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53Wort zum Nachdenken Christoph Renschler
Dostojewski - Prophet des 20. Jahrhunderts Jürgen Spieß
Kinder: Fernsehen und Angst
Psychologie pro Glauben?! Richard Bergmann
"Machen Sie den Elchtest …!" So ist ein Werbebrief überschrieben, den ich vor einiger Zeit von einem Versandhaus erhalten habe. Neben einem Angebot für Pullover enthielt die Sendung auch ein Preisausschreiben, bei der die richtige Antwort aus drei vorgegebenen Vorschlägen auszuwählen war. Um die Aufgabe nur ja nicht zu schwer zu machen, war die Lösung auch gleich mit dabei. Allerdings als blaues und grünes Punktmuster, das von einer Vielzahl roter und gelber Punkte, die mit der Antwort nichts zu tun hatten, überlagert war. Eine rote Folie, mit "Ich bin ihr Test-Elch" überschrieben, war ebenfalls in dem Schreiben enthalten. Wenn man durch sie hindurch auf das Muster schaut, das die Antwort enthält, dann werden die störenden Punkte weitgehend ausgelöscht, das Lösungswort aber wird durch die Folie nicht beeinträchtigt und tritt dadurch um so klarer hervor.
Auch in unserem Leben ist es häufig der Fall, dass das wirklich Wichtige von gänzlich unwichtigen oder zumindest weniger wichtigen Dingen so überlagert wird, dass wir Mühe haben, das eine von dem anderen zu unterscheiden. Dabei muss es sich bei den unwichtigen Sachen gar nicht einmal um grundsätzlich verkehrte oder schädliche Dinge handeln, nein, es genügt schon, dass sie - wie die roten und gelben Punkte - uns von dem Wesentlichen abhalten. Alleine schon deshalb müssen sie ignoriert oder vielleicht sogar ganz aus unserem Leben verbannt werden.
Gott hat uns keine rote Folie gegeben, mit der wir sozusagen wie von selbst und immer zweifelsfrei die "roten und gelben Punkte" aus unserem Leben so herausfiltern können, so dass unser Blick ganz automatisch nur noch auf die allein wichtigen "blauen und grünen Punkte" unseres Lebens fällt.
Aber er hat uns in seinem Wort eine ganze Reihe von Prinzipien mitgeteilt, die uns beim Ausschalten der unwichtigen Dinge unseres Lebens eine entscheidende Hilfe sein können. Unsere Aufgabe ist es, diese Prinzipien aus dem Wort Gottes herauszuarbeiten und dann auf die entsprechende Situation anzuwenden. Das ist auf jeden Fall schwieriger und mühsamer als einfach nur durch eine rote Folie hindurchzuschauen. Aber die Mühe lohnt sich, weil wir dadurch Gott besser kennen lernen und neue geistliche Erkenntnisse gewinnen!
Es folgen nun einige Beispiele solcher biblischer Prinzipien, die uns ermutigen sollen, noch weitere solcher biblischen Filter aufzuspüren:
Ich wünsche uns gute "Durchblicke" und aus den Einsichten die rechten Prägungen, so dass wir die richtigen Prioritäten setzen lernen und uns nicht "das Ziel verrücken" lassen (Kol 2,18).
Der französische Philosoph Albert Camus schrieb im Jahr 1959: "Lange Zeit hat man Marx für den Propheten des 20. Jahrhunderts gehalten. Heute weiß man, dass das, was er prophezeite, auf sich warten ließ, und wir erkennen, dass Dostojewskij der wahre Prophet war. Er hat die Herrschaft der Großinquisitoren und den Triumph der Macht über die Gerechtigkeit vorausgesehen. Ich war 20 Jahre alt, als ich dem Werk Dostojewskijs begegnete, und die Erschütterung, die mich damals ergriff, hält heute, nach mehr als weiteren 20 Jahren, noch an. Ich habe Dostojewskij zuerst lieben gelernt, weil er mir die Geheimnisse des menschlichen Wesens enthüllte, aber sehr schnell, in dem Maße wie ich das Drama meiner Zeit immer grausamer erlebte, habe ich in Dostojewskij den Menschen lieben gelernt, der am tiefsten unser geschichtliches Schicksal erlebt und ausgedrückt hat. Für mich ist in erster Linie Dostojewskij der Schriftsteller, der lange vor Nietzsche den zeitgenössischen Nihilismus erkannte, definierte und seine ungeheuerlichen oder wahnwitzigen Folgen voraussah, und der versuchte, die Botschaft des Heils zu bestimmen. Der Mann, der geschrieben hatte: die Fragen nach Gott und nach der Unsterblichkeit sind dieselben wie die Fragen des Sozialismus, nur aus einem anderen Blickwinkel gesehen, der wusste, dass von diesem Augenblick an unsere Zivilisation dieses Heil für alle oder für niemanden fordern würde. Aber er wusste auch, dass dieses Heil nicht allen zuteil werden konnte, wenn man darüber die Leiden auch nur eines einzigen vergaß."
Vielen geht es wie Camus: sie sind betroffen, wenn sie sich in Dostojewskijs Werken wiedererkennen - in ihrer Zerrissenheit, in ihrer Sehnsucht nach Freiheit, in ihrer Erschütterung über Leid und Erniedrigung anderer. Und weiter ist der Leser verblüfft darüber, wie ein Mensch im letzten Jahrhundert vorhersehen konnte, wie sich dieses Jahrhundert entwickeln würde. Dostojewskij hat prophetisch von der "Heraufkunft des Nihilismus" gesprochen, und er hat versucht, darauf eine Antwort zu finden: wie in einer nihilistischen Zeit der Mensch heil werden kann.
Es gibt kaum einen anderen Schriftsteller, der die Denker des 20. Jahrhunderts - Literatur, Philosophie, Theologie - so stark beeinflusst hat wie Dostojewskij. Vor einigen Jahren sagte Solschenizyn in einer Rede zu einer Preisverleihung, dass es im 19. Jahrhundert wohl niemanden gegeben habe, der die totalitären Staaten dieses Jahrhunderts so deutlich vorhergesehen hat wie Dostojewskij.
Aus Dostojewskijs Werken wissen wir, dass sein Denken stark vom Neuen Testament geprägt war. Dessen Lektüre hat ihn sein ganzes Leben begleitet.
Auf dem Weg in die Katorga bekam Dostojewskij 1850 in Omsk ein Neues Testament geschenkt. In der Haft war es das einzige Buch, das zur Lektüre freigegeben war. Von diesem Exemplar hat sich Dostojewskij bis zu seinem Tod nicht getrennt. Hier fand er Antworten auf die Fragen, die ihn sein Leben lang begleiteten: Wie denn der Mensch in dieser Welt leben kann? und: Ob es Heil gibt angesichts aller Zerrissenheit?
Auch finden sich zentrale Themen des NTs in Dostojewskijs Werken. Vier solcher Themen möchte ich nennen und kommentieren.
Einer der Ausleger Dostojewskijs, Michail Bachtin, charakterisierte sein Werk als "vielstimmig", d.h. dass auch nicht- oder antichristliche Positionen formuliert werden, und zwar nicht als Karikaturen. Gerade das hat Denker wie Camus oder Nietzsche angezogen: Sie wussten sich ernstgenommen und verstanden.
Dostojewskij selbst hat in seinem Leben Zweifel erlebt: intellektuellen Zweifel, vor allem aber existentiellen Zweifel. Das Erleben der inszenierten Hinrichtung in St. Petersburg, die Haftjahre in Sibirien, eine schwere Erkrankung (Epilepsie) und nicht zuletzt der frühe Tod seiner ersten Frau und zweier seiner Kinder haben ihn stark geprägt. Diese Leiderfahrungen musste und wollte er zusammendenken mit seinen Vorstellungen von Gott, von Jesus Christus, von der Auferstehung.
Die Frage des Atheismus ist für ihn allerdings weniger eine Frage des Zweifels als vielmehr der Gleichgültigkeit. In "Die Dämonen" beispielsweise wird zweimal ein Wort aus der Offenbarung zitiert: "Dass du heiß oder kalt wärest, du bist aber lau." Diese Lauheit, Gleichgültigkeit, ist das eigentliche Problem des Menschen. Zentral für Dostojewskijs Haltung an diesem Punkt sind Nathanael und Thomas, die beiden Zweifler aus dem Johannesevangelium. Christus tadelt ihren Zweifel in keiner Weise. Auf Nathanaels skeptische Frage "Was kann aus Nazareth Gutes kommen?" antwortet ihm Jesus: "Du bist ein wahrer Israelit ohne Falsch!" Weder Nathanael noch Thomas sind gleichgültig. Als sie die Wahrheit über Jesus erkennen, lassen sie sich überzeugen.
Wie kann ein gespaltener Mensch heil werden? Das ist die grundlegende Frage Dostojewskijs, die sich nicht nur im "Doppelgänger" stellt. Raskol - Raskolnikow - heißt eigentlich: der Abgespaltene, abgespalten von seiner Familie, seinem Volk und auch von seiner Kirche. Wenn Dostojewskij von der Heilung eines gespaltenen Menschen berichtet, dann gehen diesem Heilungsprozess immer Reue und Buße voraus.
Die wesentliche Botschaft des Starez Sosima in "Die Brüder Karamasow" ist: Der Mensch darf niemals die Fähigkeit zur Reue verlieren. Ein Mensch, der seine Lebenslüge nicht ablegen will, dem kann nicht mehr geholfen werden. Er kann nicht mehr zu Gott, der die Menschen liebt, umkehren.
Interessant bei der Darstellung der Personen Dostojewskijs ist, dass die Umkehr in Reue von jedem Punkt des Lebens aus möglich ist, egal, wie verfahren die Situation, wie groß die Schuld auch ist. Manche der Familiengeschichten in Dostojewskijs Romanen sind ja außerordentlich verkorkst. Die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander sind z.T. kaum noch Beziehung zu nennen. Die Hauptpersonen sind Anfang bis Mitte Zwanzig, ein Alter der Lebensentscheidungen. Aber auch bei älteren Menschen ist noch eine Umkehr denkbar, manchmal kurz vor ihrem Tod.
Stawrogin - nach Thomas Mann die rätselhafteste Figur der Weltliteratur - ist ein zutiefst gespaltener Mensch: Er zieht andere Menschen an, hat eine starke Wirkung auf sie, ist aber unfähig, sich zu ändern, Reue zu empfinden, einen Menschen zu lieben, sich an ihn zu binden. Ein entwurzelter Skeptiker, der im Selbstmord endet.
Eine Begebenheit aus dem Leben Dostojewskijs - eigentlich eher von seinem Sterben -, die sein Denken über Umkehr noch einmal ganz deutlich werden lässt, unterstreicht dies: Als Dostojewskij fühlte, dass er bald sterben würde, rief er Frau und Kinder zu sich und ließ ihnen das Gleichnis vom Verlorenen Sohn (Luk.15) vorlesen - als Vermächtnis gewissermaßen. Seine Auslegung dazu: Eltern lieben ihre Kinder, aber Gott liebt uns noch mehr, als Eltern ihre Kinder lieben können. Umkehr zu Gott ist von jedem Punkt unseres Lebens möglich, egal, wie weit wir uns von ihm entfernt haben.
Reue und Umkehr sind eine Frage der eigenen Entscheidung - d.h. auch der Freiheit des Menschen. Es ist in die Freiheit eines Menschen gestellt, ob er weiter in seiner Lebenslüge verharren will oder nicht.
Innerhalb dieser Lebensentscheidungen gibt es nach Dostojewskij eine wichtige Frage, vor der jeder Mensch steht, nämlich ob er seine Idee vom Leben bewahren will oder aber ob er sich auf die Suche nach dem echten Leben machen will. Vielleicht hat ein Mensch ein gedankliches System entwickelt, wie er die Welt sehen, in ihr leben und sie möglicherweise auch verändern will. Verharrt er ohne Seitenblick stur in diesem System - dann wird er dem wahren Leben nicht begegnen. Ein Gegenbeispiel ist Raskolnikow in Schuld und Sühne. Aus der Begegnung mit Sonja, die ihn liebt, schöpft er Kraft zum Neuanfang, zum Leben.
Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist auch, dass der Starez Sosima (Die Brüder Karamasow) keine Ideen, keine Theorie weitergibt, sondern Geschichten, Lebensgeschichten erzählt.
Die Antwort auf die Frage nach dem Leid der Welt und der Liebe Gottes wird nicht in der Theorie gegeben, sondern in Vorbildern, in Menschen, die trotz Leid und Hoffungslosigkeit leben.
Auch im Zentrum des Neuen Testaments sind nicht theoretische Antworten, sondern das Leben, Sterben und die Auferstehung Jesu von den Toten.
Eine weitere Lebensentscheidung, die jeder Mensch zu treffen hat: Ob er als Mensch Gott werden will - oder ob er akzeptieren will, dass Gott Mensch geworden ist - für ihn. Ein Konflikt, in jedem Leben: sein zu wollen wie Gott. In den großen Werken Dostojewskijs gibt es fast immer einen Mord, nach Berdjajew wird in der Ermordung eines anderen Menschen am stärksten der Gedanke ausgedrückt: Ich bin Herr, ich habe die Macht, dieses Leben zu beenden - nicht Gott. Im Verbrechen setzt sich der Mensch an die Stelle Gottes.
Diese These Dostojewskijs hat Jean-Paul Sartre so fasziniert, dass er sie zum Ausgangspunkt des Existentialismus gemacht hat. Der Mensch, der davon ausgeht, dass es keinen Gott gibt, kann z.B. die Menschheit in zwei Gruppen einteilen. Nämlich in die Menschen, die herrschen, und diejenigen, die beherrscht werden, vielleicht sogar freiwillig ihre Freiheit aufgeben und sich gerne unterwerfen lassen. Am klarsten ist diese Unterscheidung dargestellt in "Schuld und Sühne", aber auch in der Person des Schigaljew in "Die Dämonen". Er stellt die Theorie einer sozialen Gesellschaft auf und will - anfänglich - Freiheit für alle. Aber, so sagt er resigniert, das Leben ist nicht anders zu organisieren als so, dass 10% herrschen über 90%. Diese 90% wollen vielleicht sogar diese Machtverteilung. Sie, so heißt es an einer Stelle in den Dämonen, freuen sich ja, wenn es Glaspaläste gibt, Volkstanz und Konzerte - mehr wollen sie gar nicht.
Wenn es keinen Gott gibt, dann kann man auch ein paar Millionen Menschen, die dem Aufbau einer besseren Gesellschaft im Weg stehen, beseitigen. Es geschieht ja im Blick auf ein höheres Ziel.
"Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt." Das ist ein Gedanke, der in Dostojewskijs Werken immer wieder durchgespielt wird. Wenn man z.B. diese wirklich verhasste Pfandleiherin (Schuld und Sühne) umbringt - wie viel Gutes könnte man nicht mit ihrem Geld tun! Diese Frau kann man nicht Mensch nennen, sie ist eine Laus.
Für Dostojewskij ist der Mensch Gottes Schöpfung, nach seinem Bilde geschaffen. Und deshalb darf man einen anderen Menschen nicht als Mittel einem noch so guten Zweck opfern. In jedem Menschen, und mag er noch so korrumpiert, noch so tief gesunken sein, spiegelt sich Gottes Bild wider. Von daher hat der Mensch seine Würde, trotz seiner Schuld. Andere haben nicht das Recht, ihn nach seiner Nützlichkeit oder gar nach der Nützlichkeit seines Todes zu bewerten.
Für Dostojewskij ist die Person Christi und die Tatsache seiner Auferstehung das Zentrum des Evangeliums.
Entweder ist Christus auferstanden - oder ich begehe Selbstmord. Die Helden Dostojewskijs leben zwischen diesen Extremen, die konsequenten unter ihnen, nicht alle, kommen entweder zu Christus oder begehen Selbstmord. Dass es nicht alle tun, hängt mit etwas zusammen, was Camus so formuliert hat: "Es ist leicht, logisch zu sein; aber es ist schwer, logisch zu sein bis zum Ende."
Die Auferstehung Christi ist der Eckstein des Glaubens bei Dostojewskij, Christus ist also nicht nur ein Vorbild im ethischen Handeln, er ist Sieger über den Tod. Das Evangelium öffnet sich Dostojewskij als ein Buch über die Auferstehung. Alle Tragik und Absurdität des Lebens sieht er in der Auferstehung überwunden. Die Auferstehung hat stattgefunden in der Geschichte, und sie hat Heilsauswirkung bis in die Gegenwart hinein. Was könnte man - innerhalb der Grenzen dieses Weltgeschehens - Iwan Karamasow antworten, der angesichts des Todes kleiner Kinder seine Eintrittskarte in diese Welt zurückgeben will? In dieser Welt wird das Leid nicht aufgehoben, in ihr gibt es keine Antwort - die einzig mögliche Antwort ist die Tatsache der Auferstehung Jesu. Diese Welt mit allem Leid ist nicht alles. Das Leid ist eine Folge des Abfalls von Gott und die Auferstehung Jesu ist ein neues Kapitel der Geschichte Gottes mit dem Menschen.
Das Leben beginnt für Raskolnikow mit der Lektüre des Neuen Testaments, denn das Evangelium ist das Buch, in dem wir Christus begegnen und in ihm das Leben finden. Davon war Dostojewskij überzeugt.
Der Medienpädagoge Dr. Jan-Uwe Rogge hat eine Liste möglicher angsterzeugender Elemente zusammengestellt, die durch mediale Szenarien, Bilder und Themen wachgerufen werden können:
Weiter heißt es an die Adresse der Eltern (S. 26):
Viele Kinder mögen Nervenkitzel. Sie mögen es, sich dem Gefühl der Angst auszusetzen, man nennt das auch "Angstlust". Im kindlichen Spiel wird diese "Angstlust" bei Mutproben empfunden. Kinder bringen sich gerne in derartige Situationen, in der die Angst gerade noch ausgehalten werden kann und als wohliges und kribbelndes Gefühl erlebt wird. Dabei wird die Angst (wenigstens für kurze Zeit) überwunden und eigene Grenzen überschritten. Leider erleben Kinder nur noch selten diese gute Mischung aus An- und Entspannung, in denen sie ihren Mut beweisen können und Abenteuer überstehen.
Beim Ansehen von spannenden Filmsequenzen wird auch etwas "überstanden". In diesem Zusammenhang ist die glückliche Auflösung der Handlung von zentraler Bedeutung. Sie rundet das Fernsehrerlebnis ab und entlässt die Kinder ohne beängstigendes Gefühl. Gibt es kein Happy-End, wie bei Mehrteilern, können sie die aufgebaute Spannung nicht abbauen. Wenn Kinder in der Lage sind, wohldosierte Angsterlebnisse zu erfahren und mit ihnen umzugehen, kann ein "bisschen Angst" nicht schaden. Auf jeden Fall sollten Sie oder andere Bezugspersonen in der Nähe sein, damit Kinder bedrohlich erlebten Situationen nicht allein ausgesetzt sind. Übrigens werden die Inhalte von Sendungen oftmals vergessen (bzw. nicht verstanden), die emotionalen Eindrücke hingegen verlieren lange nicht ihre Intensität und bleiben ihnen in schlechter Erinnerung.
Was Kinder ängstigt, ist oft nicht leicht herauszufinden. Wenn man sie danach fragt, fühlen sie sich schnell in ihrer Intimität berührt oder befürchten, sich bloßzustellen. Daher antworten sie häufig nur ehr zögerlich oder sie weichen den Fragen aus.
Immer wenn Kinder Angst oder Furcht empfinden, brauchen sie Hilfestellungen und Unterstützung. Dies gilt auch, wenn diese durch Fernsehsendungen hervorgerufen werden.
"Für die Psychotherapie war Religion lange Zeit gleichbedeutend mit Aberglauben.", heißt es im Editorial der Fachzeitschrift "Psychologie heute"[1]. Dieser Satz lässt aufhorchen. Galt das doch als unumstößliche Grundannahme im Lager der diversen Psychologenschulen. Kann es wirklich sein, dass eine Wissenschaft umdenkt und auch noch an einem zentralen Punkt? Natürlich möchte man wissen, wodurch die neuen Ansichten ausgelöst wurden.
In einigen Beiträgen äußern sich Fachleute zum traditionellen Spannungsfeld von Psychologie und Religion. Dabei beziehen sie aktuelle Untersuchungsergebnissen in ihre Äußerungen ein. Ihr Tenor: Man könne einfach die früheren Behauptungen nicht mehr aufrechterhalten, heutige Forschungs- und Beobachtungsergebnisse ließen das nicht mehr zu.
Vorgang und Resultat sind ungewöhnlich: Da schneiden nicht etwa Fromme an den Zöpfen der Psychologie, sondern deren eigenen Zöglinge. Psychologie, eine Wissenschaft der Beobachtung und Wahrnehmung, sieht und bewertet die gleichen Verhältnisse heute anders. Natürlich schließen sich nicht alle der neuen Sichtweise an. Aber immerhin äußert sich eine recht große Anzahl von Psychologen mit beachtenswerter Gewissheit in diesem Sinn. Das gilt für Amerika stärker noch als für Europa.
Sollte das für uns Christen von Bedeutung sein? Aber sicher! Denn dahinter steht die Frage, ob etwa christlicher Glauben krank macht. In der Vergangenheit galt das durchweg als ausgemacht - für jede Religiosität ohne Unterschied und Ausnahme.
Natürlich ließen sich für diese Überzeugung tatsächlich Beweise finden und anführen. Außerhalb des Christentums gibt es sie - und leider auch in ihm. Man denkt etwa an bestimmte Psychosekten und kommt natürlich zu dem Resultat: von Religion geht krankmachender Einfluss aus. Man betrachtet im Fernsehen eine wogende, schreiende und extrem aufgeputschte Menschenmenge in einem der islamischen Länder und findet, dass so viel Religion (Fanatismus) krank macht. Oder man trifft im Bekanntenkreis auf einen Christen, der irgendwie auffällt. Über die Ursache ist man sich bald klar: er stand von Kind an unter großen gesetzlichen Zwang und Druck. Er ist von daher geprägt. Innerlich und äußerlich verkrampft, leidet er. Fazit: Religion, auch christliche, kann durchaus krank machen.
Kann und darf man überhaupt von einem krankmachenden Einfluss christlichen Glaubens reden? Mancher empfindet diese Frage als gotteslästerlich und würde sie selbstverständlich entrüstet zurückweisen. Andere schütteln einfach nur den Kopf, wenn sie an all die positiven Veränderungen denken, die durch den Glauben an Jesus Christus in ihr Leben kamen. Redet doch die Heilige Schrift vom Heil durch den Messias Jesus, der heilend seinen Weg ging und das große Heil versprach. Für Christen steht unverrückbar fest, dass Christus weder Lügner noch Phantast war.
Was für Christen undenkbar ist, das war für Psychologen ausgemachte Sache. Jedenfalls galt Religion bisher als schädlich.
Inzwischen wurde der Einfluss von Glauben neu untersucht und bewertet:
Inzwischen steht fest: Religion wird in der Psychotherapie toleriert: "wer glauben kann, soll's kräftig tun, denn es hilft."[2]
Dabei schien das Dogma über Religion in der Vergangenheit unverrückbar festzustehen. Alles Nachdenken bewegte sich in psychoanalytischen Bahnen. "Mit Sigmund Freud gehen viele von dem Verdacht aus, Religiosität sei grundsätzlich eine ‚universelle Zwangsneurose' sowie der regressive[3] Wunsch nach dem Schutz eines allmächtigen Vaters."[4] Freud trug seine These ohne ein einziges Fallbeispiel vor. Seine Behauptung gewann auch ohne den Schimmer eines Beweises immer mehr Anhänger. Vor allem seit dem Buch "Gottesvergiftung" von Tilmann Moser, der mit einer engen pietistischen Erziehung abrechnete, galt die These als gesichert.
In einem weiteren Aufsatz wendet sich der Autor Bernhard Grom einer Ausdehnung psychoanalytischen Denkens auf den christlichen Bereich zu. Mit "ekklesiogene[5] Neurose[6]" schuf Eberhard Schaetzing einen Begriff, durch den er vor den Folgen sexueller Prüderie warnen wollte. Rasch verselbständigte sich der Begriff und gab ein universelles Deutungsmuster für Homosexualität, Frigidität und Impotenz usw. ab. "Ekklesiogene Neurosen" ließen sich seiner Meinung nach zurückführen auf leibfeindliche Erziehung und schamhaftes Schweigen über Sexualität. Klaus Thomas[7], Arzt, Theologe und gleichfalls Psychoanalytiker dehnte den Begriff auf Störungen wie Masochismus, Sadismus und Zwangsneurosen aus. Er bezeichnete sogar das Leiden von Seelsorgern an der Enge kirchlicher Regelungen und Vorgesetzten als "ekklesiogene Neurosen". Bei einer so weit gefassten Definition ergibt sich zwangsläufig eine hohe "Trefferquote": in 75% der von ihm besuchten Pfarrhäuser herrschten "ekklesiogene Neurosen". Grom: "Ein Rekord. Denn wahrscheinlich hat nie ein Autor eine ganze Berufsgruppe so pauschal - und im Widerspruch zu allen später durchgeführten empirischen Studien - für neurotisch erklärt."[8]
Nun soll nicht etwa der Verdacht aufkommen, dass die Beobachtungen von Thomas wegdiskutiert werden sollen, als könnten derartige üble Dinge unter Christen, zumal unter Pfarrern, überhaupt nicht eintreten. Ein solches Interesse kann man dem Autor Grom gewiss nicht unterstellen. Gewichtige Fragen bleiben aber allemal: Wieso ließ sich bei späteren Untersuchungen nicht einmal annähernd der gleiche Tatbestand ermitteln? Und selbst wenn er identisch gewesen wäre, dann bliebe ja immer noch die Frage nach der korrekten Deutung offen. Das heißt: lassen sich wahrgenommene Störungen nicht auch durch andere Erklärungen, andere Ursachen plausibel erklären? Man kommt zu der Vermutung, dass ein vorgefasstes Erklärungsschema korrektes Vorgehen verhindert.
Grom erläutert: "Auch wenn nicht zu leugnen ist, dass viele Menschen unter dem (nicht nur) in kirchlichen Kreisen einst verbreiteten Puritanismus gelitten haben, käme heute doch niemand mehr auf den Gedanken, Sexualstörungen und Homosexualität ‚ekklesiogen' zu erklären." So ist das also: was damals nahe lag, fällt heute niemanden mehr ein.
Worauf ist der Wandel zurückzuführen? Er hat etwas mit einer zunehmend kritischeren Bewertung der Psychoanalyse zu tun. In der Tat äußert man sich sehr offen: "…ist sie nicht selbst ein quasi-religiöses, auf Mythen gründendes Glaubenssystem, das Orthodoxie und blinde Hingabe verlangt? Der Psychologie-Kritiker Thomas Szasz meint: ‚Jede Psychotherapie beschäftigt sich damit, wie ein Mensch leben sollte, wie er sein Familien- und Sexualleben ordnet, und mit dem Sinn des Lebens - all das ist auch das Thema der Religion. Freud war ein getarnter Rabbi.'"[9]
Ein anderer Wind weht in der Psychologie. Dort ist man weniger festgelegt und kann unbekümmerter von den positiven Wirkungen des Glaubens reden. "Wer an einen gütigen Gott oder eine andere positive transzendente Kraft oder auch "nur" an einen tieferen Sinn des Lebens glaubt,
Ein amerikanischer Psychologe untersuchte alle Berichte von zwei führenden Fachjournalen aus der Zeit zwischen 1978 und 1989. Er wertete systematisch Zusammenhänge zwischen Glauben und psychischer Gesundheit aus. Sein Ergebnis: Religiosität wirkt sich in 84 Prozent der Fälle positiv aus, in 13 Prozent neutral und nur bei 3 Prozent erwies sich Gläubigkeit als gesundheitsabträglich.
Immerhin lässt sich angesichts dieser und anderer Untersuchungen die Behauptung von einer krankmachenden Religiosität nicht länger aufrecht erhalten. Sie rückte von ihrer, der Aufklärung verpflichteten, Tradition ab. Andererseits klingt dies noch recht inhaltsneutral. Es scheint belanglos, was jemand glaubt. Hauptsache, man glaubt überhaupt.
Nun darf man von der Wissenschaft der Psychologie auch nicht zu viel erwarten. Es wäre bestimmt zu viel, wenn sie noch einen Glaubwürdigkeitsbeweis für den christlichen Glaubens im Vergleich mit allen anderen Religionen liefern sollte - etwa dadurch, dass der christliche Glaube in statistischen Erhebungen eine höhere Wirksamkeit zeigen würde. Die Wahrheitsfrage wird auf diesem Wege nicht geklärt und bleibt auf wissenschaftlicher Ebene offen.
Aber auf zwei sehr wesentliche Aspekte weisen die Untersuchungen dennoch hin:
Wir haben es mit einem wahrlich unerwartetem Wechsel in einer Wissenschaft zu tun, die uns Christen vor allem im Bereich der therapeutischen Konzepte manches Problem beschert. Andererseits bietet sie uns Hinweise zur inneren und äußeren Gesundheit, die uns aus der Heiligen Schrift eigentlich bekannt sind, aber vielleicht nicht ausreichend und dankbar geachtet werden.
ANSCHRIFTEN DER AUTOREN:
Dr. Jürgen Spieß, ist Historiker, Mitglied der Deutschen Dostojewskij-Gesellschaft, war langjähriger Leiter der SMD, der größten deutschen christlichen Studenten- und Akademikerorganisation, und leitet jetzt das mit der SMD verbundene Institut für Glaube und Wissenschaft.
Anschrift: Auf der Ebert 14, 35041 Marburg
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