christen sterben biologisch. Sie haben aber Auferstehungshoffnung.

Satan ist besiegt. Er hat ihn allerdings noch nicht völlig unschädlich gemacht. [12] Das erfolgt erst mit Off 20,10. Aber Satans Gefechte, die sich mit Off 12,7ff auf die Erde - die Menschen - konzentrieren, sind "nur" Rückzugsgefechte. Christen stehen auf der Seite des Siegers. Sie kämpfen nicht auf den Sieg zu, sondern vom Sieg her: 1Joh 5,4

Die Möglichkeit des ewigen Lebens besteht (Joh 3,16; 5,24ff).

Die zerstörte Beziehung zu Gott ist geheilt. Rö 3 und 5: Durch Jesus, zu dem wir im Glauben Zuflucht nehmen, haben wir Frieden mit Gott. Wir, eigentlich Feinde Gottes, erleben Versöhnung ohne eigenen Beitrag (Rö 5,10).

Im Blick auf das Beziehungsgeflecht der Schöpfung, das durch die Sünde beschädigt wurde, steht jetzt die Frage:

Ist durch die wiederhergestellte Beziehung zu Gott für einen Christen das komplette Beziehungsgeflecht wieder intakt? - Haben wir keine Probleme mehr mit uns selbst, mit Mitmensch und Natur?

Und: Was ist mit der Krankheit, die ja auch eine Folge des Sündenfalls ist? Betrifft Krankheit die Menschen noch, die nach Rö 5 mit Gott Frieden haben?

Die Antwort gibt Rö 8,18ff:

Dort zieht Paulus einen Vergleich zwischen "Jetzt" und "Später".

"Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen - nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, auf Hoffnung hin, dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit frei gemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt[13] Nicht allein aber , sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes. Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die gesehen werden kann, ist keine Hoffnung. Denn wer hofft, was er sieht?..."

Dieser beeindruckende Text macht klar:

Die Schöpfung ist nach wie vor unerlöst. Sie seufzt, sie wartet auf Gottes neue Welt.

Der Körper von Christen (die den Geist Gottes haben[14] ist genauso unerlöst. Die Erlösung unseres Körpers ist eindeutig Zukunftsmusik.

Die Erlösung des Körpers geschieht erst mit der Neuschöpfung von Himmel und Erde. Dort heißt es: "Und er (Gott) wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist vergangen. Und der, welcher auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu."Off 21,4f

Ergebnis:

Auch Christen leben auf dieser Welt weiter mit Krankheit, Leid, Anfechtung, mit Umweltverschmutzung, Krieg und Hungersnot.[15] Sie, die das ewige Leben haben, müssen dennoch biologisch sterben. Auch das ist eine Folge der Sünde (Rö 6,23), die durch das Kreuz Jesu noch nicht aufgehoben ist!

Wer meint, dass Krankheit schon jetzt im Leben von Christen keine Rolle mehr spielen dürfe, der nimmt den Zustand der End-Vollendung (Off 21-22) vorweg und betreibt eine antizipatorische[16] Theologie.

Christen leben im Grunde "in zwei Welten". Sie leben zwischen "Schon" und "Noch nicht". Sie haben schon Frieden mit Gott, sie sind versöhnt. Aber ihr Körper gehört zum alten Äon. Sie leben in einem Spannungsfeld ("in der Welt, aber nicht von der Welt" Joh 17). Wer das Spannungsfeld nach der einen oder anderen Seite auflösen will, denkt und handelt entgegen der Schrift.

Was ist mit Krankenheilung?

Nach 1Kor 12,9 gibt es in der Gemeinde Jesu das "Charisma der Heilungen", das aber nicht jedem Gläubigen zur Verfügung steht und nach Jak 5,13ff eindeutig an die Ältesten einer (Orts-)Gemeinde gebunden ist. Der Kranke soll die Ältesten rufen, die ihn mit Öl salben und über ihm beten sollen[17] Entscheidend ist dabei "das Gebet des Glaubens", das den Kranken "rettet"[18] Falls Sünde vorliegt[19] was möglich, aber nicht zwingend ist, wird der Herr vergeben. Das ist die Vorgabe des NT.

Aber einen "Anspruch auf Heilung" haben wir nicht. Wir können Gott nicht "festnageln" und dabei denken: "Gott kann gar nicht anders". Gott ist souverän ("Ich bin, der ich bin." Ex 3,14)[20] und kann immer anders! Wenn Gott heilt, dann ist das Ausdruck seiner souveränen Gnade, seiner Barmherzigkeit. Und Gott - der "El Raphe" - heilt gern. Er tut es auch heute.

Jesus - Gott als Mensch - heilte auch viele. Hauptsinn dieser Heilungen (Lahme, Blinde, Aussätzige...) war es, sich als Messias zu erweisen. Denn z.B. Jes 35,5ff verheißt diese Heilungswunder für die messianische Zeit. Alle Wunder Jesu demonstrieren seine Macht - in jeweils unterschiedlichen Bereichen.

Heilt Gott immer, wenn der Betreffende im Glauben und ohne zu zweifeln darum bittet?

Es gibt biblische Beispiele, die zeigen, dass nicht jeder geheilt wurde:

Paulus, dem "ein Dorn für das Fleisch" gegeben wurde[21] - "ein Engel Satans" -, fleht mehrfach darum, dass diese Last von ihm genommen wird. Die Antwort Gottes ist keine Erhörung in Form eines besseren Wohlbefindens. Die Schwachheit bleibt. Jesus sagt zu ihm: "Meine Gnade genügt dir, denn Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung." (1Kor 12,7ff) Die Schwachheit[22] des Paulus ist also das Geheimnis seines gewaltigen Erfolges. Ein äußerlich schwaches, krankes Leben[23] eine schwaches Auftreten bei Predigten[24] - und doch wirkt Gott in diesem Leben eine gewaltige Power!

Paulus muss seinen Mitarbeiter Trophimus krank in Milet zurücklassen (2Tim 4,20). Er kann ihn offenbar nicht heilen, obwohl er viele andere heilte.

Manche sehen in Ps 103,3 (von David), dass Gott versprochen habe, jede Krankheit (der Gläubigen) zu heilen:"der da heilt alle deine Krankheiten". David hat das offensichtlich erfahren und bezeugt es in diesem Psalm. Doch als allgemein gültiges "Naturgesetz" kann man das nicht verstehen. Dagegen spricht vor allem Davids eigene Biografie. Er selbst, der in diesem Psalm auch sagt: "deine Jugend erneuert sich wie bei einem Adler" (V.5), ist am Ende seines Lebens so krank, dass ihm nicht mehr warm wird und er eine "lebendige Wärmflasche" benötigt (1Kö 1,1-4).

Kommt Krankheit von Satan? Kann sie auch von Gott kommen?

Eine Pauschalantwort kann man hier nicht geben. Die Bibel setzt unterschiedliche Akzente:

Im Fall von Hiob darf Satan mit Erlaubnis Gottes aktiv werden und Hiob schwer erkranken lassen. Allerdings bringt Hiob Interessantes zum Ausdruck: "Das Gute nehmen wir von Gott an, da sollten wir das Böse nicht auch annehmen?"Hi 2,10.

In 1Kor 5,5 (Gemeindeausschluss bei schwerer Unzucht) soll der Betreffende "im Namen unseres Herrn Jesus Christus dem Satan überliefert werden zum Verderben des Fleisches". D.h. sein Körper wird durch Satan angegriffen.

In 2Kor 12 ist ein "Engel Satans" (unter der Erlaubnis/dem Befehl Jesu!) am Werk, um Paulus schwach zu machen.

In 2Sam 12,15 wird über das von David und Batseba gezeugte Kind berichtet: "Und der HERR schlug das Kind, das Urias Frau dem David geboren hatte, und es wurde schwer krank." Hier kommt Krankheit direkt von Gott!

Gerichtstexte des AT bringen vielfach zum Ausdruck, dass Gott Krankheiten hervorruft: z.B. 3Mo 26,25: "dann werde ich die Pest in eure Mitte senden".Ob Gott dafür satanische Mächte "gebraucht", wissen wir nicht.[25] Die Tatsache der Allmacht und Allwirksamkeit Gottes zeigt aber, dass auch für uns schreckliche Dinge nicht nur "über den Schreibtisch Gottes müssen". Er lässt nicht nur zu, er handelt auch. "Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen." (Hebr 10,31). Fakt ist auch: "Wen der Herr liebt, den züchtigt er; er schlägt aber jeden Sohn, den er aufnimmt." (Hebr 12,6) Gottes Ziel mit unserem Leben ist offensichtlich nicht "Wellness"[26] Er will (nach Jak 1,2), dass wir durch Versuchungen (bzw. Prüfungen) zur Bewährung und zum Durchhalten kommen. Er will seine Nachfolger als standhafte Leute sehen.

Auch im NT übt Gott bzw. Jesus Christus Gericht, das sich auch in Form von Krankheit äußern kann. In Off 2,18ff finden wir das Sendschreiben an Thyatira. Dort wird die gefährliche Falschprophetin "Isebel" entlarvt. Das Gericht über sie wird in V.22f angekündigt: "Siehe, ich (Jesus!) werfe sie aufs Bett und die, welche Ehebruch mit ihr treiben, in große Drangsal, wenn sie nicht Buße tun von ihren Werken. Und ihre Kinder werde ich mit dem Pest-Tod töten..." Jesus bewirkt in diesem Fall Krankheit und Tod: Das Bett der Unzucht wird zum Krankenbett. Die Anhänger Isebels sollen getötet werden.

Wie ist Jes 53,4 zu verstehen?

Zweifellos ist Jesaja 53 eine der großen messianischen Prophetien des AT. Hier wird der Messias in aller Klarheit als der leidende Gottesknecht beschrieben. Keine Frage, dass sich jedes Detail im Leben Jesu widerspiegelt. Auch V.4: "Jedoch unsere Leiden[27] - er hat sie getragen, und unsere Schmerzen - er hat sie auf sich geladen."

Hat Jesus uns unsere Krankheiten abgenommen? Brauchen wir Christen also gar nicht mehr krank zu sein? Ist Krankheit damit Ausdruck von Unglaube oder von Schuld?

Im Blick auf Rö 8 ist eindeutig zu sagen: Nein! Unser Körper ist auch nach Kreuz und Auferstehung noch nicht erlöst!

Aber was bedeutet Jes 53,4 dann?

Es geht in Jes 53 um unsere "Vergehen" (V.5), um unsere "Schuld" (V.6), um unsere "Sünde" (V.5.11.12), um die "Gottlosen" (V.9), um die "Verbrecher" (V.12). Der Schwerpunkt des ganzen Kapitels ist die Wiederherstellung des Friedens mit Gott!

V.3 bringt zum Ausdruck, dass "der Knecht" mit Leiden (Krankheiten) vertraut war. Wenn man mit "Krankheiten" übersetzt, stellt sich die Frage: Mit welchen Krankheiten war Jesus denn vertraut? Er hatte doch gar keine Krankheiten! Jedenfalls wird uns davon nichts berichtet. Er hat aber gelitten. Er wurde so brutal gegeißelt, dass er den Querbalken des Kreuzes nicht mehr tragen konnte! In diesem Sinn war er mit Leiden vertraut. Leiden, die ihm Menschen gezielt zufügten.

In diesem Zusammenhang ist auch V.4 zu sehen: Es geht um den großen Tausch. Wir müssten am Kreuz hängen. Uns müsste für unsere Schuld ein so hartes Leiden treffen, wie Jesus es traf.

Fazit: Man kann das hebr. Wort für Leiden "cholí" in Jes 53,4 auch mit "Krankheiten" übersetzen. Aber man findet in der Bibel keine Parallele, die deutlich machen würde, dass Jesus unser Leben bis zum biologischen Tod frei von Krankheit und Leid gemacht habe. Man findet aber vor allem Bibelstellen, die - wie Römer 8 - massiv dagegen sprechen.

Markus Schäller

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Fußnoten

[1] Eugene H. Merrill, Die Geschichte Israels, Hänssler 2001, Hg. Helmuth Pehlke, S.13
[2] a.a.O. S. 15
[3] vgl. 5Mo29,15-27
[4] a.a.O. S.35
[5] 5Mo 6,10f Und es soll geschehen, wenn der HERR, dein Gott, dich in das Land bringt, das er deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hat, dir zu geben: große und gute Städte, die du nicht gebaut hast, und Häuser voll von allem Guten, die du nicht gefüllt hast, und ausgehauene Zisternen, die du nicht ausgehauen hast, Weinberge und Olivenbäume, die du nicht gepflanzt hast, und du dann essen und satt werden wirst...
[6] Jos 10,35 Und sie nahmen es an demselben Tag ein und schlugen es mit der Schärfe des Schwertes. Und an allem Leben, das darin war, vollstreckte er den Bann an demselben Tag, genauso, wie er es mit Lachisch gemacht hatte.
Jos 10,37 Und sie nahmen es ein und schlugen es mit der Schärfe des Schwertes mitsamt seinem König und allen seinen Städten und allem Leben, das darin war: er ließ keinen Entronnenen übrig, genauso, wie er es mit Eglon gemacht hatte: er vollstreckte den Bann an ihm und an allem Leben, das darin war. -
[7] Jos 24,13 Und ich gab euch ein Land, um das du dich nicht gemüht hattest, und Städte, die ihr nicht gebaut hattet und in denen ihr wohnt. Von Weinbergen und Ölbäumen, die ihr nicht gepflanzt habt, esst ihr. -
[8] Von den Hochkulturen dieser Welt waren es vor allem die alten Griechen, die den "perfekten Körper" in den Mittelpunkt rückten (das zeigen viele griech. Skulpturen). Doch offensichtlich zerbrachen sie selbst an ihrem Ideal und kamen schließlich zu einer starken Leibfeindlichkeit (Sokrates, Plato, Diogenes). Unsere Zeit propagiert wieder den perfekten Körper (Werbung...). Vielleicht kann man davon ausgehen, dass auch unsere Gesellschaft wieder eine Welle der Leibfeindlichkeit erlebt? Der Körper ist eben nicht (mehr) perfekt!
[9] Satan und Mensch haben als Geschöpfe Gottes durch ihren freien Willen die Möglichkeit zu sündigen. Durch den freien Willen macht Gott die Sünde möglich, Satan und Mensch machen die Sünde wirklich.. (Freier Wille bedeutet zwangsläufig: das Geschöpf muss sich nicht für den Schöpfer entscheiden, es kann sich auch gegen ihn entscheiden. Gott will die Liebesbeziehung zu seinem Geschöpf Mensch. Doch erzwungene Liebe ist keine Liebe, sondern Vergewaltigung.) vgl. Geissler, L.Norman / Brooks, Ron M., Wenn Skeptiker fragen. CVD: 1996, S.81ff
[10] Ein Virus z.B. ist etwas dämonisches: Im Prinzip nur eine böse Information (DNS oder RNS) mit oder ohne Eiweißhülle. Die böse Information lässt den "Zellcomputer" verrückt spielen, der dann die Anweisung gibt: "Produziere weitere Viren!" Im Schneeballprinzip wird der Körper infiziert.
[11] Übrigens widersteht er immer mit der Berufung auf die Bibel (AT): "Es steht geschrieben!" - Konsequenz: Wer die Bibel nicht kennt, ist verführbar und leidet an geistlichem AIDS!
[12] Jesus hat aber nicht nur Satan besiegt, sondern auch "seine Werke". 1Joh 3,8: "Hierzu ist der Sohn Gottes geoffenbart worden, damit er die Werke des Teufels vernichte." Wenn Krankheit ein "Teufelswerk" ist (was sein kann, aber nicht muss), dann ist Jesus also auch gekommen, um Menschen von Krankheiten zu heilen. Aber im Zusammenhang von 1Joh 3 geht es zunächst nur um Sünde als "Werke des Teufels".
[13] Geburtswehen: Das Kind kommt erst noch auf die Welt. Man(n) ist in freudiger Erwartung.
[14] Nach 1Kor 12,13 ist jeder wiedergeborene Christ mit dem Heiligen Geist getauft.
[15] Die Offenbarung beschreibt, wie diese Dinge gegen Ende der Welt eskalieren.
[16] vorwegnehmend
[17] Das kann Handauflegung meinen, muss es aber nicht. Wenn der Kranke da lag, dann war logisch, dass die Ältesten nur über ihm beten konnten.
[18] Dort steht das griech. Wort sosei (von sozo): "retten". Jesus ist der "Soter" - der Retter.
[19] Dass Krankheit durchaus nichts mit persönlicher Sünde zu tun haben muss, zeigt uns Joh 9 (der Blindgeborene) und Hiob.
[20] Ex 3,14 (hebr. "Ejeh, asher ehjeh") ist präziser übersetzt mit "Ich werde mich erweisen als der ich mich erweisen werde." Gottes Name, der (wie immer im Alten Testament) sein Wesen kennzeichnet, macht klar: Gott ist souverän! Er erweist sich, wie er sich erweisen möchte!
[21] Die Formulierung "wurde ... gegeben" ist ein typisches "Passivum divinum" (göttliches Passiv), das sehr oft in der Bibel vorkommt. Der Name Gottes wird nicht erwähnt (tlw. aus heiliger Scheu), aber dennoch ist Gott gemeint. (z.B. Mt 13,11f u.v.a.m., viele Stellen in der Offenbarung)
[22] Das griech. Wort für "Schwachheit" - astheneia - kann auch mit "Krankheit" übersetzt werden.
[23] Paulus war krank: Gal 4,15! Seine Schwäche beschreibt er im Gegensatz zur vermeintlichen Stärke seiner Gegner in Korinth in 1Kor 4,8-15. Er findet dort Leute vor, die meinen, schon in der End-Vollendung zu leben. Er bezeichnet sie als "Superapostel" (2Kor 11,5), die auch Jesus verkündigen, aber einen anderen Jesus - einen anderen Geist, ein anderes Evangelium (V.4)
[24] 2Kor 10,10
[25] Zu bedenken ist hier aber auch die schwierige Bibelstelle 1Sam 16,14, wo es über Saul heißt: "Ein böser Geist vom HERRN ängstigte ihn."
[26] Ein "Prosperity Gospel" (Health & Wells) ist vor allem den Paulusbriefen diametral entgegengesetzt! In 2Kor 4,7ff wird uns erklärt, wie das Kreuz Jesu auch das Leben der Christen prägen soll: "allezeit das Sterben Jesu am Leib umhertragend" (V.10; vgl. Mt 16,24). Wer das Kreuz Jesu aus seinem Leben ausklammern will und ein Wohlstandsevangelium verkündigt, hat die Korintherbriefe nicht verstanden. Er will die Herrlichkeit vorwegnehmen, die nach Gottes Plan noch aussteht!
[27] oder Krankheiten