Bibel und Gemeinde | 1999-1 |
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Eta Linnemann. Gibt es ein synoptisches Problem? Nürnberg: VTR, 3. überarb. Aufl. 1998, 190 S. 26,80 DM/sFr, 195 öS, ISBN 3-933372-15-1.
In dritter Auflage erscheint die Arbeit von Eta Linnemann jetzt in dem neu gegründeten "Verlag für Theologie und Religionswissenschaft", der es sich zur Aufgabe gemacht hat, bibeltreue Literatur auf akademischem Niveau herauszubringen.
Die inzwischen 72jährige Theologin, die sich erst als Professorin bekehrte, hat das Buch für diese Auflage neu überarbeitet. Das gab ihr Gelegenheit, auf Kritiken einzugehen und Ergänzungen einzuarbeiten. Ihre Berechnungen sind inzwischen von einer Doktorandusarbeit von André Verkaik bestätigt worden, die von der Freien Universität Amsterdam angenommen wurde.
In einem ersten Teil beschreibt Eta Linnemann sehr pointiert, wie "wissenschaftlich" die wissenschaftliche Theologie tatsächlich ist und zeigt auf, wie viele Theologen Gefangene eines Systems sind. Im zweiten Teil geht sie der Frage nach, ob überhaupt eine literarische Abhängigkeit zwischen den Evangelien besteht. Seit mehr als 200 Jahren wird das in der Theologie zwar behauptet, es ist aber noch nie bewiesen worden. Die Verfasserin hat diese Arbeit nachgeholt und dabei ihre Vorgehensweise und ihre Methoden sauber begründet. Ergebnis: Die Annahme einer literarischen Abhängigkeit der ersten drei Evangelien ist nicht haltbar. Damit fällt allerdings eine weit verbreitete Überzeugung in der neutestamentlichen Wissenschaft.
In den beiden letzten Teilen geht die Verfasserin der Frage nach, ob und wie die drei synoptischen Evangelien unabhängig voneinander entstanden sein können und wie wir mit den Evangelien überhaupt umgehen sollen.
Ein Stichwortregister wurde nachträglich angefertigt und dem Buch beigelegt. Jeder Theologiestudent sollte sich gründlich mit den Studien von Eta Linnemann auseinandersetzten.
Karl-Heinz Vanheiden,
D-Hammerbrücke

Alexander Strauch. Biblische Ältestenschaft. Ein Aufruf zu schriftgemäßer Gemeindeleitung. A-4910 Ried: Verein zur Förderung des christlichen Glaubens 1998, 382 S. 39,90 DM/sFr.
Um es gleich vorwegzunehmen: es ist das beste, gründlichste und praktischste Buch über Ältenstenschaft, das ich je gelesen habe. Erst 1995 in den USA herausgegeben liegt bereits jetzt eine gute deutsche Übersetzung vor.
Leider fand sich in Deutschland keiner der bekannteren evangelikalen Verlage bereit, das Buch zu veröffentlichen. Die einen vermissten die weiblichen Ältesten als Huldigung an den Zeitgeist, die anderen die Bestätigung einer Theorie, nach der es keine Ältesten mehr geben dürfe. Nun hat sich eine Gruppe von Gläubigen in Österreich zusammengetan und die Arbeit herausgebracht, die vielen Gemeinden zu einer biblischen Ältestenschaft verhelfen könnte.
Alexander Strauch, seit 26 Jahren Ältester einer Gemeinde in Littleton, kennt nicht nur die biblische Lehre über Älteste mit all ihren praktischen Problemen, sondern kann auch sehr gut Gläubige für diesen Dienst ermutigen.
Teil I des Buches stellt die fünf wichtigsten Eigenschaften biblischer Leiterschaft dar. Älteste müssen Hirten sein, die bereit sind, der Gemeinde und damit ihrem Herrn gemeinschaftlich und mit ganzer Hingabe zu dienen, es müssen im biblischen Sinn qualifizierte Männer sein. Teil II ist eine Verteidigung der Lehre über Ältestenschaft und Teil III bietet eine gründliche Auslegung aller Bibelstellen über Gemeindeälteste.
Fünf optisch hervorgehobene Wortstudien versuchen, umstrittene Begriffe wie z.B. presbyteros S. 135), cheirotoneo (S. 149) und episkopos (S. 162) zu klären bzw. die Praxis der Krankensalbung (Jak 5) und der Einsetzung von Ältesten zu erhellen.
Ein ausführliches Bibelstellenregister und ein Stichwortverzeichnis runden das Ganze ab. Schade, dass der Anmerkungsteil etwas unübersichtlich an den Schluss verbannt wurde. Man findet dort höchst interessante Auskünfte über Handauflegung und Ordination (S. 364ff), über die darbystische Verfallstheorie (S. 360ff), über den Sinn von Unterordnung (S. 337) und eine Diskussion der schwierig zu erklärenden Aussage, dass der Älteste Mann einer Frau sein soll (S. 350ff).
Das Buch gehört in die Hand und in das Herz jedes Christen, der seiner Gemeinde dienen will.
Karl-Heinz Vanheiden,
D-Hammerbrücke

Alexander Schick. Faszination Qumran. Neu bearb. Aufl. Berneck: Schwengeler, 1998. 159 S. 29.80 DM.
Die neu bearbeitete Auflage des 1996 erschienenen Qumranbuches von A. Schick macht seinem Titel alle Ehre. Es ist dem Autor gelungen, eine Fülle von Informationen über die Schriftrollen, die bei der Essenersiedlung in Khirbet Qumran gefunden wurden, in übersichtlicher Form zusammenzutragen und leicht lesbar, ja geradezu spannend zu präsentieren. Die zahlreichen Bilder machen den Band zu einem idealen Geschenk für solche, die sich mit dem Judentum und mit der Umwelt des Neuen Testaments beschäftigen wollen. Angesichts mancher wilder Spekulationen, die im Zusammenhang mit Qumran immer wieder aufkommen, ist dem Buch weite Verbreitung zu wünschen.
Eckhard Schnabel
Deerfield-USA
Jürgen Steinbach/ Klaus W. Müller (Hg.). Theologie, Mission, Verkündigung: Festschrift zum 60. Geburtstag von Helmuth Egelkraut. mission academics Bd. 6. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1998. XIX, 145 S., 49.80 DM.
Festschriften sind nach Inhalt und Form eine literarische Gattung eigener Prägung. Da lässt sich ein breites Spektrum wissenschaftlicher und erbaulicher sowie persönlicher und allgemeiner Interessensgebiete kombinieren, um möglichst einem unterschiedlichen Leserkreis entgegenzukommen.
Diese Möglichkeit haben die Herausgeber dieses Bandes wahrgenommen, indem sie den Jubilar mit einem Vorwort und fast 30 theologischen und missiologischen Beiträgen und persönlichen Grußworten von Kollegen und Mitarbeitern würdigen. Die Biographie von Heidi Hübner (1-2), die Bibliographie von Gunhild Franz (134-142) und die Beiträge zu Mission, Theologie und Verkündigung von Egelkraut selbst (3-7: 39-44; 97-104) lassen Leserinnen und Leser mit dem Leben und Wirken des Jubilars vertraut werden.
Was mich besonders beeindruckt ist die Grundeinstellung sämtlicher Autoren sowohl zur Zuverlässigkeit der Heiligen Schrift als auch zur Notwendigkeit der Verkündigung der biblischen Botschaft zum Heil einer gefallenen Welt. Ganz gleich, ob die Beiträge von ihrem Ansatz her bibelwissenschaftlich (8-15; 16-19), theologisch (20-22; 23-30; 50-52; 84-88; 118-125; 126-133), historisch-missiologisch (31-35; 45-49; 67-74) oder religionswissenschaftlich (53-57) sind, alle verfolgen das gleiche Ziel: Das Weitersagen des Evangeliums von Jesus Christus. Ganz wichtig fand ich auch die praktischen Artikel von Käser (58-62), Ott (75-83) und Brandt (112-117), die aus der Erfahrung heraus zur Ausbildung der Missionare für das nächste Jahrhundert sprechen.
Abschließend muss auf Scheunemanns Beitrag zum Thema "Bibeltreue als Motiv der Weltmission" (89-96) hingewiesen werden. Dieser geradezu klassische Aufsatz fordert nicht nur zur Mission heraus; er gibt Leserinnen und Lesern Mut und Freude, ihr Leben für die Sache der Weltmission zu investieren und "an der Kommunikationsgemeinschaft des trinitarischen Gottes" teilzunehmen, wie Pienisch formuliert (131). Besonders geeignet für Bibelschullehrer und Seminaristen.
Hans Kasdorf
D-Gießen

Charles C. Ryrie. Irrtum ausgeschlossen. Wahrheit und Inspiration der Bibel im Kreuzverhör. Dillenburg: Christl. Verlagsgesellschaft, 1996, 108 S. 7,80 DM. ISBN 3-89436-111-5.
Der Autor illustriert anhand eines Beispieles, was passiert, wenn die Irrtumslosigkeit der Schrift fallengelassen wird: alle anderen Lehraussagen werden nach und nach auch kippen. Das Vertrauen in die Bibel muss den ersten Stellenwert in einem Lehrgebäude einnehmen. Zur Verständigung ist es wichtig, dass die Begriffe geklärt sind. "Irrtumslosigkeit" spezifiziert er als "die wörtliche, vollständige, unfehlbare, unbegrenzte Irrtumslosigkeit der Bibel." Ryrie diskutiert dann eine lange Reihe der üblichen Einwände. Recht ausführlich beschäftigt er sich mit der Erklärung von 2Tim 3,16. Andere Schwerpunkte sind die Frage nach der Lehre der Irrtumslosigkeit in der Kirchengeschichte, die Frage des mechanischen Diktates, der teilweisen Inspiration und außerdem die Gegenüberstellung von Irrtumslosigkeit und Inspiration. Eine Reihe von Kapiteln sind dem Zueinander von Christus und dem biblischen Wort gewidmet. Außerdem erfährt der Leser Erklärungen zu immer wieder angeführten Problemen im AT und NT. Im letzten Kapitel zeigt der Autor noch einige notwendige Konsequenzen für die Preisgabe der Irrtumslosigkeit der Bibel. Der fragenden Bibelleser bekommt in diesem kompakten Bändchen Antworten auf immer wiederkehrende Einwände.
Elsbeth Kaiser,
D-Reiskirchen

Gerhard Besier. Konzern Kirche. Das Evangelium und die Macht des Geldes. Neuhausen-Stuttgart: Hänssler, 1997. 258 S. 19,95 DM. IDBN 3-7751-2858-1
Der Heidelberger Kirchenhistoriker beschreibt, wie die Kirchen Mitte der neunziger Jahre mit dem Geld umgehen. Bei der Eintreibung der Kirchensteuer trete der Staat als verlängerter Arm der Kirchen auf. Dadurch weise das an sich effiziente Kirchensteuersystem einen Zwangscharakter auf, der der Freiheit und Unabhängigkeit gemeindlichen Wirkens keinen Spielraum lasse. Besier vertritt die These, dass die Relikte des Staatskirchentums zu den letzten Stützen der Großinstitution Kirche geworden seien und eine Reform verhinderen. Die Finanzlage der Gliedkirchen der EKD ist bekanntlich durch sinkende Kirchensteuereinnahmen gekennzeichnet. Die Ausgabenpolitik sei jedoch daran orientiert, sich als Kirche in einem positiven Licht darzustellen, sei es in der PR-Vermarktung kirchlicher Dienstleistungen, im Umgang mit der Rolle der Kirche im geteilten Deutschland oder in der Selbstdarstellung als gesellschaftlich bedeutsamer Faktor. Dabei kommen zahlreiche Fehlinvestitionen und die unprofessionelle Handhabung des Geldes zur Sprache, die die Kirche nicht als seriösen Haushalter ausweisen. Umfangreiche Zahlenangaben belegen die Aussagen.
Diskutiert werden ferner der Religionsunterricht an staatlichen Schulen und die Unterhaltung theologischer Fakultäten durch den Staat, die Maßnahmen der Kirche in den Auseinandersetzungen um die Stasi-Vergangenheit von Kirchenvertretern, bei der Abberufung von Pfarrern, im Fall Lüdemann und im Verhältnis zu Freikirchen. Immer werde die Linie des Machterhalts erkennbar, die sich, wenn es opportun sei, auch über das Recht hinwegsetze. Der Verfasser deckt die Behandlung Andersdenkender mit der Sekten- oder Fundamentalismuskeule auf, die den kirchlichen Pluralismus Lügen strafe.
Das letzte Kapitel des Buches fragt nach der Zukunft der Kirche. Die Kirche habe sich durch ihre Liberalisierung überflüssig gemacht. Indessen fordert der Verfasser eine Entäußerung der Kirche in Richtung einer Spiritualisierung, wie sie in evangelikalen Kreisen und Freikirchen gelebt werde.
Bernhard Kaiser,
D-Reiskirchen

Rüdiger Nöh. Pietismus und Mission: Die Stellung der Weltmission in der Gemeinschaftsbewegung am Beispiel des Siegerländer Gemeinschaftsverbandes. edition afem. Bonn: VKW, 1998, 179 S. DM 42,-. ISBN 3-926105-94-1.
Der Autor, Prediger im Ev. Gemeinschaftsverband Siegerland, untersucht in vorliegender Magisterschrift des Seminars in Korntal das Verhältnis von Gemeinschaftsbewegung und Mission in Vergangenheit und Gegenwart. Er weist nach, dass der Neuaufbruch der Weltmission seit dem 18. Jahrhundert eng mit dem Pietismus und der Erweckungsbewegung verknüpft war und auch die Siegerländer Gemeinschaften erst durch das Missionsinteresse ihrer Gründer und Leiter ihre Stoßkraft bekamen. Die Verbindung der reformierten Siegerländer zur Rheinischen und Neukirchener Missionsgesellschaft waren eng und herzlich. Missionsstunden und Gemeinschaftsstunden waren im 19. Jahrhundert deckungsgleich. Auch die zweite Erweckungswelle im Siegerland ab 1853 wurde in erster Linie durch Missionsprediger ausgelöst.
Mit Hilfe einer empirischen Umfrage stellt der Autor dagegen fest, dass das heutige Interesse an der Weltmission innerhalb des Siegerländer Gemeinschaftsverbandes eher schwach ausgeprägt ist. Zwar sieht man Mission als wichtig an und unterstützt Missionare finanziell und im Gebet, unternimmt aber zu wenig, um selbst Missionare auszusenden: "Das Prinzip der sendenden Gemeinde wird im Siegerland bisher im Grunde nicht praktiziert" (S. 117). In Zeiten des Mitgliederschwundes und der kontroversen Diskussionen um die Kirchenfrage müsse es dagegen wieder um eine Rückbesinnung auf die Anfänge und eine Neubesinnung auf die biblische Gemeinde- und Missionslehre kommen.
So macht das Buch Mut, trotz mancher Krisen in den Gemeinschaftskreisen auf eine Erneuerung durch biblische Theologie und Praxis zu hoffen.
Stephan Holthaus,
D-Gießen

Judith Hildebrandt. Pietistischer Gemeindeaufbau zwischen Gemeinschaft und Gemeinde: Das Gemeindeverständnis der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland im Vergleich zum Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband. Neuhausen-Stuttgart: Hänssler, 1998. 278 S. 27,95 DM. ISBN 3-7751-3257-0
Diese aus einer Wissenschaftlichen Hausarbeit des Zweiten Theologischen Examens der FTA in Gießen entstandene Arbeit enthält Sprengstoff. Die Autorin, aus der Evangelischen Gesellschaft (EG) stammend und im Gemeindebau in Bonn stehend, analysiert das Gemeindeverständnis führender Männer des Gnadauer Verbandes und der EG in Geschichte und Gegenwart. Der Bogen spannt sich von Ludwig Feldner, Gründer der EG Mitte des 19. Jahrhunderts, über Rinck, Haarbeck, Gauger, Michaelis bis hin zu Jochums, Heimbucher, Becker, Morgner und Heckl. Alle in der Geschichte vorgebrachten Argumente für oder gegen eine Verbindung mit den evangelischen Landeskirchen werden aufgezeigt. Dabei wird deutlich, dass in den Gemeinschaften von Anfang an Unklarheit darüber herrschte, ob man überhaupt die ekklesiologischen Aussagen des Neuen Testamentes auf die gegenwärtige Kirchensituation anwenden könne. Gemeinschaftsarbeit war nur Hilfsmittel und Ergänzung zum Bau des Reiches Gottes. Zu einer tiefergehenden Auseinandersetzung mit der neutestamentlichen Ekklesiologie ist es bei den Vätern nicht gekommen.
Allerdings macht die Arbeit auch klar: es gab zu allen Zeiten Vertreter der Gemeinschaftsbewegung, die einen freikirchlichen Kurs einschlagen wollten - von einer geschlossenen Front der Innerkirchlichkeit kann also keine Rede sein. Die verdienstvolle Arbeit zieht den Bogen bis in die Gegenwart, in der viele Gemeinschaften der EG bewusst die Selbständigkeit der örtlichen Gruppen betonen, neutestamentlichen Gemeindebau praktizieren wollen und mehr und mehr in Distanz zur Großkirche gehen. Andererseits wird fair und solide aufgezeigt, wie stark in der Geschichte die Treue zur evangelischen Kirche im Gnadauer Verband und der EG vertreten war.
Eine Grafik über die Geschichte der EG, ein Register mit Kurzbiographien bekannter Gnadauer Persönlichkeiten und eine umfangreiche Bibliographie runden ein Werk ab, das für alle Gemeinschaftsleute eine Pflichtlektüre sein sollte und zum 150jährigen Jubiläum der EG neue Einsichten und Impulse vermittelt.
Stephan Holthaus,
D-Gießen

Der evangelische Glaube kompakt: Ein Arbeitsbuch. Hg. Thomas Schirrmacher. Neuhausen-Stuttgart: Hänssler, 1998. 244 S. DM 29,95. ISBN 3-7751-3037-3.
Bekenntnisschriften sind heute bei vielen Christen suspekt. Sie gelten als Relikte aus alter Zeit. Dabei übersieht man, dass Bekenntnisse eine wichtige Funktion erfüllen: sie legen Rechenschaft über den Glauben einer Gemeinde ab und bieten eine gute Zusammenfassung der biblischen Lehre in zeitgemäßer Form. So war auch das in Großbritannien entstandene Westminster Bekenntnis von 1647 als letztes großes Bekenntnis der Reformationsepoche eine hervorragende Komprimierung aller Bereiche der biblischen Lehre. Es enthält Aussagen zu fast allen Bereichen des christlichen Glaubens und der christlichen Existenz. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass dieses Westminster Bekenntnis bis in unsere Tage von vielen Kirchen als Grundlage des Glaubens anerkannt wird. Die Stärken des Bekenntnisses sind schnell zu nenen: es orientiert sich stark an der Bibel und entfaltet die Theologie von Gott her, nicht vom Menschen.
Vorliegendes Arbeitsbuch des Theologischen Fernunterrichts des Neues Leben-Seminar bietet den gesamten Text samt beigefügten biblischen Belegstellen in den Fußnoten. Erfreulich, dass gleich zu Beginn des Dokuments ein klares Bekenntnis zur Inspiration und Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift ausgedrückt wird (Art. 1). Gerade für unsere Zeit klingt das im Bekenntnis ausgedrückte Ineinander von Heiligkeit und Gnade Gottes herausfordernd. Bei einem gemäßigt-reformierten Bekenntnis des Calvinismus wundert man sich allerdings nicht, dass auch umstrittene dogmatische Passagen enthalten sind, so die Erwählung und Verwerfung zum Heil und Unheil (Art. 3.3), die Verteidigung der Kindertaufe (Art. 28.4), das Verständnis von Taufe und Abendmahl als "Sakramente" (Kap. 27) und das Spannungsverhältnis von Souveränität Gottes und menschlicher Freiheit. Auch das Verhältnis von Kirche und Staat wäre zu diskutieren. Anders jedoch als in anderen reformatorischen Bekenntnissen wird der Taufe keine Heilsbedeutung zuerkannt. Sehr ausgewogen empfand ich zudem die Passagen über Heilsgewissheit und Heiligung. Die von Presbyterianern, Kongregationalisten und Baptisten eingefügten Modifikationen aus späteren Jahren werden in einem Anhang minutiös aufgelistet und zeigen, welche Abschnitte später als Problem empfunden wurden.
In einer Zeit, wo viele Christen nicht mehr wissen, was sie eigentlich glauben oder glauben sollen, ist die Rückbesinnung auf die Bekenntnisse der Christenheit ein Gebot der Stunde, auch wenn jedes Bekenntnis nicht in den Rang einer unfehlbaren Offenbarung erhoben werden darf.
Stephan Holthaus,
D-Gießen

Craig Blomberg. Die historische Zuverlässigkeit der Evangelien. Nürnberg: VTR, 1998. 296 S. DM 29,95. ISBN 3-933372-16-X.
Es ist dem neuen, bibeltreuen VTR-Verlag in Nürnberg zu danken, dass er dieses wichtige Standardwerk über die Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments elf Jahre nach seiner amerikanischen Erstauflage nun auch in deutscher Sprache herausbringt. Die durch die Leben-Jesu-Forschung seit dem 19. Jahrhundert in Frage gestellte Glaubwürdigkeit der vier Evangelien - die auch in den letzten zehn Jahren wieder zur Diskussion steht - wird durch dieses wichtige Buch neu bekräftigt. Es entspringt aus einer langjährigen Zusammenarbeit von evangelikalen Neutestamentlern in England und Amerika, die sich um die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Evangelien in mehreren Publikationen (Gospel Perspectives) verdient gemacht haben und deren Ergebnisse hier zusammengefasst werden.
Blomberg, Professor für Neues Testament am Denver Theological Seminary in den USA, beschäftigt sich mit den scheinbaren Unstimmigkeiten in den Evangelien. Er versucht in einer ausgewogenen Art und Weise, die historische Zuverlässigkeit und Widerspruchslosigkeit der Synoptiker nachzuweisen. In kurzen aber keineswegs oberflächlichen Kapiteln werden fast alle dementsprechenden Problemfelder abgehandelt. Seien es die Wunderberichte, die scheinbar widersprüchlichen Theologien, die chronologischen Probleme oder Auslassungen und Dubletten, die Spannungen zwischen den Synoptikern, dem Johannesevangelium und den außerbiblischen Jesusquellen: Blomberg gibt fundierte Antworten, ohne sich zu verbiegen oder vorschnell zu Harmonisieren. Auch seine ausgewogenen Ausführungen über die Form- und Redaktionsgeschichte sind gut nachvollziehbar. Er plädiert immer wieder dafür, die neutestamentlichen Texte unter dem Wirklichkeitsverständnis der damaligen Zeit zu interpretieren, was manche für uns "moderne" Menschen ungewöhnliche Diskrepanzen sofort erklärt. Der Wahrheitsgehalt des biblischen Textes bleibt z.B. auch dann unberührt, wenn in der Antike Zitate nicht mit Fußnotenbeleg und Anführungsstrichen angeführt werden.
Einige Anmerkungen des Autors über die Freiheiten der neutestamentlichen Autoren, die Worte Jesu formal leicht abzuändern, um einen bestimmten Sachverhalt herauszuheben oder den Adressaten verständlich zu machen, wären zu diskutieren und sind selbst unter bibeltreuen Theologen umstritten. Meines Erachtens müsste dabei mehr bedacht werden, dass einige ähnlich klingende Begebenheiten an zwei unterschiedlichen Orten passiert sein könnten. Hier wird man jedoch nie zu sicheren Schlüssen kommen.
Die Literaturangaben für die deutsche Ausgabe wurden auf den neuesten Stand gebracht, auch wenn einige neuere bibeltreue Werke von deutschen Autoren fehlen. Leider ist die Übersetzung teilweise etwas schwerfällig und umständlich. Das Buch ist allgemeinverständlich geschrieben und eignet sich daher auch für theologisch-interessierte Laien. Mehr für Theologen geeignet ist eine weitere empfehlenswerte Neuerscheinung des Autors: Craig Blomberg, Die Gleichnisse Jesu, Wuppertal: Brockhaus Verlag, 1998. Alles in allem: eine der wichtigsten Neuerscheinungen der letzten Jahre, die auch dem Anliegen des Bibelbundes entgegenkommt und die so brennende Bibelfrage voranbringt.
Stephan Holthaus,
D-Gießen

August Strobel. Deine Mauern stehen vor mir allezeit: Bauten und Denkmäler der deutschen Siedlungs- und Forschungsgeschichte im Heiligen Land. Gießen: Brunnen, 1998. 94 S. DM 29,80. ISBN 3-7655-9807-0.
Israelreisende haben sich immer wieder über Bauten und Denkmäler deutscher Siedler im "heiligen Land" gewundert. Sei es die Erlöserkirche des Jerusalemvereins, die Denkmäler der württembergischen Templer in Haifa, das "Syrische Waisenhaus" von Schneller oder die Auguste-Viktoria-Stiftung: sie alle zeugen von der aktiven Rolle und Opferbereitschaft der deutschen Einwanderer des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Rechtzeitig zum 100jährigen Jubiläum der Einweihung der deutschen Erlöserkirche in Jerusalem legt nun der langjährige Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes ein Büchlein vor, das mit Hilfe vieler Abbildungen einen plastischen Einblick in ein Kapitel vergessener Baugeschichte gibt.
Der gute Inhalt des Buches leidet jedoch an formalen Schwächen. Der Stil erscheint phasenweise unzusammenhängend. Manche Kapitel sind dem Autor sehr kurz geraten und vermitteln zu wenig Hintergrundinformationen. So schön und wichtige die Bilder sind: das Verhältnis von Text (1) zu Bild (3) ist unausgewogen. Etwas unsensibel ist die Kategorisierung von Schweizern wie Gobat unter dem Titel "deutsche Siedlungsgeschichte". Ziel des Buches ist die Baugeschichte, nicht die allgemeine Geschichte und Theologie der deutschen Einwanderer. Entschädigt wird man jedoch durch das Nachwort von Rainer Riesner, der systematisch den Ertrag des Buches zusammenfasst und seine Linien bis in die Gegenwart auszieht. Eine Zeittafel, verschiedene Tabellen und eine Literaturliste runden das Buch ab, das für Israelfreunde von Interesse sein dürfte.
Stephan Holthaus,
D-Gießen
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