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Eine Frage, die sich bei der Betrachtung der Piktogramme aufdrängt, ist, wie erklärt werden kann, dass ausgerechnet der Tempelreformer Hiskia königliche Embleme verwendete, deren Herkunft ausgesprochen heidnisch anmutet. In seinem Aufsatz belegt Deutsch, dass die ursprünglich ägyptischen Symbole in weiten Teilen der Alten Welt lange Zeit sehr verbreitet waren, und vermutet:
Neben Bullen mit dem Namenszug Hiskias wurden vier Siegelabdrücke mit Namenszügen von Beamten seines Hofes gefunden. Das in Abb. 2 wiedergegebene Beispiel enthält die Inschrift "Eigentum Amarjahus, [des Sohnes] Hananjahus, Diener Hiskias". Amarjahu ist die ältere hebräische Form von Amarja, der in 2. Chronik 31,15 als einer der Beamten Hiskias beschrieben wird, der für die Verwaltung der Gaben an den Tempel zuständig war. Zwar war Amarjahu kein seltener Name, es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass an Hiskias Hof gleichzeitig zwei Beamte dieses Namens gewirkt haben. Deutsch zeigt sich erstaunt darüber, dass das Chronik-Buch, von dem allgemein angenommen wird, es sei erst nach dem Exil verfasst worden, eine so exakte Information über einen eher unbedeutenden Beamten enthält, der zwei Jahrhunderte früher wirkte, und vermutet, dass der Autor Zugriff auf ältere Quellen hatte.
Da die Siegel nahezu ausschließlich aus Privatsammlungen stammen, also nicht in-situ gefunden wurden, stellt sich die Frage nach ihrer Echtheit. Die Möglichkeit von Fälschungen erscheint jedoch ausgeschlossen, da die Abdrucke einen sehr fragilen Eindruck machen, was Deutschdarauf zurückführt, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt unkontrolliert gebrannt wurden, in einem Feuer, bei dem die Dokumente vernichtet wurden, die sie einst versiegelten. Sie weisen kleine Risse und Oberflächenkorrosion auf, und unter dem Mikroskop finden sich in den Rissen und an beschädigten Kanten kleine Kristalle, alles Merkmale, die als fälschungssicher gelten.
Ebenfalls aus einer Privatsammlung stammt eine Bulle mit dem Siegelabdruck eines Netan-Melech, eines Hofbeamten aus der Zeit von Hiskias Nachfolger Josia (641/40-609 v.Chr.), dessen Büro in 2. Könige 23,11 im Zusammenhang mit der Beseitigung von Götzenbildern während der Reform unter Josia erwähnt wird.
Zu diesen Bildnissen gehörte eine Gruppe von Pferden, "die die Könige von Juda der Sonne (zu Ehren) aufgestellt hatten am Eingang des Hauses des Herrn [des Tempels], bei der Zelle Netan-Melechs, des Eunuchen, die im Parwarim [wahrscheinlich ein an der Westseite des äußeren Tempelvorhofs gelegener Anbau] war, und die Sonnenwagen verbrannte er mit Feuer."
Der Begriff "Eunuch" war im assyrischen Einflussbereich geläufig und fand im achten Jahrhundert v. Chr. auch im Hebräischen Eingang. In seiner ursprünglichen Bedeutung und wohl noch zur Zeit Netan-Melechs bezeichnete er einfach einen Hofbeamten. Später wurde er zunehnend für Kastraten gebräuchlich, die dem königlichen Harem vorstanden.
Die Inschrift auf der Bulle lautet schlicht "Eigentum Netan-Melechs, des Dieners des Königs". "Diener" war ein Term der Alltagssprache, der jedoch auch auf höchste Staatsbeamte angewendet wurde. Da der Fund aus einer Sammlung stammt, ist seine zeitliche Zuordnung nicht mehr aus dem Fundkontext erschließbar.
P. Kyle McCarter Jr. (W. F. Albrigth-Professor für Biblische und Antike Nahoststudien an der John Hopkins Universität) ist sich dennoch sicher: Der Netan-Melech der Bibel und des Siegelabdrucks sind ein und dieselbe Person. Paläographisch, d.h. aufgrund der Schriftform gehört das Siegel ins Ende des siebten Jahrhunderts v.Chr., also in die Zeit Josias; beide Netan-Melechs waren Hofbeamte, und der Name selbst ist sehr selten, wenn nicht gar einmalig. Im Alten Testament wird er nur an der erwähnten Stelle und auch dort nur eher beiläufig genannt.
Weniger sicher ist sich McCarter hinsichtlich eines anderen Siegelabdrucks, der paläographisch in dieselbe Zeit datierbar ist, und die Inschrift "Nathan, der über das Haus gesetzt ist" enthält. Es ist zwar spekulativ, könnte aber sein, dass sich auch diese Bulle auf Netan-Melech bezieht.
Die Bedeutung der Funde geht weit über den "Aha-Effekt" hinaus, der sich einstellt, wenn man plötzlich auf Spuren bekannter Namen stößt. Je mehr zuordenbare Inschriften bekannt werden, desto differenzierter lässt sich die zeitliche Entwicklung des Schrifttyps rekonstruieren, was wiederum für die Datierung anderer Funde wichtig ist, die keine biblisch bezeugten Namen enthalten. Auch könnte sich die von der bibelkritischen Theologie längst ad acta gelegte Frage nach der Entstehungszeit der Texte erneut stellen, wenn immer mehr Detailinformationen auftauchen, die nachweislich signifikant älter sind als das von vielen Gelehrten heute angenommene späte Abfassungsdatum vieler alttestamentlicher Schriften.[ 1 ]
Inzwischen sind zwei weitere bemerkenswerte Funde bekannt geworden: André Lemaire, ein Experte für Paläographie hat in Jerusalem auf einem Ossuarium, einer antiken Urne für Totengebeine, folgende Inschrift entziffert: "Jakob, Sohn des Josef, Bruder des Jesus". Spuren moderner Bearbeitung konnten mikroskopisch nicht nachgewiesen werden. Wenn die Inschrift echt ist, stellt sie das älteste Dokument für die Existenz unseres Herrn und seines (Halb-) Bruders Jakobus außerhalb des Neuen Testaments dar.
Der bisher wichtigste archäologische Beweis für die Existenz des Salomonischen Tempels ist in Israel aufgetaucht: Ein schwarzer Stein, 20 mal 30 Zentimeter groß, auf dem altphönizische Schriftzeichen eingemeißelt sind. Die Inschrift schildert die Entlohnung von Bauarbeitern und entspricht den Angaben im 2. Buch der Könige (Kapitel 12, Vers 15f). Mitarbeiter des Geologischen Instituts am Nationalen Ministerium für Infrastruktur des Staates Israel haben die Inschrift als authentisch bezeichnet.[ 2 ]
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