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Die Listen mit den Vorfahren von Jesus Christus wie sie Matthäus und Lukas überliefern (Mt 1,1-17 und Lk 3,23-37), unterscheiden sich deutlich voneinander, und zum Teil auch von den Angaben im Alten Testament.
Matthäus beginnt sein Evangelium mit dem Geschlechtsregister, Lukas platziert es zwischen den Bericht von der Taufe und der Versuchung des Herrn.
Matthäus beginnt bei Abraham und endet bei Christus. Lukas beginnt bei Christus und geht über Abraham hinaus bis zu Adam und Gott.
Der Großvater unseres Herrn hieß nach Matthäus Jakob und nach Lukas Eli. Bis zu Serubbabel zurück nennt Lukas andere Namen und von Schealtiel bis David ebenfalls. Nur von David bis Abraham sind die Listen zwar gegenläufig aber praktisch gleich.[ 1 ]
Lukas fügt einen Kenan zwischen Arpachschad und Schelach ein, den es im Alten Testament an dieser Stelle (1Mo 5,3-32; 11,10-26) nicht gibt.
Matthäus nennt den Vater von Jotam Usija, aber in 2Kö 15,1-7 und 1Chr 3,12 heißt er Asarja.
Matthäus nennt Usija einen Sohn Jorams, aber nach dem 2. Buch Könige und 1Chr 3 ist er erst der Ururenkel von ihm. Matthäus hat also nach 1Chr 3 Ahasja, Joasch und Amazja weggelassen.
"Josia aber zeugte Jojachin und seine Brüder ...". Jojachin war aber nach 2Kö 24 der Enkel von Josia und hatte außerdem keine Brüder. Zum dritten wären es zwischen der Wegführung und Christus nur 13 Namen, weil Jojachin ja schon vorher genannt war.
Matthäus, der sein Evangelium ursprünglich für Juden verfasste, wollte seinen Lesern von vornherein zeigen, dass Jesus ein legitimer Sohn Abrahams war. Denn als er um das Jahr 50 n.Chr. sein Evangelium schrieb, waren schon böse Gerüchte über Jesus im Umlauf.[ 2 ]
Lukas, der hauptsächlich nichtjüdische Leser im Auge hat, will die tatsächliche Menschwerdung des Sohnes Gottes hervorheben. Deshalb führt er die Liste der Vorfahren des "geliebten Sohnes" Gottes (V. 22) bis zu Adam zurück, der von Gott kam (V. 38). Die anschließende Versuchungsgeschichte macht dann deutlich, wie Jesus im Gegensatz zu Adam die Versuchung glänzend bestand.
In der Bibel gibt es aufsteigende (z.B. Esra 7,1-5) und absteigende (z.B. 1Mo 5) Geschlechtsregister. Absteigende Register können viele Informationen über die Taten der einzelnen Glieder enthalten. So hat Matthäus ein absteigendes Register mit zusätzlichen Informationen gewählt und Lukas ein aufsteigendes, das bis zu Gott führt. Die Reichweite entspricht der Absicht der Evangelisten, wie in 2.1. gezeigt.
Die Liste des Matthäus enthält dreimal 14 Generationen, was von Abraham bis David genau mit den alttestamentlichen Angaben übereinstimmt. Es kann sein, dass dies einen Symbolwert vermitteln will[ 3 ] Es ist aber auch möglich, dass die Liste des Matthäus zum Auswendiglernen für gläubige Juden gedacht war, damit sie ihren ungläubigen Zeitgenossen zeigen konnten, dass Jesus wirklich der Messias Israels ist und von Adam und David abstammt.
Josef war nicht der leibliche Vater von Jesus. Matthäus formuliert 1,16: "Jakob zeugte Josef, den Mann Marias". Er setzt die Reihe eben nicht fort: "... und Josef zeugte Jesus". Auch Lukas schreibt 3,23: "Jesus war ... wie man meinte, ein Sohn des Josef". Aber rechtlich gesehen galt Josef dennoch eindeutig als Vater von Jesus und dieser damit als Nachkomme Davids, wie beide Evangelisten in ihren Listen deutlich machen.
Für die Unterschiede an den vergleichbaren Stellen der Register von Matthäus und Lukas gibt es hauptsächlich drei Erklärungsversuche.
Argumente dafür:
Argumente dagegen:
Die Theorie arbeitet mit dem Gesetz der Schwagerehe (Mt 22,24; 5Mo 25,5-10). Jakob (bei Mt) und Eli (bei Lk) wären Halbbrüder gewesen, weil ihre Mutter Esta zuerst Mattan geheiratet und von ihm Jakob bekommen hätte. Dann starb Mattan und sie wurde von Melchi (bei Lk) geheiratet und bekam von ihm den Sohn Eli. Dieser Eli heiratet, stirbt aber kinderlos, sodass sein Bruder Jakob der Hinterbliebenen ein Kind zeugt, das aber als Sohn Elis gilt.[ 4 ]
Diese Theorie ist sehr kompliziert, erklärt die Fakten auch nicht besser als die erste und bezieht sich außerdem nur auf die beiden ersten Glieder der Stammbäume.
Die Theorie geht ebenfalls von der Schwagerehe aus, behauptet aber, Lukas würde die biologische Linie zeigen. Dagegen spricht allerdings, dass der Ausdruck "zeugen" bei Matthäus viel eher[ 5 ] die biologische Abstammung meint, als der Ausdruck "ein Sohn von" bei Lukas.
In den hebräischen Texten des Alten Testaments erscheint Kenan nicht, nur in einigen Manuskripten der Septuaginta, der griechischen Übersetzung des AT. Auch in einigen alten Handschriften des Lukas-Evangeliums ist er nicht enthalten. Von daher ist es denkbar, dass der Name durch einen späteren Abschreiber eingefügt wurde, um die Diskrepanz zu der ihm vorliegenden Ausgabe der Septuaginta zu beheben.
Schon im AT wird der Vater von Jotam nicht nur Asarja, sondern auch Usija genannt (2Kön 15,32.34; 2Chr 26,1-23; Jes 1,1). In der Bibel begegnet uns das mehrmals, z.B. Gideon - Jerubbaal, Eljakom - Jojakim, Simon - Petrus (Kefas).
In der Bibel wird "Sohn" im direkten Sinn gebraucht (Ahasja war ein Sohn Jorams - 1Chr 3,11), im erweiterten Sinn (Josef, der Sohn Davids - Mt 1,20, vgl. auch Hebr 7,10!) und im übertragenen Sinn (Markus, mein Sohn - 1Pt 5,13).
Jojakim war der direkte Sohn Josias und hatte noch Brüder (1Chr 3,15). Erst sein Sohn hieß Jojachin (bzw. Jechonja oder Konja - er besaß auch mehrere Namen, vgl. 2.4.2.) Die Unstimmigkeit ist vielleicht bei der Übertragung vom Hebräischen ins Griechische entstanden.
Andere Möglichkeit: Jojakim wäre von Matthäus übersprungen worden und Jechonja hätte doch noch Brüder gehabt, die aber nicht genannt werden. Er würde in der Genealogie dann zweimal genannt, einmal vor und einmal nach der Wegführung.
Die Unterschiede zwischen den von Matthäus und Lukas genannten Vorfahren des Herrn können prinzipiell alle erklärt werden, wenn wir auch aufgrund fehlender Informationen nicht immer entscheiden können, welche der Erklärungen zutrifft. Die wesentlichen und wichtigen Aussagen in beiden Registern sind gleich und die Unterschiede entsprechen offenbar genau der Absicht der Evangelisten bzw. des Heiligen Geistes, der sie bei der Niederschrift leitete.
In Matthäus 5-7 und Lukas 6,17-49 scheint es sich sowohl vom Inhalt, als auch von den Umständen her um zwei verschiedene Predigten zu handeln oder vielleicht gar nur um Sammlungen von Teilen aus verschiedenen Predigten.
Einmal bekommt man den Eindruck, dass Jesus die Predigt auf einem Berg hielt, zu dem er hinaufstieg (Mt 5,1) und das andere Mal, dass er sie auf einem ebenen Platz hielt, zu dem er hinunterstieg (Lk 6,17).
Bei Matthäus scheint die Erwählung der Zwölf nach der Bergpredigt stattzufinden (10,1-4) und bei Lukas (6,12-16) davor.
Der Inhalt weist Unterschiede auf, denn bei Lukas fehlen große Teile. Bei Matthäus scheint Jesus nur zu den Jüngern zu sprechen, bei Lukas zu der ganzen Menschenmenge.
In neuerer Zeit wird behauptet, es würde sich um zwei verschiedene von den Verfassern zusammengestellte Sammlungen von Predigtteilen handeln.
Lukas 6,17 muss nicht ein ebenes Feld oder einen großen freien Platz meinen. Man kann sich einen ebenen Platz auch in einem bergigen Gelände vorstellen, zu dem Jesus hinunterstieg, nachdem er vorher schon die Nacht weiter oben auf dem Berg verbracht hatte. Dort heilte er ihre Kranken und Besessenen (Lk 6,17-19). Danach stieg er wieder ein kleines Stück den Berg hoch, wo er sich setzen und die Menge überblicken konnte.
Die Berufung der zwölf Jünger muss kurz vor der Predigt stattgefunden haben, wie es Lukas überliefert, denn Matthäus ordnet sein Evangelium auch sonst nicht nach chronologischen, sondern nach sachlichen Gesichtspunkten.
Die Aussage von Lk 6,17 entspricht ziemlich genau der Situation, die Matthäus 4,25-5,1a beschreibt. Jesus wendet sich an seine Jünger und belehrt sie, aber die ganze Menge hört zu (Lk 6,20; Mt 5,1+7,28). Auch die chronologische Stellung der Bergpredigt ist bei Matthäus und Lukas die gleiche: Vorher heilt Jesus viele Menschen (Mt 4,24; Lk 6,18-19), danach ist er in Kapernaum und heilt den Sklaven des Hauptmanns (Mt 8,5-13; Lk 7,1-10).
Weil Lukas an den Nichtjuden Theophilus schreibt, lässt er die Dinge weg, die eindeutig Juden betreffen, während Matthäus, dessen Evangelium ursprünglich besonders für Juden bestimmt war, sie überliefert.
Lukas geht von einer zusammenhängenden Rede aus (7,1) und bei Matthäus sprechen die Eingangs- und Schlussbemerkungen ebenfalls davon (5,1; 8,1). Es ist aber durchaus möglich, dass Jesus auch bei anderen Gelegenheiten ähnliche Aussagen wie in der Bergpredigt gemacht hat.
Sowohl Matthäus, als auch Lukas überliefern, dass die Predigt mit den Seligpreisungen begann und mit dem Gleichnis vom Hausbau endete.
Es handelt sich bei der Bergpredigt, wie sie von Matthäus und Lukas überliefert wird, um ein und dieselbe zusammenhängende Predigt, die Lukas unter der Führung des Heiligen Geistes für seinen Leserkreis gekürzt hat.
Zarley, Kermit.Das Leben Jesu. Die authentische Biografie mit Erklärungen. Neuhausen-Stuttgart:Hänssler 1992
Geisler, Norman L. / Howe, Thomas A. When Critics ask: a popular hadbook on Bible difficulties. Grand Rapids: Baker Books 1992
Archer, Gleason L. New International Encyclopedia of Bible Difficulties. Grand Rapids: Zondervan 20024
Wiskin, Richard. Die Bibel und das Alter der Erde. Neuhausen-Stuttgart: Hänssler 19962
Meister, Abraham. Fragebeantwortung "Kainan" in Bibel und Gemeinde 1969/3 S. 288
Schäller, Manfred. Zum Verhältnis der Genealogien Jesu nach Mt 1,1-16 und Lk 3, 23-38 in Biblisch Glauben, Denken, Leben Nr. 17/1991
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