Bibel und Gemeinde
1999-3
Buchbesprechungen

Buchbesprechungen

Bibelkritik

Eta Linnemann. Bibelkritik auf dem Prüfstand - Wie wissenschaftlich ist die «wissenschaftliche Theologie»? 1. Aufl. Nürnberg: VTR, 1998, 184 S. DM/SFr 26,80. ISBN 3-933372-19-4.

Die Verfasserin versteht ihr neues Buch als ein Werk neutestamentlicher Apologetik, das dazu dienen soll, die Bibelkritik namentlich als historisch-kritische Theologie auf den Prüfstand zu stellen.

Im ersten Kapitel beschäftigt sich Frau Linnemann mit der Quellentheorie und kommt zu dem Ergebnis, dass "Q" eine unnötige Hypothese ist, die niemals zufriedenstellend funktioniert hat. Im zweiten Kapitel geht sie noch ausführlicher auf das synoptische Problem ein. Dabei setzt sie sich auch mit den Argumenten von Robert H. Stein auseinander. Auch hier ist ihr Ergebnis negativ: Es ist keine literarische Abhängigkeit zwischen den drei synoptischen Evangelien nachweisbar.

Die Kapitel, die den größten Teil des Buches ausmachen, sind den Problemen der Verfasserschaft, Unechtheitserklärungen, literarischen Abhängigkeiten und Strukturfragen neutestamentlicher Briefe gewidmet. Eta Linnemann untersucht vor allem das Vokabular der Briefe von Paulus, Petrus, Jakobus und Judas. Auch arbeitet sie sehr deutlich heraus, dass alle kritischen Einwände einer Nachprüfung nicht standhalten. Das Kapitel "Evangelikale und historisch-kritische Theologie" schließt dieses engagiert geschriebene Buch ab. Linnemann ruft die Evangelikalen auf, ihren Weg in aller Treue zur Bibel zu gehen und sich nicht - um wissenschaftlich anerkannt zu werden - bei der Bibelkritik anzubiedern. Auf Seite 169/170 bringt die Verfasserin das Anliegen ihres Buches auf den Punkt: «Deshalb sollte sich kein Leser dieses Buches länger genötigt sehen, die Unterstellungen der Bibelkritik zu respektieren, weil sie - zu Unrecht - den Anspruch erheben, wissenschaftliche Ergebnisse zu sein. Ihre Argumente wurden zu hunderten geprüft und nicht eines hat den Test bestanden. Der Koloss der historisch-kritischen Theologie steht auf tönernen Füßen.»

Der Anhang: «Auf dem Prüfstand» zeigt, wo man was zu welchem Thema in diesem Buch findet. Ein Bibelstellen-, Personen- und Sachregister macht diese Schrift zu einem echten Arbeitsbuch, das jedem Theologiestudenten und an diesem Thema Interessierten empfohlen werden kann.

Volkmar Müller
D-Berthelsdorf

Gespraech

Thomas Mack. Gesprächsführer zur Bibel: Altes Testament, Teil 1. Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 1998. 383 S., DM/SFr 29,80. ISBN 3-89436-149-2.

Dieses Buch besteht in der Hauptsache aus etwa 3.500 Fragen zum Text und zur Botschaft der behandelten Bücher. Der Leser wird durch die Fragen und ergänzende Vorschläge herausgefordert, sich sowohl einen Überblick über jedes Buch zu verschaffen als auch die Botschaft jedes Kapitels induktiv zu erforschen.

Die Fragen zu jedem Kapitel werden unter vier Punkte eingegliedert: (1) Beim ersten Punkt, "Was steht im Text?", wird der Leser angeleitet, einige grundlegende Beobachtungen im Text zu machen. (2) Beim zweiten Punkt "Das Wesentliche erfassen", wird der Leser angeregt, wichtige Aussagen des Kapitels zu interpretieren. (3) Beim dritten Punkt "Für das Leben heute", werden praktische Anwendungsfragen gestellt. (4) Der vierte Punkt "Zur Vertiefung", fordert einen Vergleich mit anderen ausgewählten Schriften, die Licht auf den Text werfen. Bei den meisten Kapiteln werden entweder zwei oder drei der Punkte abgedeckt.

Am Ende der Einleitung für jedes Buch wird der Leser herausgefordert, den "Gesamteindruck" des Buches zu reflektieren. Fragen werden gestellt, die nicht nur eine Wiedergabe des Textes erfordern, sondern auch eigenständiges Erfassen und das Erkennen der Zusammenhänge. Die Fragen lenken die Aufmerksamkeit des Lesers auf Gottes Wesen und Werke. Der Leser wird dazu geführt, an Jesus zu denken, durch eine Frage, die bei jedem Buch vorkommt: "Welche Worte, Bilder oder Themen im ... Buch ... haben Sie am meisten an Jesus erinnert?" (z. B. auf S. 287) Die meisten der Fragen sind tiefsinnig, obwohl einige wenig sinnvollen Detailfragen über Namen und Zahlen gestellt werden.

Der Gesprächsführer ist für das persönliche Bibelstudium sehr hilfreich. Er verhilft dem Leser, sich genaue Gedanken über den Text zu machen und den Zusammenhang der Kapitel jedes biblischen Buches zu erfassen. Das Buch kann besonders für Leiter von Bibelgesprächskreisen als wertvolles Werkzeug dienen, wenn sie in der Lage sind, aus der Menge von Fragen, diejenigen zu wählen, die für den Kreis interessant und anregend sind. Obwohl buchstäblich Tausende von Fragen gestellt sind, werden die Antworten doch nicht direkt gegeben. Deshalb werden Leiter von Bibelgesprächskreisen gute Auslegungs-kommentare brauchen, um den Gesprächsführer zu ergänzen.

James Anderson
D-Reiskirchen

Bibel

Claude Bernard Costecalde (Hrsg.). Die illustrierte Bibel. Illustiert von Peter Dennis. Asslar: Schulte und Gerth, 1998. 388 S. DM/SFr. 49,80. ISBN 3-89437-525-6. Originaltitel: Illustrated Family Bible. London: Dorling Kindersley.

Ein wunderschön gestaltetes und illustriertes Werk! Diese illustrierte Familienbibel stellt eine Koproduktion mit dem Katholischen Bibelwerk Stuttgart dar. Der Bibeltext ist der Einheitsübersetzung entnommen.

Im deutschen evangelikalen Verlagswesen ist einiges in Bewegung - und manches nicht hin zum Guten. Man würde meinen, es sei die Aufgabe eines Verlages, sich das Risiko solcher Zusammenarbeit ausreichend zu vergegenwärtigen. Leider haben bei diesem Werk einige wesentliche Irrtümer das Lektorat passieren können. So wird auf S. 8 das Alte Testament als aus insgesamt 46 Büchern bestehend erklärt. Unter dem Titel "Zahlen im AT" heißt es auf S. 17: "Die Alters-angaben bei den Patriarchen - z.B. bei Noah, der 950 Jahre alt wurde (Gen. 9,29)- sind ebenfalls symbolisch und keinesfalls wörtlich zu verstehen." Seite 20 lässt uns wissen, der Sinn des Buches Genesis sei es, die Welt mit Hilfe von Sagen, Legenden und mythischen Erzählungen zu erklären. Die Folgeseite leugnet die mosaische Verfasserschaft des Pentateuch. Zu Exodus 12,37 wird erklärt, die große Zahl der Israeliten sei symbolisch gemeint (S. 76). Und sogar die Auferstehung Jesu wird verleugnet: "Die Auferstehung Jesu ist nicht wissenschaftlich erklärbar, sie ist eine Erfahrung der Jünger, die die Gegenwart Jesu Christi spüren. Die verschiedenen Erscheinungen Jesu sind keine Tatsachenberichte, sie wollen vielmehr die Erfahrungen der Jünger als anschaulich und lebensnah erweisen."

Soweit die wesentlich beanstandeten Stellen. Wir haben dem Verlag unsere Kritik fairerweise direkt vorgelegt. Der zuständige Lektor nahm sofort Stellung dazu und zeigte sich bestürzt über die kritischen Texte. Nach Erklärung der Verantwortlichen habe man zu wenig Zeit zur Kontrolle gehabt, und bei der Anmeldung einiger Veränderungen habe das Bibelwerk erklärt, es sei bereits zu spät für Korrekturen.

Was geschieht nun mit den bereits ausgelieferten Exemplaren? Wir fürchten, sie werden einigen Schaden anrichten.

Es bleibt zu wünschen, dass die Herausgabe solch mangelhafter Bücher - trotz der sehr angenehmen Aufmachung - in evangelikalen Verlagen möglichst selten geschieht.

Peter Toscan
CH-Zürich

Licht

Reinhard Hempelmann. Licht und Schatten des Erweckungschristentums: Ausprägungen und Herausforderungen pfingstlich-charismatischer Frömmigkeit. Stuttgart: Quell, 1998. 299 S. DM/SFr. 39.80. ISBN 3-7918-3441-X.

Der zuständige Referent für die Charismatische Bewegung (CB) und verwandte Strömungen bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen EZW legt hier unter dem leider etwas missverständlichen Titel des "Er-weckungs-christentums" eine differenzierte Würdigung und Kritik an der CB vor. Hempelmann argumentiert dabei nicht von einem evangelikalen Standpunkt aus, da er auch evangelikale und erst recht "fundamentalistische" Positionen im Buch kritisiert. Bei der CB lehnt er z.B. die mangelnde Ökumenefähigkeit und die fundamentalistischen Tendenzen ab - Punkte, die man auch bibeltreuen Christen außerhalb der CB vorwerfen könnte. Trotzdem ist dieses Buch lesenswert, denn es bietet manche bemerkenswerte Argumente, die in der innerevangelikalen Diskussion um die CB bisher zu wenig berücksichtigt wurden.

So weist Hempelmann z.B. mehrfach auf die Parallelen der CB mit den Ausprägungen der sogenannten Postmoderne hin, die sich im Drang nach individuellen Erlebnissen, in der Sehnsucht nach Emotionalität und ekstatischen Bewusstseinszuständen zeigen. Für die Interpretation der "Erfolgsgeschichte" der CB ist es eben wichtig zu wissen, dass sie auf bestimmte moderne Bedürfnisse des Menschen eingeht, so z.B. auf das Bedürfnis nach konkreter "Sichtbarkeit und Greifbarkeit der religiösen Erfahrung" (56). Im Kontext der Dritte-Welt-Länder führt die CB zu einer "Stärkung des Selbstvertrauens", einer "Erschließung der eigenen Emotionalität" und macht sprachlose Menschen durch die Zungenrede ausdrucksfähig (59). In diesen Ländern "integriert die Pfingstfrömmigkeit Elemente von Volksreligiosität" (119).

Der Autor ist ungemein kenntnisreich und versteht es, komprimiert zu schreiben. Er informiert ausführlich und kritisch über die Biblische Glaubens-Gemeinde in Stuttgart, Reinhard Bonnke und sein "Kreuz-Büchlein", Rodney Howard-Browne, den Vater des Toronto-Segens, über die "Dritte Welle" und die "Wort- und Glaubensbewegung". In Bezug auf die "Manifestationen des Geistes" versucht er, die menschliche Ebene als Erklärung heranzuziehen, ebenso beim Zungenreden. Wundersame Phänomene seien keine Beweise für die Gegenwart Gottes. Insgesamt sieht Hempelmann in der gesamten Bewegung eine Dominanz der "Erlebnisorientierung" gegenüber der "Bibelorientierung" (154).

Einige Teile des Buches wurden schon an anderer Stelle veröffentlicht, weshalb manche Wiederholungen vorkommen und die inhaltliche Stringenz der Gedankenführung manchmal fehlt. Trotzdem: Hempelmann bietet als Nichtevangelikaler und Nichtcharismatiker einige neue Aspekte für die Diskussion um die CB. Wenn man auch in manchen Dingen seiner Interpretation nicht folgen kann so ruft er in Erinnerung, dass es auch eine (zutiefst) menschliche Seite der CB gibt, die kritisch unter die Lupe zu nehmen ist.

Stephan Holthaus
D-Gießen

Glauben

Heinzpeter Hempelmann. Glauben wir alle an denselben Gott? Christlicher Glaube in einer nachchristlichen Gesellschaft. TVG. Wuppertal, Bad Liebenzell: Brockhaus, VLM, 1997. 80 S. DM/SFr 12,80. ISBN 3-417-29075-9.

Der Leiter des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission gibt mit dieser Schrift dem interessierten Chris-ten eine Argumentationshilfe für die Darstellung des christlichen Glaubens gegenüber pluralistisch geprägten Zeitgenossen in die Hand. Dabei setzt er sich insbesondere mit der heute typischen Frage auseinander, ob es nicht intolerant sei, unter den heutigen Umständen am christlichen Glauben als der einzigen Wahrheit festzuhalten.

In seinem ersten Teil wendet sich der Autor in knappen Zügen der multikulturellen Lebenswelt zu, die "schon lange nicht mehr christlich bestimmt ist. (S.8). Er plädiert dafür, dass Christen auch unter den neuen Gegebenheiten wieder "sprachfähig und argumentationsfähig" werden, (S. 25) wozu diese Schrift anleiten soll.

In einem zweiten Teil widerlegt er die Glaubensauffassung der multireligiösen Gesellschaft, die man mit den plakativen Worten umschreiben kann: "Wir glauben doch alle an denselben Gott." Das Entscheidende dabei: "Das Kreuz trennt" (S. 37).

Das dritte Kapitel zeigt, wie man für den Kampf für die Wahrheit streitet, wenn Toleranz zum Maßstab wird. Der humanistische Toleranzgedanke ohne Wahrheit wird ad absurdum geführt. Dagegen wird die christliche Wahrheit gesetzt, die den Menschen jedoch nicht fanatisiert, sondern die bescheiden macht, die andersdenkende Personen (er-)trägt ("tole-riert"), auch wenn es in der Sache keine Kompromisse geben kann, die freimacht und die sich im Glauben bewähren will.

Kleinere tendenziöse Bemerkungen kann man bei der sonstigen guten Qualität in Kauf nehmen. Etwa wenn Hempelmann schreibt: "Dabei ist zu fragen, ob nicht sowohl der Austritt der Kirchenfernen ... wie auch umgekehrt die freien Gemeindebildungen ... letztlich beides Äußerungen eines postmodernen individualistischen Zeitgeistes sind." Durchaus bedenkenswert, allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass es auch eine ekklesiologische Wahrheitsfrage gibt!

Insgesamt eine gute und nützliche Verständnis- und Argumentationshilfe. Zur besseren Orientierung sollte man bei künftigen Auflagen im Buchtitel den Begriff "Wahrheit" noch aufnehmen.

Steffen Denker
CH-Basel

Grab

Martin Biddle. Das Grab Christi. Neutestamentliche Quellen - historische und archäologische Forschungen - überraschende Erkenntnisse. Brunnen Verlag Gießen Basel: 1998. 192 S. DM 39,80 ISBN 3-7655-9804-6

Professor Martin Biddle aus Oxford, einer der führenden Experten für frühchristliche Archäologie, legt hier eine spezielle Studie über das Grab vor, das als das Grab Christi gilt. Es befindet sich in der Grabeskirche in Jerusalem unter einem besonderen Bau, der "Aedicula" ("Kleines Haus") genannt wird.

Der Verfasser trägt praktisch alles zusammen, was man aufgrund der Aussagen des Neuen Testaments, der Pilgerberichte aus allen Jahrhunderten und der Archäologie über die Aedicula und ihren Inhalt sagen kann. Er benutzt dabei auch die Methode der Fotogrammetrie, eine Technik, die hauptsächlich für die Aufnahme von Flugkarten entwickelt wurde, um dreidimensionale natürliche und künstliche Strukturen aufzuzeichnen. Diese Methode erlaubt aufgrund präziser Vermessungen von Bildpunkten die dreidimensionale Darstellung jeder gewünschten Ansicht des Objektes.

In der Einführung berichtet Biddle über den Ursprung dieser Studie und gibt Rechenschaft über Prinzipien und Abläufe. Anschließend untersucht er die bildlichen Darstellungen der Aedicula seit dem 4. Jahrhundert. Am interessantesten ist das 3. Kapitel: "Das Grab und die Aedicula von den Anfängen bis 1009".

Kaiser Hadrian hatte im Zusammenhang mit der Gründung der Kolonie Aelia Capitolina auf dem zerstörten Jerusalem ab 130 n.Chr. die Stätte Golgatha und das Grab mit Schutt verfüllen und den ganzen Platz pflastern lassen. Nach Aussage des Eusebius war über dem Grab dann ein Tempel für Aphrodite und auf dem Felsen des Kreuzes eine Venusstatue errichtet worden.

Im Jahr 325 bat Makarios, der Bischof von Jerusalem den Kaiser Konstantin um Erlaubnis, den Tempel der Venus bei der Suche nach dem Grab Christi zu zerstören. Bei dieser Suche fand er entgegen aller Erwartung eine Grabhöhle, die bald als das authentische Grab Jesu angesehen und mit einer ersten Aedicula umbaut wurde.

Heute können wir sagen, dass es sich gewiss um ein jüdisches Grab aus der Zeit des zweiten Tempels handelt. Ob es sich wirklich um die Stätte der Bestattung Jesu handelt, wissen wir nicht mit letzter Sicherheit, "aber wir haben gewiss keinen anderen Ort, der diesen Anspruch mit vergleichbarem Recht erheben könne, und wir haben letztlich keinen Grund, die Authentizität der Stätte zu bezweifeln." (S. 85)

In den weiteren Kapiteln beschreibt Biddle den Wiederaufbau der Aedicula im 11. Jahrhundert und ihre spätere Geschichte, untersucht dann speziell Form und Erhaltungszustand des Felsengrabes darin, berichtet von neuen Entdeckungen im Zusammenhang mit dem heutigen Gebäude der Aedicula und über die Zeremonie des heiligen Feuers.

16 farbige Bildtafeln, 18 Seiten Quellenangaben und Literaturverweise sowie verschiedene ausführliche Register beschließen dieses faszinierende Buch, das jedem empfohlen sei, der sich für biblische Archäologie interessiert.

Einen kleinen Fehler sollte der Verlag in der nächsten Auflage beseitigen: Auf S. 72f stimmt die Bildunterschrift nicht mit den Angaben in den ersten beiden Skizzen überein, was zu einiger Verwirrung führt.

Karl-Heinz Vanheiden
D-Hammerbrücke

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