Bibel und Gemeinde
1999-2
Aus dem Bibelbund

Die große Anpassung
Steffen Denker

Bericht von der Bibelbundtagung in CH-Olten

"Die Gemeinde Jesu in Mitteleuropa muss dringend belebt und erneuert werden." Mit diesem Eindruck begann der Präsident des Bibelbundes Schweiz, Jürgen Neidhart, sein Referat an der diesjährigen Tagung in Olten. Vor etwa 200 Zuhörern widmeten sich die beiden Redner des Bibelbundes dem Thema: "Christsein heute - die grosse Anpassung an den Zeitgeist". In seinem Referat am Vormittag empfahl Prof. Herbert Jantzen (Aesch) nötige Verhaltensweisen für den Christen in schwieriger Zeit. In seinen Ausführungen, die durch Psalm 11 geleitet waren ("Wenn die Grundpfeiler umgerissen werden, was richtet da der Gerechte aus?" Ps 11,3), ermutigte der gebürtige Kanadier die Christen in unserem Land zu wachsendem Vertrauen und zur persönlichen Verankerung im Wort Gottes und in der Gottesbeziehung. Herbert Jantzen, der 1999 in seine nordamerikanische Heimat zurückkehren wird, rief vor allem dazu auf, die Gemeinschaft derer zu suchen, die in kompromissfreudiger Zeit den biblischen Weg treu gehen wollen.

Jürgen Neidhart (Interlaken) machte in seinem Abschlussvortrag mit einigen Stichworten noch einmal klar, dass die christliche Gemeinde unter der geistigen Prägung der Postmoderne stehe - wie Francis Schaeffer es in seinem beachtenswerten Titel "Die grosse Anpassung" anfangs der achtziger Jahre bereits vorausgesagt habe: Pluralismus, Relativismus, Individualismus, Materialismus, Genusssucht, Erlebnisorientierung, Harmoniesucht usw. Unter der Überschrift "Der biblische Weg aus der Krise" warnte der Beatenberger Dozent sowohl vor gedankenloser Anpassung - etwa aus gutgemeinten evangelistischen Gründen - als auch vor destruktiver Absonderung. "Konstruktive Ablehnung" sei der Weg, den die Gemeinde in dieser Zeit gehen müsse. "Das Evangelium stellt alle Kulturen in Frage", zitierte er Stephan Holthaus. Christen haben die Aufgabe, das Wesen des Gottesdienstes im Kreuz und in der Begegnung mit dem Heiligen Gott neu zu entdecken. Sie müssen in der Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist das ewige Wort der Wahrheit mutig bekennen und sich von ihm immer wieder prägen lassen. Die entscheidende Frage in der Gemeinde ist heute nicht, wie Gemeinde zu bauen, sondern welcher Inhalt in dem zerbrechlichen Gefäß Gemeinde zu finden sei.

Der Bibelbund Schweiz hat vor drei Jahren seine Arbeit aufgenommen. In seiner Glaubensgrundlage betont er die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift. Seine Arbeit widmet sich dem Einsatz für das Evangelium, der Kritik an der Bibelkritik und der Darstellung bibeltreuer Theologie. Seine Zeitschrift Bibel und Gemeinde erscheint in Deutschland seit 100 Jahren. Der dortige Bibelbund wurde 1894 gegründet.


Steffen Denker

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