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56Ein Exponat auf der Wanderausstellung "Mathematik zum Anfassen" hat mich besonders begeistert: Es handelt sich um zwei Bahnen unterschiedlicher Formen, auf denen man gleichzeitig in gleicher Höhe je einen Golfball startet und nach unten rollen lässt.
Die eine Bahn stell einfach die gerade Verbindung zwischen Anfangs- und Endpunkt dar. Die andere hat etwa die Form eines nach oben offenen Kreisbogens. Obwohl die Gerade die kürzeste Verbindung darstellt, langt doch jedes Mal der Ball auf der Kreisbahn zuerst an! Der Grund für diese unerwartete Ergebnis liegt in der starken Anfangsbeschleunigung auf der gebogenen Bahn.
Was uns mitunter als kürzester Weg die Garantie für das rasche Erreichen des Zieles zu bieten scheint, stellt sich als mitunter als gewaltige Verzögerung beispielsweise von 40 Jahren heraus.
So war es bei Mose, der seinem Volk möglichst rasch Gerechtigkeit widerfahren lassen wollte. Er rächt den Tod eines Israeliten und erschlägt einen Ägypter. Das beschleunigt aber die Befreiung Israels aus der Knechtschaft nicht. Mose verliert seine einflussreiche Position bei Hofe und kann überhaupt nichts mehr tun. Er muss sehen, dass er sein eigenes Leben rettet vor der Strafe.
40 Jahre lang hütet er Schafe, bevor Gott ihm den Auftrag und die Vollmacht gibt, das Volk aus der Knechtschaft Ägyptens herauszuführen.
Es ist besser, auf Gottes guten Bahnen zu bleiben, als auf falsche Abkürzungen zu setzen. Mag es uns auch manchmal unglaublich erscheinen, dennoch sind Seine Gottes Wege die besten und führen zudem am schnellsten ans Ziel.
Die Ansichten über das Predigen gehen in drei Richtungen auseinander: thematische, von einem Text ausgehende und Vers-für-Vers-auslegende. Thematische Botschaften verknüpfen üblicherweise eine Reihe von Versen, die lose durch ein Thema verbunden sind. Bei Predigten, die von einem Text ausgehen, dient dieser gewöhnlich als Hinleitung zu irgendeinem Thema, das der Prediger ansprechen will. Weder die thematische noch die von einem Text ausgehende Methode stellt ein ernsthaftes Bemühen dar, die Wahrheit Gottes zu interpretieren, zu verstehen, zu erklären oder im Zusammenhang der Schrift anzuwenden.
Im Gegensatz dazu hat die Auslegungspredigt in erster Linie den Text unter Beachtung seines Zusammenhangs im Blick.[1] Die Ausführungen konzentrieren sich normalerweise auf einen speziellen Text, aber manchmal ist es möglich, dass eine thematische/theologische Botschaft oder ein historischer/biografischer Exkurs von Natur aus auslegungsorientiert ist. Eine Auslegung kann jede Passage behandeln, ganz gleich wie lang sie ist.
Ein Weg um herauszufinden, was Auslegungspredigt ist, besteht darin festzulegen, was sie nicht ist.[2]
Bevor Sie fortfahren, überdenken Sie bitte die Wortgruppe "auslegen, Auslegung, Ausleger, auslegend". Nach Webster ist eine Auslegung ein Reden, um Information weiterzugeben oder zu erklären, was schwer zu verstehen ist.[3] Diese Vorstellung auf die Predigt anzuwenden verlangt, dass ein Ausleger jemand ist, der die Schriften erklärt indem er den Text der Öffentlichkeit zugänglich macht, um seine Aussage darzulegen, zu erklären was schwer zu verstehen ist und entsprechende Anwendungen zu machen.
Johannes Calvins jahrhundertealtes Verständnis von Auslegung ist sehr ähnlich:Calvin verstand die Predigt vor allem als Erklärung der Schrift. Die Worte der Schrift sind Ursprung und Inhalt der Predigt. Als Ausleger setzte Calvin bei der Predigt das ganze Geschick eines humanistischen Gelehrten ein. Als Erklärer legte Calvin den Text aus, indem er seine natürliche, wahrhaftige und schriftgemäße Bedeutung suchte. ... Predigen bedeutet nicht nur die Schrift auslegen sondern auch die Schrift anzuwenden. Genau wie Calvin die Schrift Wort für Wort auslegte, so wendete er die Schrift Satz für Satz auf das Leben und die Erfahrungen seiner Gemeinde an.[4]
Auslegung wird nicht so sehr durch die Form der Botschaft definiert als durch die Quelle und den Prozess, der die Botschaft geformt hat. Unger stellt das scharf heraus:
Ganz gleich wie lang der erklärte Abschnitt ist, wenn er so behandelt wird, dass seine wirkliche und eigentliche Aussage, wie sie der einzelne biblische Schreiber im Sinn hatte und wie sie im Licht des Gesamtzusammenhangs der Schrift erscheint, klargemacht wird und angewendet wird auf die aktuellen Bedürfnisse des Hörers, dann kann man wirklich von eine Auslegungspredigt sprechen ... Das ist in Wirklichkeit nicht predigen über die Bibel, sondern die Bibel predigen. "Was sagt der Herr" ist das Alpha und das Omega der Auslegungspredigt. Sie beginnt in der Bibel und endet in der Bibel und alle Zwischenschritte entspringen der Bibel. Mit anderen Worten, auslegungsorientiert predigen heißt bibelzentriert predigen. [5]
Zwei andere Definitionen von Auslegung helfen uns zu klären, was Auslegungspredigt ist:
Im positiven Sinne ist die Auslegungspredigt "die Darstellung biblischer Wahrheit, abgeleitet von und übermittelt durch ein historisches, grammatisches, geistgeleitetes Studium eines Textabschnitts in seinem Zusammenhang, den der Heilige Geist zuerst auf das Leben des Predigers und dann durch ihn auf seine Gemeinde anwendet." [6]
In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts war ML-J [D. Martyn Lloyd-Jones] in England praktisch der Einzige, der sich für das einsetzte, was er unter ‚auslegungsorientiert predigen' verstand. Um diesem Ziel gerecht zu werden war es seiner Meinung nach nicht genug, dass der Inhalt biblisch war; Ansprachen, die sich auf Wortstudien konzentrieren oder laufende Kommentare oder Analysen ganzer Kapitel wiedergeben, mögen ‚biblisch' genannt werden, aber das ist nicht das Gleiche wie Auslegung. Zu erklären bedeutet nicht einfach den korrekten grammatischen Sinn eines Verses oder Abschnitts wiederzugeben, es bedeutet vielmehr Prinzipien und Lehren aufzustellen, die durch die Worte übermittelt werden sollen. Deshalb ist die wirkliche Auslegungspredigt eine belehrende Predigt, es ist eine Predigt, welche die speziellen Wahrheiten Gottes an den Menschen weitergibt. Der Auslegungsprediger ist nicht jemand, der ‚seine Studien mit Anderen teilt', er ist ein Botschafter und Bote, der das Wort Gottes mit Vollmacht zu den Menschen bringt. So eine Predigt präsentiert einen Text und dann, ohne den Text aus den Augen zu verlieren, werden Rückschlüsse gezogen und abgewogen und gegenübergestellt; das Ganze wird zu einer Botschaft, welche die Autorität der Schrift selbst hat. Bei dieser Vorstellung erfordert die treue Ausübung des Amtes eines Lehrers jemanden, der mit Paulus sagen kann: ‚Denn wir treiben keinen Handel mit dem Wort Gottes wie die meisten, sondern wie aus Lauterkeit, sondern wie aus Gott reden wir vor Gott in Christus' (2Kor 2,17). Wenn das eine überwältigend hohe Meinung von Predigt zur Folge hat, dann ist es genau das, was Dr. Lloyd-Jones für das Amt eines Dieners für nötig hielt. [7]
Zusammengefasst machen die folgenden Minimalelemente eine Auslegungspredigt aus:
Der Geist der Auslegungspredigt wird exemplarisch dargestellt in zwei Bibeltexten:
"Und sie lasen aus dem Buch, aus dem Gesetz Gottes, abschnittsweise vor, und gaben den Sinn an, so dass man das Vorgelesene verstehen konnte" (Neh 8,8).
"Deshalb bezeuge ich euch am heutigen Tag, dass ich rein bin vom Blut aller; denn ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen" (Apg 20,26-27).
Ein besonderes Beispiel ist die Erklärung Jesu von Jes 61,1-2 in der Synagoge (Luk 4,16-22). Später gab er den Jüngern eine thematische Auslegung über sich selbst auf der Straße nach Emmaus (Lukas 24, die Verse 27, 32, 44-47). In Apg 8,27-35 erklärte Philippus dem Kämmerer aus Äthiopien Jes 53,7-8. Bevor sie ihn steinigten, hielt Stephanus den Juden eine historisch/biographische Predigt (Apg 7,2-53).
Greer Boyce fasste die Definition von auslegender Predigt sehr passend zusammen:
Kurz gesagt verlangt die Auslegungspredigt, dass die ganze Kraft moderner Auslegung und theologischer Gelehrsamkeit auf unseren Umgang mit der Bibel angewandt wird, indem der Text in seinem unmittelbaren Zusammenhang und dem Aufbau des Buches, zu dem er gehört vorsichtig untersucht wird. Das Ziel ist nicht, dass der Prediger all diese Gelehrsamkeit auf der Kanzel darstellt. Vielmehr geht es darum, dass der Prediger mit Vollmacht auf der Basis einer gründlichen Kenntnis des Textes spricht und die Stufen der Kanzel erklimmt als "ein Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, der das Wort der Wahrheit in gerader Richtung schneidet".
Der letzte Schritt des Predigers ist der kritischste und gefährlichste. Es geht darum, die biblische Botschaft sowohl zuverlässig als auch lebendig in bezug zum modernen Leben zu setzen. An dieser Stelle muss sein ganzes Können als Handwerker ins Spiel kommen. Wir müssen davor gewarnt werden, dass eine gewissenhafte Auslegung des Textes nicht von selbst eine wirksame Predigt bewirkt. Im Gegensatz dazu müssen wir ebenso gewarnt werden, dass die Treue zum Text nicht für das geopfert werden darf, was wir für wichtig halten. Dieses Opfer scheinen viele moderne Prediger bringen zu wollen und das Ergebnis sind Predigten, die eine Mischung aus moralischen Vorschriften sind, ihren eigenen unwichtigen und manchmal auch unrichtigen Meinungen und der neuesten Erkenntnisse der Psychologie. Dadurch, dass sie darauf besteht, dass die Botschaft der Predigt mit der Aussage des Textes übereinstimmt, führt die auslegende Predigt den Prediger zu seiner eigentlichen Aufgabe zurück: das Wort Gottes in der Bibel und durch die Bibel bekannt zu machen.[9]
Die biblischen Grundlagen und die Definition von Auslegungspredigt zu diskutieren ist relativ einfach, aber wesentlich. Die eigentliche Herausforderung kommt dann, wenn es vom Übungsraum zum wöchentlichen Vortrag geht. Solange der Prediger den Auslegungsprozess nicht klar versteht, wird er niemals seine Möglichkeiten in der Auslegungspredigt ausschöpfen.
Als Rahmen für diese Diskussion schlagen wir vor, dass der Prozess der Auslegung vier Standardelemente einschließt: den Ausleger vorbereiten, den (die) Text(e) durcharbeiten und auf Prinzipien untersuchen, die Botschaft der Auslegung zusammenstellen und die Auslegung predigen. Wenn die Auslegung sowohl aus der Sicht Gottes als auch der Gemeinde ihre volle Wirkung entfalten soll, dann muss man die vier Phasen gleich wichtig nehmen.
Da Gott die Quelle der Auslegungsbotschaft sein soll, sollte jemand, der solch eine Botschaft überbringt sich einer innigen Gemeinschaft mit Gott erfreuen. Das ist der einzige Weg, auf dem die Botschaft mit größtmöglicher Richtigkeit, Klarheit und Hingabe dargeboten werden kann.
Die Vorbereitung in wenigstens sieben Bereichen qualifizieren einen Mann, am Rednerpult zu stehen und zu erklären: "So spricht der Herr!":
Ein Mann, der im Einklang mit Gottes Geist und Wort steht, ist bereit einen Prozess zu beginnen, um nicht nur das zu entdecken, was Gott ursprünglich gemeint hat mit dem, was er sagte, sondern er ist auch willig, sich aktuelle Prinzipien und Anwendungen anzueignen. [15]
Den biblischen Text entwickeln [16] - Ohne den biblischen Text zuerst fleißig und gründlich durchgearbeitet zu haben kann kein Mensch hoffen, wirksam zu predigen. Das ist der einzige Weg für den Ausleger, Gottes Botschaft zu bekommen. Zwei Prediger aus unterschiedlichen Zeitaltern kommentieren diese grundlegende Aussage:
"Ein Mann kann nicht hoffen, das Wort Gottes rein zu predigen, bevor er den Text einer sorgfältigen, erschöpfenden Exegese unterzogen hat. Hier liegt das Problem, weil eine kompetente Auslegung Zeit, geistige Arbeit, "blood, sweat and tears" (Blut, Schweiß und Tränen) erfordert, all das gesättigt mit einer enormen Dosis Gebet." [17]
"Wenn du nicht studierst, wird deine Unkenntnis als Ausleger schon bald erkennbar werden; deshalb bist du gezwungen, gründlich zu lesen. Alles was den Prediger zwingt, in dem großen alten Buch zu suchen, ist ihm eine immense Hilfe. Wenn jemand befürchtet, die Arbeit könnte seine Verfassung beeinträchtigen dann erinnere ihn daran, dass geistige Arbeit bis zu einem bestimmten Punkt sehr erfrischend ist und wo die Bibel das Thema ist, ist die Mühe Vergnügen. Nur wenn die geistige Arbeit die Grenzen des gesunden Menschenverstandes überschreitet, wird der Geist geschwächt; aber dazu kommt es normalerweise nicht außer bei unverständigen Menschen oder Menschen, die sich mit unerfreulichen oder unangenehmen Themen befassen; aber unser Thema ist erfrischend, und für junge Männer wie uns ist der kräftige Gebrauch unserer Fähigkeiten eine äußerst gesunde Übung." [18]
Prinzipien aus dem biblischen Text herausarbeiten - Predigen hört nicht auf bei dem Verstehen von fremden Sprachen, fremder Geschichte, Kultur und Sitten. Wenn die Jahrhunderte nicht durch zeitgenössische Bedeutung in der Botschaft überbrückt werden können, dann wird die Erfahrung der Predigt sich nur wenig von einer Begegnung in der Schule unterscheiden. Man muss den Text erst auf seine ursprüngliche Aussage untersuchen und dann die Prinzipien für eine aktuelle Anwendung heraus arbeiten. [19] Wenn dieses Ziel versäumt oder vernachlässigt wird, erreichen die Studien ihr Ziel nicht.
Als dritten Schritt hat der Ausleger seine tiefgehenden Studien beendet und fragt sich selbst: "Wie kann ich meine Erkenntnisse so zusammenfassen, dass meine Herde die Bibel und ihre Anforderungen an ihr heutiges Leben versteht?" Hier beginnt gewissermaßen die hohe Kunst der Auslegung. [20]
Nolan Howington benutzt eine bildliche Darstellung, um Erklärung und Auslegung in Beziehung zu setzen: "Der erklärende Exeget ist wie der Taucher, der die Perlen vom Boden des Ozeans heraufholt; der Ausleger ist wie der Juwelier, der sie kunstvoll anordnet und sie in einer geeigneten Art zueinander anordnet." [21]
An diesem Punkt kommen Titel, Umriss, Einführungen, Veranschaulichungen und Abschlüsse ins Spiel. Die Botschaft entwickelt sich aus dem Rohmaterial, das die Exegese ausgegraben hat, zu einem fertigen Produkt der Auslegung, das der Hörer hoffentlich interessant, einleuchtend und zwingend findet. Der Schlüssel zu diesem Schritt ist sich zu erinnern, was die Auslegung kennzeichnet: den Text erklären, besonders die Teile, die schwer zu verstehen oder anzuwenden sind. An die Zuhörer zu denken ist genauso wichtig wie an den Text.
Im Blick auf die Zuhörer und den Predigtstil der Botschaft gibt F. B. Meyer folgenden Rat:
Bei jeder erfolgreichen Predigt gibt es fünf Dinge zu bedenken. Es sollte ein Bezug hergestellt werden zu dem Anlass, zu dem Gewissen, zu der Fantasie, zu den Gefühlen und zu dem Willen; und für all das gibt es keine besser geeignete Methode als die systematische Auslegung. [22]
Die letzte Entscheidung des Auslegers bezieht sich auf seine Methode zu predigen, entweder frei aus dem Gedächtnis oder nach Notizen. Dieser Schritt wird vielleicht am meisten bei der Vorbereitung von denen vernachlässigt, die sich der wirklichen Auslegung verschrieben haben. Zu oft gehen Ausleger davon aus, dass vernünftige Arbeit beim Studium sicherstellt, dass auf der Kanzel alles klappt. Es stimmt, dass es keinen Ersatz für harte Arbeit beim Studieren gibt, aber gleichzeitig wird harte Arbeit auf der Kanzel sowohl den Prediger als auch die Herde in viel größerem Maße befriedigen. James Stalker richtet die Aufmerksamkeit besonders auf diesen Punkt:
Pastoren bekommen nicht genug Ergebnisse in Form von Aufmerksamkeit, Befriedigung und Freude ihrer Hörer für die Arbeit, die sie tun; und der Fehler liegt in dem Vehikel Kommunikation, das das Herausgefundene zu der Zuhörerschaft übertragen muss - um es so zu sagen, in der Art der Präsentation der Predigt. Wofür ich plädiere ist, dass die Arbeit, die in uns hineingesteckt wird, bessere Ergebnisse bringen müsste. [23]
In dem Punkt der Darstellung ist es wesentlich für den Ausleger, sein Ziel klar darzulegen. Andernfalls kann die gepredigte Botschaft weit von dem Studium und der Botschaft der Schrift abschweifen. J. I. Packer zeigt diesen Punkt auf, indem er zwischen dem was Predigen nicht ist und dem was es ist unterscheidet:
Das Ziel der Predigt ist nicht Leute an ihrem Verstand vorbei zu etwas zu bewegen, so dass sie nicht erkennen welchen Grund ihnen Gott gibt das zu tun, was der Prediger von ihnen erwartet (das ist Manipulation); das Ziel ist auch nicht, den Verstand der Leute mit Wahrheiten voll zu stopfen, ganz gleich wie lebendig und klar, die dann brach liegen und nicht die Grundlage und Quelle für veränderte Leben werden (das ist Akademismus). ... Das Ziel der Predigt ist zu informieren, zu überzeugen, und eine entsprechende Antwort an den Gott hervorzurufen, dessen Botschaft und Anweisung gebracht werden. [24]
Auch die Sprache ist wichtig, in der die Botschaft dargebracht wird. Sie sollte klar, verständlich, bildhaft und, vor allem, biblisch sein. Die folgende starke Warnung von vor über 20 Jahren gilt immer noch:
Ich dränge auf die Nähe zu biblischen Ausdrucksweisen. Manche moderne Predigt hat eine Wendung zum Psychologischen und Soziologischen genommen. Sie ist geheimnisvoll und mystisch. Sie hebt psychiatrische Ideen hervor und benutzt eher Redewendungen der Psychiater als die eines christlichen Evangelisten. Sie spricht von Unterdrückung, Befestigung, Traumata, Neurosen und Syndromen und einer Welt ohne Ende. Ich behaupte das sind überwiegend nicht Ausdrücke, die der Heilige Geist effektiv nutzen kann. [25]
Ein anderer wichtiger Punkt ist die Dynamik der Sprache, d.h. das Verhältnis zur Zuhörerschaft und die Effektivität der Ausdrucksweise. Vines und Allen unterstreichen drei grundlegende Prinzipien für den Ausleger auf:
Kurz gesagt, effektive Kommunikation von der Kanzel aus muss um den rhetorischen Dreiklang des Aristoteles von logos, ethos und pathos wissen. Das bezieht eine gründliche Kenntnis des zugrundeliegenden Themas ein und hier ist der Punkt wo es keinen Ersatz für eine gründliche Exegese gibt. Sie bezieht eine gründliche Kenntnis der Beziehung Redner - Zuhörer in der Weise ein, dass der Prediger in Echtheit spricht und der Zuhörer um seine Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit weiß. Endlich bezieht sie auch die Kenntnis der Leute ein und wie sie auf das gesprochene Wort reagieren. [26]
Vor allem aber muss der Ausleger das Wort auslegen wie Paulus es in Korinth getan hat (1Kor 2,1-5). [27]Er kam nicht als cleverer Redner oder schulmeisterliches Genie; er kam nicht mit seiner eigenen Botschaft; er predigte nicht im Vertrauen auf seine eigene Kraft. Im Gegenteil Paulus predigte das Zeugnis von Gott und den Tod Christi, und das in fest gegründetem Vertrauen auf die Kraft Gottes, durch die Botschaft Leben zu verändern. Nur wenn diese Art der unbegrenzten Abhängigkeit von Gott die Predigt des modernen Auslegers kennzeichnet wird seine Auslegung nicht die göttliche Dimension vermissen lassen, die nur Gott geben kann.
Zusammengefasst, von den vier Schritten der vollständigen Erfahrung der Auslegung den Ausleger vorbereiten, den biblischen Text entwickeln und Prinzipien herausarbeiten, die auslegende Botschaft zusammenfassen und die Auslegung predigen kann keine Phase ausgelassen werden, ohne die Wahrheit und Nützlichkeit von Gottes Wort ernsthaft zu gefährden, das durch den Ausleger übermittelt wird.
Auslegendes Predigen amt die biblische Predigt sowohl vom Inhalt als auch vom Stil her am Besten nach. Das ist die Hauptsache. Daneben gibt es weitere Vorteile, die hier lose aufgelistet sind:
Da das 20. Jahrhundert zuende geht und ein neues Jahrtausend heraufdämmert müssen wir die Wissenschaft und die Kunst der Auslegungspredigt für die kommende Generation optimieren. Niemand sagt, dass es einfach ist. Es ist genau das Gegenteil. Keine andere Art zu predigen erfordert soviel Arbeit. Andererseits belohnt keine Art zu predigen so reichlich.
Wenn die gemachten Anregungen gut begründet sein sollen, dann ist die Auslegungspredigt ganz offensichtlich ein schwieriges Unterfangen. Sie erfordert sehr ausführliches Studium der Schrift im Allgemeinen und sehr viel spezielles Studium des behandelten Abschnitts. Eine Rede zu halten die erklärend und gleichzeitig rhetorisch ist, die reich ist an Details aber nicht damit überladen, voll von der Schrift und reich an praktischen Anwendungen, die sogar dumme, uninformierte und ungeistliche Geister in einen interessierten und erfolgversprechenden Kontakt mit einem ausgedehnten Teil der Bibel bringt - das muss wirklich schwierig sein. [29]
Während es unter den heutigen Predigern einen wachsenden Trend zu Konsumentenbefriedigung und Aktualität gibt, müssen wir uns darauf zurückbesinnen, dass biblische Predigt zuerst auf göttliche Befriedigung und auf das Reich Gottes bezogen sein muss. Denke gründlich über Mark Steege's eindringlichen Aufruf zu auslegender Predigt und seine Bemerkung über die biblische Autorität nach:
Durch unsere Predigt sucht der Herr das Leben der Menschen zu ändern. Wir müssen Evangelisten sein, um die Menschen zu ihrer hohen Berufung in Christus aufzuwecken. Wir müssen Herolde sein, um die Botschaften Gottes an die Menschheit auszurufen. Wir müssen Botschafter sein, um die Menschen zur Versöhnung mit Gott aufzurufen. Wir müssen Hirten sein, um die Menschen Tag für Tag zu nähren und zu umsorgen. Wir müssen Kellner der Geheimnisse Gottes sein, um den Menschen das passende Wort für ihre jeweiligen Bedürfnisse zu bringen. Wir müssen Zeugen sein, um den Menschen alles zu sagen, was Gott für sie getan hat. Wir müssen Aufseher sein, um die Menschen anzuhalten ihr Leben für Gott zu leben. Wir müssen Diener sein, um Menschen darauf vorzubereiten mit uns zusammen anderen zu dienen. Wenn wir uns auf diese Bereiche unserer Arbeit besinnen, welche Bedeutung gibt jeder einzelne der Wichtigkeit der Predigt! Was für eine Aufgabe hat Gott uns gegeben! [30]
Obwohl R. L. Dabney dies vor mehr als hundert Jahren schrieb, schließen wir uns ihm an, wenn er drängt dass die auslegende Methode ... wieder auf den gleichen Platz gestellt werden muss, den sie in den einfachen und den Reformierten Kirchen hatte; deswegen weil als Erstes dieses offensichtlich der einzig natürliche und effiziente Weg ist, das zu tun, was das grundsätzlich zu erreichende Ziel der Predigt ist, die ganze Botschaft Gottes an die Menschen zu übermitteln. [31]
Wir danken der KfG für die freundliche Genehmigung zum Nachdruck, die es in Heft 3/2001 veröffentlichte.
ANSCHRIFTEN DER AUTOREN:
Christoph Renschler, Lisztstr. 71, 72336 Balingen
Konferenz für Gemeindegründung e.V. (KfG), Am Wasser 8, 36169 Rasdorf
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