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November 1996 Bibelbund e.V. Infobrief Nr. 36
Geschäftsstelle & Verlag Friedrichsgrüner Str. 83, D-08269 Hammerbrücke, Tel. 037465/44455, Fax: 037465/44422, eMail: Bibelbund@christen.net
Internet: http://www.bibelbund.christen.net

Inhalt:


Wort zum Nachdenken Steffen Denker
Gibt es Heil nur durch die Zeugen Jehovas? Sigrid Raquet(Schluss)

Wort zum Nachdenken

Bibeltreue - Weg in die Zukunft

Nach über 100 Jahren deutscher Bibelbund haben wir uns zu einem Bibelbund in der Schweiz formiert. Brauchen wir einen Bibelbund?

Ja. Wir stehen gerne für bibeltreuen Glauben, für bibeltreues Denken und Leben ein. Christen brauchen immer wieder die Ermutigung, sich von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller ihrer Kraft auf das unfehlbare und irrtumslose Wort Gottes zu verlassen. Das Wort unseres geliebten Vaters im Himmel gibt uns zu jeder Zeit Glaube, Liebe und Hoffnung.

Die Väter des Bibelbundes erkannten die große Not in der Gemeinde Jesu. Der Zweifel am biblischen Wort, vorgetragen in der Form des wissenschaftlichen Gewandes, zerstörte das vor-Urteils-freie Vertrauen in die Bibel. Heute Heute, nach über 100 Jahren, bewegen uns dieselben Sorgen. Zwar gibt es bibeltreue Theologie und Verkündigung, gibt es bibeltreues Leben und Denken, das sich nicht zu verstecken braucht. Aber die Großwetterlage innerhalb der Christenheit hat sich nicht verbessert.

Wir sind überzeugt, daß eine geistliche Erneuerung in der Gemeinde Jesu nötig ist. Insbesondere in Europa orientiert sich die Gemeinde Jesu eher am persönlichen Wohlbefinden und kurzfristigen Trends. Wir müssen, liebe Freunde, agieren statt re-agieren! Aktivieren statt resignieren! Glauben statt zweifeln! Lieben statt gleichgültig bleiben. Hoffen statt aufgeben!

Jede christliche Aktion beginnt mit Innehalten. Treue zur Schrift als Weg in die Zukunft wird nur in der enger Verbindung mit mit dem Geber allen Lebens, dem dreieinigen Gott gelingen.

Wir werden uns freuen, in diesem Sinn der Gemeinde Jesu zu dienen. Mut zum ganzen Vertrauen auf Gottes Wort. Die Heilige Schrift ausleben. Biblisch glauben, denken, leben. Und dann auch den Glauben verteidigen. Wir sind überzeugt: mit diesem Anliegen sollten Sie sich, liebe/r Mitchrist/in solidarisieren.

Jesus belohnt das Vertrauen auf ihn. Trotz der zu erwartenden Ausgrenzung bleibt sein Wort unser Trostauf dieser Erde und für die Ewigkeit: "Jeder, der um meines Namens willen Häuser, Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder und Äcker zurückläßt, wird alles hundertfach wiederbekommen und wird das ewige Leben erhalten." (Matt19,29 Neue Genfer Übersetzung NGÜ).

Steffen Denker

Gibt es Heil nur durch die Zeugen Jehovas? (Schluß)

WAS LEHRT UNS DIE GESCHICHTE DER WACHTTURMGESELLSCHAFT?

Oder ließe sich vielleicht aus der Geschichte von Jehovas Zeugen eindeutig entnehmen, daß ihre Organisation der "neuzeitliche Prophet Jehovas" ist? Jehovas Zeugen erklären, daß Gott durch ihre Organisation als "Kanal" rede. Es ist nun eine Sache, dies zu behaupten, eine andere, es zu belegen. Gottes Wort selbst bietet uns allerdings eine Hilfe hierbei an. Es zeigt, wie man wahre und falsche Propheten erkennen kann. In 5.Mose 18,21 ( NW-Übersetzung) heißt es:

"Und falls du in deinem Herzen sagen solltest: Wie werden wir das Wort erkennen, das Jehova nicht geredet hat? - Wenn der Prophet im Namen Jehovas redet, und das Wort trifft nicht ein oder bewahrheitet sich nicht, so ist dieses das Wort, das Jehova nicht geredet hat. Mit Vermessenheit hat der Prophet es geredet. Du sollst vor ihm nicht erschrecken."

In diesem Zusammenhang heißt es nicht nur, daß das Volk Israel vor diesem falschen Propheten nicht erschrecken sollte, sondern daß dieser falsche Prophet sterben sollte; er wurde von Gott verworfen!

Die Organisation der Zeugen Jehovas hat verschiedene ihrer Lehren im Laufe der Zeit mehrmals korrigieren müssen. So setzte z.B. der erste Präsident der Wachtturmgesellschaft, C.T. Russell, die unsichtbare Wiederkunft Jesu auf 1874 fest und sagte die sichtbare Aufrichtung des Königreiches für 1914 voraus, nachzulesen in seinen Schriftstudien. Auch im Buch 'Prophezeiung' von Rutherford, dem zweiten Präsidenten wird erklärt, die zweite Gegenwart Christi habe 1874 begonnen (S.70). Und über das Jahr 1925, das später als Jahr der Vollendung angesetzt wurde, schrieb der englische Watchtower, dieses Jahr sei ein durch die heilige Schrift eindeutig markiertes Jahr; die Christen hätten mehr Anhaltspunkte, worauf dieses basiere, als Noah hatte, daß eine Flut kommen würde!!!!!

Es läßt sich unschwer feststellen, daß diese Voraussagen falsch waren!

Genauso klar ist deshalb, daß nicht Jehova der Verantwortliche für diese falsche Aussage war, sondern die Wachtturmgesellschaft! Diese entschuldigt sich mit dem Eifer, den man für Jehova gehabt habe und erklärt, dies sei schließlich lobenswerter als schläfrige Untätigkeit.

Doch erinnern wir uns: Die Lehren der Wachtturmgesellschaft werden von einer Organisation veröffentlicht, die angeblich als "Vertreter des Herrn auf Erden" eingesetzt worden ist ('Jehovas Zeugen - Verkündiger des Königreiches Gottes', S. 219). Sie wird als Kanal Gottes und als Prophet bezeichnet. Unter der Überschrift "Sie werden wissen, daß ein Prophet unter ihnen gewesen ist" veröffentlichte die Gesellschaft im Wachtturm vom 01.07.72, S.389-392 einen Artikel, in dem die "Gesalbten" als Prophet Jehovas bezeichnet und mit Hesekiel verglichen werden. Im Wachtturm vom 15.04.95, S.24, wird der "treue und verständige Sklave" als neuzeitlicher Elia bezeichnet.

Die Gesellschaft verlangt von ihren Mitgliedern absoluten Gehorsam und die Annahme aller Wachtturmlehren. Kann sich eine derartige Organisation damit entschuldigen, sie sei ja schließlich nicht unfehlbar? Dürfte sie falsche Daten veröffentlichen, wenn Gott durch sie als einen bevollmächtigten Kanal spräche? Jehovas Zeugen wenden ein, auch die Propheten des Alten Testaments hätten oftmals auch nicht alles, was sie weissagten, selbst verstanden, doch besteht hier ein gravierender Unterschied: Das, was sie prophezeiten, erfüllte sich.!!

Wenn nun die Lehren der Wachtturm-Gesellschaft des öfteren korrigiert werden müssen, von wem stammen dann die ursprünglichen Lehren? Können sie von Gott stammen, in dem "keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten"? (Jak. 1,17).

Wenn Gott jetzt "helleres Licht" gibt, wie Jehovas Zeugen ausdrücken, von wem stammt dann das ursprüngliche Licht? Ist es denkbar, daß Jehova falsche Informationen gibt? Nein, sondern es waren lediglich MEINUNGEN von Menschen, die die Bibel studierten, aber kein Kanal, kein Sprachrohr Gottes, dem die Christen wie Gott selbst Gehorsam schulden würden!

Soll dies nun bedeuten, daß jemand, der eine falsche Auslegung der Bibel veröffentlicht, dann ein falscher Prophet ist? Selbstverständlich nicht. Die Bibel sagt selbst ausdrücklich, daß unser Wissen Stückwerk ist. Doch was macht die Wachtturmgesellschaft denn dann zu einem falschen Propheten?

Sie spricht im Namen Jehovas. Sie erklärt, Gottes Kanal und neuzeitlicher Prophet zu sein. Wenn die Gesellschaft sich selbst als Prophet Jehovas bezeichnet, wenn sie im Namen Jehovas spricht und ihre Voraussagen erfüllen sich nicht, dann macht sie Gott zum Lügner und ist nach der Aussage der Bibel ein falscher Prophet. Die Aussage der Bibel ist klar und eindeutig!

GIBT JEHOVA HELLERES LICHT?

In Gesprächen werden die Änderungen in der Lehre von Zeugen manchmal mit dem "Kreuzen" eines Segelschiffes verglichen, das keinen geraden Weg zurücklegt, sondern sich nach den günstigsten Winden richtet, um an sein Ziel zu gelangen. Nach ihrer eigenen Definition gilt für die Erkenntnisse der Zeugen Jehovas: Sprüche 4:18 Aber der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Licht, das heller und heller wird, bis es voller Tag ist.

Doch wer die verschiedenen Änderungen in den Lehren der Zeugen Jehovas betrachtet, wird sehr schnell feststellen, daß dies mit "Kreuzen" nichts zu tun hat, sondern es teilweise glatte Kehrtwendungen sind, daß auch das Licht nicht etwa heller geworden ist, sondern verschiedene Lichter zu sehen waren, ob von Gott, mag der Leser selbst entscheiden. Im Zusammenhang mit der Aufforderung an Christen, nicht wie ins Ungewisse zu laufen (1.Kor.9,26) schreibt der Wachtturm vom 01.08.92 auf S. 17: "Wenn man am Strand Fußspuren sieht, die sich hin und her schlängeln, stellenweise im Kreis verlaufen und manchmal sogar zurückführen, wird man kaum annehmen, daß die Person gerannt ist, geschweige denn, daß sie genau wußte, wohin sie wollte."

Ist dies nicht eine ziemlich gute Beschreibung für die Änderung in den Lehren der Zeugen Jehovas? Sieht das so aus, als sei hier das Wort Gottes ein "Licht auf dem Weg und eine Leuchte für die Füße" ?

Nach der Lehre der Zeugen Jehovas soll ja die Gesellschaft "geistige Speise zur rechten Zeit" austeilen Im Wachtturm-Buch "Jehovas Zeugen - Verkündiger des Königreiches Gottes" heißt es hierzu auf S. 146: "Da sie die Sachverhalte nur in dem Licht untersuchen konnten, das ihnen jeweils zur Verfügung stand, waren ihre Vorstellungen unvollständig oder sogar ungenau.... In dem Maße, wie Jehova durch seinen Geist immer mehr Licht auf sein Wort geworfen hat, sind seine Diener demütig dazu bereit gewesen, die nötigen Korrekturen vorzunehmen. Dieses fortschreitende Verständnis beschränkte sich nicht auf die Anfänge ihrer neuzeitlichen Geschichte. Auch heute ist es noch so. Zum Beispiel wurde 1962 das Verständnis über die "obrigkeitlichen Gewalten" aus Römer 13:1-7 berichtigt."

Gerade bei der o.g. Auslegung zeigt sich, wie brüchig diese Argumentation vom "helleren Licht" ist; ein Blick in die Geschichte:

Bis 1929 glaubten Jehovas Zeugen, daß in Röm. 13 mit den obrigkeitlichen Gewalten die irdischen Herrscher gemeint waren, so lehrte es Russell - u.a. in Bd. 6 der Schriftstudien, S. 588.

Ab 1929 hieß es, mit den obrigkeitlichen Gewalten seien Jehova Gott und Jesus Christus gemeint; im Buch "Die Wahrheit wird euch frei machen" heißt es auf S. 312: Sie zogen sich von ihrem öffentlichen Unterrichtswerk zurück, großenteils wegen der immer noch herrschenden religiösen Ansicht, daß die politischen Behörden der sichtbaren Organisation Satans die "obrigkeitlichen Gewalten" seien, denen alle Christenseelen, wie in Römer 13:1 befohlen, untertan sein sollten. Durch solche Bibelverdrehung vermochte die gewalthabende Religionshierarchie als "geistlicher Berater" der politischen Mächte zu handeln.... Nachdem der Herr zum Tempel gekommen war und den treuen Überrest geistlicher Israeliten aus der Gefangenschaft des neuzeitlichen Babylon befreit hatte, begann der ihren Augen allmählich die Wahrheit zu erschließen. Im Jahre 1929 brach das helle Licht hervor. In jenem Jahre veröffentlichte der Wachtturm die biblische Erklärung über Römer, Kapitel 13. Er zeigte, daß nicht weltliche Herrscher und Regenten, sondern Jehova Gott und Christus Jesus die "obrigkeitlichen Gewalten" sind.

Im Buch: "Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben" heißt es auf S. 124: "Ist es nicht klar, daß die Worte des Apostels Paulus ganz entschieden falsch ausgelegt worden sind, wenn man sie auf die Regierungen dieser Welt anwandte?"

Seit dem Jahre 1963 glauben Jehovas Zeugen wieder, daß in Römer 13 mit den obrigkeitlichen Gewalten die irdischen Herrscher und Regierungen gemeint sind.

Im Jahrbuch 1975 heißt es auf S. 237+238: "Wie konnten Jehovas christliche Zeugen ihre feste Haltung als Verfechter des Königreiches Gottes aufrechterhalten?...Dies war möglich, weil Jehova Gott barmherzigerweise durch die Gruppe des "treuen und verständigen Sklaven" für geistige Speise zur rechten Zeit sorgte (Matth. 24:45-47). .....Während der Bezirkskongresse "Mutige Diener Gottes" im Jahr 1962 zogen sie beispielsweise großen Nutzen aus den Ansprachen über die Themen "Ordnet euch unter - Wem?", "Unterordnung unter die obrigkeitlichen Gewalten - Warum?" und ähnliche. Dieser wichtige Aufschluß wurde später wieder im Wachtturm veröffentlicht. Siehe die Ausgaben vom 1. Januar bis zum 1. Februar 1963.).

Zuerst wurde Römer 13 also richtig, dann falsch und dann wieder richtig ausgelegt. Wie kann man hier davon sprechen, daß durch die Gesellschaft "geistige Speise zur rechten Zeit" ausgeteilt worden sei? Wie kann man davon sprechen, daß das Licht immer heller geworden sei? Wie kann man davon sprechen, daß man Jehovas Kanal sei? Was für ein Licht schien in diesen 34 Jahren von 1929 - 1963, und von wem stammte es? Außerdem zeigt sich eine weitere Tatsache:

Das obige Zitat erweckt den Eindruck, als habe man eben eine ursprünglich unrichtige Ansicht korrigiert; doch dies ist eben nur die halbe Wahrheit, weil man vorher schon einmal "korrigiert" hatte.

Die Lehre, daß mit Römer 13 die weltliche Obrigkeit gemeint ist, ist in den christlichen Kommentaren über die Jahrhunderte hinweg überall zu finden gewesen. Aber seltsamerweise verkündigt ausgerechnet die Organisation, die Jehova angeblich 1919 mit der Verwaltung seiner irdischen Besitztümer beauftragt hat, von 1929-1963 eine falsche Lehre. Diejenigen Religionsgemeinschaften, die Jehova angeblich verworfen hat, irrten sich nicht!

Es gibt einige Lehrpunkte, die die Wachtturmgesellschaft im Laufe ihrer Geschichte geändert hat, manche, die die Gesellschaft in Krisen stürzte. Doch diese Änderungen in der Lehre werden sogar noch als etwas Positives dargestellt: "...die wirklich Ehrlichen und Aufrichtigen im Glauben werden feststehen und sich freuen." hieß es über eine neue Auslegung von Offenbarung 12 im Wachtturm vom 15.04.25, die in krassem Gegensatz zum vorherigen Buch "Das vollendete Geheimnis" stand (Jehovas Zeugen - Verkündiger des Königreiches Gottes, S.78+79). Während Änderungen wie die obengenannten ein bezeichnendes Licht auf die Glaubwürdigkeit einer Organisation werfen, werden sie von der Wachtturmgesellschaft noch als positiv dargestellt, teilweise werden Fehler sogar als von Gott gewollt ausgegeben. "Durch eine höhere Fügung hatten die Bibelforscher nicht verstanden, daß es zwischen v.Chr. und n.Chr. kein Jahr Null gibt. Später als Forschungen ergaben, daß eine Änderung von 606 v.Chr. auf 607 v.u.Z. nötig war, wurde auch das Jahr Null fallengelassen, so daß die Voraussage auf das Jahr 1914 weiterhin zutraf." ("Die Offenbarung - ihr großartiger Höhepunkt ist nahe", S.105)

Fehler und falsches Verständnis, gewollt von Jehova?

In ihren Publikationen räumt die Wachtturmgesellschaft zwar ein, daß sie fehlbar sei, das hindert sie aber nicht, ihre jeweiligen Auslegungen als "Speise zur rechten Zeit" zu bezeichnen und jeden Zeugen zu verpflichten, diese Auslegung auch nach außen zu vertreten. Was ist von einem solchen Anspruch zu halten? Warum kritisieren Jehovas Zeugen z.B. das Unfehlbarkeitsdogma der katholischen Kirche, wenn sie eigentlich den gleichen Anspruch erheben? Es geht nicht um die Richtigkeit eines solchen Anspruchs, sondern um das Maß, mit dem gemessen wird. Die Bibel warnt ausdrücklich vor Messen mit zweierlei Maß (Matth. 7,1; Röm. 2,1).

WAS ENTSCHEIDET ÜBER UNSER HEIL?

Für die Führung der Zeugen Jehovas ist es völlig uninteressant, wie der einzelne Mensch zu Gott steht. Sie fällt pauschale Verdammungsurteile über Christen, weil in den Reihen ihrer Kirchen schlimme Sünden vorkommen: "Auch behaupten einige geistliche Führer, außerehelicher Geschlechtsverkehr sei nicht verkehrt und selbst Homosexualität oder Polygamie könne ganz in Ordnung sein. ....Es gibt Kirchenmitglieder, die die Bibel besitzen und sie sogar studieren, die aber durch ihre Lebensweise zeigen, daß sie sich nicht daran halten....Welche Schlußfolgerung muß man ziehen, wenn Kirchenmitglieder, die sich an Glücksspielen beteiligen, sich betrinken oder andere unrechte Dinge tun, bei ihrer Kirche in gutem Ansehen bleiben? Daß Gott ihre Religionsorganisation nicht gut heißt." (Paradiesbuch, Seite 187/188) Würde Gott nach diesem Grundsatz handeln, so könnte wohl kaum einer selig werden. Israel war Gottes auserwähltes Volk, das er besonders schützte und führte. Verdammte Gott alle Israeliten, die unter der Herrschaft gottloser Könige lebten, die "taten, was Gott mißfiel"? (Bücher Könige und Chronik) Nein, sondern "in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm." (Apg. 10.35) Verurteilte Gott das ganze Volk, weil König David Mord und Ehebruch beging? Nein, sondern Davids Sohn mit Bathseba starb. Ja, es gab sicherlich auch Begebenheiten, wo das Volk für die Sünden Einzelner bestraft wurde, doch kündigt Gott etwas Neues an. In Hes. 18, 1ff heißt es: "Und das Wort des HERRN geschah zu mir so: Was habt ihr, daß ihr dieses Sprichwort im Land Israel gebraucht und sprecht: Die Väter essen unreife Trauben, und die Zähne der Söhne werden stumpf? So wahr ich lebe, spricht der Herr, HERR, wenn ihr diesen Spruch in Israel noch gebraucht. Siehe, alle Seelen gehören mir; wie die Seele des Vaters, so auch die Seele des Sohnes. Sie gehören mir. Die Seele, die sündigt, sie soll sterben." Er sagt also ausdrücklich, daß er jeden Menschen für seine eigenen Sünden verantwortlich machen wird, und das nicht in einer fernen Zukunft, sondern dies war ein Ausspruch Gottes für die Zeit Hesekiels (um 600 vor Chr.) Um nicht falsch verstanden zu werden; es soll nicht einer Theologie das Wort geredet werden, die unter dem Deckmantel von Nächstenliebe und Toleranz alles duldet; jeder Christ ist aufgefordert, alles zu prüfen und in seiner Gemeinde auf Lehre und Praxis zu achten.

MIT GLEICHEM MASS MESSEN

Jehovas Zeugen sollten bedenken, daß sie bei der Verurteilung der christlichen Kirchen mit zweierlei Maß messen. So tragen nach ihrer Lehre die Angehörigen der christlichen Kirchen Mitverantwortung dafür, was in ihren Kirchen geschieht. Doch haben Jehovas Zeugen bedacht, daß dies dann auch auf sie zutrifft? Wenn sie einer Organisation blind gehorchen, die erklärt, sie sei von Gott beauftragt, ohne geprüft zu haben, ob dies denn tatsächlich stimmt, so machen sie sich mitschuldig an den Entscheidungen dieser Organisation. Wenn Menschen aus der Versammlung der Zeugen Jehovas ausgeschlossen werden, weil sie nicht daran glauben, daß dieses Jehovas eigene Organisation ist, wenn Ehen und Familien und Freundschaften daran zerbrechen, daß man mit diesen Ausgeschlossenen nicht mehr verkehren darf, wenn manche sich deswegen auch das Leben nahmen, dann trägt der einzelne Zeuge nach dem gleichen Maß, mit dem er mißt, auch eine Mitverantwortung. Wie weit diese Mitverantwortung bei den Zeugen geht, zeigt eine Zitat aus dem Wachtturm vom 15.04.95, wo als "geistige Speise" gelehrt wird, daß auch die kleinen Kinder der Nicht-Zeugen in Hamargedon vernichtet werden: "An jenem Tag der Abrechnung wird mit Kindern oder Zweigen gerecht verfahren werden, je nachdem, wie Jehova ihre Wurzeln, das heißt die Eltern, die die Aufsicht über sie haben. Böse Eltern werden keine Nachkommen haben, die ihre verderbte Handlungsweise fortsetzen könnten."

Über zwanzig Jahre lang war z.B. Impfung bei Jehovas Zeugen verboten. Wo Impfungen per Gesetz vorgeschrieben waren, wurden sie oftmals durch gefälschte Bescheinigungen umgangen. Wer kann sagen, wie viele Krankheiten oder sogar Todesfälle es durch diese Vorschrift der Wachtturmgesellschaft gab? Ähnlich sah es auch mit Organtransplantationen aus, die sogar als Kannibalismus bezeichnet wurden. (Wachtturm vom 15.02.68) Auch hier mußte man einen Angehörigen lieber sterben lassen als einer Transplantation zuzustimmen.

Ein besonders schlimmes Beispiel für die Entscheidungen des "treuen und verständigen Sklaven" findet sich im Wachtturm vom 15.03.72 auf Seite 191. Hier wird im Rahmen einer Leserfrage darauf eingegangen, ob homosexuelle Handlungen des Ehepartners ein Grund zu einer Scheidung seien. Der "treue und verständige Sklave" antwortete hierauf mit: NEIN! Sogar Sodomie sei kein Grund! Als Begründung wurde angegeben, Ehebruch sei nur mit einem Menschen des anderen Geschlechtes möglich. Zeugen, die sich weigerten, weiter in einer solchen Ehe zu leben und die sich scheiden ließen, wurde die Gemeinschaft entzogen, sie wurden ausgeschlossen! Diese skandalöse Deutung wurde einige Jahre später geändert, doch ist dies ein Trost für diejenigen, die dieses Unrecht erlitten haben? Kann sich dieser treue und verständige Sklave damit herausreden, er sei ja schließlich nicht unfehlbar?

Wer ist wirklich abtrünnig?

Der "treue und verständige Sklave", der in Wirklichkeit nur aus etwa 10-15 Männern besteht, hat wirkliche Macht über das ganze Leben eines Zeugen, über sein Denken, seine Kleidung, sein Benehmen und sogar sein Intimleben. Es soll hier nicht im einzelnen untersucht werden, welche Vorschriften der Wachtturmgesellschaft biblisch sind und welche nicht. Tatsache bleibt, daß hier Menschen einer Organisation die Entscheidung über alle ihre Lebensbereiche abgetreten haben. Sie haben nur die Wahl, dieser Organisation zu gehorchen oder als böse und abtrünnig von Jehova Gott ausgeschlossen zu werden. Doch waren sie denn wirklich alle abtrünnig von Gott? Heißt es denn wirklich abtrünnig von Gott selbst zu sein, wenn man der Organisation nicht folgen will? Jehovas Zeugen wird keine Wahl gelassen; sie müssen dem treuen und verständigen Sklaven folgen, wenn sie mit Jesus Schritt halten wollen,. so heißt es im Wachtturm vom 01.05.88, S.13: "Nicht mit Christus Schritt zu halten kann zweierlei bedeuten. Entweder versuchen wir, schneller zu gehen und dem "treuen und verständigen Sklaven", dessen sich Jesus zur Verwirklichung des Vorsatzes Jehovas bedient, vorauszueilen, oder wir hinken der Führung dieses "Sklaven" hinterher (Matthäus 24:45-47). Einige Christen sind zum Beispiel in der Vergangenheit ungeduldig geworden, weil sie Änderungen in bezug auf die Lehre oder organisatorische Verbesserungen für notwendig und überfällig hielten. Da ihnen die Sache zu langsam ging, zogen sie sich verärgert von Jehovas Volk zurück. Wie töricht und kurzsichtig! Oftmals wurde genau das, was sie aufregte, später geändert, und zwar zu Jehovas bestimmter Zeit. (Spr. 19:2, Prediger 7:8,9)". (Hervorhebungen von mir) Hier werden wieder Gottes Wille und Weg und der der Organisation gleichgesetzt, aber was noch viel schlimmer ist: Eigentlich wird Jehova für die falschen Lehren verantwortlich gemacht! Die Änderung der Lehren erfolgte angeblich zu der von Jehova bestimmten Zeit! Wer die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas deshalb selbst verläßt, weil er nicht daran glauben kann, daß Jesus 1914 unsichtbar wiedergekommen ist, daß er nicht wiedergeboren ist oder daß Gott nur mit der Wachtturmorganisation handelt, wird genauso behandelt wie jemand, dem wegen Ehebruchs die Gemeinschaft entzogen worden ist. Kein Zeuge Jehovas darf mehr mit ihm sprechen, ihn auch nur grüßen und hat damit auch nie die Möglichkeit zu erfahren, ob diese Person nicht vielleicht recht hatte. Dabei dringen Jehovas Zeugen bei Angehörigen anderer Gemeinschaften immer darauf, diese sollten die Lehren ihrer Kirche sorgfältig überprüfen und sich aus erster Hand darüber informieren, ob z.B. die Informationen, die man ihnen über Jehovas Zeugen gegeben hat, denn überhaupt richtig sind. So heißt es im Wachtturm vom 01.04.95: "Wichtig: Informationen aus erster Hand.......Jehovas Zeugen schätzen es jedoch, wenn ein Gesprächspartner fair ist und gewissermaßen das sagt, was einige Leute einst in Rom gegenüber dem Apostel Paulus zum Ausdruck brachten: "Wir denken aber, daß es angebracht ist, von dir zu hören, was deine Gedanken sind, denn in der Tat, was diese Sekte betrifft, ist uns bekannt, daß ihr überall widersprochen wird...Kläre falsch unterrichtete Personen mit aller Milde auf...Lade sie ein, Informationen über Jehovas Zeugen aus erster Hand zu erhalten, wodurch sie selbst gewisse Verleumdungen durchschauen können.. Du kannst Publikationen verwenden, die von der Wachtturm-Gesellschaft herausgegeben werden und Aufschluß über die Organisation, ihre Geschichte und ihre Lehren geben. Wie Philippus einst Nathanael antwortete, so können wir kritische Personen auffordern: "Komm und sieh"...Jedermann ist herzlich eingeladen, zum nächstgelegenen Königreichssaal zu gehen, um sich ein eigenes Bild davon zu machen, was für Menschen Jehovas Zeugen sind und was sie lehren." Doch wie sieht es im umgekehrten Fall aus? Darf ein Zeuge Jehovas den Gottesdienst eine christlichen Kirche besuchen, um sich "aus erster Hand" zu informieren? Nein, es ist ihm verboten! Auch hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Es geht nicht darum, die Wachtturmgesellschaft schlecht zu machen. Falsche Dinge, Unzulänglichkeiten und Sünden gab und gibt es in jeder Gemeinde. Die vollkommene Gemeinde gibt es nicht und hat es nie gegeben. Bei der einen ist es die tote Gesetzlichkeit, bei der anderen falsche Lehren oder Unsittlichkeit. Doch wie sollen wir eine Gesellschaft beurteilen, die behauptet, nur in ihr sei Rettung möglich, die von ihren Mitgliedern fordert, alle Anweisungen zu befolgen, ebenso jede Änderung in der Lehre zu akzeptieren, die von sich selbst sagt, sie sei Jehovas Prophet und die dann solche Dinge lehrt? Erinnert uns dies nicht an etwas, was in Röm. 2,17ff über die Juden gesagt ist: "...der du nun einen anderen lehrst, und lehrst dich selbst nicht....." Auch warnte uns Jesus ausdrücklich, daß wir mit dem gleichen Maß gemessen würden, daß wir selbst anlegten und verurteilte Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit (Mt. 7,1+2; Luk. 18,9-14).

AUCH DIE URCHRISTENHEIT WAR NICHT VOLLKOMMEN

Eine Betrachtung des ganzen Neuen Testaments zeigt uns, daß es keine Organisation gibt, in der sämtliche Gotteskinder vereint wären, sondern daß es in jeder neutestamentlichen Gemeinde gläubige Gotteskinder gegeben hat und solche, die verloren gegangen sind. Schon in der allerersten Gemeinde in Jerusalem sehen wir, wie Hananias und Saphira den heiligen Geist belügen und sterben müssen. In der Gemeinde in Korinth geschieht Unzucht schlimmsten Ausmaßes, die Gemeinde in Galatien ist einem Rückfall in die Gesetzlichkeit des Spätjudentums erlegen etc., doch alle diese Gemeinden werden von Paulus trotzdem als "Gemeinde Gottes", "Geheiligte in Christus" angeredet. Paulus macht gerade in seinem ersten Brief an die Korinther klar, daß er sich an die einzelnen Christen wendet; in der Anrede spricht er zu "allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen an jedem Ort, bei ihnen und bei uns." Es kamen viele und schlimme Sünden vor in den Gemeinden der Urchristenheit, aber es wurde niemand von den Aposteln angewiesen, diese Gemeinde zu verlassen, selbst dort nicht, wo die Gemeinde wie in Korinth nicht die notwendige Gemeindezucht geübt hatte.

Betrachten wir doch die Schreiben an die sieben Gemeinden der Offenbarung; fast alle wurden getadelt, z.B. weil sie eine falsche Prophetin duldeten, weil sie die erste Liebe verlassen hatten, weil sie sogenannten Nikolaiten bei sich hatten etc. Und doch verhieß Jesus all denen aus diesen getadelten Gemeinden das ewige Leben, die ihm treu sind, obwohl die Gemeinden selbst teilweise verworfen wurden. (Offb. 2.7; 11; 17; 24-26; 3.4+5; 21) So kam es Gott stets auf das Verhältnis zu den einzelnen Personen an.

SCHRIFTSTELLEN AUS DEM ZUSAMMENHANG GERISSEN

Nicht die Mitgliedschaft in einer bestimmten Organisation ist Voraussetzung für das Heil. Nach der Lehre der Zeugen Jehovas jedoch können "wahre Anbeter Gottes" nur in ihrer Organisation zu finden sein. Als Schriftstelle, die dies beweise, wird u.a. Joh. 10.16 angeführt: " Ich habe andere Schafe, die nicht aus dieser Hürde sind; auch diese muß ich bringen, und sie werden meine Stimme hören, und sie werden eine Herde werden unter einem Hirten".

In dem Buch "Unterredungen anhand der Schriften" heißt es hierzu auf S. 324: "Ist es nicht offensichtlich, daß sich diese Schafe nicht in verschiedenen Religionsgemeinschaften der Christenheit befinden können, da Jesus sie doch in "eine Herde" bringen würde?" Als Jesus diese Worte sprach, waren seine Zuhörer ausnahmslos Juden, die, wie auch nach Jesu Tod und Auferstehung anfänglich die Apostel, davon ausgingen, der Messias sei ausschließlich für das Volk Israel gesandt und die die Heiden verachteten. Diese Heiden sind die anderen Schafe, die in das Gottesvolk aufgenommen wurden, obwohl sie ursprünglich nicht dazu gehörten. In Römer 9. 24 - 26 schreibt Paulus : "...Uns, die er auch berufen hat, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Nationen. Wie er auch in Hosea sagt (Hosea 2,25;2,1):Ich werde Nicht-mein-Volk mein Volk nennen, und die Nicht-Geliebte Geliebte. Und es wird geschehen, an dem Ort, da zu ihnen gesagt wurde: Ihr seid nicht mein Volk, dort werden sie Söhne des lebendigen Gottes genannt werden."

Zu dieser Deutung schreibt der Wachtturm vom 01.02.95: "Die Kommentatoren der Christenheit vertreten allgemein die Ansicht, bei den anderen Schafen handle es sich um nichtjüdische Christen und bei den zuvor erwähnten Schafen, die sich in der Schafhürde befinden, um Juden, die unter dem Gesetzesbund standen, und beide Gruppen würden in den Himmel kommen. Doch Jesus war von Geburt Jude und stand daher unter dem Gesetzesbund (Gal. 4.4)"

Hat man hierbei bedacht, daß Gottes Wort ausdrücklich sagt: "Christus ist des Gesetzes Ende" (Röm. 10,4)? Der Galaterbrief, den Jehovas Zeugen anführen, erklärt: "Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden." (Gal. 3,24)

Für jeden Juden war das Bild von den Schafen klar. So heißt es z.B. in Psalm 100,3 über Israel: "......sein Volk und die Herde seiner Weide." Ähnliches finden wir in Psalm 74,1. Dieses Bild greift Jesus dann z.B. in Matth. 15,24 wieder auf. In seinem Brief an die Epheser schreibt Paulus, daß Jesus "aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand der Umzäunung abgebrochen habe" (Eph. 2,14). Diese Umzäunung bestand zwischen Juden und Nichtjuden, Von einer Organisation im Sinne der Wachtturmgesellschaft ist bei dem Bild von den Schafen nicht die Rede.

Für einen Zeugen Jehovas ist diese biblische Deutung jedoch von vornherein zweifelhaft, weil sie ja laut Wachtturm von den "Kommentatoren der Christenheit", von der sogenannten Hure Babylon stammt.

Doch betrachten wir die weiteren Beweise der Wachtturmgesellschaft.

GOTT ERWÄHLTE EINZELNE

Nach der Lehre der Zeugen Jehovas handelt Gott nicht mit Einzelnen, sondern nur mit ihrer Organisation. Im Paradiesbuch heißt es auf S. 191: "Wieso können wir davon überzeugt sein, daß Gott eine sichtbare Organisation hat? ein Grund dafür ist, daß er ein unsichtbare Organisation hat. Jehova erschuf Cherube, Seraphe und viele andere Engel, die im Himmel seinen Willen tun sollten. Jesus Christus ist über sie alle als Erzengel eingesetzt. Die Bibel erklärt, daß die Engel zu Thronen oder Herrschaften oder Regierungen oder Gewalten organisiert worden sind (Kol 1.16; Epheser 1.21)....Lernen wir etwas aus dieser wunderbaren Organisation, die unter Gottes unsichtbaren Geschöpfen und in seinem materiellen Universum herrscht? Ja, wir lernen daraus, daß Jehova ein Gott der Organisation ist. Gewiß würde ein solcher Gott Menschen auf der Erde, die ihn wirklich lieben, nicht ohne Führung und Organisation lassen....Die Bibel zeigt, daß Jehova seine Diener immer auf organisierte Weise geleitet hat. Zum Beispiel führten gläubige Männer wie Abraham ihre Angehörigen und ihre Diener in der Anbetung Jehovas....Später, als die Israeliten an Zahl zunahmen und zu Millionen wurden, wollte Jehova nicht, daß ihn jeder auf seine eigene Weise anbetete, getrennt von irgendeiner organisierten Einrichtung. Nein, die Israeliten wurden zu einer Nation organisierter Anbeter zusammengefügt...Gebrauchte Jehova zu irgendeiner Zeit mehr als eine Organisation? In Noahs Tagen hatten nur Noah und diejenigen, die bei ihm in der Arche waren, Gottes Schutz und überlebten die Sintflut. Auch im 1. Jahrhundert gab es nicht zwei oder mehrere Christenorganisationen. Gott handelte nur mit einer."

Betrachten wir zuerst die beiden im Paradiesbuch oben genannten Stellen, die belegen soll, daß Gott mit einer sichtbaren Organisation handele, zuerst Kol. 1.16 ; dort heißt es über Jesus:

"Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen."

In der zweiten Stelle in Eph. 1.21 ist wiederum die Rede von Jesus Christus, der von Gott eingesetzt ist zu seiner Rechten im Himmel "über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen." Von einer Organisation, die Gott über seine Gemeinde gesetzt hat, wird hier nichts gesagt. Jesus ist das Haupt der Gemeinde und sie sein Leib (Eph. 1,22). Selbstverständlich, die Bibel berichtet auch über Organisation, nämlich die Organisation der Gemeinde (Versammlung) selbst: "Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi." Über die Organisation der Versammlung wird noch des öfteren gesprochen (1.Kor. 12,28; Heb. 13,17), aber, wie seltsam, von dieser angeblich heilsnotwendigen zentralen Organisation finden wird nichts dergleichen. Und eben weil sich in der Bibel nichts darüber findet, muß man dann zu Gedankenschlüssen greifen und zu Formulierungen wie den obigen: "...Wieso können wir überzeugt sein....".

Auch der Vergleich mit dem Volk Israel zeigt Unterschiede auf. Schon dieses bildete also in vorchristlicher Zeit Gottes Organisation. Natürlich besteht kein Zweifel darüber, daß Gott das Volk Israel auserwählt hat und mit ihm besonders handelte. Beinhaltet dies aber eine Organisation im Sinne der Zeugen Jehovas, eine Organisation, zu der man gehören mußte, wollte man Gott wohlgefallen? Ist die Geschichte des Volkes Israel gewissermaßen eine Vorschattung der heutigen Organisation? Eine Betrachtung der biblischen Geschichte hilft uns hier weiter.

So war Mose derjenige, dem die Übermittlung des alten Bundes anvertraut war,; er wurde sogar als Mittler bezeichnet (Gal. 3,19). In dieser Rolle war er ein Bild auf Jesus Christus. Sein Nachfolger Josua war der Anführer des Volkes Israel, aber kein Prophet oder Mittler, auch kein anderer hatte diese Rolle inne. Es gab auch keinen Grund für eine zentrale Leitung in Israel. Die Ältesten waren weder vom Volk gewählt worden, noch waren sie von Gott selbst bestimmt, sondern waren einfach Repräsentanten der jeweiligen Familien. Das mosaische Gesetz legte die Regeln fest, und unter der Aufsicht der jeweiligen Ältesten wurden die Strafen in den einzelnen Familien vollzogen. Jeder war vor Gott selbst verantwortlich. Es gab zu jener Zeit eine wahrhaft theokratische Herrschaft (Gottesherrschaft). Gott selbst handelte anstelle eines irdischen Königs.

Dies änderte sich, als das Volk Israel einen König haben wollte, damit es wie alle Nationen wäre (1.Sam. 8,20). Die Bibel zeigt, daß Gott kein Königtum über Israel wollte, daß er damit vielmehr nur den Wunsch seines Volkes erfüllte, nicht, ohne es auf die Folgen hinzuweisen:

"Der HERR aber sprach zu Samuel: Gehorche der Stimme es Volks in allem, was sie zu dir gesagt haben; denn sie haben nicht dich, sondern mich verworfen, daß ich nicht mehr König über sie sein soll. Sie tun dir, wie sie immer getan haben von dem Tage an, da ich sie aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, daß sie mich verlassen und anderen Göttern gedient haben...Doch warne sie und verkünde ihnen das Recht des Königs, der über sie herrschen wird...Wenn ihr dann schreien werdet zu der Zeit über euren König, den ihr euch erwählt habt, so wird euch der HERR zu derselben Zeit nicht erhören. Aber das Volk weigerte sich, auf die Stimme Samuels zu hören, und sie sprachen: Nein, sondern ein König soll über uns sein, daß wir auch seien wie alle Heiden."(1.Sam.8,7-20)

Später sagt Samuel::" Und ihr sollte erkennen und sehen, daß das Böse, daß ihr darin begangen habt, euch einen König zu erbitten, groß ist in den Augen des HERRN." (1.Sam.12,17)

Gott wollte dieses Königtum nicht, Es war ein weiteres Zeichen des Abfalls. Ab diesem Königtum, das Gott nicht wollte, gab es also eine zentralisierte Regierungsgewalt über Israel. Diese scheiterte kläglich und gipfelte in der Teilung des Reiches.

Doch welcher Teil hiervon wäre dann Gottes Organisation gewesen? Es gab auf beiden Seiten gute und schlechte Könige, zu beiden sandte Gott seine Propheten, redete mit beiden.

Nein, auch die Betrachtung der Geschichte des Volkes Israel macht deutlich, daß es keine zentrale Leitung gab und geben sollte. Die Betrachtung der gesamten Bibel im Zusammenhang zeigt uns, daß Gott auch später durchweg Einzelpersonen wie verschiedene Propheten und Könige auswählte, derer er sich bediente.

Es ist wirklich erstaunlich, wie die Führung der Zeugen Jehovas aus der Fülle von Einzelpersonen, denen Gott seine Gnade erwies, aus dem Volk Israel eine Organisation zu machen versucht, um eine angeblich biblische Begründung für die eigene Organisation zu haben. Gott wählte Abraham als Einzelperson aus, und wer war denn mit Noah in der Arche: doch nur seine Söhne und deren Frauen! Und auch diese Söhne wurden von Gott nicht alle drei auserwählt. Selbstverständlich kann man eine Familie im weiteren Sinn auch als Organisation bezeichnen, doch es geht ja nicht um die Bezeichnung, sondern um die Tatsache, daß Jehovas Zeugen damit einen Alleinvertretungsanspruch erheben.

GOTT LEITET DURCH DEN HEILIGEN GEIST, NICHT DURCH EINE ORGANISATION

Die Leitung der Zeugen Jehovas versucht, ihre menschlichen Vorstellungen auf das Reich Gottes zu übertragen. So schreibt sie in ihrem Buch "Unterredungen anhand der Schriften" auf S. 323 unter Berufung auf Mt. 24.14 (...und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für alle Völker...): "Wie sollte das ohne eine Organisation durchgeführt werden? Als Jesus seine Jünger für dieses Werk schulte, sagte er nicht einfach, jeder könne hingehen, wohin er wünsche, und seinen Glauben anderen auf irgendeine Art mitteilen, die ihm beliebe. Er schulte sie, gab ihnen Anweisungen und sandte sie auf organisierte Weise aus. Siehe Lukas 8.1; 9.1-6; 10.1-16"

Doch handelt es sich wirklich um "Organisationsanweisungen" Jesu? Die Interpretation einer Schulung spiegelt zwar die Art und Weise wider, wie Zeugen Jehovas heutzutage vorgehen, doch wer die Evangelien und die Apostelgeschichte liest, merkt sofort, daß dies bei Jesus und der Urchristenheit anders war.

Die Apostel lebten in der Kraft des Heiligen Geistes, der sie lehrte und leitete. Das war es, was Jesus verheißen hatte: Er würde zum Vater gehen, und der Heilige Geist würde kommen: "Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern, was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen." (Jh. 16.13+14.)

Über den Geist heißt es auch: "Der Helfer (oder Anwalt, Beistand) aber, der heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch über alles belehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe." (Jh. 14,26)

"Wenn aber der Helfer kommt, den ich euch vom Vater her senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis über mich (oder "für mich") ablegen." (Jh.15,26).

Dieser Geist ist uns verheißen, nicht aber eine Organisation, die verbindlich erklärt, wie die Bibel auszulegen ist.

Warum ist auch von Jesus nie irgend etwas über eine solche Organisation berichtet worden, wenn sie so wichtig für Gottes Plan war? Warum taucht später, in den Apostolischen Briefen, nichts davon auf? Warum sprechen die ganzen Geschehnisse der Apostelgeschichte im Gegenteil völlig gegen den Plan einer allgewaltigen Organisation?

Nach ihrer Ansicht führen die Zeugen Jehova das "Muster aus dem ersten Jahrhundert" in bezug auf eine sichtbare Organisation Gottes fort. So heißt es im Paradiesbuch, S.194: "Waren diese Christenversammlungen im 1. Jahrhundert unabhängig voneinander, und traf jede ihre eigenen Entscheidungen? Nein, die Bibel zeigt, daß sie in dem einen christlichen Glauben vereint waren. Alle Versammlungen wurden von der gleichen Stelle aus geführt und geleitet. Als zum Beispiel eine Meinungsverschiedenheit über die Frage der Beschneidung aufkam, entschieden die Versammlungen oder Einzelpersonen nicht für sich selbst, was zu tun sei. Statt dessen wurden der Apostel Paulus, Barnabas und andere beauftragt, `wegen dieses Wortstreites zu den Aposteln und den älteren Männern nach Jerusalem hinaufzugehen.` Nachdem diese reifen Männer mit der Hilfe des Wortes Gottes und seines `heiligen Geistes` ihre Entscheidung gefällt hatten, sandten sie treue Männer aus, um die Versammlung davon zu unterrichten... Ja, alle Versammlungen hielten sich an die Entscheidung der Körperschaft der älteren Männer in Jerusalem und nahmen an Glauben zu."

Im sogenannten Apostelkonzil ist die Rede davon, daß den Gemeinden die Beschlüsse der Apostel und Ältesten "zur Befolgung" mitgeteilt wurden. Könnte dies ein Hinweis sein, daß es doch so etwas gab wie eine "leitende Körperschaft", die von Jerusalem aus zentrale Beschlüsse faßte? Ja, dies könnte darauf hindeuten, wenn es durch die übrigen Geschehnisse bestätigt würde. Ansonsten wäre es als das zu werten, wie es allgemein angesehen wird, als ein besonderer Beschluß in einer besonderen Situation! Prüfen wir, was nach der Apostelgeschichte weiter geschah!

Gerade sie beweist, daß die Behauptungen der Zeugen Jehovas falsch sind. Gab es z.B. eine Organisation, die gemeinsam beschlossen hätte, daß Petrus das Evangelium zu den Heiden tragen sollte? Nein, sondern Petrus erhielt seinen Auftrag durch eine Vision, die ihm Gott gab. Als die Apostel beschlossen, nach Asien zu ziehen und dort das Wort zu verkündigen, wurden sie vom Heiligen Geist daran gehindert (Apg. 16.6)!

Über die erste Missionsreise heißt es in Apg. 13.2: "Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe." Zu Philippus sprach der Engel des Herrn und schickte ihn zu dem Kämmerer aus Äthiopien.

Aber auch sonst gab es keine Entscheidungen einer "leitenden Körperschaft", der die anderen sich zu fügen hatten. So heißt es in Apg. 15.36-41 über den Beginn der zweiten Missionsreise: "Nach einigen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Laß uns nun zurückkehren und die Brüder besuchen in jeder Stadt, in der wir das Wort des Herrn verkündigt haben, und sehen, wie es ihnen geht. Barnabas aber wollte auch Johannes mit dem Beinamen Markus mitnehmen. Paulus aber hielt es für richtig, den nicht mitzunehmen, der aus Pamphylien von ihnen gewichen und nicht mit ihnen gegangen war zu dem Werk. Es entstand nun eine Erbitterung, so daß sie sich voneinander trennten und Barnabas den Markus mitnahm und nach Zypern segelte. Paulus aber wählte sich Silas und zog aus, von den Brüdern der Gnade Gottes befohlen. Er durchzog aber Syrien und Zilizien und befestigte die Gemeinden." Auch hier ist nichts von einer Organisation zu sehen, die etwas koordiniert hätte.

Nach der Bekehrung des Paulus ist nichts davon zu lesen, daß er Anweisungen einer "leitenden Körperschaft" erhalten hätte, im Gegenteil! In seinem Brief an die Galater schreibt er: "Ich ging auch nicht nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern ich ging sogleich fort nach Arabien und kehrte wieder nach Damaskus zurück. Darauf, nach drei Jahren, ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennenzulernen und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Keinen anderen Apostel aber sah ich außer Jakobus, den Bruder des Herrn."

Jedem Zeugen Jehovas sei angeraten, die Apostelgeschichte einmal im Zusammenhang zu lesen, es ist nichts von einer koordinierenden Körperschaft zu finden.

Wenn es eine "leitende Körperschaft" geben sollte, warum setzten dann im übrigen die Apostel wohl in allen Gemeinden Älteste, nirgends aber Männer ein, die nach ihrem Ableben darüber wachen sollten, daß eine zentrale Leitung stattfand? Selbst wenn sich eine sog. "leitende Körperschaft" aus den Ältesten hätte zusammensetzen sollen, warum findet sich denn kein einziger Anhaltspunkt dafür? Auch die Bezeichnung "Aufseher" gibt keinen Anhalt für eine "leitende Körperschaft", denn er ist nur ein anderer Ausdruck für die Ältesten: "Aber von Milet aber sandte er nach Ephesus und rief die Ältesten der Gemeinde herüber. Als sie aber zu ihm gekommen waren, sprach er zu ihnen... Habt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der heilige Geist euch als Aufseher gesetzt hat , die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat. durch das Blut seines eigenen Sohnes" (Apg. 20.17+28). Wenn wir die Kirchengeschichte betrachten, so stellen wir fest, daß die Gemeinden durchweg selbständig waren. Eine stärkere Zentralisierung fand erst nach dem Tod der Apostel statt. Eine Trennung in Älteste und Bischöfe (Aufsehern) gab es erst im 2. Jahrhundert, die dann immer mehr ausgebaut wurde und letztendlich in die Trennung von "Geistlichen" und "Laien" einmündete.

Wenn wir nicht annehmen wollen, die Apostel hätten gegen Gottes Willen verstoßen, indem sie zwar Älteste einsetzten, aber niemanden als ihre Nachfolger bestimmten, bleibt nur der Schluß, daß Gott eben nicht mit einer "leitenden Körperschaft" handelte, sondern auch hier, wie durchgängig in der Heiligen Schrift, einzelne Personen herausrief und erwählte.

Wenn also Jehovas Zeugen das "Muster der Urchristenheit" hätten wiederherstellen wollen, müßte man sich für selbständige Versammlungen unter der Leitung von gewählten Ältesten einsetzen.

In der Didache, der sog. Apostellehre 14 heißt es hierzu..."Wählt euch Bischöfe und Diakone, die des Herrn würdig sind, mild, nicht geldgierig, wahrhaftig und erprobt, da sie euch auch als Propheten und Lehrer dienen." Wer sich wirklich dafür interessiert, das Muster der Urkirche wiederherzustellen, sollte sich einmal ernsthaft mit der Kirchengeschichte beschäftigen, dann wird er sehr schnell feststellen, daß die heutige Praxis der Wachtturmgesellschaft nicht schriftgemäß ist.

Es ist auch recht interessant zu lesen, was C.T. Russell, der erste Präsident der Wachtturmgesellschaft über die Einsetzung der Ältesten in Band 6 der Schriftstudien schrieb, wobei er sich auf Apg. 14,26 bezog: "Das griechische Wort, das mit "gewählt" übersetzt ist, gibt erschöpfenden Aufschluß; es heißt "cheirotoneo", d.h. die Hand aufheben. Die Gläubigen bezeichneten also ihr Ältesten durch das Aufheben der Hände in öffentlicher Abstimmung. Anders verhält es sich mit der Einsetzung der Apostel, von welcher in Johannes 15,16 die Rede ist: "Ich habe euch auserwählt und gesetzt." Dort steht auch ein anderes griechisches Wort....Das Wählen durch Handaufheben war damals allgemeiner Brauch. Der Apostel gebraucht dasselbe griechische Wort, wo er sagt, wie Titus sein Gehilfe wurde. Er schreibt: "Er ist auch von den Versammlungen gewählt [durch Handaufheben] worden zu unserem Reisegefährten. Das Wörtchen "auch" in diesem Text deutet an, daß der Apostel ebenso gewählt wurde. Nicht zum Apostel wurde er gewählt - der er schon war -, sondern zum Abgesandter Versammlung in Antiochien, die ohne Zweifel für die Kosten dieser Missionsreise aufkam. ...In der Urkirche waren alle frei, ihre Fähigkeiten nach eigenem Ermessen in den Dienst der Sache zu stellen. Die Versammlungen konnten beschließen oder ablehnen, den Aposteln besondere Aufträge zu geben, und die Apostel ihrerseits konnten solche Aufträge ablehnen oder übernehmen; beide Teile erfreuten sich der gleichen Gewissensfreiheit... Ohne Zweifel war den Brüdern der Rat des Apostels... sehr erwünscht, und solche Ratschläge sind gewiß eingeholt und dann auch befolgt worden. Gleichwohl suchten die Apostel, und die ihrem Beispiele folgten, die Verantwortlichkeit da, wo Gott sie hin verlegt hat: nämlich bei der Versammlung.

So, wie Russell es ausdrückt, daß man Rat bei den Aposteln holte, war es auch in der Frage der Beschneidung, beim sog. "Apostelkonzil" Man muß die ganze Apostelgeschichte lesen, dann sieht man, wie die einzelnen Gemeinden strukturiert waren, wie sie unabhängig voneinander waren und doch durch das Band des einen Geistes vereint waren (Eph. 4,3+4) Diese Selbständigkeit wurde erst längere Zeit nach dem Tod der Apostel von der Kirche, die ja nach der Lehre der Wachtturmgesellschaft von Jehova abgefallen war, abgeschafft. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich so eine hierarchisch zentralistisch geordnete Kirche. Auch wenn die Katholische Kirche ein besonders beliebtes Angriffsziel für die Wachtturmgesellschaft ist, hier greift man u.a. auf deren Organisationsstrukturen zurück.

Bis zum Jahre 1932 hatten die Versammlungen die Einrichtung von gewählten Ältesten und Diakonen, doch dann wurde dies durch einen von der Gesellschaft bestellten einzelnen Dienstleiter abgelöst. Im Jahre 1971 gab es dann wieder eine neue - teilweise alte - Lehre, man habe durch genauere Studien herausgefunden, daß eben kein Einzelner mehr, sondern eine Ältestenschaft der Versammlung vorzustehen habe. Diese wurden allerdings nicht wie früher gewählt, sondern von oben eingesetzt.

Bist du wirklich mit Gottes Organisation verbunden?

Mußt du dich nicht, wenn du ein Zeuge Jehovas bist, nach alledem fragen, ob du wirklich mit "Jehovas Organisation" verbunden bist? Die Bibel zeigt uns , daß es keine sichtbare, zentrale Leitung der Versammlungen gab und darum der Anspruch der Gesellschaft, die Situation der Urchristenheit wieder hergestellt zu haben, falsch ist. Haben die Tatsachen nicht weiter gezeigt, daß der Anspruch der Gesellschaft, nur in ihr als "Arche" könne man gerettet werden, unbiblisch ist? Hat sich nicht auch erwiesen, daß sie ein falscher Prophet ist? Es gibt keine Organisation, die das Heil vermittelt, nur einer ist Mittler und zwar Jesus (Apg. 4.12). Doch die "Organisation"- "Mama"- hat sich an die Stelle Jesu gesetzt, sie ist die Verbindung zu Gott, der einzige Weg, Erkenntnis zu erlangen. Erinnert uns dies nicht an das, was Paulus an die Thessalonicher in seinem 2. Brief schreibt, daß jemand sich "in den Tempel des Gottes niedersetzt und sich öffentlich darstellt, daß er ein Gott sei"(NW-Übersetzung). Kann jemand, der so handelt, für sich in Anspruch nehmen, als "Gottes Kanal" zu handeln? Wer solches tut, ist "weitergegangen, nicht geblieben in der Lehre des Christus, der hat Gott nicht."(2.Joh.9) Wie wirst du dann mit der Aufforderung der Organisation umgehen: "Geht aus ihr hinaus, mein Volk, wenn ihr nicht mit ihr teilhaben wollt an ihren Sünden und wenn ihr nicht einen Teil ihrer Plagen empfangen wollt"? (Offb. 18,4, NW-Übersetzung)

Im Wachtturm erschien am 01.02.95 ein Artikel mit der Überschrift: DEINE RELIGION EIN SCHIFF; DAS MAN AUF KEINEN FALL VERLASSEN SOLLTE? Weiter heißt es dann: ...argumentieren viele Menschen aus den verschiedensten Religionen: Ich weiß, daß meine Religion in vielem Unrecht hat, aber ich hoffe, sie wird sich ändern; ich will sie nicht verlassen; vielmehr würde ich gerne mithelfen, die Schwierigkeiten zu überwinden... Kann man aber im Boot der eigenen Kirche bleiben und darauf hoffen, Gott werde in seiner Barmherzigkeit allen Religionen unbegrenzt Zeit einräumen, sich zu reformieren...Ist es weise, um jeden Preis in einer Kirche zu bleiben, ungeachtet ihres Zustandes?

Willst du in einer Organisation bleiben, die sich eine Macht anmaßt, die ihr nicht zusteht, die sich als Mittlerin zu Gott ausgibt?

Natürlich stellt sich die Frage, wohin sollst du gehen (Jh. 6,66). Das ist die gleiche Frage, um die es schon einmal ging.

Und die Bibel gibt uns die Antwort. Bete zu Gott und gehe zu Jesus, der "Worte des ewigen Lebens hat". Jesus sagte von sich, daß er das Brot des Lebens sei. Wer zu ihm kommt, den wird nicht hungern und wer an ihn glaubt, den wird nie mehr dürsten (Joh. 6,35).

Wenn du ein Zeuge Jehovas bist, so mag es sein, daß du dich fragst, wer denn jetzt "die Wahrheit" habe. Du besuchst vielleicht eine andere Kirche und stellst fest, daß man auch dort Dinge lehrt, die vielleicht auch nicht richtig sind. Für dich ist "die Wahrheit" eine Sammlung von Lehren, und du würdest bei allen Kirchen und Gemeinschaften enttäuscht sein.

Verschwende deine Zeit nicht, indem du nach einer perfekten Organisation suchst; es gibt sie nicht.

Bedeutet dies für Dich, daß du ein Zeuge Jehovas bleiben solltest, weil es eben keine perfekte Organisation gibt und dir diese Gemeinschaft als das "kleinere Übel" erscheinen mag? Vielleicht hast du auch Freunde und Verwandte dort, die du alle verlieren würdest, wenn du die Wachtturmorganisation verließest. Es geht jedoch nicht darum, die Versammlung oder Kirche zu finden, die dem eigenen Geschmack oder Verstand am besten zusagt oder eine Liste aufzustellen, was die Gemeinde dir alles bringen muß. Gemeinde ist wichtig, sicherlich, aber zu allererst mußt du zu Jesus gehen. Die Gemeinde in Ephesus wurde trotz aller ihrer Arbeit, ihrer Geduld und der "richtigen" Lehre getadelt, weil sie "die erste Liebe verlassen hatte" (Off. 2,1-7).

Die Wachtturmgesellschaft weist dich nicht auf Jesus hin, sondern auf sich selbst, sie hat sich an die Stelle Jesu gesetzt. Du solltest dich fragen:

"Kann ich dieser Organisation guten Gewissens weiter angehören?" Du gehorchst Menschen und nicht Gott, wenn du ihr folgst, und du folgst einem falschen Propheten. Der Wachtturm schrieb einmal: "Kann man sagen, es sei lieblos, wenn jemand Menschen vor einer drohenden Gefahr, die sie nicht wahrnehmen, warnt oder wenn er sie darauf aufmerksam macht, daß sie von Personen irregeführt werden, die sie als ihre Freunde betrachten? Sie mögen es vorziehen, die Warnung in den Wind zu schlagen. Oder vielleicht nehmen sie sie sogar übel. Enthebt ihn das aber der Verantwortung, die Betreffenden zu warnen? Wenn du zu den Menschen gehörst, die Gott treu bleiben möchten, solltest du dich mit solchen Fragen auseinandersetzen...Es wäre viel leichter für sie gewesen, Stillschweigen zu bewahren oder nur das zu sagen, was Menschen gern hören wollten. Ihre Treue zu Gott und ihre Liebe zu ihrem Nächsten bewog sie jedoch zu reden." (WT vom 15.04.74, S.227)

Viele Menschen, die die Wachtturmgesellschaft verlassen haben, taten dies unter großen Opfern. Sie verloren Freunde, Verwandte, Ehepartner, manchmal auch Arbeitsplatz oder Wohnung. Aber Gott verspricht: "Ich werde euch die Jahre erstatten, die die Heuschrecke, der Abfresser und der Vertilger und der Nager gefressen haben... Und ihr werdet genug essen und satt werden und werdet den Namen des HERRN, eures Gottes, loben, der Wunderbares an euch getan hat." (Joel 2,25) Er verspricht auch, daß derjenige, der alles für ihn verläßt, dies hundertfach wiedererstattet bekommt, er erhält hundertfach neue Brüder, Schwestern und Mütter und das ewige Leben (Mt. 19,29).

Habe Vertrauen zu Gott, daß er dich in die Wahrheit leiten wird. Er verheißt uns, daß sein Wort eine Leuchte für unseren Fuß sein wird und ein Licht für unseren Pfad (Ps. 119,105). Wir sollen Vertrauen zu ihm haben, auch dort, wo wir seine Wege nicht verstehen (1.Kor. 8,1-3; Jes. 57,15; Spr. 3,5). Gott sagt uns in seinem Wort, daß das Wissen aufbläht, die Liebe aber erbaut, daß wenn jemand Gott liebt, er zu ihm gehört.

Gott liebt dich als Person, und du darfst zu Jesus kommen, den der Vater als Retter der Welt bestimmt hat und der uns liebt. Lies die Bibel, bete zu Gott und suche andere Menschen, die Jesus ebenfalls als ihren Herrn und Heiland angenommen haben. Habe mit diesen Menschen Gemeinschaft, aber bleibe nicht in einer Organisation, die sich an die Stelle Jesu gesetzt hat.

Jesus sagte (Jh. 6.37): "WER ZU MIR KOMMT, DEN WERDE ICH NICHT HINAUSSTOSSEN."

Sigrid Raquet
(Schluß, gekürzt)

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