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Das Evangelium von Jesus Christus schafft im Menschen Freude und Gewissheit des Glaubens an den lebendigen Gott. Die Verkündigung der biblischen Botschaft schließt von ihrem Wesen her jede Form des gesellschaftlichen Zwangs oder gar politischer Gewalt aus. Die DEA lehnt daher jede Form des religiös begründeten politischen Fundamentalismus grundsätzlich ab. Sie bejaht vielmehr die Chancen der demokratischen Gesellschaft im Sinne der Religions- und Gewissensfreiheit. Sie nimmt die Herausforderung des Pluralismus an und tritt gleichzeitig der Relativierung der Wahrheitsfrage mit der Verkündigung des Wortes Gottes entgegen.
Vom religiös begründeten politischen Fundamentalismus ist nach Auffassung des Hauptvorstandes jedoch deutlich das Ringen um ein sachgemäßes Verständnis der Heiligen Schrift und deren evangeliumsgemäße Auslegung zu unterscheiden. Die DEA bekennt sich mit ihrer Glaubensbasis "zur göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung". Ehrfurcht vor und Liebe zur Bibel ist Voraussetzung evangelikaler Theologie. Deshalb gehören zur DEA selbstverständlich auch Christen und Einrichtungen, die die "Chicago Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift" (1978) als Grundlage ihres Bibelverständnisses vertreten. Die Evangelische Allianz warnt aber davor, die Inspirationslehre der "Chicago Erklärung" zum entscheidenden Maßstab der Bibeltreue zu erheben. Der Hauptvorstand wendet sich gegen Versuche, Theologen, Werke und theologische Zusammenschlüsse, die auf der Glaubensbasis der DEA arbeiten, als nicht mehr bibeltreu zu verdächtigen und auszugrenzen.
Der Rektor der Freien Theologischen Akademie in Gießen, Dr. Helge Stadelmann, nahm dazu im Rundbrief der FTA an die Freunde der Akademie vom April 2003 wie folgt Stellung:
Der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz hat sich auf seiner Frühjahrstagung mit den Themen Fundamentalismus und Bibeltreue beschäftigt. Zu Recht lehnt er jeden politischen Fundamentalismus ab. Zu Recht unterscheidet er von solchem gewaltbereiten Fundamentalismus das nötige Ringen um sachgemäße Schriftauslegung. Zu Recht weist er darauf hin, dass Christen, die zur uneingeschränkten Wahrheit der Bibel stehen, Heimat in der Allianz haben.
Problematisch wird die Sache dann, wenn die Allianz die eigene Weite zum gültigen Maßstab für Bibeltreue erklärt und auf dieser Basis einseitig Partei ergreift in einer Diskussion, die innerhalb der Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten (KBA) um die unveränderte Gültigkeit ihres Bibelbekenntnisses geführt wird.
Der Hauptvorstand geht dabei von Folgendem aus:
Solch eine einseitige Kommentierung hat die KBA nicht verdient. Denn schon seit 40 Jahren bezeichnet sie sich als Zusammenschluss "bibeltreuer" Ausbildungsstätten und hat von vornherein nur Mitglieder aufgenommen, die Bibelkritik in jeder Form ablehnen. Die Allianz versteht sich dagegen als einen breiteren Zusammenschluss von wiedergeborenen Christen und akzeptiert, dass sich manche in ihren Reihen zugleich zur Glaubensbasis der Allianz und zu historischer Bibelkritik in gemäßigter Form stellen. Letzteres hat die KBA immer abgelehnt. Nachträglich soll nun der KBA das Recht auf ein eigenes Verständnis von Bibeltreue genommen werden und statt dessen das Allianz-Spektrum zum Maßstab für Bibeltreue werden. Nicht beachtet wird, dass etwa der Gründer und langjährige Leiter der KBA, Direktor Heinrich Jochums, die Chicago-Erklärung uneingeschränkt vertreten hat und der spätere KBA-Vorsitzende und Gründungsrektor der FTA, Dr. Cleon Rogers, als Vertreter der KBA bei der Abfassung der Chicago-Erklärung 1978 zugegen war (Der Feste Grund, 2/1979, S.30f).
Übersehen wird auch, dass es bei dem Klärungsprozess innerhalb der KBA nicht um "verdächtigen und ausgrenzen" geht, sondern um zweierlei:
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Wir an der FTA sind überzeugte Allianz-Leute, denn die "Einheit des Geistes" (Eph 4,3ff), die allen wiedergeborenen Christen vorgegeben ist, muss glaubwürdigen Ausdruck finden. Die Allianz möge aber nicht übersehen, dass den die Einheit in Christus festhaltenden Christen der Auftrag gegeben ist, nach der "Einheit des Glaubens und der Erkenntnis" (Eph 4,13f) zu streben und sich dabei das Ringen um die Überwindung problematischer Lehrströmungen nicht zu ersparen. Die Evangelische Allianz wird erst dann ihrem Auftrag in Deutschland gerecht werden, wenn sie das Ringen um die "Einheit des Glaubens und der Erkenntnis" mit dem gleichen Nachdruck betreibt, wie das Eintreten für die "Einheit des Geistes". Sonst wird es immer wieder zu bedauerlichen Einseitigkeiten kommen.
Auch der Ständige Ausschuss des Bibelbundes hat auf seiner letzten Sitzung am 9. Mai in Berlin beschlossen, eine Stellungnahme als Presseerklärung zu veröffentlichen, die wir hier im Wortlaut wiedergeben:
Stellungnahme des Ständigen Ausschusses des Bibelbundes e.V., Berlin, zur Erklärung der Deutschen Evangelischen Allianz zum politischen und religiösen Fundamentalismus und zur Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift
Der Ständige Ausschuss des Bibelbundes nimmt die jüngste Erklärung der Deutschen Evangelischen Allianz zum Fundamentalismus und zur Schriftfrage mit einiger Sorge zur Kenntnis. Sie erscheint uns als Versuch, eine gesunde Diskussion um die Bedeutung der Chicago-Erklärung für die Schriftfrage zu unterdrücken. Wir stellen fest:
1. Die Deutsche Evangelische Allianz fördert entgegen ihrer Erklärung eine Relativierung in der Wahrheitsfrage, wenn sie sich gegen ein Ringen um ein sachgemäßes Verständnis der Heiligen Schrift wendet, wie es in der jüngsten Diskussion um die Chicago-Erklärung zum Ausdruck gekommen ist.
Der Bibelbund stellt dagegen fest, dass die Chicago-Erklärung der verbreiteten Relativierung in der Wahrheits- und Schriftfrage in weit besserem Maße entgegentritt als es die Glaubensbasis der DEA in ihrer weiten Auslegung bisher vermochte.
2. Es erscheint uns als sehr bedenkliche Selbstüberschätzung der DEA, wenn sie praktisch die Zugehörigkeit zur Allianz mit Bibeltreue gleichsetzt und vor der Chicago-Erklärung (CE) als Maßstab warnt.
Der Bibelbund stellt dagegen fest, dass Bibeltreue von solchen inhaltlichen Kriterien bestimmt sein muss, die aus der Bibel stammen. Der Bibelbund hält die CE für eine sehr gute Beschreibung solcher Kriterien. Wer sie ablehnt, sollte zu einem mindestens ebenso eindeutigem Bekenntnis zur Heiligen Schrift beitragen.
3. Es zeugt von mangelnder Kenntnis der CE, wenn die DEA davor warnt "die Inspirationslehre der Chicago-Erklärung zum entscheidenden Maßstab der Bibeltreue zu erheben".
Der Bibelbund stellt dagegen fest, dass die Verfasser der CE bewusst versucht haben, ein Inspirationsverständnis zu formulieren, das in Einklang "mit der ganzen Bibel und dem Hauptstrom der Kirchengeschichte" steht. Damit entspricht die CE nicht nur dem Inspirationsverständnis vieler Freunde der DEA, sondern ist auch geeignet, Wegweisung in der verbreiteten Orientierungslosigkeit in der Schriftfrage zu geben.
Der Bibelbund lädt darum jeden ein, sich mit der Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift zu beschäftigen und sein eigenes Verständnis daran zu prüfen. Gedruckte Exemplare sind bei der Geschäftsstelle des Bibelbundes in Berlin erhältlich oder können unter www.bibelbund.de geladen werden.
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