|
|
|
14In den Gemeinden gibt es viel Beunruhigung. Eine Flut von breitenwirksamer Literatur beschäftigt die Gemüter. Neuestens tritt noch die moderne Medientechnologie, die Magnetkassette, der Schmalfilm und der Videorecorder verstärkend hinzu. Sie gestatten es dem schlichtesten Gemeindeglied, die Dinge, die sich bei den großen Massenveranstaltungen ereignen, sinnenkräftig nachzuerleben. Sehen und Hören werden voll einbezogen. Menschen stürzen unter den Wogen übermächtiger Geisteskräfte zu Boden. Geisterfülltes Stöhnen, Schluchzen, Weinen, Lachen und Zungenreden ist zu hören.
Geisterfüllt? Das ist für andere gerade die Frage. Denn es sind auch manchmal Bedenklichkeiten zu registrieren. Die Predigt hat es immer schwerer, wirklich noch gehört zu werden. Viel Klagen über die Unzulänglichkeiten des Gemeindelebens greift ums sich. Menschen mit bescheidener Schriftkenntnis oft, aber mit gefestigtem Sendungsbewusstsein, treten auf und weisen der fragenden Gemeinde den Weg. Es muss zu Spannungen kommen.
Nötig ist zunächst eine erneute biblisch-theologische Aufarbeitung der mit dem Stichwort Geistestaufe verbundenen Fragen. Denn im Zentrum der verschiedensten Strömungen, die derzeit das pneumatologische Feld durchackern - ihre Bandbreite reicht vom populärwissenschaftlichen Sachbuch bis hin zum Life-Mitschnitt der großen Heilungsversammlungen - steht immer wieder ein Erlebnis: das Erlebnis der Geistestaufe.
Ohne Geistestaufe, so liest und hört man, keine Geistesgaben. Die Geistestaufe ist es, an die vor allem der Empfang der stärkeren charismatischen Energien gebunden scheint. Sie wird als eine in jeder Hinsicht außerordentliche Erfahrung beschrieben. Kräftigste Vokabeln werden verwandt, um sie halbwegs nachzuzeichnen. Man liest von Feuerwogen, die den Körper durchfluten, von mächtigen Wärmeerfahrungen, von elektrischen Kraftdurchströmungen und von ekstatisch-visionären Grenzerlebnissen.
Die Realität dieser Geistestaufen scheint unbezweifelbar. Aber welche Kräfte wirken in ihnen? Und wie zeigt sich das Bild der Geistestaufe in den Urkunden der biblischen Offenbarung?
Der "AK Theologischen Fragen im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden" (in der DDR) hat sich in seinen Sitzungen seit 1986 vorwiegend mit der Frage der Geistestaufe und mit ihrem Verhältnis zu Bekehrung und Wiedergeburt befasst. Die Vertreter der Brüdergemeinden gelangten dabei zu folgenden Ergebnissen, die sie in die Arbeitsbesprechungen einbrachten:
Wir sollten davon abstehen, diesen stets neue Missverständnisse hervorrufenden Begriff der Geistestaufe zu verwenden, wenn es uns darum geht, uns selbst und unsere Geschwister zu völliger Hingabe an den Herrn, zu vertieftem Glauben und zu erneuertem Gehorsam zu rufen (vgl. RÖ12.1.2).
Manche Fragen bleiben offen. Dazu gehört auch die Frage nach der Natur der in den gegenwärtigen "Geistestaufen" wirkenden Kräfte.
Wenn wir über die Bedeutung der Evangelien, vielleicht im Gegensatz zum Römerbrief, nachdenken, sollten wir uns zuvor darüber einig sein: Alles, was Gott im Verlauf der Heilsgeschichte offenbart und uns in der Bibel anvertraut hat. ist Gottes heiliges unantastbares Wort. Dennoch stellt jeder Bibelleser sehr schnell fest, dass ihm das Buch des Propheten Obadja offensichtlich mehr Schwierigkeiten bereitet, als z.B. der Philipperbrief. Woran liegt das? Meiner Ansicht nach hängt es vor allem mit zwei Dingen zusammen:
Der Philipperbrief steht heilsgeschichtlich gesehen dichter am HERRN, als das Buch Obadjas, das das Gericht Gottes über Edom beschreibt. Und außerdem lassen sich solche Aussagen wie Phil 4,6: "Seid um nichts besorgt, sondern lasst in allem durch Gebet und Flehen eure Anliegen vor Gott kundwerden." viel leichter auf uns persönlich beziehen, wie z.B. Obadja 9:"Und deine Helden, Theman, werden verzagen, damit jedermann vom Gebirge Esaus ausgerottet werde durch Mord."
An diesen zwei praktischen Kriterien, kann man die Bedeutung eines biblischen Buches messen: Was sagt das Buch über meinen HERRN und was kann ich direkt auf mich anwenden.
Es lässt sich aber noch ein drittes Kriterium angeben: die Notwendigkeit seiner Entstehung. Hier müssten wir überlegen, was uns fehlen würde, wenn wir dieses Buch nicht hätten.
Die Bedeutung der Evangelien für die neutestamentliche Gemeinde ergibt sich also
Im hohenpriesterlichen Gebet sagte der Herr Jesus zu seinem Vater im Himmel (Johannes 17,8): "Die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen." Der HERR hat also die Worte Gottes zunächst mündlich seinen Jüngern weitergegeben. Die haben sie aufgenommen und an Juden und Heiden weitergegeben, damit auch diese zum Glauben kämen. In V.20 fügt der HERR hinzu: "Ich bitte auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben."
Das Wort der Apostel sollte die Grundlage unseres Glaubens werden. Durch ihr Wort sind auch wir zum Glauben gekommen. In diesem Sinn hatte der HERR schon früher zu seinen Jüngern gesagt (Lk 10,16): "Wer euch hört, hört mich und wer euch verwirft, verwirft mich."
Es sind die Worte der Apostel und ihrer Schüler, die wir lesen, wenn wir die Evangelien aufschlagen. Der HERR hat das ausdrücklich so gewollt. Er selbst hat nichts geschrieben, seinen Jüngern aber versprochen, sie durch seinen Geist bei der Niederschrift zu tragen. Solange die Apostel lebten, waren sie die lebendige Bibel der Gemeinde. Sie gaben das weiter, was sie bei ihrem HERRN gesehen und von ihm gelernt hatten. Selbst vor dem Hohen Rat in Jerusalem bekannten Petrus und Johannes (Apg 4,20): "Es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden."
Immer wieder haben sie in ihrer Verkündigung von dem geredet, was sie mit dem Herrn Jesus erlebt hatten, von dem, was er getan und gesagt hat. Die Kenntnis dieser Geschehnisse ist für den Glauben unverzichtbar, denn sie bilden ja das Fundament - und die Apostel haben sie gelehrt. So sagte Petrus zu Kornelius und den bei ihm versammelten Heiden (Apg 10,38): "Ihr kennt die Sache... : Jesus von Nazareth, wie Gott ihn mit Heiligem Geist und mit Kraft gesalbt hat, der umherging und wohltat und alle heilte, die vom Teufel überwältigt waren, denn Gott war mit ihm." Dann sprach er von seiner Kreuzigung, und Auferstehung. Und erst am Schluss kam er auf die Sündenvergebung. Das heißt, das Geschehen, von dem uns die Evangelien berichteten, nahm in der Rede des Petrus den weitaus größten Raum ein. Offensichtlich ist das in der Verkündigung der Apostel immer so gewesen. Dazu noch zwei Beispiele (Jo 20,30+31):"Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor den Jungem getan, die nicht in diesem Buch geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen." Der Glaube entsteht also durch den Bericht von den Taten Jesu. Ähnlich sagt es Lukas in seinem Bericht an Theophilus (Apg 1,1-2): "Den ersten Bericht habe ich verfasst, Theophilus, von allem, was Jesus angefangen hat zu tun und auch zu lehren, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde."
Der Glaubende braucht Gewissheit über das irdische Leben des HERRN, über seine Taten und über sein Lehren. Das ist das Evangelium, die gute Nachricht von unserem Herrn Jesus Christus. Die Briefe des NT vermitteln in dieser Weise nicht so sehr Evangelium, sondern mehr Lehre. Sie sind ja auch an gläubige Menschen gerichtet. Die Briefe sind sozusagen Predigten über das Evangelium, trotzdem aber natürlich voll und ganz Gottes Wort und genauso wichtig, wie die Evangelien. Ohne die Briefe könnten wir das Werk unseres Herrn Jesus Christus kaum richtig verstehen. Aber ersetzen können sie die gute Nachricht von den Worten und Taten unseren HERRN nicht - im Gegenteil: die Briefe setzen die Evangelien voraus. Das wird gerade bei Petrus deutlich:
"Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren nachfolgt; der keine Sünde getan hat, noch ist Trug in seinem Mund gefunden worden..."(1Pt 2,21)
Fassen wir zusammen:
Die Evangelien mussten geschrieben werden, um uns die gute Nachricht von unserem Herrn Jesus Christus unverfälscht zu erhalten.
Es wäre schlimm, wenn wir sie nicht hätten. Vielleicht hätten wir gewisse Vorstellungen von einem himmlischen Christus, wüssten aber kaum etwas von dem Christus, der im Fleisch gekommen ist. Der erste Johannesbrief sagt uns ja, wie wichtig gerade das Bekenntnis zu dem im Fleisch gekommenen Christus, zu dem menschgewordenen Gottessohn, ist. Das wird auch von lTim3,16 bestätigt, wo Paulus von unserem Herrn Jesus sagt:
"Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Der geoffenbart worden ist im Fleisch." Und nicht nur für den Anfang des Glaubenslebens sind die Evangelien unentbehrlich. Das sagt uns der Hebräerbrief (l 2,2): "Lasst uns mit Ausharren laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes."
Wir müssen festhalten: Die Evangelien sind für die neutestamentliche Gemeinde unentbehrlich. Ohne sie würde uns der grundlegende Teil des Neuen Testamentes fehlen.
Ein weiterer wesentlicher Grund für die Notwendigkeit der Evangelien, auf den ich aber jetzt nicht näher eingehen kann, ist ihre Brückenfunktion vom Alten zum Neuen Testament. Dabei ist das Matthäus-Evangelium von besonderer Wichtigkeit.
Die Bedeutung eines biblischen Buches resultiert auch aus seiner Nähe zu unserem HERRN. Es bedarf wohl kaum besonderer Studien, um zu zeigen, dass es überhaupt keine Schriften in der Bibel gibt, die so ausführlich von unserem hochgelobten HERRN sprechen. Die Evangelien zeigen uns, wie Gott selbst sich in seinem Sohn geoffenbart und verherrlicht hat. Darum konnte der Herr Jesus sagen (Jo 14,9): "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen."
Es ist so, wie es Johannes in seinem Evangelium schreibt (l,14): "Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater." Auch von diesem Punkt her ist es keine Frage: die Evangelien sind von allerhöchster Wichtigkeit für uns.
In diesem Zusammenhang sollten wir zwei Dinge beachten:
1. Unsere Bibelauslegung muss immer von der buchstäblichen Grundbedeutung eines Textes als seiner Normalbedeutung ausgehen. Ausschlaggebend kann nicht sein, was ich in den Text hineinlege, sondern was der Text in seinem Zusammenhang direkt aussagt.
2. Sollten wir uns vergewissern, wem das Gesagte unmittelbar gilt. Was über Israel ausgesagt ist, muss auch auf Israel bezogen werden. Man kann das nicht ohne weiteres auf die Gemeinde umdeuten und umgekehrt. Viele der dem Volk Israel gegebenen Verheißungen werden sich z.B. erst in einem künftigen messianischen Reich erfüllen.
Martin Luther hat in seiner Schrift von 1527 "Unterweisung, wie sich Christen in Mosen sollen schicken" eine Unterscheidung zwischen direkt und indirekt auf mich anwendbaren Gottesworten vorgenommen: "Man muss mit der Schrift säuberlich handeln und fahren... Man muss nicht allein ansehen, ob es Gottes Wort sei, ob es Gott geredet habe, sondern vielmehr, zu wem es geredet sei, ob es dich treffe oder einen anderen... es ist zweierlei Wort in der Schrift: Eins geht mich nicht an, betrifft mich auch nicht. Das andere betrifft mich. Und auf dasselbige, das mich angehet, mag ich's kühnlich wagen."
Damit wir uns nicht missverstehen will ich noch einmal wiederholen: Alles, was die Bibel sagt ist Gottes Wort und als Gottes Wort Wahrheit. In allen ihren Teilen hat die Bibel für mich höchste Autorität. Dennoch könnte die Unterscheidung zwischen zeitgebundener und zeitloser Autorität der Bibel hier sehr hilfreich sein.
Zeitgebundene, geschichtliche Autorität kommt der ganzen Heiligen Schrift zu. Überall wird uns mit göttlicher Autorität in zuverlässiger Weise gesagt, was Gott im Zug der Heilsgeschichte von der Schöpfung anfangend gewirkt und jeweils angeordnet hat.
Aber nicht alles, was Gott in bestimmten Heilsepochen angewiesen hat, ist auch für mich direkt verbindlich. Das heißt freilich nicht, dass ich mir jetzt auswählen kann. was für mich verbindlich sein soll und was nicht. Diese Auswahl hat Gott getroffen. Er hat z.B. bestimmt, dass ich jetzt keine Opfertier mehr schlachten lassen muss, wenn ich gesündigt habe. Er hat bestimmt, was für die jeweilige Zeit grundsätzlich und direkt gilt.
Weil uns aber die ganze Schrift zum Nutzen und zur Belehrung gegeben ist, dürfen wir auch solche Aussagen, die nur anderen Heilszeiten direkt gelten, dennoch indirekt auf uns anwenden. Die Anordnung des Sabbat galt zum Beispiel für die Zeit des Gesetzes. Trotzdem darf ich indirekt daraus schließen, dass Gott mich dadurch auf die Notwendigkeit eines Ruhetages für den Menschen hinweist.
Es ist völlig klar, dass die Evangelien für uns volle historische Autorität haben. Die Dinge, die dort beschrieben sind, sind wirklich so und nicht anders geschehen! Wie ist es aber mit ihrer zeitlosen Autorität?
Anders gefragt: Darf ich die Botschaft der Evangelien direkt auf mich anwenden oder nur indirekt?
Um die Frage zu beantworten, sollten wir uns noch ein paar Gedanken über die Heilszeit der Evangelien machen und dann den jeweiligen Text sorgfältig nach seiner Grundbedeutung untersuchen.
Die Heilszeit der Evangelien entspricht nicht genau der Heilszeit, in der wir uns jetzt befinden. Es ist die Zeit vor Pfingsten, die Zeit zwischen dem Gesetz und der Gnade. Deshalb stehen die Evangelien auch wie eine Brücke zwischen dem AT und NT. Hier werden viele Dinge berichtet, die wirklich nur ein einziges Mal geschehen sind und nie wieder geschehen werden, denken wir nur an das Opfer unseres Herrn Jesus.
In den Evangelien wird nicht ständig von uns gesprochen. sondern vielmehr von dem, was unser HERR gesagt und getan hat. Und was er sagte und tat, galt den Jüngern, den Pharisäern, einzelnen kranken Menschen usw. Nicht alles können wir automatisch auf uns beziehen. Z.B. gilt uns nicht der Auftrag in Mt 10 (die Aussendung der Zwölf), sehr wohl aber der Missionsbefehl von Mt 28. Das Gleichnis von den Weingärtnern können wir nicht direkt auf uns beziehen, wohl aber die Botschaft der Bergpredigt.
Der jeweilige Zusammenhang macht klar. was wir direkt auf uns beziehen können und was wir nur indirekt auf uns anwenden dürfen. Nach Apg 18,23 und 19,30 sind wir ja auch Jünger Jesu. Ich halte es aber für bedenklich, wenn man von vornherein bestimmte Pauschalurteile über ganze biblische Bücher fällt, wenn man z.B. behauptet, das Matthäus-Evangelium würde überhaupt nicht von uns sprechen, sondern gelte den Juden im tausendjährigen Reich. Natürlich würde alle Schrift zu uns reden, aber das wird dann doch nicht so ernst genommen: Die Bergpredigt hat dann kaum eine praktische Bedeutung, ja selbst der Missionsbefehl in Mt 28 wäre nicht an uns gerichtet. Der unsrige stünde angeblich in Apg 26,15-18, wo freilich von uns gar keine Rede ist.
Extreme Vertreter der sogenannten Haushaltungslehre geben solche Meinungen als biblische Lehre weiter. Hier liegt auch das Problem mit dieser Lehre. Ich habe noch keinen wirklich klaren Schriftbeweis für diese pauschalisierenden Überspitzungen gefunden. Immer wieder nur Behauptungen: "das ist so", "das verhält sich so" - ohne Beweis.
Glücklicherweise sind auch solche Gemeinden, in denen diese Lehre stark vertreten wird, selber inkonsequent, denn bestimmte Schriftstellen haben sie schon immer direkt auf sich bezogen, obwohl sie bei Matthäus stehen. Mt 11,28: "Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben." Es wäre ja auch sehr traurig für uns, wenn das nur den Juden im 1000-jährigen Reich gelten würde. Oder Mt 18,20: "Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte."
Sehr bemerkenswert ist, dass gerade in dem Abschnitt, wo sich dieses Zitat befindet, zweimal das Wort für Gemeinde "ekklesia" vorkommt. Und ein drittes Mal steht das Wort in Mt 16,18.
Ausgerechnet im Matthäus-Evangelium, das nicht für die Gemeinde gelten soll, kommt das Wort "Gemeinde" dreimal vor und sonst in keinem anderen Evangelium. Natürlich schreibt Matthäus ganz offensichtlich an Judenchristen, die in Israel lebten. Es könnte sogar sein, dass er das ursprünglich in aramäischer Sprache tat. Aber Gott hat dafür gesorgt, dass das Matthäusevangelium in der griechischen Sprache, der Sprache der Heidenchristen, verbreitet worden ist
Außerdem müssen wir bedenken, dass die Judenchristen. an die das Evangelium ursprünglich gerichtet war, doch vollwertige Christen gewesen sind. Wenn die Botschaft des Matthäusevangeliums nur für die Zeit des 1000-jährigen Reiches gelten würde, was hätten sie denn damals, als Matthäus es ihnen schrieb, damit anfangen sollen? Und wenn die Bergpredigt nur im 1000-jährigen Reich gelten soll, warum steht da mittendrin die Bitte um Bewahrung vor dem Bösen? Der Böse wird in dieser Zeit doch gebunden sein.
Natürlich hat die Hauhaltungslehre eine Berechtigung. Gefährlich wird es nur dann. wenn man anfängt. Folgerungen aus der ihr zu ziehen und nicht mehr aus der Schrift selbst. Die Haushaltungslehre ist nur eine menschliche Lehre, die zwar aus der Schrift gewonnen wurde und an manchen Stellen sehr hilfreich sein kann, aber doch nicht identisch mit dem Wort Gottes ist oder gar noch darüber steht.
Wir müssen uns gegenseitig dazu erziehen in jedem Einzelfall sorgfältig in die Schrift selbst hineinschauen. sonst haben wir eines Tages keinen richtigen Grund mehr unter den Füßen. Wir dürfen nicht Vorentscheidungen getroffen haben, noch bevor wir die Bibel selbst lesen. Erst das Studieren des jeweiligen Zusammenhangs selbst kann uns deutlich machen, wer gemeint ist.
Fassen wir zusammen:
(Der Beitrag wurde auf der Rüstwoche der Brüdergemeinden 1990 in Leipzig gehalten und erschien schriftlich zuerst in der Monatszeitschrift der Brüdergemeinden "Die Botschaft" 2/1991)
Die folgende Definition wählte der l. Weltkongress der Fundamentalisten (15.-22.6. 1976, Edinburgh, Schottland).
"Ein Fundamentalist ist ein wiedergeborener Christus-Gläubiger, der:
Daher ist Fundamentalismus eine kämpferische Orthodoxie, die brennend danach trachtet, Seelen (für Christus) zu gewinnen. Wenn sich Fundamentalisten auch in gewissen Auslegungsfragen der Bibel unterscheiden mögen, so sind sie doch von Herzen in dem Hauptanliegen einig, den Glauben und die Predigt des Evangeliums ohne Kompromiss oder Zerteilung zu verteidigen. Solange jemand nicht den schriftgemäßen Glauben festhält und verteidigt und nicht um die Rettung Verlorener besorgt ist, ist er kein echter Fundamentalist.
Wie Gott durch seine Fügung Eliah rief, so glauben wir, ruft ER auch heute einen treuen Überrest, um für ein Bekenntnis einzutreten, das mit keinerlei feindlichem Widerstand einen Kompromiss eingeht. Als Gemeinschaft des Gottesvolkes, aus Gnade errettet und vom Heiligen Geist wiedergeboren, haben wir gemeinsam beschlossen, in dieser bösen Zeit mit Christus für alles einzutreten, wofür ER eintritt und gegen alles anzutreten, wogegen ER ist:
Ursprünglich bedeutete dieser Ausdruck, der von "euangelion" (griech.) kommt, "dem Evangelium entsprechend"; er war früher gleichbedeutend mit "Fundamentalist". In Europa war es der meistgebrauchte Ausdruck für diejenigen, die den fundamentalistischen Standpunkt gegen das Vordringen und den Betrug der modernen Theologie einnahmen. Doch, mit dem Fortschreiten des Abfalls im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts sind die beiden Begriffe nicht länger gleichbedeutend: die Mehrheit der heutigen Evangelikalen lehnt sowohl den Fundamentalismus als auch die Fundamentalisten ab. Der Name "Evangelikale" wurde zu einer Behausung für eine Vielzahl religiöser Gruppen und Menschen. Selbst die röm.-kath. Kirche und sogar der Papst beanspruchen diesen Titel. Jene Evangelikalen, die sich noch zu den fundamentalen Glaubensaussagen halten und dabei den Begriff "fundamentalistisch" ablehnen, sind weder kämpferisch in der Verteidigung des Glaubens noch eindeutig in der Verurteilung des Abfalls. Sie praktizieren weder kirchliche Absonderung, noch sind sie offensiv in ihrer Evangeliumsverkündigung.
Deshalb bezeichnet dieser Name nicht länger eine spezielle religiöse Position und hat den tadelnden Klang verloren, der ihm einmal anhaftete. So hat diese Tatsache gewisse Evangelikale zu einer Klärung des Wortes veranlasst, um eine Identität zu schaffen. Hierher rührt der Begriffsgebrauch "Evangelikaler (gemäß der alten Schule)" und "Neu- Evangelikaler (Neo-Evangelikaler)".
Der Begriff wurde von Dr. H. Ockenga geprägt; er berichtet selbst davon in seinem Vorwort zu Harold Lindsells Buch" Der Kampf um die Bibel":
"Der Neo-Evangelikalismus entstand 1948 in Verbindung mit einer Eröffnungsrede, die ich im Auditorium von Pasadena hielt. Während sie den theologischen Standpunkt des Fundamentalismus bekräftigte, lehnte sie dessen Kirchen-und Soziallehre ab. Der mächtige Ruf nach Ablehnung der Absonderung sowie die Aufforderung zum sozialen Engagement fand die begeisterte Zustimmung vieler Evangelikaler. Der Name verfing, und Sprecher wie Dr. H. Linsell, Carl F. H. Henry, E. Camell und G. Archer unterstützten diesen Standpunkt. Wir wollten keine neue Bewegung ins Leben rufen, doch merkten, dass diese Betonung von überallher Unterstützung bekam und großen Einfluss ausübte."
Der Neo-Evangelikalismus unterschied sich vom Modernismus darin, dass er das Übernatürliche anerkannte und die grundlegenden Lehren der Schrift betonte. Von der Neo-Orthodoxie unterschied er sich, weil er das geschriebene Wort als irrtumslos hervorhob, im Gegensatz zum Wort Gottes, das über und verschieden von der Schrift sei, jedoch in ihr offenbart sei. Vom Fundamentalismus unterschied er sich in der Ablehnung der Absonderung und seiner Absicht, sich am aktuellen theologischen Dialog zu beteiligen. Die Anwendung des Evangeliums auf die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebensbereiche wurde neu betont. "Die Neo-Evangelikalen legten besonderen Wert auf eine neue Formulierung der christlichen Theologie entsprechend dem Bedürfnis unserer Zeit, die erneute Beteiligung am theologischen Streitgespräch, die Wiederergreifung der Führung in den Kirchen und die Nachprüfung theologischer Probleme wie das Alter der Menschheit, die weltweite Sintflut, Gottes Schöpfungsmethode und andere." Seit der Entstehung der Neo-Evangelikalen ist ihr Versagen erkennbar. Der Neo-Evangelikale ist dem Dialog verfallen; Wahrheit ist für ihn diskutierbar. (Für den Fundamentalisten ist sie nicht nur indiskutabel, sondern göttlich offenbart und endgültig.)
Der Neo-Evangelikale ist ökumenisch gesinnt; er wird alle als Christen bezeichnen. Er steht nicht klar für die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift und lehnt sie bisweilen sogar völlig ab. Er ist nicht von der direkten Schöpfung überzeugt, sondern übernimmt Ansichten, die er "theistische Evolution", "Schwellenevolution" oder "fortschreitende Schöpfung" nennt. Die einzige Sache, gegen die er wirklich ist, ist die reine schriftgemäße Lehre der kirchlichen Absonderung.
Spurgeon hatte schon zu seiner Zeit mit den Vorvätern der neuen Evangelikalen zu kämpfen. In der Dezemberausgabe seiner Zeitschrift "Schwert und Kelle" (1887) stellt er fest: Die unverschämte Art, in der gewisse Leute behaupten, es sei entgegen der Gesinnung Christi, sich von Menschen abzusondern, die an grundlegenden Irrtümern festhalten, wäre belustigend, wenn sie nicht so betrüblich wäre. Sie schreiben, als gäbe es so ein Buch wie das Neue Testament überhaupt nicht; sie entscheiden offensichtlich darüber, was als die Gesinnung Christi zu gelten hat, ohne solch "arme" Kreaturen wie die Apostel zu berücksichtigen. Wir für unseren Teil halten mehr von Paulus und Johannes als von sämtlichen modernen Denkern. Was sagt die Schrift? "Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht. Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken" (2.Joh.lOf) "Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: Er sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt außer dem, was ihr empfangen habt: er sei verflucht!" (Gal.l;8+9) Der Geist der Schrift ist einer, und deshalb dürfen wir sicher sein, dass eine Entscheidung für die Wahrheit und die Absonderung vom Irreführenden in voller Übereinstimmung mit der Liebe aus 1Kor 13 stehen, auf die wir doch ständig hingewiesen werden. Wahre Liebe zu denen, die fehlgehen, besteht darin, dass man es ablehnt, sie in ihrem Irrtum zu bestätigen und zu unterstützen. "Liebe" klingt sehr wohllautend im Munde derer, die sich selbst ins rechte Licht rücken wollen, doch wenn sie sie in der Vergangenheit geübt hätten, dann hätten sie uns nicht aus jenem Volk gejagt, zu dem wir natürlicherweise gehören."
Der Neo-Evangelikale wurde im Ungehorsam gezeugt, im Kompromiss geboren, genährt mit intellektuellem Stolz, wuchs auf mit der Beschwichtigung des Bösen und ist auf dem Weg zum Gericht des allmächtigen Gottes. Er wird vom Wort Gottes, das er so offenkundig ablehnt, angeklagt und verurteilt. In seinem Buch "Der Kampf um die Bibel" entlarvt Dr. Lindsell die vielen Neo-Evangelikalen, die jetzt öffentlich die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift ablehnen. Doch es muss betont werden, dass alle Neo-Evangelikalen, einschließlich Dr. Lindsell, die Autorität des Wortes Gottes dort völlig ablehnen, wo es die Absonderung von aller kirchlichen Leugnung des geschichtlichen christlichen Glaubens eindeutig lehrt.
(s. 1Jo 4,l-3; Röm 16,17; 1Tim 6,3-5; 2Joh 10-11; Offb 18,4f; Tit 3,10; 2Kor 6,14-18.)
P.S. Für denjenigen unter unseren Lesern, der eine genauere theologische Darlegung des Evangelikalismus und seiner Unterschiede zum Fundamentalismus möchte, empfehlen wir das richtungweisende Buch "Bibel im Angriff" (1989, Edition ABC) von Dr. Alan Caims.
(Mit freundlicher Genehmigung der "Internationalen Arbeitsgemeinschaft bekennender Christen", aus deren "Zeit-Ruf" Nr.2/1990, obiger Beitrag stammt.)
"Richtet euer Herz auf alle Worte, die ich euch heute bezeuge, damit ihr sie euren Kindern befehlt, dass sie darauf achten, alle Worte dieses Gebotes zu tun." 5Mo32,46 In der Bibel werden stets die Eltern als Erziehungsbeauftragte Gottes genannt. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die geistliche und geistige Erziehung der Kinder, in der Gott den Mittelpunkt bildet, ist wichtigstes Erziehungsziel christlicher Eltern und der Gemeinde.
In den vergangenen Jahrzehnten konnte dem auf Grund der sozialistischen Diktatur nur in begrenztem Umfang nachgekommen werden. Durch die gewonnene Freiheit ist nun die Gründung christlicher Schulen auch für uns Realität geworden. Im Westen Deutschlands gibt es schon ca. 40 freie Evangelische Schulen (Bekenntnisschulen) bzw. Initiativgruppen. Diese Schulen können auf jahrelange Erfahrungen zurückblicken, wovon nun auch der Osten profitieren kann.
Da nur Lehrer eingestellt werden, die im lebendigen Glauben an Jesus Christus stehen, haben christliche Eltern und Lehrer dasselbe Erziehungsziel: den Kindern Jesus Christus nahezubringen. Solche Schulen sind offen für alle Kinder, unabhängig von sozialen Stand, religiöser Anschauungen und intellektueller Begabung. Dadurch wird dem Missionsbefehl Jesu - "Gehet hin und macht alle Nationen zu Jungem, und taufet sie auf den Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe." Matt28,20 - nachgekommen.
In einer christlichen Schule sollen die Kinder Vertrauen, Hoffnung, Liebe, Güte, Gerechtigkeit und Bannherzigkeit erfahren. Für die verschiedenen Wissensgebiete vermittelt der Unterricht biblische Kriterien und Maßstäbe.
In den neuen Bundesländern sind nun auch einige Initiativgruppen entstanden. In Chemnitz wird daran gearbeitet, dass 1992 der Unterricht mit einer oder zwei l. Klassen aufgenommen werden kann. Ein besonderer Schwerpunkt soll die Integration behinderter Kinder werden. Wir stehen kurz vor der Gründung eines Trägervereins (e.V.). Viele Hürden gilt es noch zu überwinden. Auch hier steht das intensive Gebet an erster Stelle. Wir alle wissen, dass ohne Gebet nichts erreicht werden kann. Vielleicht finden wir durch diese Veröffentlichung einige Beter mehr für die Gründung einer christlichen Schule?
In Otto Schade, Rektor der Freien Evangelischen Schule in Reutlingen (Baden-Würtemberg) hat unsere Initiativgruppe eine aktive Stütze. Eine intensive Partnerschaft beider Schulen wird angestrebt
Im Prozess der Erneuerung des Schulwesens in Sachsen müssen auch christliche Schulen einen Platz finden, um vorhandenen Bedürfnissen bei Eltern und Schülern Rechnung zu tragen und um den über Jahrzehnte hinweg entstandenen Defiziten an christlichen Werten entgegenzuwirken. Eine solche Schule wäre in der Lage, der inneren Vereinsamung, häufiger Orientierungslosigkeit und Irreführung relativ schutzloser Kinder entgegenzuwirken. Eine "freie christliche Schule" im Freistaat Sachsen ist ein Angebot für eine christliche Schule im oben erklären Sinne. Sie ist orientiert an den nachfolgend genannten Grundsätzen.
l. Die "freie christliche Schule" ist ein Angebot für jene Eltern, die an einer solchen Bildung und einer bewusst am christlichen Glauben orientierten Erziehung ihrer Kinder durch eine Gemeinschaft engagierter christlicher Pädagogen interessiert sind. Diese Schule steht allen Kindern offen, deren Eltern mit der Zielsetzung dieser Schule übereinstimmen.
2. Die "freie christliche Schule" orientiert sich darauf, junge Menschen so zu bilden und zu erziehen, dass sie hinreichend auf das Leben vorbereitet werden und dass sie das Angebot des Glaubens an Jesus Christus als entscheidende Hilfe für den Lebensvollzug erfahren und damit als mündige Christen "Salz " und "Licht" in der Gesellschaft sein können. Die pädagogische Arbeit wird dabei so gestaltet, dass die persönliche Entscheidung des einzelnen respektiert wird. Diese Zielsetzung bedingt insbesondere
3. Hinsichtlich des Bildungsangebots, des Bildungsumfangs und der Ausbildungsziele der einzelnen Schulstufen sichert die "freie christliche Schule" zu, dass ihre Abschlüsse denen der staatlichen Schulen entsprechen und lückenlose Übergänge der Schüler zu anderen Schulen ermöglicht werden. Entsprechend ihrer grundsätzlichen Zielstellung wird in der "freien christlichen Schule" nach selbst entwickelten Rahmenplänen unterrichtet, die hinsichtlich inhaltlicher Schwerpunkte und zeitlichen Zuordnungen an den staatlichen Lehrplänen orientiert sind.
Wochenstundenzahl, Struktur der Unterrichtsdisziplinen, Pausenregime und ähnliche schulorganisatorische Fragen werden in Anlehnung an entsprechende Regelungen im staatlichen Schulwesen und unter Beachtung der Zielstellung der "freien christlichen Schule" von ihr selbst verantwortet.
4. (sollte Überlegungen zur Integration Behinderter enthalten)
5. In der freien christlichen Schule haben Gottes Wort und Gebet einen festen Platz. Gemeinsames Singen und Musizieren, Schulfeste und andere Gemeinschaftsveranstaltungen werden gepflegt. Dem Gemeinschaftserleben, einer fröhlichen und entspannten Schulatmosphäre und dem Angenommensein jedes einzelnen Kindes wird viel Wert beigemessen. Der grundsätzliche Erziehungsstil der Schule ist am biblischen Menschenbild orientiert. Erziehungsstile, die an anderen Menschenbildern orientiert sind (wie antiautoritäre oder emanzipatorische Erziehung) werden abgelehnt. Ausgehend von der Verantwortung des Menschen vor Gott spielt in der Erziehung die Wechselwirkung von Vorbild und Belehrung, von Einüben und Sanktionen eine wichtige Rolle, wobei das Gebot der Nächstenliebe als erzieherisches Regulativ wirken soll.
6. Unterricht an der "freien christlichen Schule" sichert eine ganzheitliche Persönlichkeitsbildung, indem er - wissenschaftliche Faktenkenntnisse vermittelt, die ein realistisches Weltverständnis ermöglichen und eine saubere Unterscheidung zwischen gesicherten Aussagen und Hypothesen sichern und die zur kritischen Auseinandersetzung mit pseudowissenschaftlichen Theorien und Ideologien befähigen,
7. Hinsichtlich der Organisation und Gestaltung des Unterrichts wird neben allgemein anerkannten Unterrichtsprinzipien wie Anschaulichkeit, Fasslichkeit u.a.m. vor allem auf nachfolgend genannte Grundsätze orientiert:
Zusätzlich werden außerunterrichtliche Interessen- und Arbeitsgruppen angeboten.
Auf den sozialen Umgang der Kinder - vor allem in relativ kleinen und stabilen Lern- und Lebensgemeinschaften - wird großer Wert gelegt. Durch den Charakter des Lernens in, mit und auch für die Gemeinschaft sollen Eigenschaften wie gegenseitige Achtung, kulturvoller Umgang miteinander, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit entwickelt werden. Bei aller Gemeinschaftsorientierung muss dabei darauf geachtet werden, dass jedes Kind genügend Freiraum zur Individualitätsentwicklung erhält.
8. Lehrer in der "freien christlichen Schule" sind vom Staat anerkannte Pädagogen mit einer Qualifikation in der entsprechenden Schulstufe, die sich als Christen im Sinne der Zielstellung dieser Schule engagieren. Sie sollten lebendige Christen sein, die auch in einer Gemeinde mitarbeiten. Ihre pädagogische Arbeit sollte vom Gebot der Nächstenliebe ausgehend von Liebe und Verantwortung für die Kinder bestimmt sein und in der Haltung geschehen, dass entschiedenes pädagogisches Engagement und das Erbitten des Beistandes Gottes zusammenwirken müssen, um die angestrebten Ziele zu erreichen.
9. Die Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern, Gemeinde und Kindern ist unbedingte Voraussetzung für einen optimalen Schulbetrieb.
Unter dieser Überschrift meldete sich der Theologieprofesser in Basel und Löwen Dr.Dr.Georg Huntemann in der "Welt am Sonntag" (10.2.91) zu Wort. Seine Überlegungen sind nicht nur im Blick auf den Golfkrieg beachtenswert.
"Ein junger Soldat aus Bremen hat vor wenigen Tagen seinen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung ausdrücklich mit seiner christlichen Verantwortung begründet.
Kann ein Christ im Ernstfall (wenn er töten müsste) Soldat sein? 'Es steht doch geschrieben' (in dem wohl am meisten zitierten Abschnitt der Bibel, nämlich der Bergpredigt), dass wir unsere Feinde lieben, dem Bösen nicht widerstehen und nach einem Streich auf die rechte auch noch die linke Wange hinhalten sollen. Also doch Frieden um jeden Preis?
Sehr viele angesichts des Golf-Krieges 'Betroffene', 'Entsetzte' und "Beschämte" - vor allem unter den evangelischen Christen - skandieren und plakatierten nicht nur 'Kein Blut für Öl", sondern Pfarrer im Norden und Süden der Republik rufen zum Desertieren und zur Kriegsdienstverweigerung auf, also zu Handlungen, die nach den Gesetzen dieses Staates strafbar sind....
Haben diese und eine Armada anderer Stimmen in der Interpretation des Christentum als eine Religion des Friedens um jeden Preis recht? Angesichts eines nur mit Tränen zu quittierenden Analphabetentums im Blick auf Aussagen der Bibel sei zunächst daran erinnert, dass auch und gerade im Neuen Testament die Anerkennung einer Staatsmacht (Luther übersetzt "Obrigkeit") als "Gottesdienerin zum Guten" ausdrücklich eingefordert wird. Ohne Macht kein Recht, und ohne Recht kein Friede. Friede ohne Recht wäre Erstarrung in Diktatur oder der Untergang im Chaos der Anarchie - also Zerstörung der Humanität.
Der Jesus des Neuen Testamentes ist nicht jener Mantel der Liebe, der einfach über alle Scheußlichkeiten der Welt geworfen werden könnte. Er wird dargestellt als Richter der Endzeit, der den Triumph der Gerechtigkeit über alle Ungerechtigkeit offenbar machen wird. Dieser Jesus, der ausdrücklich fordert, dem Cäsar (also dem Staat) zu geben, was des Staates ist und Gott, was Gottes ist, hat nicht in konfliktloser Hippi-Aussteigermentalität gelebt, sondern in harter Konfrontation mit dem Tempel. Er stand gegen die religiöse Heuchelei der Pharisäer, denen er das Feuer der Hölle androhte.
Der Rechts- und der Gewaltverzicht in der Bergpredigt ist Ausdruck der Liebe, die nicht im Politischen, sondern nur in unmittelbarer persönlicher Dimension gelebt und verwirklicht werden kann. Der Christ kann in der Nachfolge Jesu auf Ehe, Besitz, Familie, Recht und Gewalt verzichten, wenn ihm dies persönlich auferlegt wird. Die Liebe, insbesondere die Feindesliebe ist ein Gnadenerlebnis, das Menschen erlaubt, persönliche Feindschaft zu überwinden. Wenn christliche Gemeinschaften heute weniger durch ecciesiogene Neurosen und religiösen Heilsegoismus als durch echte Liebe im persönlichen Miteinander erkennbar wären, dann wäre sie auf diese Weise Salz der Erde und Licht der Welt.
Aber Macht und Recht (also der Rechtsstaat) werden nach innen und außen auch in der Anwendung von Gewalt dem Unrecht entgegentreten. Von Ambrosius von Mailand (im 4.Jahmundert) über Augustin, Luther und Calvin, also in beiden großen Konfessionen, wurde der gerechte Krieg zur Wahrung von Recht und Ordnung und zur Behütung und Wiederherstellung des Friedens gegen die zerstörerische Aggression eindeutig als politische Möglichkeit anerkannt.
Auf der ersten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Amsterdam 1948, also nun im Zeitalter des Atomkrieges, hieß es zwar einerseits "Krieg solle nach Gottes Willen nicht sein", andererseits wurde vermerkt, dass man nicht "aus der ausweglosen Zwangssituation herauskäme, dass Waffenlosigkeit den Anreiz zur Vergewaltigung durch andere biete".
In den Kirchen wurde und wird aus dieser Sicht der Dinge (also nicht aus einem grundsätzlichen Pazifismus heraus) um das Ja oder Nein der Möglichkeit eines Krieges gerungen. Das Leben ist nach Aussage Jesu selbst nicht der höchste Wert, und notfalls muss das äußerste Opfer verlangt werden, wenn wirklich Friede sein soll.
Unsere Gegenwart zeigt, dass man auf diesem Raumschiff Erde ohne das Zueinander von Macht und Recht nicht überleben kann. Friede in einer kommenden Welt, nach der Wiederkunft des Welterlösers, wird die Umwandlung der Schwerter in Pflugscharen bringen.
Aber solange wir in dieser Wirklichkeit leben, wird Friede ohne Macht und Recht nicht zu haben sein. "Rechtsfreien Räumen" mit sendungsbewussten Diktatoren, die vielleicht sogar durch einen unheimlichen Selbstzerstörungstrieb motiviert werden, ist genauso zu widerstehen wie jenen "autonomen Banden", die unsere eigene Gesellschaft zu zerstören suchen. Der Erzbischof von Canterbury, Roben Runcie, hat darum den Krieg gegen den Irak als gerechtfertigt beurteilt.
Wenn der Kutscher trunken ist, so meinte einmal Dietrich Bonhoeffer, können wir nicht nur die Opfer verbinden, die unter die Räder gekommen sind. Wir müssen den Rädern selbst in die Speichen greifen."