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Mai 1999   Bibelbund e.V. Infobrief Nr. 46
Geschäftsstelle & Verlag Friedrichsgrüner Str. 83, D-08269 Hammerbrücke, Tel. 037465/44455, Fax: 037465/44422, eMail: Bibelbund@christen.net
Internet: http://www.bibelbund.christen.net

Inhalt:

Wort zum Nachdenken RENSCHLER
Mit Muslimen über die Bibel reden TRÖGER
Die arabische Bibel TRÖGER
Bluttransfusion – von Gott verboten? RAQUET
Wurde Jesus in Bethlehem geboren? BERGMANN


Wort zum Nachdenken

Mein Computerdrucker ist für mich ein sehr wertvolles Hilfsmittel. Ohne ihn könnte ich vieles gar nicht oder zumindest nur mit erheblich höherem Zeitaufwand bewältigen. Manchmal jedoch bringt er mich ziemlich auf die Palme. Ich lege ein Blatt ein, schalte ihn auf Bereitschaft, und plötzlich rattert er los, ohne dass ich ihm den Befehl zum Ausdruck gegeben habe. Das Resultat ist dann, dass ein schönes neues Blatt Papier verdorben ist. Was ist geschehen? Aus irgendeinem Grunde hat der Drucker von einem früheren Ausdruck in seinem Speicher noch etwas Text übrig, und den will er nun unbedingt loswerden. Jetzt hilft nur noch abwarten, bis der ganze Speicher ausgedruckt ist, oder aber ganz ausschalten, damit der Speicher gelöscht wird. Die in solchen Momenten gar nicht erwünschte Reaktion meines Computerdruckers ist mir zu einem Gleichnis geworden:

1. Die Ursache für den Fehldruck (und die Verschwendung eines Blattes Papier) liegt darin, dass der Druckerspeicher mit falschen Dingen belegt ist. Genauso ist die Ursache für unser falsches Verhalten nicht in der Umwelt oder bei anderen Menschen zu suchen, sondern in unserem eigenen Herzen (vgl. Mt 15,19).

2. Solange der Drucker nicht auf Bereitschaft geschaltet ist, fällt die falsche Speicherbelegung nicht auf, und es scheint alles in bester Ordnung zu sein. Sobald aber der Drucker eingeschaltet wird, wird der Speicherinhalt auf dem Blatt Papier offensichtlich. Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, besteht darin, den Speicher seines falschen Inhaltes rechtzeitig zu entledigen (durch völliges Ausschalten). So ist es auch mit uns Menschen. Alles scheint in bester Ordnung zu sein, bis sich eine Situation ergibt, bei der das, was in uns steckt, unweigerlich nach außen dringt. In ihrem unübertroffenen Realismus macht uns deshalb die Bibel deutlich, dass nicht Erziehung oder Bildung, Psychotechniken oder Konditionierung uns dauerhaft verändern können, sondern dass uns einzig und allein dadurch wirklich geholfen ist, dass Gott uns unsere Schuld vergibt und uns ein neues Herz gibt (vgl. Jer 31,31-34). Darüber hinaus ist es aber für alle wichtig, kontinuierlich ihren Sinn erneuert zu bekommen und dadurch verändert zu werden (vgl. Rö12,2).

3. Um den Drucker von seinem falschen Speicherinhalt zu befreien, kann man ihm erlauben, diesen auf ein Blatt auszudrucken, oder aber den Speicherinhalt ohne Ausdruck löschen. Im zweiten Fall hat man aber nicht nur ein Blatt Papier, sondern in der Regel auch Zeit gespart. Auch in christlichen Kreisen bekommt man manchmal den offensichtlich auf die säkulare Psychologie zurückgehenden Ratschlag, alle negativen Gedanken, Gefühle usw. auszusprechen oder sonst irgendwie auszudrücken (ähnliche Aufforderungen kommen bisweilen auch von Leuten, die gruppendynamische Prozesse in Gang setzen wollen). Durch dieses "Herauslassen" dessen, was in uns steckt, sei dann schon der erste Schritt zur Veränderung getan. Die Bibel hingegen gibt uns oft genug den entgegengesetzten Ratschlag, nämlich (vor dem Herrn) stille zu sein (vgl. z.B. Neh8,11; Ps37,7; Ps46,11; Ps62,6; Spr11,12; Jes 7,4; Jes30,15). Damit soll natürlich nichts gegen Gebet oder Seelsorge gesagt sein. Es ist jedoch nicht sinnvoll und ratsam, alles, was in uns steckt, zu jeder Zeit und in jedes Ohr hinauszuposaunen. Die Folgen solch unüberlegtenVerhaltens könnten um einiges schlimmer sein als der Verlust eines Blattes Druckerpapier. Vielmehr kommt es darauf an, dass wir von falschen Einstellungen und Prägungen erlöst und befreit werden, und dass Gottes Geist in Verbindung mit dem Wort Gottes uns von innen her erneuert.

Christoph Renschler

Mit Muslimen über die Bibel reden

Muslime haben ihre eigene Sicht der Bibel. Grundsätzlich ist für sie der Koran der Maßstab zur Beurteilung der Bibel. Viele Muslime kritisieren die Bibel und scheuen sich, die Bibel zu lesen. Andere haben Achtung vor der Bibel als einem »heiligen Buch«. Manche sind neugierig und wollen den Inhalt der Bibel kennenlernen.

Wie Muslime die Bibel sehen

Im Islam wird der Koran zum Maßstab für die früheren »göttlichen Bücher« (Blätter Abrahams, Thorah des Mose, Psalter Davids, Evangelium Jesu) genommen.

Muslime gehen deshalb davon aus, dass Form und der Stil der früheren göttlichen Bücher dem Koran entsprechen müssten: sie müssten durchgängig Anrede Gottes an den Gesandten sein; sie müssten frühere Ereignisse nicht einfach berichten, sondern durch ein »Gedenke …« in den Anredestil einbetten; sie dürften keine apostolischen Briefe und keine vier Evangelien enthalten; sie müssten - wie der Koran - in erster Linie göttliche Belehrungen, Mahnungen und Gebote enthalten.

Der Koran wird auch zum Maßstab für den Inhalt der früheren Bücher gemacht. Nichts darf dem Koran inhaltlich widersprechen. Es darf keine Gottessohnschaft Jesu und der Auserwählten geben (vgl. Sure 5, 116-120; 3,59; 9,30; 43,59), keine Dreieinigkeit Gottes (vgl. Sure 4, 171; 5,73), keine Kreuzigung Jesu (vgl. Sure 4,157) und damit auch keine Erlösung durch Jesus Christus.

Muslime halten die »früheren Schriften« für verdorben

Sie berufen sich dabei auf den Koran. Schon Muhammed warf den »Schriftbesitzern« (vor allem Juden und Christen) vor, sie »verheimlichen« bzw. »unterschlagen« gewisse Passagen in ihren Schriften (vgl. Suren 2, 140.146.159; 3,71; 5,15; 6,91). Sie »verdrehen den Wortlaut der Schrift, damit ihr meint, es stamme aus der Schrift…« (vgl. Sure 3,78). Vielleicht stand dahinter zunächst nur der Vorwurf, dass Juden und Christen bei der Rezitation ihrer heiligen Texte Veränderungen vornahmen. Sure 2, 79 wirft aber vor, dass von Menschen geschriebene Texte als von Gott stammend ausgegeben werden. Damit lügen die Schriftbesitzer (Sure 6,24; 9,77), heucheln (9,77) und belügen Gott (11,18; 16,116).

Der Koran wirft den Schriftbesitzern vor, dass sie die Menschen vom »Weg Gottes« abhalten (11,19), dass sie von der Religion Abrahams abweichen (2, 135ff; 3, 65ff), dass sie sich verkehrterweise für Söhne Gottes halten (5,18), eigene, schwere Gesetze gemacht haben (10,59; 16,116) und im Blick auf die Gesandten Gottes ungläubig sind (4,150f).

Was wurde weggelassen und hinzugefügt?

Im Gespräch mit Muslimen können wir immer wieder hören, dass Bibeltexte, die vom Kommen eines »arabischen Propheten« gesprochen hatten, weggelassen oder verändert worden seien, um nicht die Prophetenschaft Muhammeds anerkennen zu müssen. In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass in Joh.14 und 16 ursprünglich nicht der Tröster (griech. »paraklätos«), sondern Muhammed (»der Gepriesene«, griech. »parüklätos«) angekündigt worden sei.

Ebenso seien Bibel-Texte, die vom muslimischen Basisbekenntnis zur Einheit Gottes abweichen, später hinzugefügt worden. Geschulte Muslime stützen ihre Argumente heute mit - meist unverstandenen - Thesen der neuzeitlichen, westlichen historisch-kritischen Wissenschaft (deren Anwendung auf den Koran man freilich ablehnt). Als Beispiel für ein »unverdorbenes Evangelium« wird heute oft das »Barnabas-Evangelium« genannt, welches nachweislich eine muslimische Fälschung aus dem späten Mittelalter ist.

Wer hat die Schriften verdorben?

Der Koran polemisiert in erster Linie gegen die Juden. Die Kritik an den »Schriftbesitzern« kann aber leicht auf die Christen des l. Jahrhunderts ausgedehnt werden. In der heutigen Polemik gilt vor allem Paulus als der Verderber des »ursprünglich Jesus geoffenbarten Evangeliums«. Er habe aus dem »wahren (muslimischen) Jesus« den »gekreuzigten Gottessohn« gemacht. Er habe aus dem »Jesus-Islam« das kirchliche Christentum gemacht.

Wie gehen wir damit um?

Viele dieser Angriffe können leicht entkräftet werden. Im Gespräch mit Muslimen sollten wir aber der Versuchung widerstehen, unsererseits den Koran anzugreifen. Unser Ziel sollte sein, Jesus Christus als das »lebendige und unveränderliche Wort Gottes« zu bezeugen. Zwar sollten wir Argumentationen nicht ausweichen, aber in erster Linie benötigen wir im Gespräch mit Muslimen das Vertrauen in die Wirksamkeit der Bibel, da der lebendige Gott hinter seinem Wort steht.

Das Besondere an der Bibel

Wir müssen Muslimen klarmachen, dass sich die Bibel nicht mit dem Koran vergleichen lässt, dass sie ihre eigene Geschichte, ihre eigene Prägung und ihren eigenen Inhalt hat.

Die Bibel ist eine Sammlung von 66 sehr verschiedenen Schriften, eigentlich eine kleine Bibliothek. Sie wurde von vielen Menschen über einen Zeitraum von mehr als 1000 Jahren geschrieben. Sie ist überaus vielfältig und enthält geschichtliche Berichte, Chroniken, Lieder, Gebete, Predigten, Briefe und Weissagungen. Sie ist ein sehr lebendiges und in vielen Teilen spannendes Buch (was man vom Koran, der auf einen einzigen Menschen und einen kurzen Zeitraum von 22 Jahren zurückgeht, nicht sagen kann).

Auf die Bibel ist Verlass

Die Bibel enthält vor allem Berichte über das Handeln Gottes. Sie ist im wesentlichen klar und verständlich (während der Koran als Reimprosa viele unklare Anspielungen enthält). Sie ist hinterfragbar, erforschbar und hat sich als sehr zuverlässig erwiesen.

Die Bibel ist in ihren Ursprachen Hebräisch, Aramäisch und Griechisch sowie in vielen Übersetzungen über große Zeiträume hinweg sehr gewissenhaft und treu durch immer neues Abschreiben überliefert worden. Bedenkt man die großen Zeiträume, dann sind die eingeschlichenen Abweichungen sehr gering.

Gott erweist sich als treu

Die Bibel ist das »Buch der Treue Gottes« (während im Koran der unverfügbare Wille Gottes im Zentrum steht). Sie enthält viele Verheißungen und Erfüllungen (was man vom Koran nicht sagen kann). Sie ist das Buch der Bundesschlüsse Gottes, weshalb wir sie in die beiden wichtigsten Testamente einteilen.

Wir sind dankbar dafür, dass im Neuen Testament nicht nur ein Evangelium aufgenommen worden ist, sondern vier. Sie sind vier sich ergänzende Zeugnisse vom Leben, Sterben und Auferstehen Jesu. Die Evangelien sind keine »Offenbarungen an Jesus« (analog dem Koran an Muhammed), sondern Zeugnisse der Apostel über Jesus und seine Worte. »Jesus in Person« ist das Evangelium (die gute Nachricht).

Die Bibel ist ein sehr ehrliches Buch. Sie nennt die Sünde beim Namen, auch bei den Auserwählten Gottes. Ihr Inhalt ist das Heilshandeln Gottes in Gericht und Gnade, das Ringen Gottes um den Menschen, um ihn zu retten und zu heilen (während es im Koran um Anweisungen an den Menschen geht, den »rechten Weg« zu gehen).

Die Bibel ist lebendig

Die Bibel ist Gottes Wort an uns Menschen, aber sie ist kein Gesetzbuch. Unsere Bindung geschieht an Jesus Christus als das »lebendige Wort Gottes« im Heiligen Geist. Der Heilige Geist macht die Bibel lebendig und führt durch das Wort der Schrift zu Jesus Christus. An der Bibel wird die Dreifaltigkeit Gottes deutlich!

Freude an der Bibel

Der Vergleich mit dem Koran wird unsere Liebe zur Bibel neu wecken. Wir werden uns im Gespräch mit Muslimen der Bibel nicht schämen, sondern sie gern zitieren, ihre Geschichten erzählen und sie Muslimen zum Lesen anbieten. Dafür ist es gut, viele Kernbibelstellen auswendig zu wissen und wichtige Berichte sofort zu finden. Drei biblische Bücher empfehle ich Muslimen zum »Einstieg« in die Bibel: Das »Buch der Anfänge« (l. Mose bzw. Genesis), weil es viele Themen enthält, die Muslimen aus dem Koran (wenn auch in entstellter Weise) bekannt sind; das Buch der Psalmen, weil viele Psalmen in ihrer sprachlichen Gestalt und Wortwahl an Korantexte erinnern, und schließlich das Lukas-Evangelium als das Evangelium, welches die Liebe Gottes zu den Verlorenen besonders betont.

Die arabische Bibel

Seit dem l. Jahrhundert hat es arabisch sprechende Christen gegeben. In ihren Gottesdiensten wurde aber vermutlich Aramäisch als die große Kirchensprache des Raumes östlich des Mittelmeeres verwendet. Aramäisch und Arabisch sind nahe verwandte Sprachen. Wahrscheinlich ist, dass Bibeltexte im Gottesdienst auch in die arabische Sprache übersetzt wurden. Es sind allerdings keine Manuskripte mit arabischen Bibeltexten aus der Zeit vor dem 9. Jahrhundert erhalten.

Nach dem Aufkommen des Islam

Im Islam gilt Arabisch als göttliche und deshalb heilige Sprache. Der Koran ist in einem kunstvollen, dichterischen Hocharabisch verfasst. Die Schönheit der Sprache gilt als Beweis für die Göttlichkeit des Koran.

Es ist verständlich, dass man bei Übersetzungen der Bibel ins Arabische nun versuchte, ein möglichst klassisches und dichterisches Arabisch zu verwenden, um die Bibel neben dem Koran nicht als »vulgär« erscheinen zu lassen.

Der älteste, heute noch vorhandene Text einer arabischen Bibelübersetzung ist ein Neues Testament, welches auf das 9. Jahrhundert zurückdatiert wird. Vermutlich wurden im Laufe der Jahrhunderte mehr als vierzig Übersetzungen der Bibel ins Arabische hergestellt.

In der Neuzeit

Im 19. Jahrhundert wurde das Neue Testament siebenmal übersetzt, die ganze Bibel viermal. Am bekanntesten wurde die sogenannte Smith-Van Dycke-Übersetzung, die 1865 als Vollbibel erschien. Sie orientierte sich konsequent am griechischen und hebräischen Urtext, benutzte ein möglichst allgemein verständliches Hocharabisch, verzichtete aber um der Verständlichkeit willen auf eine Nachahmung des Koran. Sie wurde unter den evangelischen Christen in der Arabischen Welt zur Standardbibel - bis heute! - und half sehr zur Verkündigung des Evangeliums unter traditionellen Christen und Muslimen. Sie wird von den Bibelgesellschaften in Beirut und Kairo weiterhin gedruckt und verbreitet. Es ist nicht verkehrt, von einer »Bibelbewegung« in der Arabischen Welt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu sprechen.

Im 20. Jahrhundert

Die Zahl der Lesekundigen in der Arabischen Welt nahm rasch zu, aber das Niveau der Sprachkenntnisse sank dadurch. Es setzte sich ein allgemeinverständliches, modernes Hocharabisch durch. Dem mussten neuere Bibelübersetzungen Rechnung tragen. Am meisten Akzeptanz unter den »einfachen Lesern«, besonders in Ägypten, fand das »Buch des Lebens« (das Neue Testament erschien 1982) nach dem Vorbild der englischen »Living Bible« und der deutschen »Hoffnung für alle«. Diese moderne Übersetzung wurde auch außerhalb der Bibelgesellschaften durch den öffentlichen Buchhandel verbreitet.

In den letzten Jahrzehnten wurden die Bibeltexte auch in Hörform auf Kassetten für Analphabeten und Blinde herausgebracht und weit verbreitet.

Die EMO hat regelmäßig in den letzten Jahren die Verbreitung der arabischen Bibel in gedruckter und hörbarer Form finanziell unterstützt.

Eberhard Tröger

Bluttransfusion – von Gott verboten?

Vielleicht eines der Dinge, die Jehovas Zeugen am bekanntesten gemacht haben, ist ihre Ablehnung von Bluttransfusionen. Dies ist nach Ansicht der Wachtturmgesellschaft eines der Kennzeichen eines wahren Christen.

In ihren Zeitschriften wird in den letzten Jahren verstärkt auf gesundheitliche Gefahren, die es bei Bluttransfusionen geben kann, z.B. Aids und Hepatitis B hingewiesen und jeder Blutskandal aufgegriffen. Zweifellos gibt es heute viele Menschen, die sich unter diesen Aspekten fragen, ob für sie eine Bluttransfusion in Frage kommen könne. Doch tritt dabei in den Hintergrund, dass dies nicht der Grund ist, warum die Wachtturmgesellschaft sie ablehnt. Auch wenn in Broschüren und Zeitschriften hiervon berichtet wird, so beruht die Ablehnung in keinster Weise auf medizinischen Gründen.

Selbst wenn es diese Risiken nicht gäbe, bliebe die Transfusion für Jehovas Zeugen verboten.

Die Wachtturmgesellschaft lehnt eine Bluttransfusion vielmehr als angeblich von Gott verboten ab: Im Erwachet vom 22.03.95 heißt es: "GOTTES Gesetz verbietet Christen, Blut in irgendeiner Form zu sich zu nehmen (Apostelgeschichte 15,28.29). Durch den Gehorsam gegenüber diesem Gesetz ist es mitunter zu Missverständnissen gekommen; als Folge davon hat man Christen eine verfügbare und wirkungsvolle medizinische Behandlung ohne Blut verwehrt… Die Zeugen machen nicht von einem ‚Recht auf den Tod' Gebrauch, und sie wollen auch keine Märtyrer sein. Die Entscheidung bezüglich der Blutfrage wird nicht von einer Organisation diktiert, sondern ist vielmehr eine aufrichtige, persönliche Glaubenssache… Die vielleicht herausragendste Botschaft, die vermittelt werden soll, lautet: Jehovas Zeugen sind vernünftige Leute und keine Fanatiker; sie bitten lediglich um annehmbare Alternativen zur Bluttransfusion."

Von einer Entscheidung als ganz persönliche Glaubenssache kann jedoch keine Rede sein.

Ein Verstoß gegen das Verbot der Bluttransfusion hat nämlich den Ausschluss des betreffenden Zeugen zur Folge. Er wird, so die Wachtturmlehre, in Harmagedon vernichtet werden und hat keinerlei Aussicht auf eine Auferstehung. Man sagt den Menschen, sie verlören ihr ewiges Leben, wenn sie einer Transfusion zustimmten. Der Ausschluss bedeutet für einen Zeugen auch im alltäglichen Leben mehr, als sich die meisten Menschen vorstellen können. Niemand darf mehr mit ihm sprechen, ihn nicht einmal mehr grüßen; selbst Ehegatten sollen die sogenannte "geistige Gemeinschaft" abbrechen. Manche Menschen, vor allen Dingen diejenigen, die als Zeugen aufgewachsen sind, verlieren so mit einem Schlag alle Freunde und ihr gesamtes soziales Umfeld.

Vor diesem Hintergrund ist die vehemente Weigerung der Zeugen verständlich, sich Blut transfundieren zu lassen. Jeder Zeuge muss ständig einen Ausweis für den Notfall bei sich tragen, aus dem ersichtlich ist, dass er keine Bluttransfusion wünscht. Auch die sogenannten Krankenhausverbindungskommitees sind nicht etwa dafür zuständig, kranke Zeugen zu betreuen, sondern ausschließlich dafür Sorge zu tragen, dass es zu keiner Transfusion kommt. Es gibt fast keine Ausgabe der Zeitschriften, wo nicht wenigstens kurz über einen Aspekt der sogenannten "Blutfrage" berichtet wird.

Eine ganze Ausgabe wurde diesem Thema auch im Erwachet vom 22.05.94 gewidmet: "Jugendliche, die Gott den Vorrang geben". Im Hauptartikel wurden die Geschichten mehrere Kinder und Jugendlicher erzählt, die meist an Krebs litten und sich weigerten, einer Bluttransfusion zuzustimmen; einige dieser Kinder starben. Es sollen hier auch keine medizinischen Aspekte behandelt werden; denn dazu wird die Frage eines Nutzens auch unter Ärzten zu kontrovers diskutiert. Anzumerken sei lediglich, dass allgemeine Übereinstimmung unter Ärzten herrscht, dass es bei Verkehrsunfällen oft keine Alternative zur Transfusion gibt, will man das Leben retten. In ihren Zeitschriften argumentiert die Gesellschaft oft mit den medizinischen Aspekten oder dem fragwürdigen Nutzen der Transfusion, aber darauf kommt es eigentlich nicht an.

Selbst wenn man das Leben eines Menschen nur mit einer Bluttransfusion retten könnte, hätte dies keine andere Entscheidung bei der Wachtturmgesellschaft hervorgerufen. Der Gehorsam gegen Gott verlange es, so erklärt man, lieber ein Menschenleben zu opfern als einer Transfusion zuzustimmen.

Die Zeugin, die mir die Zeitschrift überreichte, sagte mir, ihr seien die Tränen gekommen, als sie diese Ausgabe gelesen habe. Mir kamen auch die Tränen, doch aus einem anderen Grund, denn ich war erschüttert über das Gottesbild, das die Wachtturmgesellschaft verbreitet, das Bild eines Gottes, der Menschen lieber sterben lässt als eine Bluttransfusion zuzulassen. In einem Leserbrief hierzu im Erwachet hieß es: "Ich bin 17 Jahre alt und habe Angst, in eine ähnliche Situation zu gelangen. Ich fürchte nicht den Tod, sondern vielmehr, dass ich die Gebote Jehovas missachten könnte. Es wäre furchtbar, wenn ich unter Druck nicht standhielte. Diese Berichte geben mir ungeheure Kraft." (Erwachet vom 08.12.94)

Im Wachtturm vom 15.06.91 wird ausführlich auf die biblische Begründung dieser Lehre eingegangen, darin wird noch einmal betont, daß Bluttransfusionen nicht deshalb abgelehnt werden, weil es verunreinigt sein könnte, sondern weil es für unseren Gott und Lebengeber kostbar ist.

Gott habe schon in 3.Mose 17,10 das Essen von Blut mit dem Tode bestraft. Zwar stünden Christen nicht mehr unter dem Gesetz, aber zum einen sei das Essen von Blut bereits Noah und seinen Söhnen verboten worden, also noch in der Zeit vor dem mosaischen Gesetz für alle Menschen festgelegt worden, und zum anderen hätten die Apostel dieses Gebot Gottes ebenfalls bestätigt. Man beruft sich hierbei auf Apg. 15,28+29: "Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen als diese notwendigen Stücke: euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Unzucht."

Damit sei bewiesen, dass der "Blutgenuß" - und nichts anderes sei eigentlich auch die Transfusion - nicht erlaubt sei. Man argumentiert, wenn der Arzt einem Menschen Alkohol verboten habe, so sei damit schließlich nicht nur das Trinken gemeint, sondern ein solches Verbot bezöge sich dann auch auf die Aufnahme durch eine Vene. Außerdem habe man auch in vorchristlicher Zeit medizinische Experimente mit Blut vorgenommen.

Hat Gott tatsächlich die Bluttransfusion verboten? Betrachten wir einmal, was Lukas in Apostelgeschichte 15 weiter schreibt. Dort begründet Jakobus nämlich, warum man sich "vom Blut enthalten sollte":

"… Deshalb urteile ich, man solle die, welche sich von den Nationen zu Gott nicht beunruhigen, sondern ihnen schrieben, dass sie sich enthalten vom Erstickten und vom Blut. Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt solche, die ihn predigen, da er an jedem Sabbat in den Synagogen gelesen wird." (Apg.15,19-21)

Für die Juden war das Essen von Fleisch, in dem noch Blut enthalten war, von Gott im alten Bund verboten worden. Sie hatten eine innerliche Abscheu vor diesen Dingen. Deshalb war es eine Frage der Rücksichtnahme für die Heidenchristen, darauf zu verzichten, um die Judenchristen nicht zu provozieren. Dieser Grundsatz der Rücksichtnahme durchzieht die Briefe des Paulus wie ein roter Faden (z.B. Röm. 14). Interessanterweise kamen orthodoxe Juden nie auf die Idee, Bluttransfusionen abzulehnen. Für uns heute kann diese Anweisung keine Bedeutung mehr haben, es sei denn, wir würden mit einem Juden zusammen essen. Aus diesem Grund ist es auch leicht zu erklären, dass in den späteren Briefen nichts mehr von einem Verbot, Blut enthaltendes Fleisch zu essen, erwähnt wird. Dort, wo es fast ausschließlich Heidenchristen gab, trat dieses Problem nicht auf. Eigentlich wird dies auch im Korintherbrief bestätigt, wo Paulus schreibt: "Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, esst, ohne es um des Gewissens willen zu untersuchen." (1.Kor. 10,25) Wenn Fleisch nicht untersucht werden musste, so konnte es durchaus sein, dass es nicht nach der jüdischen Vorschrift geschlachtet und ausgeblutet worden war. Doch dies wird von der Wachtturmgesellschaft geleugnet: "Offenbar war es Brauch, die im Tempel geopferten Tiere ausbluten zu lassen und das Blut auf den heidnischen Altären zu verwenden. Wenn somit etwas von dem überschüssigen Fleisch auf dem Markt verkauft wurde und keine offensichtliche Verbindung zu einem Tempel oder zu den falschen Vorstellungen der Heiden bestand, konnten Christen es einfach als handelsübliches Fleisch kaufen, das rein und in angemessener Weise ausgeblutet war." (Wachtturm vom 15.10.92, S.30). Man behauptet einfach, es sei offenbar Brauch gewesen, das Fleisch ausbluten zu lassen. Doch entbehrt diese Behauptung jeglicher Logik. Die Heiden hatten keinerlei Grund, Fleisch ausbluten zu lassen, denn nur den Juden war dieses Gebot von Gott gegeben worden. Doch würde man dies zugeben, müsste man die ganze Lehre über das Blut fallen lassen!

Weiteren Aufschluss erhalten wir, wenn wir untersuchen, warum Gott das Trinken von Blut verboten hatte. Bei einigen antiken Völkern war es üblich, das Blut seiner Feinde zu trinken; es waren zahlreiche abergläubische Ansichten damit verbunden, z.B. glaubte man, dadurch Macht über deren Seele oder Unsterblichkeit zu erlangen. Mit solchen Bräuchen sollte Gottes Volk nichts zu tun haben.

Eine Transfusion dagegen hat nichts mit abergläubischen Bräuchen zu tun. Gerade wenn das Blut Leben symbolisiert und in Gottes Augen kostbar ist, sollten Christen alles tun, um ein Menschenleben zu retten. "In Gottes Wort wird sowohl das Leben als auch das Blut als heilig betrachtet… Bei Jehova ist der Quell des Lebens (Ps 36,9). Der Mensch kann ein Leben, das er genommen hat, nicht mehr zurückgeben. "Alle Seelen - mir gehören sie", sagt Jehova (Hes 18,4). Jemandem das Leben zu nehmen bedeutet also, sich an Jehovas Eigentum zu vergreifen. Alles Lebendige dient einem bestimmten Zweck und hat einen bestimmten Platz in Gottes Schöpfung. Kein Mensch hat das Recht, Leben auszulöschen, es sei denn, Gott habe es erlaubt und es geschehe nach seinen Anweisungen." (Einsichten über die Heilige Schrift, S.421)

Jehovas Zeugen würden mit der Zurückweisung der Transfusion auch zeigen, dass ihr Leben von Gott allein abhinge. Müssten sie nach dieser Argumentation nicht auch Medikamente ablehnen?

"Wahre Christen schätzen zwar das Leben hoch ein und sind für ärztliche Hilfe dankbar, doch respektieren sie das Leben als eine Gabe des Schöpfers und versuchen daher nicht, es durch die Aufnahme von Blut zu erhalten (1.Samuel 25,29)… Gott wies die gesamte Menschheit an, kein Blut zu essen. Warum? Weil es das Leben darstellt (1.Mose 9,3-6). Das mosaische Gesetz enthielt Gesetze, die darauf hindeuteten, dass alle Menschen Sünder sind. Wie Gott den Israeliten sagte, konnten sie durch die Darbringung von Tieropfern zeigen, dass ihre Sünden zugedeckt werden mussten (3.Mose 4,4-7, 13-18, 22-30). Von uns heute verlangt er das zwar nicht, doch hat es immer noch Bedeutung. Gott hatte vor, ein Opfer zu beschaffen, das die Sünden aller Gläubigen völlig sühnen konnte: das Lösegeld (Matthäus 20,28). Deshalb müssen wir Gottes Ansicht über das Blut teilen." (Wachtturm vom 15.06.91, SS.10+12)

Blut stellt also Leben dar - und deshalb soll es verboten sein, durch eine Transfusion ein Leben zu retten?

Wie eingangs erwähnt, gibt die Wachtturmgesellschaft 3.Mose 17,12-14 als Belegstelle für Gottes Verbot. Sie zitiert nicht umsonst nur bis dorthin, denn der nachfolgende Vers würde die Wachtturmlehre vom Verlust des ewigen Lebens in sich zusammenfallen lassen: " Jeder, der ein Aas oder Zerrissenes isst, er sei Einheimischer oder Fremder, der soll seine Kleider waschen und sich im Wasser baden, und er wird bis zum Abend unrein sein, dann wird er rein sein. Und wenn er sie nicht wäscht und sein Fleisch nicht badet, so wird er seine Schuld tragen." (Vers 15-16).

Wer also doch nicht ausgeblutetes Fleisch aß, der musste sich einer rituellen Waschung unterziehen, das war Gottes Forderung!

Die Wachtturmgesellschaft flößt ihren Mitgliedern jedoch Todesangst ein. Sie weiß ganz genau, daß sie diese Lehre nicht fallen lassen kann, denn sie hat Tausende von Menschenleben auf dem Gewissen. Wider besseres Wissen behält sie sie bei, um das Gesicht zu wahren und weil sie weiß, dass sonst eine Unzahl von Menschen ihre Organisation verlassen würden. Eltern haben ihre Kinder und Ehegatten den Partner sterben lassen, in dem Glauben, Gottes Gebot zu gehorchen. Das ist eine Blutschuld, die die Gesellschaft vor Gott verantworten muss.

Es ist nicht Gott, der das Verbot einer Transfusion ausspricht, sondern die Wachtturmgesellschaft fordert ihre Opfer!

GEHT ABER HIN UND LERNT; WAS DAS IST: ICH WILL BARMHERZIGKEIT UND NICHT SCHLACHTOPFER (Mt. 9.13)

Sigrid Raquet

Wurde Jesus in Bethlehem geboren?

Ohne allen Zweifel existieren sie, die sogenannten "populären Irrtümer". Dass sie von sachverständigen Autoren zu einem Lexikon zusammengetragen wurden (Krämer und Trenkler, Das Neue Lexikon der populären Irrtümer, Eichborn 1998), ist eine verdienstvolle Leistung. Für den Leser entstand ein teils belustigendes, teils beschämendes Lesevergnügen. Wer wusste schon, dass der legendäre Western-General Custer gar kein General und einer der unfähigsten Militärführer war? Und: unser Körper braucht im Winter überhaupt nicht mehr zu essen als im Sommer.

In der Fortsetzung des ersten Bandes geht es "555 weiteren Vorurteilen, Mißverständnissen und Denkfehlern" an den Kragen. Christen wissen, dass sich auch manche Legende, manche Fehldeutung von Berichten in der Gemeinde hartnäckig hält. So wundert es eigentlich auch nicht, wenn die Autoren den frommen Bereich nicht aussparen. Auf Seite 34 liest man unter obiger Überschrift:

"Jesus Christus wurde nach Meinung fast aller modernen Bibelforscher in Nazareth geboren; die These der Evangelisten Lukas und Johannes, Jesus sei in Bethlehem zur Welt gekommen, sei eher als Versuch zu werten, die Geburt des Messias dorthin zu verlegen, wo sie nach dem Willen des Alten Testamentes stattzufinden hatte: in die Stadt Davids, in die Stadt, wo David geboren und zum König wurde: »Aber du, Bethlehem-Ephratha, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird hervorgehen, der über Israel herrschen soll (...). Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, im hohen Namen Jahwes, seines Gottes.« (Micha 5, 1-3). Also schreibt Lukas: »So zog auch Josef von der Stadt Nazareth in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, denn er war aus dem Haus und dem Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.« Aber außer dieser einen einzigen Begründung - »er war aus dem Haus und dem Geschlecht Davids« - hat Lukas und haben andere frühe Kirchenmänner keine weiteren Indizien für diese Reise vorzuweisen, so dass man diese wie auch Marias Niederkunft in Bethlehem als Fiktion und als Versuch bewerten sollte, das Alte und das Neue Testament nachträglich besser aufeinander abzustimmen." Man ist sich also einig: Jesus wurde nicht Bethlehem, sondern in Nazareth geboren. Natürlich haben Nazareth und Jesus etwas miteinander zu tun. Er wuchs dort auf. Alle in Nazareth kannten ihn. Aber dort auch geboren? Dann wären ja seit Menschengedenken die beliebten Krippenspiele nur Schaustücke ohne Wahrheitsgehalt in vielen Details gewesen. Dann müsste man den Predigten in der Weihnachtszeit ebenfalls in vielen Aussagen die Wahrhaftigkeit absprechen.

Sollte man stur (oder konsequent) am Gewohnten festhalten? Wo sich doch alle schon einig sind. Oder ist Zeit zur Korrektur?

Nach der ersten Überraschung fragt man nach: Woher kommt den eigentlich die neue Sicht? Welche Argumente kann man zu ihren Gunsten anführen? Schaut man die Begründung an und studiert die Literaturverweise, erlebt man die nächste Überraschung: Es gibt gar keine Fakten, sondern nur Verdachtsmomente. Offensichtlich reicht das im Umgang mit den Berichten der Bibel.

Zunächst zu den Literaturverweisen. Man nennt das Lexikon Encarta von Microsoft (von 1994). In der Ausgabe von 1998 heißt es unter dem Stichwort "Bethlehem (Westjordanland)": "… Bethlehem wird erstmals im Alten Testament als der Ort erwähnt, an dem Rachel (Ehefrau des Patriarchen Jakob) beerdigt wurde (A.T., Genesis 35,19). Nach dem Buch Ruth war die Stadt Geburtsort von König David und damit Stammort seiner Dynastie (A.T., 1.Samuel 17,12), und nach Micha 5,1-4 sollte sie der Geburtsort des Messias sein. Die Evangelisten Matthäus und Lukas nennen Bethlehem als Geburtsort Jesu Christi. Bethlehem, früher Efrat genannt, besitzt eine der ältesten Kirchen der Welt, die Kirche der Geburt Christi, die von Konstantin dem Großen erbaut wurde (330)…"

Dass Bethlehem als Geburtsort zweifelhaft ist, geht aus dem Text absolut nicht hervor. Was in der Ausgabe von 1994 steht, ist leider unbekannt. Doch wenn dort schlagkräftige Beweise gestanden hätten, müssten sie eigentlich auch noch in der Ausgabe von 1998 gültig und nachzulesen sein.

Als weitere Literaturangabe wird ein Artikel "Abschied von Bethlehem?" von Hans Josef Miller aus dem Katholischen Sonntagsblatt (50/1996, S.26) genannt. Obwohl dieser Artikel mir inhaltlich nicht zugänglich ist, darf man das Gewicht einer solchen Quelle bezweifeln. Jedenfalls, wenn es um die historische Zuverlässigkeit des biblischen Berichts geht.

Alles in allem sieht es mit der Beweiskraft der Literatur recht dürftig aus.

Dies ist aber nur die eine Seite. Die andere wiegt weit schwerer. Die ganze "Beweisführung" besteht in einer Vermutung bzw. in einem Verdacht. Man geht von einer Manipulation in der Berichterstattung aus. Natürlich haben Matthäus und Lukas ein Interesse an Bethlehem als Geburtsort Jesu. Denn nur dann ließe sich der Anspruch Jesu, der verheißene Messias zu sein, aufrechterhalten. Aber berechtigt dies bereits dazu, eine Manipulation als gegeben hinzustellen? Berechtigt dies schon, alle geschilderten Fakten als unwahr abzustempeln?

Offenbar macht sich niemand Sorgen wegen fehlender Beweise. Denn es werden keine begründenden Fakten genannt. Hätte man sie, würden sie genannt werden. Man ist sich nur einig, es anders zu sehen. Das genügt.

Uns muss es nicht genügen. Um die biblischen Berichterstatter als Lügner darzustellen, sollte man wenigstens um des Anstandes willen, starke Gründe haben. Der Hinweis auf gute Absichten dabei (Übereinstimmung des verheißenen Messias mit Jesus), zählt nicht und macht nichts besser.

Mit großer Selbstverständlichkeit geht man davon aus, dass die Berichte der Bibel unzutreffend sind. Herodes, keineswegs an der Glaubhaftigkeit der Heiligen Schrift interessiert und deswegen unverdächtig, schickt die Gäste aus dem Osten nach Bethlehem und lässt Neugeborene in Bethlehem töten. Sein Vorhaben misslingt freilich. Aber nicht deshalb, weil er seine Bluttat am falschen Ort verrichten ließ, sondern weil Gott für Rettung sorgte.

Werten wir das Tun "fast aller modernen Bibelforscher" als Versuch, die Zuverlässigkeit und Glaubhaftigkeit der Heiligen Schrift zu untergraben. Wer nach wie vor von Bethlehem als Geburtsort Jesu ausgeht, kann das weiterhin mit gutem Gewissen tun.

Richard Bergmann
ANSCHRIFTEN DER AUTOREN:

Sigrid Raquet, Eschenweg 8, 67454 Haßloch
Christoph Renschler, Schwarzer Weg 30, 26835 Neukamperfehn
Eberhard Tröger, Walkmühlenstr. 8, 65195 Wiesbaden

Redaktion:
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Hinweis:
Beiträge zum Thema "Jehovas Zeugen" sind als Buch erschienen: Sigrid Raquet, Keine Angst vor den Zeugen Jehovas. Argumente für das nächste Gespräch., Brendow-Verlag