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Modellart 2: Mehrere Zusammenhänge eines Vorgangs sind bekannt, aber das Gesamtwissen bleibt dennoch begrenzt: In den operationalen Wissenschaften[ 1 ] können Experimente und Beobachtungen ständig wiederholt werden und durch Verbesserung der Instrumente und Auswertemethoden neue Erkenntnisse hinzukommen. Die vorhandenen Kenntnisse über den betrachteten Sachverhalt bleiben dennoch oft so begrenzt, dass es nicht möglich ist, sich ein vollständiges und in sich abgeschlossenes Bild von der Realität zu machen. Hier helfen Modelle, die die bereits bekannten Fakten integrieren. Treten im Rahmen weiterer Forschung neue Aspekte auf, die von dem alten Modell nicht beschrieben wurden, dann muss ein neues Modell entworfen werden.
Bei den Modellen der 2. Art können zwar exakte Berechnungen mit Hilfe von Naturgesetzen ausgeführt werden, dennoch kann es sein, dass zur Zeit noch unbekannte Teilaspekte (z.B. Anfangs- und Randbedingungen) nicht erfasst werden. Das oben geschilderte Atommodell ist ein typisches Beispiel für Modelle dieser Art. Ein für Schöpfungswissenschaftler wichtiges Beispiel für ein Modell der 2. Art ergibt sich z.B. aus der Frage, warum wir in einem jungen Universum weit entfernte Sterne sehen können.
Modellart 3: Das vorhandene Wissen ist lückenhaft, manchmal nur bruchstückhaft und vage, und neue Erkenntnisse können oft nur als mosaikartige Bausteine gewonnen werden. Von einer vollständigen Erklärung bleiben wir darum immer ein Stück entfernt. Den Modellen der 3. Art haften darum naturgemäß Vorläufigkeit, Unsicherheit und Subjektivität an: Dieser Fall begegnet uns in den historischen Wissenschaften (z. B. Archäologie, Geschichte, Historische Geologie, Paläontologie, zum Teil auch in Astronomie und Biologie). In den historischen Wissenschaften sowie in jenen Naturwissenschaften,
| In den Naturwissenschaften, bei denen historische Fragestellungen diskutiert werden, gibt es immer nur einen bestimmte Anteil bekannten Wissens |
Bei den Modellen der 3. Art sind einige grundlegende Aspekte zu beachten, die bei der Modellkonstruktion eine Rolle spielen, aber auch bei ihrer späteren Bewertung:
Zu wenig Daten: Historische Quellen stehen nur in begrenztem Umfang zur Verfügung. Gab es z.B. in einer vergangenen Kultur keine schriftlichen Aufzeichnungen, so können aus den wenigen Fundstücken wie Grabbeigaben oder Tonscherben nur sehr vage Schlussfolgerungen gezogen werden.
Viele Daten: In manchen Bereichen stehen weltweit viele Daten zur Verfügung (z.B. Geologie). Alle jedoch in einem Modell zu erfassen, ist geradezu unmöglich. Angestrebt wird dennoch ein Modell, das die meisten Befunde erklären kann.
| Angestrebt wird ein Modell, das die meisten Befunde erklären kann |
Mehrdeutigkeiten: Schlussfolgerungen sind nicht immer in der gewünschten Klarheit zu ziehen. So sind neue Erkenntnisse nicht immer eindeutig, manchmal sind sie recht vage oder treffen nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit zu.
Probleme im Detail: Zunehmendes Detailwissen liefert zwar zusätzliche mosaikartige Bausteine, aber ihre Einordnung in ein Gesamtmodell kann dadurch auch erschwert werden.
Bestand bei den Modellen der 2. Art die prinzipielle Möglichkeit, durch neue und aufwendigere Experimente an weitere gesicherte Messwerte und Fakten zu gelangen, so ist dies hier aus den o.g. Gründen nur begrenzt möglich.
Die Modelle der 2. und 3. Art unterscheiden sich also grundlegend voneinander. Konnte bei den Modellen der 2. Art ein Vorgängermodell als Ausgangspunkt für eine verbesserte Version dienen, so ist dies hier in viel geringerem Maße möglich. Daher ist es verständlich, dass bei gleicher Fragestellung, je nach Autor, bei den Modellen dieser 3. Art durchaus unterschiedliche Versionen existieren können. Sie haben dennoch ihre Berechtigung, wenn nur die jeweiligen Annahmen und der Zweck klar beschrieben werden. So sind verschiedene Modelle der 3. Art zum gleichen Themenkreis geeignete Kandidaten in folgendem Wettbewerb:
Welches Modell ist möglichst anschaulich und kann die meisten Befunde erklären? Welches Modell kann ein ganz bestimmtes augenfälliges Phänomen besonders einsichtig erklären? Welchem Modell wird durch sonstige Daten möglichst wenig widersprochen? Ein absolut widerspruchsfreies Modell ist kaum zu erwarten - das bleibt den Naturgesetzen vorbehalten.Zu den Fragen, die nur mit einem Modell der 3. Art zu beantworten sind, gehören beispielsweise: Welche Mechanismen haben nach dem Sündenfall die Pflanzen- und Tierwelt verändert? In welchem Zusammenhang stehen geologische Schichten und Sintflut?
Geht es um Fragen der Schöpfung oder der Folgen des Sündenfalles und der Sintflut, dann liefert uns die Bibel zwar absolut zuverlässige Information, aber sie sagt uns nicht im Detail, wie wir z.B. die beobachteten Fakten in der
| Die Bibel sagt uns nicht, wie wir die beobachteten Fakten in der Geologie oder Biologie zu deuten haben |
Modelle sind wie Sandburgen am Strand. Schlägt eine Welle dagegen, ist der Sandwall dahin. Dann werden neue Sandburgen gebaut, die weiter vom Wasser entfernt sind und vorläufig nicht von den Fluten erreicht werden. Wie man Sandburgen flicken und ihre Wälle erhöhen kann, damit sie besseren Schutz gegen den Angriff von Wind und Wellen bieten, so lassen sich Modelle bei neuerer Erkenntnis zwar verbessern, aber nie ist man sicher, die endgültige Erklärung gefunden zu haben. Kommt gar eine Sturmflut, dann muss der Burgenbau ganz eingestellt werden. Übertragen heißt dies, das aufgestellte Modell muss aufgrund neuer Fakten oder erkannter Widersprüche zu Naturgesetzen ganz aufgegeben werden.
Bei den Modellen der 3. Art ist eines nicht in der Lage, ein anderes zu widerlegen. Daher ist es im Grenzfall sogar möglich, dass zwei Modelle sich diametral gegenüber stehen, dennoch koexistieren sie - wenn auch leider nicht immer friedlich - parallel nebeneinander. Wir entscheiden uns nicht immer für ein vergleichsweise qualifizierteres Modell, sondern oft aufgrund unserer Vorprägung, unserer Weltanschauung, unseres Glaubens oder einfach aufgrund unserer subjektiven Empfindung, welchem Modell wir das größere Vertrauen schenken. So darf es uns auch nicht wundern, wenn es im Bereich der Schöpfungswissenschaft durchaus verschiedene Modelle geben kann. In den historischen Wissenschaften gibt es stets einen Mangel an Daten. Um dennoch eine Modellvorstellung zu entwickeln, müssen zu Beginn Annahmen getroffen werden. Eine gute wissenschaftliche Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass diese dem Leser mitgeteilt werden. Die weitere Forschung muss dann zeigen, ob diese Annahmen gerechtfertigt waren. Stellen sie sich später als falsch heraus, muss das Modell korrigiert oder gar ganz verworfen werden.
Sollten wir in der uns verfügbaren Literatur zur Schöpfungsthematik auf verschiedene Modelle zur gleichen Fragestellung stoßen, die miteinander nicht (oder zur Zeit noch nicht) harmonisierbar sind, so ist damit nicht das Wort Gottes in Frage gestellt. Modelle sind von Menschen erdacht und formuliert. Die Bibel hingegen ist von Gott autorisiert (Johannes 17,17). Aufgrund unserer begrenzten wissenschaftlichen, aber auch biblischen Erkenntnis wäre es unangemessen, wenn ein Autor sein Modell über das des andern stellt.
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