Bibel und Gemeinde 2003/4 Buchbesprechungen

Welche Gemeinde bleibt treu?

KG

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Wagner, Rainer. Gemeinde Jesu zwischen Spaltungen und Ökumene. 2000 Jahre Kirchengeschichte aus bibeltreuer Sicht. Wuppertal: Verlag für Reformatorische Erneuerung 2002, 332 Seiten, 14,90 EUR, ISBN: 3-87857-314-6.

Zu allen Zeiten war die Gemeinde Jesu gefährdet durch Verfolgung und Verführung und die Schwächen der Gläubigen. Rainer Wagner bringt in dieser umfassenden Darstellung die Entwicklungen auf den Punkt, die zum heutigen Zustand in Kirche(n) und Gesellschaft geführt haben. Er zeigt auf, wie es in und neben den abgefallenen Kirchen in allen geschichtlichen Epochen auch wahre Gläubige gab, die dem Herrn Jesus Christus kompromisslos nachgefolgt sind. Auch heute - im "Laodizäa-Zustand", wie der Autor schreibt - hat Gott wie zur Zeit des Propheten Elia eine Schar von Menschen übriggelassen, die ihre Knie nicht vor den falschen Götzen des Zeitgeistes gebeugt haben. Es ist eine schwere Zeit, da nicht nur liberale, sondern auch konservative und evangelikale Christen von Entwicklungen überrollt zu werden drohen, an die man vor einigen Jahrzehnten noch kaum zu denken wagte. Kirchen - wohin? Ökumene - wohin? Evangelikale - wohin? Dieses Buch gibt Antwort!

Rainer Wagner stellt die Kirchengeschichte unter dem Aspekt von Spaltungen und Ökumene dar. Er nennt Beispiele von der Zeit der Urgemeinde an bis zur Gegenwart. Der Autor spricht sich dabei genauso gegen eine unbiblische Spaltungssucht wie gegen eine Vermischungssucht unter Preisgabe der Wahrheit aus. Unter den Irrtümern, die Gemeinden am massivsten zerstören, nennt er Bibelkritik, Scheinheiligkeit, Leben in groben Verfehlungen, aufsässige Gesinnung, Gesetzlichkeit, Gesetzlosigkeit und Zeitgeistredner. Besonders erschütternd ist das Kapitel "Der bettelarme und traurige Zustand der Jesus treugebliebenen Endzeitgemeinde", wo er schreibt: "Gottes Wort wird auch in den Kreisen der Gemeinden nicht mehr erwünscht sein" und "Satan wird die sichtbare Gemeindeorganisation umfunktionieren" (S. 43ff.). Angesichts der ökumenischen Vereinheitlichungstendenzen würden die wahren Zeugen Jesu immer einsamer. Es werde "zu einer Scheidung der Geister kommen müssen. Die dem Wort Gottes treu bleiben, werden immer mehr isoliert werden. Sie erscheinen bald als Außenseiter und Fanatiker. In Wirklichkeit aber bilden sie die echte, nicht an Organisation gebundene geistliche Gemeinde" (S. 43).

Ein Buch, das - als Kompendium wichtiger kirchengeschichtlicher Stationen - nicht nur die historischen Interessen reichlich befriedigt, sondern auch zahlreiche Beobachtungen zur derzeitigen kirchlichen Lage und praktische Anweisungen zum geistlichen Leben inmitten zunehmender Verführungen enthält. Ein Buch, das ich deshalb dringend jedem ernsthaften Christen zur Lektüre empfehle.

Lothar Gassmann
D-Pforzheim


WachstumLedergerber, Gust. Das Wachstum der Gemeinde: Exegetische Untersuchungen zum Wesen des Gemeindewachstums im NT. Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission 2002. 172 S. Paperback: 12,00 EUR. ISBN 3-92111-313X.

Herausfordernd und motivierend

Gust Ledergerber, Pastor einer Freikirche in der Ostschweiz, möchte durch dieses Buch (ursprünglich eine Masterarbeit in Korntal) eine Lücke füllen: Er geht von der Beobachtung aus, dass viele der Autoren, die über Gemeindewachstum lehren und schreiben, zwar oft von theologischer Begründung sprechen, diese in ihren Werken aber meistens stark vernachlässigen oder ganz vermissen lassen. In einem ersten Teil des Buches zeigt er dies anhand von zwei Beispielen auf. Er bespricht in Kürze die Werke zweier führender Autoren der Gemeindewachstumsbewegung (GWB), die in deutsch erhältlich sind, nämlich diejenigen von D. McGavran und von Ch. & F. Schwarz. Im letzten Teil des Buches kommt Ledergerber dann noch einmal auf die Entwürfe dieser Autoren zurück und kritisiert sie anhand der bis dahin gewonnenen Erkenntnisse.

Im Hauptteil widmet er sich zuerst der Exegese einer Reihe von Begriffen, die in der Bibel gebraucht werden, um (Gemeinde-, und auch allgemein) Wachstum zu beschreiben. Danach untersucht er drei relevante neutestamentliche Abschnitte (Mk 4,26-29; Eph 4,15-16; Apg 11,19-30) nach ihren Aussagen über 'intensiv-qualitatives' und 'extensiv-quantitatives' Wachstum.

Ledergerber geht in seiner Arbeit sehr gründlich vor, sowohl in der Exegese der Bibel als auch in der Konsultation von themenrelevanter und exegetischer Literatur. Leider sind die Zitate aus dieser Literatur meiner Ansicht nach etwas zu häufig und oft auch schwer verständlich für den Nicht-theologisch-Gebildeten. Von daher könnte das Buch diejenigen, die kein Griechisch, Hebräisch oder "Theologisch" sprechen, eher von der Lektüre abschrecken. Das ist sehr schade, denn oft sind es ja gerade auch diese Leser, die sich von der GWB so beeindrucken lassen und deshalb durch diese wertvolle Studie Korrektur und Hilfe bekämen.

Das wertvollste an Ledergerbers Buch scheint mir, dass es ihm gelingt, nicht nur aufzuzeigen, wo die Protagonisten der GWB in die falsche Richtung laufen, sondern auch offensichtlich zu machen, wie die Bibel das Gemeindewachstum sieht und wo Gemeindeleiter und Gemeinden ansetzen müssen, um aus der (bei uns Kritikern der GWB so häufig anzutreffenden!) Stagnation herauszukommen.

Mich hat die Lektüre des Buches sehr herausgefordert und motiviert. Es sollte für jeden Pastor und Ältesten zur Pflichtlektüre gehören. Auch wenn einige Begriffe aus den biblischen Grundsprachen gebraucht werden, was zuerst etwas abschreckend wirken könnte, ist das Buch für den interessierten Nicht-Theologen trotzdem verständlich.

Kurt Vetterli
CH-Basel


FrauenRichards, S. und L. Alle Frauen der Bibel: Ihre Geschichte. Ihre Fragen. Ihre Nöte. Ihre Stärke: Von Abigajil bis Zippora. Giessen, Basel: Brunnen 2002. 349 S. Gebunden: 19.95 EUR. ISBN 3-7655-1813-1

Weit übers Ziel hinaus

Eine gute Idee: Ein Buch über alle Frauen der Bibel. Es lohnt sich, auch über die Personen nachzudenken, deren Leben nicht so attraktiv war, dass wir schon in der Sonntagschule von ihnen hörten, z. B. über Hagars Beziehung zu Gott oder das tiefe Vertrauen von Pua und Schifra, um nur einige zu nennen. Durch die Erklärung des kulturellen Hintergrunds wird auch Sarahs Glaube, der in Hebräer 11 hervorgehoben wird, sehr deutlich, und die Ergänzung von Altem und Neuem Testament fasziniert.

Es ist spannend und bereichernd, die Frauen der Bibel näher kennen zu lernen. Der Leser des Buches wird zum Schriftstudium motiviert und staunt über Gottes Wege mit Menschen. Ein Ziel der Verfasser ist sicher, Frauen zu ermutigen, sich ganz auf Gottes Wege einzulassen und ihm zur Verfügung zu stehen.

Andererseits habe ich den Eindruck, dass der Inhalt des Buches darauf hinwirken soll, dass Männer "abgewertet" werden und Frauen endlich in den Gemeinden die gleichen Aufgaben wahrnehmen sollen wie Männer. Unterschiede zwischen Mann und Frau will man nur noch im Geschlecht sehen (S. 108). Die Aussagen in den neutestamentlichen Briefen werden zeitgeschichtlich eingeordnet, "zurechtgerückt" und passend gemacht. Deshalb kann ich dieses Buch leider nicht empfehlen. M.E. lohnt es sich aber, darüber nachzudenken, ob in den bibeltreuen Gemeinden und Familien Frauen mit Wertschätzung umgeben werden oder sich aufgrund von Druck oder Nichtbeachtung nach der Aufhebung der Unterschiede von Mann und Frau sehnen.

Monika Georg
D-Solms

… So hilfreich es ist, dass die Autoren die Bedeutung von Frauen in Gottes Geschichte und ihren gegenwärtigen Beitrag zum Reich Gottes würdigen und die Fülle dessen aufzeigen, was Frauen tun sollen, so bedauerlich ist, dass sie weit über ihr Ziel hinausschießen und bei Gelegenheit und Ungelegenheit ein Frauenbild in den Texten finden oder in sie hineinlesen, das den modernen Lesern nur allzu bekannt ist und heute vielerorts propagiert wird. Aussagen zu Mirjam wie

sind in mehrfacher Hinsicht problematisch. Gerade im Abschnitt zu Paulus entsteht wiederholt der Eindruck, dass der Apostel nicht meinen kann und sagen darf, was heutigen Vorstellungen über Rolle und Auftrag der Frau widerspricht. Die umstrittenen Stellen werden als situationsbedingt und damit nicht als allgemeingültig dargestellt. Dass Paulus mit der Schöpfungsordnung und nicht der Situation vor Ort argumentiert, wird übersehen. Hier wäre es weiterführender, sich an den biblischen Aussagen zu reiben und sie als Herausforderung moderner Vorstellungen stehen zu lassen als sie zu entschärfen und mit dem beliebten Hinweis auf Gal 3.28f "platt zu machen" (wo es allerdings um die Gleichheit aller Menschen in Gottes Heilsordnung geht und nicht sämtliche Unterschiede zwischen Menschen aufgehoben werden, wie z.B. ein Blick in die neutestamentlichen Haustafeln zeigt).

Christoph Stenschke
D-Bergneustadt


SuchtKnoll, Andreas. Sucht - was ist das? Eine allgemeinverständliche Einführung in das heutige wissenschaftliche Verständnis von Sucht, insbesondere der Alkoholabhängigkeit. Wuppertal: Blaukreuz 2002. 187 S. 13,50 EUR. ISBN:3-89175-178-8.

Sachlich hilfreich, seelsorgerlich bedeutungslos

Das Buch von Dr. Andreas Knoll wird seinem, im Untertitel definierten Selbstanspruch, durchaus gerecht: "Eine allgemein verständliche Einführung in das heutige wissenschaftliche Verständnis von Sucht, insbesondere der Alkoholabhängigkeit" zu sein. Der seit 35 Jahren in der Suchtkrankenarbeit tätige Dozent, an der Evangelischen Fachhochschule Bochum, ist in der Lage psychologische, medizinische und gesellschaftlich-wissenschaftliche Erkenntnisse, auch für den Laien verständlich, darzustellen. Von daher liefert das Buch einen interessanten Überblick über das heutige wissenschaftliche Verständnis der Süchte und eine gute Darstellung der heute üblichen psychologischen und medizinischen Hilfsangebote für Suchtkranke.

Knoll ist sich darüber im Klaren, dass es schwierig ist, ein "Standardmodell" der Sucht zu geben, da "Hintergründe und individuelle Entwicklungen sehr vielschichtig sind" (S. 17). Der sowohl in der Praxis von Suchtberatung, wie in der Ausbildung und psychologischen Begleitung von Suchtberatern, Sozialarbeitern und Suchthelfern erfahrene Autor, möchte dennoch mit seinem "Standardmodell" eine praktische Arbeits- und Bearbeitungshilfe für die Arbeit an Suchtkranken anbieten.

Vom geistlichen und seelsorgerlichen Standpunkt aus hat diese Handreichung allerdings Schwächen und greift an allen Punkten, wo seelsorgerliche Hilfe nötig wäre, zu kurz. Das liegt daran, dass der Autor den Anspruch der heutigen wissenschaftlichen Beurteilung des Problems, gemäß der Frage des Zusammenhangs von Sucht und Sünde und auch die mögliche Befreiung durch das Evangelium, gänzlich unbeachtet lässt.

Neben psychologisch erklärbaren Persönlichkeitskomponenten (Freud), sieht Knoll im gesellschaftlichen Hintergrund einen wesentlichen Faktor für die Suchtentstehung. Deshalb fordert er, dass die Abstinenzverbände nicht nur Hilfsangebote für Betroffene bieten, sondern auch Einfluss auf die Politik nehmen sollen (S. 78). Durch diesen Einfluss sollten die gesellschaftlichen Faktoren, wie die heutige kritiklose Konsumhaltung, verändert werden.

Interessant ist die Darstellung der Wirkung der Suchtmittel. Die von Knoll dargelegte, heute übliche Einteilung der Typen der Alkoholabhängigkeit und die Entwicklung zum süchtigen Alkoholiker, gibt einen guten Einblick in die Problematik der Alkoholabhängigen. Die Einteilung der Typen der Alkoholabhängigkeit und die Entwicklung zum Süchtigen werden sehr anschaulich dargestellt. Zwar gibt es schon andere derartige Darstellungen, doch hat der Leser mit Knolls Buch hier eine Hilfe in der Hand, um einschätzen zu können, ob er es mit einem Alkoholkranken zu tun hat und wo die speziellen Probleme beim Abhängigen liegen.

S. 97-104 stellt Knoll die heute gängige, sinnvolle Unterteilung der Formen von Alkoholabhängigkeit dar (Alpha-Trinker = Konflikttrinker; Beta-Trinker = Gelegenheitstrinker; Gamma-Trinker = Süchtiger Trinker; Delta-Trinker = Spiegeltrinker (ständig gleichbleibender Alkoholspiegel im Blut); Epsilon-Trinker = Quartalstrinker. Der Darstellung des Krankheitsverlaufes von Alpha und Beta zum Gamma-Trinker, schließen sich Hinweise auf Folgeerkrankungen bei Alkoholikern an (S. 111 - 114).

Knoll ordnet Alkohol unter die "harten Drogen" ein (S. 87). S. 115-120 zeigt er weitere harte Drogen wie Opiate, Kokain und Medikamente in Wirkung und Folgen auf. Ab Seite 125 stellt er die gesamte Breite heutiger Hilfsangebote vor. Dies beginnt bei der Arbeit der Beratungsstellen, geht über die Aktivitäten von Selbsthilfegruppen und schildert die in Suchtkliniken geübte medizinische Hilfe. Von S. 157 an stellt er die größeren Hilfsorganisationen in ihren unterschiedlichen Arbeitsweisen vor: Anonyme Alkoholiker, Blaues Kreuz, Kreuzbund, Guttempler Orden, Freundeskreise. Der abgedruckte kurze Fragebogen zur Selbsteinschätzung kann im Gespräch mit den meist uneinsichtig Betroffenen Gesprächshilfe sein.

Der selbst gestellte Anspruch, einen wissenschaftlichen Überblick über das Thema Sucht zu geben, ist Dr. Knoll gelungen. Allerdings kann man dem Buch keine geistlich- seelsorgerliche Kompetenz zuerkennen.
Die biblische Beurteilung der Bindung an die Suchtmittel ist ausgeblendet
Da die biblische Beurteilung der Bindung an die Suchtmittel ausgeblendet ist, gibt es auch keine Hinweise auf den biblischen Weg der Befreiung aus der Macht der Sünde und des Alkohols. Bei Knolls Buch haben wir es mit einem interessanten Handbuch zur Beurteilung von Sucht in ihrer Erscheinung und den heutigen menschlichen Hilfsmöglichkeiten zu tun. Wenn die Sympathie des Autors für das Blaue Kreuz auch hier und da leicht aufblinkt, so hat die Beurteilung der Sucht und die ausschließlich menschlichen Hilfsangebote nichts mit dem ursprünglich geistlichen Ansatz des Blauen Kreuzes als Hilfs- und Missionswerk unter Alkoholikern zu tun. Fazit: Als Sachbuch interessant, geistlich ohne Bedeutung.

Rainer Wagner
D-Neustadt a.d.W.


WiederkunftLucado, Max. Wenn Christus wiederkommt. Der Beginn einer herrlichen Zukunft. Holzgerlingen: Hänssler 2003. 152 S. Paperback: 10,79 EUR. ISBN: 3-7751-3911-7

Wirkliche Fragen nicht berührt

Die Geschmäcker sind hienieden unterschiedlich und verschieden. Mit dieser selbstverständlichen Wahrheit möchte der Rezensent die Besprechung des Buches einleiten. Also, es gibt Menschen, denen Bücher von der Art des vorliegenden zusagen und sehr viel geben. Das ist auch gut so. Um des "Wandels im Licht" willen muss ich aber sagen: Meine Geschmacksrichtung ist es durchaus nicht.

Der Verfasser, Max Lucado, ist Pastor der Oak Hills Church in San Antonio/Texas und zugleich Autor vieler Veröffentlichungen. Zweifellos ist er ein lebendiger Christ. Und ich kann mir auch gut vorstellen, dass er ein gern gehörter und angesehener Prediger ist. Von seinen vielen Veröffentlichungen hätten sich manche Titel gar als Bestseller erwiesen.

Ob aber das vorliegende Buch auch zu den Bestsellern gehört, möchte ich mit aller Redlichkeit bezweifeln. Es bleibt abzuwarten, zu welchem Urteil andere Leser gelangen. Mir will scheinen, das Buch habe etwas Tändelndes und Geschwätziges an sich. Die öfter eingestreuten kleinen Geschichtchen und Erlebnisse legen den Gedanken nahe, dass die Gnadenausrüstung des Verfassers doch stärker im Bereich des gesprochenen Wortes liegen könnte.

Wie auch immer - von einem Buch, das vom Titel her den Anspruch erhebt, über die Wiederkunft unseres wunderbaren Herrn zu handeln, müsste m. E. eine - wenn auch populäre - gründlich exegetische Arbeit vorgelegt werden.

Also, die Fragen nach der Wiederannahme des Volkes Israel im Sinne von Röm 11, die Frage der Entrückung der Gemeinde im Sinne von 1 Thess 4 - und dann schließlich auch die von Problemen umlagerte Frage nach dem 1000-jährigen Königreich Christi auf der Erde. An all diesen wirklichen Fragen, die nun mal mit der Wiederkunft unseres Herrn zusammenhängen, geht das Buch gelassen vorbei. Die wirklichen Fragen berührt der Verfasser unangemessen selten. Und wenn doch, eilt er alsbald wieder seinen kleinen Geschichtchen und Episoden zu ...

So beende ich diese Besprechung mit dem Hinweis, dass ich zu jenen Menschen gehöre, die in diesem Buch das wohltuende, ordnende und bereichernde Walten eines theologischen spiritus rectus durchaus vermissen.

Manfred Schäller
D-Oelsnitz


StudienbuchElwell, Walter A.; Robert W. Yarbrough. Studienbuch Neues Testament Haan: Brockhaus 2001. 448 S. Gebunden: 42,00 EUR. ISBN: 3-417-24694-6

Wertvolles Studienbuch

Dieser Band setzt einen gleichnamigen Titel für das Alte Testament fort. Mit ihm verbinden sich Anliegen und Zielstellung. In einem eigenen Kapitel wird dies ausführlich entfaltet: Wozu sollte man das Neue Testament studieren? Als erstes heißt es darauf: Es handelt von Gottes Gegenwart - und damit von der Wahrheit. Im Folgenden lautet die Frage: Wozu das Neue Testament studieren? Antworten: "Um nicht von vorgefassten Meinungen beherrscht zu werden", und: "Um sich nicht in falscher Weise auf den Heiligen zu verlassen", sowie: "Um den Text historisch-theologisch interpretieren zu können". Ein wertvolles Fundament für den weiteren Studiengang.

Bereits an dieser Stelle begegnet dem Leser ein hilfreiches und durchdachtes Konzept, das ihm das Verstehen erleichtern soll. So wird etwa im obigen Zusammenhang in einem andersfarbigen Kasten kurz der Frage nachgegangen, ob alles relativ sei.

Eine andere Eigenart besteht in Überprüfung des neu erworbenen Wissens am Ende eines Kapitels. Man muss die Lückentexte ergänzen - so man kann.

Durchgängig ist die Ausstattung hochwertig: Bilder, Tabellen, Übersichten, Karten. Man geht davon aus, dass zwar ein gutes Layout keine Leserschaft garantiert, wohl aber ein schlechtes Layout es vergrault.

In vier Teilen werden Informationen geliefert zu "Jesus und die Evangelien", "Die Apostelgeschichte und die Urgemeinde", "Paulus und seine Briefe" und "Die nicht-paulinischen Briefe und die Offenbarung". In diesen finden sich zahllose wertvolle Hintergrundinformationen zu Zeitgeschichte (z.B. Herodes, Parteien in Israel).

Auch der umstrittenen Frage der Kritik weichen die Autoren nicht aus. Zum einen halten sie eine bestimmte Form für unumgänglich - die eigene Vorstellungen kritisch der Botschaft gegenüberstellen. Aber sie kennen auch die problematische Art. Hier versuchen sie ein möglichst ausgewogenes Urteil zu finden zwischen Gefahren und Hilfen. Am Schluss heißt es aber: "Die historische Bibelkritik hat nicht die Resultate geliefert, die sie zweihundert Jahre lang so optimistisch versprochen hat." Unter der Literatur bei diesem Kapitel finden sich gute Hinweise für die Frage, wie die Bibel am besten zu lesen und auszulegen ist.

Klare Positionen, ohne die Herausforderungen zu verschweigen (z.B. Verfasserfrage Paulus) zeichnet die Autoren aus. Damit bleiben sie dem Anliegen treu, dass der Leser nicht vordergründig in die Debatten der letzten Jahrhunderte, sondern in die Heilige Schrift eingeführt werden soll.

An dieser Bibelkunde kann man sich wirklich freuen. Ob jemand ein neutestamentliches Buch studiert, sich mit einem Begriff oder einer Person befasst - er tut es mit Gewinn. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Studienbuch durchaus seinen Wert an einer Bibelschule entfaltet. Aber nicht minder in der Gemeindearbeit im Seminar für Bibelkunde NT.

Richard Bergmann
D-Auerbach


BengelBertsch, Lothar. Johann Albrecht Bengel. Ein Leben für Bibel und Wahrheit. Holzgerlingen: Hänssler 2002. 176 S. Paperback: 12,95 EUR. ISBN:3-7751-3897-8

Unterhaltsam, verklärend unkritisch

Auf 176 Seiten entfaltet der pensionierte württembergische Pfarrer Lothar Bertsch ein flüssig lesbares Lebensbild des bedeutenden Pietisten Johann Albrecht Bengel. Wie der Autor schon in seinem Vorwort erwähnt, handelt es sich bei seinem Buch nicht um eine wissenschaftliche sondern um eine überwiegend erbaulich ausgerichtete Arbeit (9f). So geht er weder auf neuere Ergebnisse der Erforschung des Lebens Bengels ein noch erwähnt er die unterschiedlichen Interpretationen und Wertungen der Theologie Bengels. Statt dessen wird die Geschichte eines geistlichen Helden erzählt, dessen Theologie und Leben den heutigen Leser zum ernsthaften christlichen Leben motivieren soll. Angenehm aufgelockert wird der Text durch Kartenskizzen, Reproduktionen von Briefen, Gemälden und Stichen aus der Umwelt Bengels.

Bertsch unterteilt sein Buch in 11 Kapitel, wobei jeweils biographisch gehaltene Abschnitte mit theologischen Aussagen Bengels abwechseln. Nach einer knappen Skizze des zeitgeschichtlichen Umfelds Bengels (11-16), wendet sich Bertsch dessen Schul- und Studienzeit zu (17-27). In einem weiteren Kapitel legt der Autor die Bedeutung der Bibel für die Theologie Bengels dar (28-34). Dann beschreibt Bertsch Bengels Tätigkeit als Klosterpräzeptor in Denkendorf, der sich als Erzieher, Seelsorger und Liederdichter seiner Schützlinge annimmt (35-75). Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit Bengels Arbeit als Textforscher und Exeget (76-93). Seine Zeit als Prälat in Herbrechtingen erläutert Bertsch in einem weiteren Abschnitt (94-118). In diesem Teil des Buches findet auch Bengels Tätigkeit als apokalyptischer Erbauungsschriftsteller Erwähnung. Mit der Darlegung seiner Arbeit in Kirchenleitung und Politik verbindet der Autor die Beschreibung von Bengels Zeit als Prälat in Alpirsbach (119-125). Im achten Kapitel wendet sich Bertsch dem Schaffen Bengels während seiner letzten Lebensjahre zu (126-130). Dem schließt sich ein Überblick über die Wirkungsgeschichte Bengels in Theologie und Biographie seiner Schüler an (131-144). Dabei werden zum höheren Lobe Bengels allerdings auch Personen einbezogen, die nur am Rande von Bengel geprägt wurden. Katechismusähnlich, in einem Frage- Antwort- Schema, stellt Bertsch sodann Grundzüge Bengelscher Theologie dar (145-166). Mit einer ehrenvollen Würdigung der Arbeit Bengels (167-169), einem tabellarischen Lebenslauf (170-171) und einer einfachen Kartenskizze der Wirkungsorte Bengels (172) schließt Bertsch sein Buch ab. Das Literaturverzeichnis (173-175) erwähnt verschiedene, gut zugängliche Ausgaben der Schriften Bengels, einige Biographien zum Leben Bengels, insbesondere aus den 80-er Jahren und eine Auswahl neuerer Sammelwerke zur Geschichte des Pietismus, einschließlich einiger Biografien 'schwäbischer Kirchenväter'.

Bertsch zeigt Bengel als einen frommen, eigenwilligen (98), intelligenten und bescheidenen aber auch distanzierten Menschen (19, 42f). Wie von Bertsch angekündigt bewegte sich das äußere Leben Bengels eher in ruhigen Bahnen, weshalb der Leser zuweilen vergeblich auf ein farbigeres Bild des Schwaben wartet.

Hilfreich für das Verständnis Bengels ist die Erwähnung des politischen und wirtschaftlichen Umfelds jener Zeit, wobei die meisten Angaben eher vage bleiben. So bleiben die Beschwerden über die erschwerenden Verhältnisse weitgehend in einem luftleeren Raum. Aussagen, die die Verwurzelung des Pietismus in Schwaben auf die schwere politische Lage des Landes zurückführt (13), werden weder erläutert noch kritisch beleuchtet. Auch die 'unbeschwerten Kinderjahre' Bengels oder die Krankheit, an der sein Vater verstarb, bleiben recht unkonkret (18).

Sehr einfühlsam versteht es Bertsch den Leser in die Frömmigkeit jener Anfangszeit des württembergischen Pietismus hineinzunehmen (17f). Auch gelingt es ihm gut, theologische Überzeugungen und akademische Lehrer zu skizzieren, die den jungen Bengel prägten (22f). Interessant ist auch die heilsgeschichtliche Konzeption der Biographie. Jede Einzelheit aus Kindheit und Jugend Bengels entfaltet Bertsch im Laufe seiner Darstellung als wichtige Vorbereitung Gottes für die späteren Leistungen des großen Pietisten. Dazu gehört seine Strebsamkeit (20), seine Kritik der Philosophie (23), sein unumstößliches Vertrauen auf die Bibel (27ff, 29) und sein Interesse an der biblischen Textforschung (24). Schon in seiner Prüfungspredigt findet Bertsch die Grundlagen der späteren Theologie Bengels (56). Erstaunlicherweise beschreibt Bertsch Bengel während seiner Studienreise nach Frankfurt und Halle kaum als Lernenden, sondern eher als Beobachter und jemanden, der die Arbeit Franckes und Speners beurteilt (24f). Schon in seiner Studien- und Vikariatszeit erscheint Bengel so als fertiger, gereifter Theologe (26f). Überhaupt tritt er immer wieder als Einzelgänger hervor, den wenig wirklich berührt und der wenig ernsthaft am Ergehen anderer teilzunehmen scheint (19f, 38f).

Trotz allem Leiden in Krankheit, Armut und politischem Druck erscheinen die dargestellten Pietisten vorbildlich beständig und manchmal unnatürlich fromm. Wie durch Leibnitz' 'beste aller Welten' geprägt lobt Bengel Gott, ganz gleich ob gerade seine Eltern, seine Geschwister oder die eigenen Kinder sterben (18, 23, 41ff, 48, 67). Menschliche Regungen werden neben der geistlichen Stärke Bengels von Bertsch kaum nachgezeichnet.

Die dargestellten Pietisten erscheinen vorbildlich, beständig und manchmal unnatürlich fromm

Die Beschreibung des Alltaglebens in Denkendorf bleibt, abgesehen von Angaben über Studienordnung und Tagesablauf, verhältnismäßig farblos (35ff). Ohne jede theologische Reflektion lässt Bertsch Überlegungen zur Rettung aller Kinder (42) oder zur erlösenden Kraft der kirchlichen Taufe (44) einfließen. Auch wenn die offensichtliche Beeinflussung Bengels durch die Pädagogik Franckes im Buch nicht erwähnt wird, gibt Bertsch eine gut verständliche Einführung in die Prinzipien Bengelscher Erziehungsarbeit (46ff). Dabei wird zurecht auf die besondere Bedeutung von Wissen und Frömmigkeit, von persönlichem Vorbild und Beachtung der Individualität der Schüler hingewiesen. Wobei gerade ein Vergleich mit damaliger pädagogischer Praxis die Besonderheiten der Praxis Bengels deutlicher hervorgehoben hätte.

Recht detailliert geht Bertsch auf Bengels Predigtleidenschaft ein und skizziert dessen homiletische Grundlagen (51ff).

Immer wieder finden sich in der Biographie Hinweise auf Bengels enge Bindung an die Bibel (89). Bengels Überlegungen zu Inspiration, Kanon im Kanon oder der Knechtsgestalt der Schrift erscheinen sehr aktuell und wurden von Bertsch in den Überlegungen Bengels besonders hervorgehoben (30ff). Auch die Ablehnung des 'Bekehrungseifers' wird dem heutigen Leser als pädagogische Warnung vor Augen gestellt (54).

Erbaulich und herausfordernd ist die vielfältig dargestellte Verbindung zwischen persönlicher Frömmigkeit, insbesondere dem Gebet, und der wissenschaftlichen Arbeit Bengels (59ff). Trotz zahlreicher anschaulicher Beispiele kann Bertsch dem Leser die große seelsorgerliche Wirkung Bengels nur unzureichend nahe bringen (66ff). Dabei kann kaum beurteilt werden ob das an der fremden Frömmigkeit Bengels oder an der Darstellung des Buches liegt.

In seiner Darstellung der Hermeneutik Bengels versteht es Bertsch, eine Brücke zu gegenwärtigen, pietistisch- evangelikalen Ansätzen zu schlagen (76ff). Dazu gehören Warnungen vor der Voreingenommenheit des Bibellesers, der Einheit der Schrift und die notwendige kritische Erarbeitung des Grundtextes. Auch die durch Bengel formulierten, bekannten Regeln der Textkritik werden bei Bertsch genannt. Anschaulich vermittelt er dabei einen Eindruck von dem organisatorischen Aufwand Bengels durch die in verschiedenen europäischen Bibliotheken lagernden Handschriften biblischer Texte (81ff).

Wiederholt wird dem Leser die über das damalige Maß hinausgehende Demut Bengels vor Augen geführt, die sich darin äußerte, dass er sich weder auf Ämter bewarb noch Ehrungen seiner Arbeit annahm (86, 122f).

Den ausführlichen eschatologischen Vorstellungen Bengels gilt ein besonderes Interesse des Autors, wie sich an deren ausgedehnter Darstellung ablesen lässt (101- 118).

Irreführend ist die Einfügung der Lebensdaten einiger Pietisten in den sonst nur Angaben aus dem Leben Bengels enthaltenden tabellarischen Lebenslauf, so kann der Eindruck erweckt werden, diese Personen seien sich schon in der Stuttgarter Schulzeit Bengels begegnet (170).

Leider fehlt eine kritische Würdigung Bengels weitgehend

Leider fehlt eine kritische Würdigung Bengels weitgehend. Weder setzt sich Bertsch mit der Gefühlskälte Bengels, noch mit seinem eingeschränkten politischen Engagement (94ff, 122) oder seinen Endzeitspekulationen (101-118) kritisch auseinander. Selbst bei den offensichtlichen Schwächen Bengels scheut Bertsch davor zurück seinen geistlichen Helden zu kritisieren. So weist er im Zusammenhang mit Bengels Endzeitspekulationen beispielsweise entschuldigend auf dessen gute Motive oder irrtümliche Berechnungen anderer Pietisten (100) hin und bezeichnet sie als 'überbiblisch', wobei 'unbiblisch' wohl angemessener zu sein scheint (107). Auch die rückblickenden, manchmal idealisierenden Äußerungen des gealterten Bengel werden bei Bertsch ohne Kommentar als historisch zutreffend zitiert (18f).

Bertschs Biographie über Bengel bietet dem interessierten Gemeindeglied einen leicht lesbaren unterhaltsamen Einblick in das Leben und die theologische Arbeit des bekannten Pietisten. Besonders auf ihre Kosten werden dabei Christen der württembergischen Kirche und Liebhaber pietistischer Aphorismen sein. Obwohl es sich um keine wissenschaftliche Arbeit handelt, können sich hier auch kirchliche Mitarbeiter einen einfühlsamen Überblick über das Leben Bengels verschaffen.

Michael Kotsch
D-Bad Meinberg


JesusKaemper, Ralf (Hrsg.) Streit um Jesus. Wer war er? Hat er wirklich gelebt? Dillenburg: CV 2003, Koproduktion mit idea e.V. Wetzlar. 95 S. Taschenbuch: 2,50 EUR. ISBN: 3-89436-379-7

Erfrischend klar

In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea e.V. hat die Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg ein neues Bändchen ihrer erfolgreichen Reihe idea-Dokumentation herausgebracht. Ralf Kaemper, Schriftleiter der Zeitschrift ":Perspektive" wählte Beiträge renommierter evangelikaler Autoren aus und schrieb die verbindenden Texte. Armin D. Baum, Herbert H. Klement, Rainer Riesner, Helmut Matthies, Hans Steinacker, C.S. Lewis, Jürgen Spieß, David Gooding & John Lennox und Philipp Yancey kommen zu Wort. Es verwundert nur ein wenig, dass einmal der akademische Titel angeführt wird (S. 51,57) und die anderen Male nicht. Das tut dem ausgezeichneten Inhalt jedoch keinen Abbruch.

Alle Jahre wieder werden von deutschen Nachrichtenmagazinen "Aufsehen erregende neue Entdeckungen" verbreitet, die das Fundament des christlichen Glaubens in Frage zu stellen scheinen. Schaut man genauer hin, findet man jedoch nur alte Vorurteile, die von den Feinden des Evangeliums seit der Zeit des Neuen Testaments verbreitet werden. Erfrischend klar und direkt widerlegen die kurzen Aufsätze dieses Bändchens die Einwände bibelkritischer Theologieprofessoren zum Leben Jesu und zeigen deren weltanschauliche Willkür auf. So erklärt der evangelische Theologe Gerd Lüdemann in einem Brief an den "lieben Herrn Jesus" zum Beispiel, dass Jesus gar nicht so sei, wie ihn Bibel und Kirche darstellen. Herbert H. Klement antwortet auf die zwölf Irrtümer des Göttinger Theologieprofessors und schließt: "Als ‚Der große Betrug' hat er sein Buch überschrieben, hoffentlich merken viele seiner Leser, wie Recht er damit hat." (S. 30) Rainer Riesner zeigt, dass die "Spiegel-Argumente" veraltet, lückenhaft und tendenziös sind (S. 34f.). C.S. Lewis schreibt: "Diese Leute versuchen mir weiszumachen, sie könnten zwischen den Zeilen der alten Texte lesen; dabei offenbaren sie ihre augenfällige Unfähigkeit, die Zeilen selbst zu lesen".

Letzteres muss der Leser dieses Büchleins nicht befürchten, denn es ist verständlich formuliert, knapp gefasst und damit eine große Hilfe für jeden Kleinglauben.

Karl-Heinz Vanheiden
D-Hammerbrücke


VerbotenLiese, Andreas. Verboten - geduldet - verfolgt: Die nationalsozialistische Religionspolitik gegenüber der Brüderbewegung. Edition Wiedenest. Hammerbrücke: Jota Publikationen, 2003. 642 S. Paperback: 35,00 EUR. ISBN: 3-935707-12-6

Ausgezeichnete Forschungsarbeit

Diese geschichtswissenschaftliche Dissertation schließt eine Forschungslücke. Denn auch wenn es schon bisher Bücher über die Geschichte der Christlichen Versammlung oder ihrer Zweige von Autoren aus den eigenen Reihen gab, hat doch bisher niemand alles noch verfügbare Quellenmaterial aufgesucht, erfasst und ausgewertet. Dies gilt für Quellen auf Seiten der Brüderbewegung ebenso wie auf Seiten der mit ihr verfassten staatlichen oder nationalsozialistischen Behörden. Entstanden ist bei der Quellenauswertung eine ausgezeichnete, sehr gut belegte Forschungsarbeit, die die Ereignisse allerdings weder allzu sehr in die Gesamtgeschichte des Dritten Reiches einbettet, noch theologische Fragen vertieft oder bewertet. Dass der Verfasser selbst der Brüderbewegung angehört, macht sich nirgends bemerkbar, wenn man einmal davon absieht, dass nur ein Insider an manche Quellen und Informationen gelangen konnte, da die Brüderbewegung nie über eine Zentrale verfügte, sondern von einer für Archivforschung fast entmutigenden Dezentralität geprägt ist.

Auch wenn mit dieser Forschungsarbeit viele historische Einzelfragen geklärt werden konnten und sich ein differenziertes Bild des Verhaltens der einzelnen Richtungen und Verantwortlichen ergibt, ist das eigentlich Neue an der Arbeit, dass der Verfasser am Ende ein recht geschlossenes Gesamtbild zeichnen kann, 1. warum die Nationalsozialisten die Christliche Versammlung verboten, ihr dann aber den Ausweg einer Neugründung des Bundes freier Christen ließen, und 2. wie die Christliche Versammlung auf den Nationalsozialismus reagierte.

Zur 1. Frage ist zu sagen: Es war die Abstinenz gegenüber dem Staat, etwa in der Wahlverweigerung, gegen die Staat und Partei im Dritten Reich zu Felde zogen, nicht irgendeine Kritik am Staat. Als man schließlich erkannte, dass es in Wirklichkeit eine Reihe aktiver Parteimitglieder und NSDAP-Wähler gab und die Bewegung im Wesentlichen zunächst für Hitlers Ernennung zum Reichskanzler dankbar war, war das Verbot bereits ausgesprochen und nicht zurücknehmbar. Das führte schließlich dazu, dass man die Möglichkeit der Gründung eines Gemeindebundes unter Leitung genehmer Führer anordnete bzw. zuließ.

Zur 2. Frage ist zu sagen: Die Christliche Versammlung verweigerte den Anordnungen der Nationalsozialisten deswegen oft den Gehorsam, weil ihre theologischen Überzeugungen keine Änderungen an Kirchenstruktur, Gottesdienstgestaltung usw. zuließen, nicht aber aufgrund einer kritischen Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus an sich. Echten, gar politischen Widerstand kann der Verfasser nirgends ausmachen, auch keinen verbalen Einsatz für Juden oder gar die aktive Rettung von Juden. Letzteres ist eine interessante Aussage angesichts der These von Hal Lindsey, dass Vertreter der dispensationalistischen Theologie sich im Dritten Reich automatisch für Juden eingesetzt hätten, während Vertreter reformierter oder anderer Ansätze automatisch gegen die Juden gewesen seien. Grund für die Zurückhaltung gegenüber einem Einsatz für die Juden war sicher nicht so sehr die theologische Einordnung der Juden, sondern neben der allen gemeinsamen Angst und Feigheit die generelle (sicher teilweise auch heilsgeschichtlich begründete) Ablehnung jeder politischen Betätigung bzw. deren Verweisung in das Privatleben der Gemeindeglieder.

Auch wenn der Verfasser sich insgesamt mit Urteilen sehr zurückhält und erst Recht in der Regel keine theologische Bewertung vornimmt, kommt er dann doch am Ende zu dem Schluss, dass die theologisch begründete Ablehnung jeder politischen Thematik die Christliche Versammlung gerade nicht dem Staat gegenüber besonders kritisch gemacht habe. Inmitten schwierigster Situation bekämpfte man doch vorrangig andere Richtungen der Brüderbewegung mit vergleichsweise geringen Abweichungen, anstatt den wahren Feind zu erkennen und zu benennen. Das ist eine wichtige Warnung an uns alle, sofern wir bereit sind, aus der Geschichte zu lernen.

Thomas Schirrmacher
D-Bonn


ChanceLandmesser, Martin L.; Joh. Sczepan (Hg.) Jeder Tag ist eine Chance: Christ-Sein in Wirtschaft und Gesellschaft. Holzgerlingen: Hänssler 2002. 160 S. Paperback: 7,95 EUR. ISBN: 3-7751-3847-1

Zeugnisse aus der Wirtschaft

Eines haben die Herausgeber mit ihren 34 Autoren gemeinsam; sie stehen in irgend einer Form in der Öffentlichkeit und sind für den Leser in nachvollziehbarer Weise identifizierbar. Manche leiten Unternehmen, andere sind freischaffend, alle haben einen wahrnehmbaren Wirkungskreis und leben als "Christen in der Wirtschaft". Durch die gleichnamige Vereinigung ist das Buch initiiert; in dieser Umgebung treffen wir die Einzelnen an.

Dass für Manager und Öffentlichkeitsleute jeder Tag oft neue, kaum zu bewältigende Forderungen an Arbeitskraft und Gesundheit stellt, zeigen manche dieser Beiträge in ungewöhnlicher Offenheit auf. Selbst Tabus wie konkrete Geldbeträge, Wettbewerb und Konkurrenz in Wirtschaft und Gesellschaft werden mit Namen genannt. Authentischer Lebensstil scheint Voraussetzung für die Aufnahme in den Kreis der Autoren zu sein.

Allerdings, so unterschiedlich wie die Hintergründe der Autoren, so unterschiedlich sind ihre Verlautbarungen: vom schlichten Zeugnis der erlebten Hilfe Gottes in Krisensituationen und persönlich erlebten Führungen bis hin zu tief durchdachten Beiträgen mit wissenschaftlicher Genauigkeit aus dem Wirkungsfeld des Schreibers. Zuweilen hat man den Eindruck, dass die Einzelnen von völlig unterschiedlichen Aufgabenstellungen ausgingen. So ist jeder Beitrag eine Überraschung.

Lobenswert ist die gegebene Kürze der Artikel, die es ermöglichen, dieses Büchlein immer mal zwischendurch zur Hand zu nehmen. Für diesen Zweck ist die Lektüre bereichernd. Es ermutigt zu verbindlichem Leben und Arbeiten mit dem Wissen, dass Gott auch in Wirtschaft und Gesellschaft als der Allmächtige persönlich erlebbar und zu loben ist.

Frieder Seidel
D-Hammerbrücke


CD-ROMHaubeck, Wilfried; Siebenthal, Heinrich von. Neuer sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament Gießen: Brunnen 2002. CD-ROM 49,59 EUR. ISBN: 3-7655-8218-2

Ausgezeichnete Arbeitshilfe

Nachdem der zweite Band des "Neuen sprachlichen Schlüssels" mit den neutestamentlichen Briefen und der Offenbarung im Herbst 1994 erschienen war, wurde 1997 der erste Band mit den Evangelien veröffentlicht. Damit ist der "Sprachliche Schlüssel" von Rienecker, der viele Auflagen erlebte, durch eine gründlichere Arbeit ersetzt. Der Umfang hat entsprechend zugenommen, was ein Nachteil ist, wenn man unterwegs arbeitet (obwohl sich der Rezensent für den zuerst erschienenen Band die gleiche Ausführlichkeit und Benutzerfreundlichkeit gewünscht hätte, wie für den letzten). Dieser Nachteil ist aber völlig aufgehoben, wenn man mit dem Computer arbeitet und die elektronische Fassung des Werkes benutzt. Letztere wurde von Heinrich von Siebenthal bearbeitet und ist 2002 erschienen.

Anliegen der Autoren ist es, die Studierenden anzuleiten, die Wörter nicht nur in ihrer lexikalischen Bedeutung, sondern in ihrem jeweiligen Kontext zu verstehen. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die Kenntnis der Regeln des griechischen Satzbaus (der Syntax). Diesem Zweck dient auch der grammatische Anhang (ab Nr. 34).

Die Software wurde vom Ingenieurbüro Matthias Frey erarbeitet. Sie trägt die Produktnummer 38. Die Installation macht keine Probleme, vorausgesetzt, man hält sich ganz genau an die Anweisungen des beigelegten Heftchens. Das Programm bietet die üblichen Funktionen für einfache und komplexe Stellensuche, Notizen, Kopieren in andere Anwendungen, Drucken.

Leider lässt es sich doch nicht ganz so intuitiv bedienen, wie man das von anderen Programmen gewöhnt ist. Bei mir kam es bei der Einbindung bereits vorhandener Texte (z.B. Gute Nachricht Bibel) deshalb zu mehreren Abstürzen. Lästig war mir auch die penetrante Abfrage, ob man das Programm auch wirklich beenden will, bis ich entdeckte, dass man unter Fenster speichern die Einstellung speichern und dann auch das Programm mit einem Klick beenden kann. Leider wird die Platzierung und Größe des Programmfensters nicht mitgespeichert, sodass man es nach dem Programmstart wieder neu einrichten muss.

Es kann beim Neustart zu einem Programmabsturz und bei WIN 98 zu einem Totalabsturz des PC kommen, wenn z.B. aus Platzgründen die Oberfläche vorher maximal reduziert (bei Symbolleisten alle Fenster deaktiviert) und dann das Programm geschlossen wurde. Nach der wenig tröstlichen Meldung "ein deaktiviertes oder unsichtbares Fenster kann nicht den Focus enthalten", bewegt sich nichts mehr. Nach dem Neustart des Computers passiert dasselbe. Man muss das Programm löschen und neu installieren.

Sprachlicher Schlüssel und Software. Der griechische Text wird gut dargestellt und lässt sich wie im Buch lesen. Verweise werden farbig hervorgehoben. Sehr schön ist das zweite Fenster für Hilfetexte, die durch einfachen Klick auf den Verweis sichtbar werden. So werden die griechischen Worte des Grundwortschatzes und selbst die Abkürzungen erklärt. Besonders wichtig der Verweis auf den grammatischen Anhang, der dadurch sofort lesbar ist. Auch im Hilfefenster sind durch Doppelklick weitere Verweise möglich, z.B. auf eine Tabelle. Wer mit dem Programm aber gut zurechtkommen will, sollte unbedingt das kleine Handbüchlein gründlich gelesen haben.

Besonders gut kann man arbeiten, wenn die Parallelanzeige aktiviert ist, durch die alle Textausgaben beim Blättern synchronisiert sind. Beim Rollen der einen Textanzeige rückt die andere automatisch nach, sodass der Sprachliche Schlüssel an der richtigen Stelle ist, wenn man z.B. im griechischen Text liest.

Nestle-Aland. Novum Testamentum Graece. 27. Auflage

Schwer enttäuscht wird man allerdings, wenn man sich auf Empfehlung des Handbuchs der Elbiwin 2003 das griechische Neue Testament für das Bibelprogramm kauft. Man wird ganze 25 EUR los und erhält einen Text ohne Apparat, was seinen Wert ganz erheblich mindert. Besonders ärgerlich, dass das Handbuch nicht darauf hinweist! Die Möglichkeiten dazu hat das Programm mit dem Neuen sprachlichen Schlüssel glänzend demonstriert. Sehr schade, dass der Verlag (Deutsche Bibelgesellschaft) diese Möglichkeit nicht realisiert hat und die billige Variante teuer verkauft.

ElbiwinElbiwin 8.0. R. Brockhaus Software Edition 2003. CD-ROM: 49,95 EUR. ISBN: 3-417-36113-3

Die Software trägt die Produktionsnummer 43 und wurde vom gleichen Hersteller wie oben entwickelt, aber unter anderem Namen und von einem anderem Verlag vermarktet. Der Fehler, der bei Version 38 noch zum Programmabsturz führte, ist behoben. Platzierung und Größe des Programmfensters wird auch in der neuen Version nicht mitgespeichert. Neuerungen im Programm hat der Rezensent nicht wahrnehmen können. Positiv: Die Suchfunktionen greifen auch auf alle mitgelieferten Bücher zu und orientieren sich nicht nur an den Bibelstellen.

Die CD wird mit der revidierten Elberfelder Bibel von 1992 geliefert, der Elberfelder mit den Scofield-Anmerkungen, der unrevidierten Elberfelder Übersetzung von 1905, dem Personenlexikon "Wer ist wer in der Bibel", der großen Konkordanz zur Elberfelder Bibel und der "Bibelkunde und Einleitung zum Neuen Testament" von Gerhard Hörster.

Schwer einzusehen bzw. überflüssig scheint die Beigabe der großen Konkordanz zur EÜ, denn das Programm ist ja selbst die Konkordanz. Nicht unproblematisch ist die "Bibelkunde und Einleitung zum Neuen Testament" von Gerhard Hörster, der zwar grundsätzlich zu bibeltreuen Aussagen kommt, aber um Verständnis für bibelkritische Theologen wirbt.

Karl-Heinz Vanheiden
D-Hammerbrücke


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