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August 1999 Bibelbund e.V. Infobrief Nr. 47
Geschäftsstelle & Verlag Friedrichsgrüner Str. 83, D-08269 Hammerbrücke, Tel. 037465/44455, Fax: 037465/44422, eMail: Bibelbund@christen.net
Internet: http://www.bibelbund.christen.net

Inhalt:

Wort zum Nachdenken MIKSCH
Wie sicher sind Ergebnisse der Wissenschaft? LAMPRECHT


Wort zum Nachdenken

Nicht wenige Mitarbeiter in Gemeinden und Kirchen mögen sich zu den Vielbeschäftigten zählen und aus dem Maß ihrer Arbeit einen Teil ihrer Bestätigung und Befriedigung beziehen. Welchen Sinn behielte ihr Leben, nähme man über Nacht alles unermüdliche Tun für Gott aus ihrem Leben heraus? Jesus Christus erwartet als Herr solchen treuen Dienst: "So sprecht auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist: Wir sind unnütze Sklaven, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren." (Lk 17,10). Dass man sich aber nach intensivster Mühe immer noch als unnützer Sklave betrachten soll, scheint schwer ertragbar. Ist Glaube eine unendliche Pflicht, gleicht er einer Ausbeuterei des Menschen durch Gott? Fest steht, dass Gottes Anspruch auf unser Leben total ist. Noch nie ist ein Sklave ein akzeptabler Vertragspartner gewesen. Rechte aus Tarifabschlüssen, Anspruch auf Lohn oder Lohnerhöhung hat er nicht. Ja, noch nicht einmal Dank ist ihm sein Herr schuldig. Offiziell erwarten wir ja auch gar keinen Dank. Ein bisschen Lob allerdings baut uns auf. Hiobs Frau erwartet für das Gottvertrauen ihres Mannes wenigstens ein leidliches Wohlergehen. Jona ist ob der Rettung Ninives beleidigt, ein "kleines Strafgericht Gottes" hätte ihm offenbar Befriedigung verschafft. Es gibt viele Formen verdeckter Lohnerwartung. Jesus macht in seinem Gleichnis dagegen deutlich, dass unser Anspruch völlig indiskutabel ist. Macht das krank oder frei, sich als wertlosen, austauschbaren Sklaven Christi ohne Ansprüche zu betrachten? Wenn wir der unbequemen Härte dieses Gleichnisses standhalten, werden wir auf diesem Hintergrund um so deutlicher entdecken, dass aller Lohn unendliches Gnadengeschenk Gottes ist und dass die Einsicht unserer Nutzlosigkeit von manchem Druck zu befreien vermag. Nutzloser als nutzlos kann man nicht sein. Konkurrenzdruck, Imagepflege und Erfolgsdruck dürften sich somit erübrigen. Helfe uns Gott beim Buchstabieren solcher Wahrheiten.
Volker Miksch

Wie sicher sind Ergebnisse der Wissenschaft?

Bedeutung und Zielsetzung[ 1 ]

Erkenntnis- und wissenschaftstheoretisches Fundamentalwissen ist von großer Bedeutung für den Biblischen Unterricht und für persönliche Gespräche. Es ist unverzichtbar für die Auseinandersetzung mit der Kritik an der biblischen Überlieferung durch die sogenannte historisch-kritische Theologie, durch die Evolutionslehre, durch sogenannte wissenschaftliche Forschungsergebnisse der verschiedenen Fachbereiche, durch Weltanschauungen und Religionen und durch in den Massenmedien veröffentlichte Meinungen. Ein wichtiges Ziel ist es daher, die Schüler bzw. Gesprächspartner dazu zu befähigen, die auf sie einströmende Informationsflut kritisch zu bewerten, nicht zuletzt deshalb, weil Jesus Christus in seiner Rede über die Zukunft der Welt nach Mt 24 allein viermal vor Verführung warnt.

Dieses grundlegende Wissen sollte häufig anhand unterschiedlicher Themen und vieler Beispiele verdeutlicht bzw. erarbeitet werden, bis es den Schülern bzw. den Gesprächspartnern in Fleisch und Blut übergeht. Sie werden dann in der Lage sein, auch bei fehlendem oder unvollständigem Fachwissen der jeweiligen Kritik an biblischer Lehre gegenüber mißtrauisch zu sein und der Bibel trotz manch ungelöstem Einzelproblem weiterhin zu vertrauen.

Fundamentalwissen im wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Bereich

Fundamentalwissen im erkenntnispsychologischen Bereich

Bestätigungen

Jüngst erschienenen Publikationen entnommene Zitate bestätigen und vertiefen die Grundaussage obiger Ausführungen.
Dr. Eberhard Zangger: "Die Zukunft der Vergangenheit", 1998. Auf dem Umschlagtext heißt es: "Während auf den Gebieten der Biologie, Physik und Geologie das Wissen durch überraschende Erkenntnisse immer wieder umfassend reformiert wurde, konnte die Altertumskunde über hundert Jahre lang auf ihren Lehrmeinungen beharren. Jetzt wird ihr Gedankengebäude hinterfragt.
Hochspezialisierte Naturwissenschaftler untersuchen heute mit modernsten Techniken die Überreste aus der Vergangenheit und stellen dabei fest, daß vieles ganz anders war, als bisher vermutet…"
Prof. Dr. Eta Linnemann: "Bibelkritik auf dem Prüfstand", 1998. Die Autorin prüft Hunderte von Argumenten der historisch-kritischen Theologie, und nicht eines besteht die Prüfung. Längst hat Theologie auf biblischer Grundlage "für jedes der historisch-kritischen Argumente mindestens ein Gegenargument vorgelegt … Diese Gegenargumente werden jedoch von der historisch-kritischen Seite in der Regel ignoriert. Was die historisch-kritische Theologie als Tatsache mitteilt, ist keineswegs der objektive, durch eine vorurteilsfreie Untersuchung gewonnene Befund, sondern nur die Darlegung der eigenen Position unter Absehung von entgegenstehenden Aussagen." (S.76)
Die Prämissen der historisch-kritischen Theologie "werden nicht offengelegt und ihr Charakter als Vor-Urteil, das selber keineswegs Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit ist, wird verschwiegen. Im Vollzug der Forschung werden diese Prämissen als vorgegebene Fakten behandelt und in der Lehre als feststehende Tatsachen und grundlegende Erkenntnisse weitergegeben…" (S. 147)
Prof. Dr. Dr. Horst W. Beck: Variationen zu einer interdisziplinären Schöpfungskosmologie", 1999. Der Autor schreibt über die Rolle von Philosophien bei dem Bemühen der Wissenschaft, umfassende Aussagen über das Weltall und seine Geschichte zu formulieren: "Kosmologische Theorien … sind eine Mischung aus Naturphilosophien und Postulaten über das Verhalten der Welt und ihrer Gesetzmäßigkeiten … Zum zweiten sind es mathematische Versuche, Zustandswandlungen eines so komplexen und großen Weltsystems zu beschreiben." (S.32)
Dr. Ulrich Schmoch: "Noten für die deutsche Forschung?", in: bild der wissenschaft, Januar 1999. Der Autor äußert sich über die Schwierigkeit, wissenschaftliche Arbeiten zu begutachten: "Es zeigt sich immer wieder, daß sich die Urteile von Gutachtern widersprechen … Außerdem bilden sich in vielen Disziplinen Schulen, die sich untereinander heftig befehden, was die neutrale Bewertung im Gutachterverfahren einschränkt. Auch Arbeiten von kreativen Außenseitern finden häufig bei den Gutachtern keine Gnade - ein Grund, weshalb sich neue Ansätze nur schwer durchsetzen können." (S. 46)
Thomas Willke: "Sag niemals nie", in: bild der wissenschaft, April 1999. "Die Wissenschaft tut sich meist schwer mit ihren Außenseitern. Sie werden zwar heutzutage nicht mehr verbrannt, aber oft totgeschwiegen und müssen damit rechnen, ihr Labor und sogar ihre Anstellung zu verlieren." (S. 80) Man könnte fast meinen, der Autor habe beim Schreiben dieser Zeilen an bibelgläubige Wissenschaftler gedacht…

Wissenschaft als geistliches Kampfgebiet

… Auf jeden Fall ist Wissenschaft in den grundlegenden Fragen und in großen Teilbereichen nicht nur geistiges, sondern auch geistliches Kampfgebiet. Wenn ein Wissenschaftler um Jesu Christi willen zum Wort der Bibel steht, wird er immer wieder Gegenwind verspüren. Er wird daher dankbar sein für jede Rückenstärkung in der Fürbitte.

Abschließende Gedanken

Die - psychologisch beschreibbaren - Reaktionen des Herzens (nach der Bibel das seelisch-geistige Zentrum der menschlichen Person) in seinem Wollen und Nichtwollen und in seiner Begrenztheit beeinträchtigen bzw. verhindern ein angemessenes Verständnis der Gesamtwirklichkeit, die nicht nur Natur und Geschichte, sondern auch die Wirklichkeit Gottes in seinem Natur- und Geschichtshandeln umfaßt.
Die scheinbare Stärke menschlicher Erkenntnis und menschlicher Argumentation im Namen der Wissenschaft, die nicht wenige in ihrem Vertrauen auf die biblische Überlieferung (insbesondere der Urgeschichte) erschüttert, erweist sich bei genauerer Betrachtung oft als Schwäche.
Wenn auch noch den Augen vieler verborgen, ist das Wort Gottes dagegen eine starke, verläßliche Grundlage für Glaube, Denken und Erkennen. Der Schlüssel, um dieses zu erfahren, liegt in der Annahme von Jesus Christus als Retter und Herrn.

Fazit

Wer sich auf wissenschaftliche Theorien verläßt, baut auf Sand. Wer sich aber auf Gottes Wort verläßt, baut auf Felsengrund.

Dr. Jörg Wille danke ich für einige Denkanstöße.

Jethro Lamprecht

Hinweise auf passende Medien der Studiengemeinschaft Wort und Wissen Bestelladressen: W+W-Medienstelle, Rosenbergweg 29, D-72270 Baiersbronn, Tel. 07442-81006, Fax 07440-81008
W+W-Medienstelle Schweiz, Heimgarten 2163, CH-8180 Bülach, Tel. 01-8608436
W+W-Medienstelle, CVJM-F Material- & Mediendienst, Neubaugürtel 26/1, A-1070 Wien, Tel+Fax 01-5264383

ANSCHRIFTEN DER AUTOREN:

Jethro Lamprecht, Heisterkamp 5, 27283 Verden
Volker Miksch, Akazienstr. 15, 17389 Anklam

Redaktion:
Richard Bergmann, Bergstraße 2, 09392 Auerbach/ Erz. (Schriftleiter), eMail: RiBergmann@aol.com
Manfred Schäller, Lugauer Str. 53, 09376 Oelsnitz
Karl-Heinz Vanheiden, Friedrichsgrüner Str. 83, 08269 Hammerbrücke, Tel. 037465-44455 (Sekretär), eMail: KH.Vanheiden@christen.net
Im Internet: http://www.Bibelbund.christen.net

Fußnoten

[ 1 ] Dieser Beitrag ist eine für "Biblisch Glauben Denken Leben" überarbeitete und erheblich erweiterte Fassung der "W+W-Praxistips 2" mit dem Titel "Wie sicher sind Ergebnisse der Wissenschaft?". Die ursprüngliche Fassung ist zusammen mit einem Beitrag von Dr. Reinhard Junker als Faltblatt kostenlos in der gewünschten Anzahl bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, Rosenbergweg 29, 72270 Baiersbronn, erhältlich.
[ 2 ] Weltweit gibt es mehr als 70.000 wissenschaftliche Zeitschriften! Vgl. "bild der wissenschaft", Januar 1999, S. 42
[ 3 ] Beispielsweise erwähnt Jeßberger in seinem 1990 erschienenen Buch "Kreationismus - Kritik des modernen Anti-Evolutionismus" (Parey-Verlag Hamburg) das damals schon seit drei Jahren auf dem Markt befindliche evolutionskritische Lehrbuch "Entstehung und Geschichte der Lebewesen" nur am Rande, ohne auf Sachargumente einzugehen. Es war damals das umfassendste evolutionskritische Buch im deutschsprachigen Raum.
[ 4 ] Martin Petzolt (Hg.): "Das Problem der kerygmatischen Wahrheit", 1993, S. 168