1998-2 | Gemeinde & Mission |
Versuch einer Bewertung aus biblischer Sicht
Teil 2
Roland Antholzer
Ich mache der BTS-Arbeit deshalb den Vorwurf, daß sie ein psychologisches Fundament hat, in das biblische Aussagen integriert wurden. Nun sehe ich allerdings einen grundsätzlichen Unterschied darin, ob ich psychologische Erkenntnisse in ein biblisches Modell einbaue, oder ob ich biblische Aussagen in ein psychologisches Modell einfüge. Im zweiten Fall ist kaum zu erwarten, daß das Ergebnis eine biblische Seelsorge sein wird. Eine biblische Seelsorge muß zur Grundlage die Bibel haben, bzw. eine biblische Psychologie.
Bei der trichotomen Sicht des Menschen ist es üblicherweise so, daß man sich den Geist als das reine, von Sünde und Befleckung nicht betroffene Reservat vorstellt, das Organ, das Gott als seine Wohnstätte wählt. Die Schrift macht aber unmißver ständlich klar, daß im Menschen nichts Gutes wohnt, daß der ganze Mensch durch den Fall betroffen ist. Paulus schreibt an die Korinther, daß sie sich "von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes reinigen" sollen (2. Kor. 7,1).
In manchen christlichen Büchern wird die Sünde bzw. das Fleisch ausschließlich mit der Seele identifiziert. Der Unterschied zwischen dem Heiligen Geist und dem Menschengeist wird oft gar nicht mehr gemacht. Und so redet man vom Geist des Menschen in einer Weise, wie sie nur wahr wäre, wenn man dasselbe vom Heiligen Geist sagen würde. Der Geist entspricht dann gewissermaßen dem göttlichen Funken in uns.
Ich bin der Meinung, daß es für die gläubigen Christen von großer Wichtigkeit ist, sich in dieser Frage zu besinnen und gewohnte Sichtweisen biblisch zu hinterfragen. Das dichotome Menschenbild hat weitreichende Konsequenzen für unser Thema. Wenn der Mensch nur aus zwei voneinander unabhängigen Teilen besteht, können Störungen in seinen Lebensbezügen nur zwei Quellen haben: Sie können entweder im Leib liegen oder im Geist. Im ersten Fall wäre primär der Mediziner gefragt, im zweiten der Seelsorger. Natürlich sind körperliche Krankheiten und Persönlichkeitsstörungen nicht exakt voneinander abzugrenzen, weil der Mensch eine Ganzheit ist und enge Wechselwirkungen bestehen.
Zum bessern Verständnis dieser Argumentation möchte ich ein Bild gebrauchen. Es ist das eines Mannes, der an einem Piano sitzt und spielt. Nehmen wir an, wir befinden uns vor dem Piano und können den Mann selbst nicht sehen. Was wir aber wahrnehmen, ist ein Piano, das Musik von sich gibt. Die Musik entspräche dem, was die Bibel mit "Seele" meint, die Lebensäußerung eines lebendigen Menschen. Nehmen wir an, die Musik klingt disharmonisch. Was könnte der Grund dafür sein? Es gibt im Prinzip zwei Möglichkeiten: Entweder spielt der Mann falsch oder das Piano ist defekt. In beiden Fällen kann das Resultat völlig gleich aussehen.
Wenn das Nervensystem eines Menschen geschädigt oder beeinträchtigt ist (durch unmittelbare Schädigungen des Gehirns, durch raumverdrängende Prozesse wie Tumore oder durch mittelbare Einflüsse wie Vergiftungen, Drogen etc.), wenn es in seiner Funktion gestört ist durch Stoffwechselstörungen (zu viele oder zu wenige Neurotransmitter oder hormonelle Störungen), dann kann der Geist seine Impulse nicht mehr angemessen vermitteln, was sich vermutlich als psychische Störung äußert (z. B. als endogene Depression, Psychose, Schizophrenie, Alzheimer, usw.). Wenn dagegen der Geist in seiner Funktion gestört ist (das heißt, wenn die Gottesbeziehung gestört ist), dann kann das bei gesundem Nervensystem ebenfalls zu psychi schen Störungen führen (z. B. neurotische Verhaltensstörungen, Angst- und Zwangserscheinungen, Suchtkrankheiten, neurotische und reaktive Depressionen).
| Biblisches Menschenbild: nicht Leib-Seele-Geist, sondern Geist-Leib |
Somit können wir sagen, daß nicht eigentlich die Psyche des Menschen krank ist, sondern daß entweder sein Körper krank oder seine Gottesbeziehung gestört ist oder beides. Somit muß auch dort der wesentliche Ansatzpunkt für die Hilfe sein. Die Psyche ist nur der Ort, wo sich die Störung manifestiert. Die zwangsläufige Folgerung aus dieser Erkenntnis ist, daß Psychotherapeuten im Grunde säkulare Seelsorger sind. Somit ist Psychotherapie im Grunde fehl am Platz. Denn sie kann das Wesentliche nicht leisten: Den Menschen in eine gesunde Gottesbeziehung führen. Für den christlichen Seelsorger heißt das, daß bei allem, was sich als Störung in der Psyche äußert und nicht in den Zuständigkeitsbereich der Medizin fällt, die Gottesbeziehung geklärt werden muß. Die Psyche sollte nicht der eigentliche Ansatzpunkt der Seelsorge sein.
Eine Veränderung von Gewohnheiten und Verhaltensstilen wird - wie schon erwähnt -oft noch dazukommen müssen. Doch hat sie nur unterstützende und begleitende Bedeutung. Die eigentliche Veränderung muß am "inneren Menschen" geschehen. Es kann und darf ja nicht einfach darum gehen, den Christen in seinem autonomen und fleischlichen
Wandel funktionsfähiger zu machen, funktionsfähiger für eine von gottlosen Normen und Werten geprägte Gesellschaft. Letztes und eigentliches Ziel muß es doch immer sein, daß der Ratsuchende im Wachstum des Glaubens und in der Heiligung vorankommt, damit er etwas sei "zum Lobe seiner Herrlichkeit" (Eph 1,12).
| Die Psyche ist nur der Ort, wo sich die Störung manifestiert |
| De facto läßt sich "natürlich" und "geistlich" gar nicht auseinanderhalten |
Den Ansätzen der biblisch-therapeutische Seelsorge werfe ich vor, daß sie sich dieser Mühe nicht unterzogen haben, eigene biblisch-psychologische Modelle zu entwickeln, die es dem Seelsorger erlauben, zu einem vertieften und gleichzeitig biblisch abgesicherten Verständnis einer Problematik zu kommen, und die richtigen Schlußfolgerungen abzuleiten. Die Übernahme psychologischer Modelle führt nämlich zwangsläufig zu falschen Schlußfolgerungen, weil sich alle psychologischen Theorien auf eine Ideologie bzw. eine unbiblische Anthropologie gründen.
| "BTS" hat keine eigene biblisch-psychologischen Modelle entwickelt |
Einen solch flexiblen Einsatz von Versatzstücken aus allesamt sehr umfassenden Psychotherapiemethoden würde eine große Kompetenz in der Anwendung eben dieser Methoden erfordern. Das eklektische Vorgehen wird in der weltlichen Psychotherapie speziell von empirisch ausgerichteten Psychologen längst gefordert und auch praktiziert, teils aber auch kritisiert. Allgemein aber setzt man hier voraus, daß der Therapeut, um so vorgehen zu können, eine fundierte Ausbildung in den diversen Therapien haben müßte. Das Streben nach Methodenpluralität in der Seelsorge hat somit zwangsläufig eine Pseudokompetenz zur Folge. Faktisch wird es so sein, daß jeder Seelsorger seine Lieblingsmethode hat und diese auch überwiegend wenn nicht gar ausschließlich zur Anwendung bringt (so habe ich es jedenfalls von Absolventen gehört). Damit wäre allerdings das Konzept der Methodenpluralität ad absurdum geführt.
Der Einfluß der Psychologie auf das Denken der Menschen in unserer Gesellschaft allgemein aber auch das der Christen kann kaum überschätzt werden. Die Konsequenz einer unreflektierten Vermittlung psychologischer Konzepte für die Seelsorge ist also vor allem eine weitere Psychologisierung der Gemeinde Jesu. Diese zeigt sich vor allem in einem Denken, das vom Humanismus geprägt ist, in einer verstärkten Neigung, sich selbst und andere zu Opfern zu erklären (Victimisierung) sowie in einem magischen Denken.
| In der psychologiesierten Gemeinde von heute werden humanistische Aussagen kaum noch von christlichen Postionen unterschieden |
Robert Schuller, ein charismatischer Fernsehprediger in den USA, hat dieses andere Evangelium besonders deutlich formuliert: "Die Liebe zu sich selbst ist die Krönung des Selbstwertgefühls. Sie ist eine erhebende Empfindung der Selbstachtung ... ein bleibender Glaube an sich selbst, die aufrichtige Überzeugung vom eigenen Wert. Sie entsteht durch die Selbstentdeckung, die Selbstdisziplin, die Vergebung sich selbst gegenüber und die Annahme des eigenen Ichs. Und sie bringt Selbstvertrauen und eine innere Sicherheit hervor, die uns eine tiefe Ruhe gibt."[ 1 ]
Ich halte dagegen: Zu einer wahren christlichen Selbstannahme und Selbstachtung werde ich nur kommen, wenn ich vor Gott kapituliert, mich mit Christus identifiziert habe und mit Paulus sagen kann: "Christus ist mein Leben".
Psychotherapeutische Methoden können heute nur deshalb solchen Anklang finden, weil viele Christen es nie gelernt haben, biblisch zu denken, Zeitgeist von biblischer Wahrheit zu unterscheiden. Dieses unbiblische, von antichristlicher Philosophie geprägte Denken wird durch die Öffnung für die Psychotherapie natürlicherweise verstärkt. Es führt zu einer Seelsorge ohne Kreuz. Anstatt zur Kreuzigung des autonomen Selbstlebens zu führen, wird das Ego des Menschen, wie bei jeder Form der Psychotherapie, noch aufgebaut und gestärkt.
Gerade die Psychologie tiefenpsychologischer Prägung hat hier Erstaunliches geleistet. Seit Freud diese Lehre entwickelt hat, wissen wir endlich, daß wir Opfer unserer frühkindlichen Erfahrungen sind, Opfer unserer unschuldig-erotischen Wünsche dem andersgeschlechtlichen Elternteil gegenüber (Ödipus-Konflikt), Opfer frühkindlicher Fixierungen, Opfer unserer Psychodynamik, des fortwährenden Kampfes unseres Über-Ichs gegen die unverhüllten Triebwünsche unseres Es, usw. Der Behaviorismus hat uns zusätzlich klargemacht, daß wir Opfer unserer Konditionierungen und Lernerfahrungen sind.
| Viele Christen haben nie gelernt, biblisch zu denken |
Die humanistische Psychologie sagt, wir seien Opfer einer lieblosen, von Unverständnis und mangelnder Akzeptanz geprägten Umwelt. Wäre die Umwelt anders gewesen, hätte sich unsere von Grund auf gute Natur entsprechend entfalten können. Von Sünde spricht die Psychologie ohnehin nicht. Als Zielverfehlung (und das bedeutet das Wort "hamarthia" ja eigentlich) wird bestenfalls das Verfehlen der Selbstverwirklichung angesehen. Die Christen haben zusätzlich noch den Teufel, den man für alles verantwortlich machen kann, oder die Sünden der Vorväter.
Hier möchte ich gern einen Pflock einschlagen und unmißverständlich sagen: Nichts und niemand kann einen Christen daran hindern, das zu leben und zu verwirklichen, was Gott ihm zugedacht hat, als nur er selbst! Niemand kann sich darauf berufen, daß er eine schwere Kindheit hatte und deshalb nicht die geistliche Erfüllung findet. In Christus sind wir eine neue Schöpfung, und wir sind dazu aufgefordert, nun in Neuheit des Lebens zu wandeln (2Kor 5,17; Röm 6,4). Und wir können es, sonst hätte uns Gott nicht dazu aufgefordert.
Man hört es immer wieder von Christen, daß sie sagen: Ein Mensch mit Minderwertigkeitsgefühlen muß erst zur Selbstannahme und zur Ichstärke finden, bevor er sich selbst hingeben und verleugnen kann. Das halte ich für eine der subtilsten und daher verfänglichsten humanistischen Lügen, die ich kenne. Wenn das stimmt, daß man erst in sich selbst stark sein muß, muß man doch fragen: Warum bekehren sich dann so wenige Erfolgsmenschen?
Der Apostel Paulus gibt die Antwort: "Denn seht, eure Berufung, Brüder, daß es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zuschanden mache. Und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache, daß sich vor Gott kein Fleisch rühme." (1Kor 1,26-29)
| Eine der subtilsten Lügen: "Bevor man sich selbst verleugnen kann, muß man erst zur Ichstärke finden." |
Wenn wir an der Verantwortlichkeit des Menschen festhalten, heißt das deswegen nicht, ihm mit Härte und pharisäischem Unverständnis zu begegnen. Wenn ich mit Paulus verstanden habe, "daß in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt", dann werde ich keinen Grund haben, über das Fleisch eines andern entrüstet zu sein. Dann werde ich viel Verständnis für den aufbringen, der es vielleicht nicht so gut hinkriegt, seine fleischlichen Lüste und Begierden in sozial akzeptabler Weise auszuleben. Trotzdem möchte ich ihm nicht die Verantwortung absprechen, denn wenn ich das tue, dann nehme ich ihm auch die Hoffnung auf Veränderung. Nur wer verantwortlich ist kann auch hoffen. Wenn ich Opfer irgendwelcher von mir nicht zu verantwortender (und daher auch nicht beeinflußbarer) Umstände bin, ist Veränderung kaum möglich.
Wenn es nun aber so ist, daß die Psychotherapie diese Dinge fördert und befördert, dann wird man vor einer weiteren Psychologisierung der Gemeinde Jesu ernstlich warnen müssen. Das fordert gerade die Liebe zu den Glaubensgeschwistern und zur Gemeinde Jesu. Wir müssen wieder dahin kommen, die Allgenügsamkeit des Heils in Christus anzuerkennen und jedes Angebot, das zu Christus hinzugetan wird, abzuweisen. Paulus sagt in Kol 2,9-10: "Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid in ihm zur Fülle gebracht. Er ist das Haupt jeder Gewalt und jeder Macht." Wenn wir in Christus zur Fülle der Gottheit gebracht sind, dann käme es doch in erster Linie darauf an, uns selbst und dem Ratsuchenden diese Fülle zugänglich zu machen. Wenn wir das einmal verstanden haben, daß uns in Christus schon alles gegeben ist, was wir zu einem Gott wohlgefälligen Wandel brauchen, daß wir gesegnet sind "mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus" (Eph 1,3), dann wird weder die Psychologie noch der Schwarmgeist für uns eine Gefahr sein können.
| Psychologisierung der Gemeinden führt zu magischem Denken unter Christen |
Die Schrift zeigt uns doch das allgemeine Priestertum der Gläubigen. Wir brauchen keine hauptamtlichen Seelsorger, sondern seelsorgerliche Menschen in unsern Gemeinden, die praktizieren, wozu wir in Gal 6,2 aufgefordert werden: "Einer trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen." Wir müssen wieder neues Vertrauen gewinnen in die Ressourcen, die uns von unserm Herrn mit Seinem Wort gegeben sind. Und wir müssen wieder zurückfinden zu der ganz normalen (und wirksamen) Gemeindeseelsorge, zu der nicht so sehr ein sozialwissenschaftliches Studium befähigt, sondern ein an Christus hingegebenes, im Wort Gottes gefestigtes und im Dienst bewährtes Leben.
Geradezu anmaßend erscheint es mir, wenn von seiten der BTS neuerdings auch Gemeinden therapiert werden sollen. Man fragt sich wirklich, wie Gemeindebau über fast zwei Jahrtausende hin überhaupt möglich war ohne die Hilfe der Psycho-Fachleute. Hat die Psychologie, die doch angeblich nur Dienerin sein sollte, nun endgültig die Herrschaft angetreten?
Dabei gibt es kein anderes Heilmittel für unsere psychischen Nöte als eben das Kreuz Christi. Das Kreuz ist geradezu Gottes Therapie für Sünder und Heilige. Durch das Kreuz wird der Sünder zum Heiligen und als Heiliger lernt er zunehmend, der Sünde zu entsagen. Das Kreuz ist Gottes Therapie für jedes seelische Problem. Weil das Kreuz der Weg Gottes zum Heil und zur Heiligung ist, deshalb muß auch Seelsorge zum Kreuz hinführen. Eine Seelsorge, die dem andern Buße und Selbstverleugnung ersparen möchte, anstatt dessen zur Selbstliebe und zur Ichstärkung führt, wirkt Gottes Absichten entgegen. Gottes Ziel mit unserm autonomen Ich ist, es ans Kreuz zu bringen. Denn dieses Ich mit seinem ungebrochenen Eigenwillen, mit seinen eigensüchtigen Plänen und Zielen, mit seinen Rechtsforderungen und Ansprüchen, mit seinen Wünschen und Gewohnheiten, mit seinen Lüsten und Begierden ..., dieses marode Ich (die Bibel nennt es "Fleisch") hat den Tod verdient, denn es hindert, daß das Leben Christi in uns Raum finden und Gestalt gewinnen kann. Gal 5,24: "Die aber dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt."
| Lebenshilfe wird für gutes Geld verkauft |
Am Kreuz vorbei gibt es kein göttliches Leben in dieser Welt. Natürliches und Übernatürliches vermischt sich nicht. Das eine schließt das andere aus. Göttliches Leben und Fleisch paßt nicht zusammen. Immer muß erst das Natürliche und Menschliche zurücktreten, um dem Übernatürlichen und Göttlichen Raum zu geben. Jesus Christus konnte erst auferstehen, nachdem er zuvor gestorben war. Er sagte von sich: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht" (Joh 12,24). Damit hat Er ein Prinzip angesprochen, das auch für uns gilt. Unsere Wiedergeburt war ein Sterben: Mit Christus gekreuzigt. Jeder Gehorsam, jeder Sieg über Sünde und Fleisch, setzt ein Sterben voraus. Das Paradoxe in unserer Zeit ist nun, daß man gerade in den Kreisen, wo man am meisten von göttlichem Leben und Geisteskraft redet, vom Kreuz nichts wissen will. Naturgemäß wird dann das Ego entsprechend vergötzt. Ein rechtes Verständnis vom Kreuz verhindert deshalb am besten, daß wir in Gesetzlichkeit oder Schwärmerei geraten.
| Das Ich mit seinem Eigenwillen, mit seinen Rechtsforderungen und Ansprüchen, hat den Tod verdient! |
Jeder humanistisch orientierte Ansatz, der die Selbstbestimmung des Menschen zum Ziel hat und den Menschen groß machen möchte, läuft somit den Zielen Gottes diametral entgegen. Seelsorger, die nicht selbst in der ganzen Hingabe an den Herrn Jesus stehen und bereit sind, ihr Eigenleben in den Tod zu geben, laufen immer Gefahr, den ihnen anbefohlenen Menschen die falsche Richtung zu weisen.
| Haben die Christen ihr Erstgeburtsrecht in Sachen "Seelsorge" für eine psychologische Wassersuppe verkauft? |