Bibel und Gemeinde 2003/1 Kritik der Bibelkritik

Michael Kotsch

Kotsch

Michael Kotsch, Jg. 1965, verh., drei Kinder, Studium an der FETA Basel, ist seit 1995 Lehrer an der Bibelschule Brake

Anschrift:
Detmolder Str. 40, D-32805 Bad Meinberg.
Email: Michal.Kotsch @gmx.de

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Wie Chrischona, Liebenzell und Tabor mit Bibeltreue umgehen

Vor dem Hintergrund der Neustrukturierung der Ausbildung an den Predigerseminaren Tabor, St. Chrischona und Bad Liebenzell wurden ab 1999 Stimmen laut, die die Bibeltreue der entsprechenden Ausbildungsstätten in Frage stellten. In der Folge ergaben sich zahlreiche Diskussionen unter anderem auch auf der Ebene der Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten (KBA).

Literarisch trat insbesondere Dr. Heinzpeter Hempelmann, der Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission, mit zwei Büchern hervor, in denen er mit seiner 'Hermeneutik der Demut' die theologische Position seiner Ausbildungsstätte verteidigte und gleichzeitig die 'Chicago- Erklärung zur biblischen Irrtumslosigkeit' (CE) scharf angriff. In zwei weiteren Publikationen setzten sich Dr. Thomas Schirrmacher und einige Dozenten der Freien Theologischen Akademie (FTA) kritisch mit den Äußerungen Heinzpeter Hempelmanns auseinander. Im Folgenden soll der Verlauf der bisherigen Diskussion anhand dieser vier Bücher nachgezeichnet und kommentiert werden. Durch eine ausführliche Darstellung des Argumentationsverslaufs soll es dem Leser ermöglicht werden, die Diskussion nachzuvollziehen und sich eine eigene Meinung zur Auseinandersetzung zwischen 'Hermeneutik der Demut' und 'Irrtumslosigkeit der Schrift' zu bilden.

1. Heinzpeter Hempelmann: Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr. Grundzüge einer Hermeneutik der Demut. Liebenzeller Mission, Lahr 2000 (NA)

2. Thomas Schirrmacher: Irrtumslosigkeit der Schrift oder Hermeneutik der Demut? Ein Gespräch unter solchen, die mit Ernst bibeltreu sein wollen. Nürnberg: VTR 2001. 82 S. Paperback: 9,95 EUR. ISBN: 3-933372-41-0 (I)

3. Heinzpeter Hempelmann: Gemeinsame Liebe. Wie Evangelikale die Autorität der Bibel bestimmen. Bad Liebenzell: VLM 2001. 111 S. Paperback: 9,90 EUR. ISBN 3-921113-43-1 (GL)

4. Helge Stadelmann Hg.: Liebe zum Wort. Das Bekenntnis zur biblischen Irrtumslosigkeit als Ausdruck eines bibeltreuen Schriftverständnisses. VTR: Nürnberg 2002. 107 S. Paperback: 12,80 EUR. ISBN: 3-933372-71-2. (LW)

Hermeneutik der Demut

Auf 117 Seiten skizziert Hempelmann (H) in dem Buch: "Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr. Grundzüge einer Hermeneutik der Demut" seine Überlegungen zu Bibeltreue, Bibelkritik und dem Umgang mit 'Spannungen', die sich aus dem wissenschaftlichen Umgang mit der Bibel ergeben könnten. Dabei handelt es sich um eine verständlich geschriebene Abhandlung, die zwar keine umfassende und praktikable Anleitung zum Umgang des Christen mit seiner Bibel bietet, doch aber anregende Gedanken zum Verhältnis zwischen Mensch und Gott, zwischen Verstand und Offenbarung und zwischen menschlichen und göttlichen Aspekten der Bibel formuliert.

Hempelmanns Definition von Bibeltreue

Im Wesentlichen handelt es sich aber um eine Verteidigungsschrift, die manchmal pauschal, manchmal polemisch und ein anderes Mal erzählerisch ihre Gedenken zu vermitteln versucht. Aufgrund inkonsequenter Aussagen und Gedankenführung und der Neudefinition altbekannter Vokabeln (wie 'Fehler', 'Vollkommen' usw.) werden dem aufmerksamen Leser nach seiner Lektüre einige Unklarheiten verbleiben. In einem ersten Kapitel (13-36) trägt H eine positive und eine abgrenzende Definition von Bibeltreue vor. Er strebt mit seinem theologischen Ansatz einen großen Konsens an, in dem sich neben evangelikalen Theologen auch kirchliche Vertreter wiederfinden könnten (14).
Zu Recht beklagt Hempelmann die mangelnde Schärfe des Begriffs ‘Bibeltreue’, der von Theologen unterschiedlichster Ausrichtungen für sich in Anspruch genommen wird
Zu Recht beklagt er die mangelnde Schärfe des Begriffs 'Bibeltreue', der von Theologen unterschiedlichster Ausrichtungen für sich in Anspruch genommen wird. Mit den Reformatoren sollte bibeltreue Theologie die Bibel als einzig zuverlässige Erkenntnisquelle über Gott in den Mittelpunkt stellen (15). Weltanschauliche Denkfilter, die die Bibel bevormunden oder Aussagen der Schrift als zeitbedingt verwerfen, müssen abgelehnt werden, wohingegen eine zeitbezogene Auslegung geboten scheint, durch welche der historische Charakter der Bibel berücksichtigt würde (16). Die gegenwärtige wissenschaftliche Methodik ist für H unhinterfragter gültiger Maßstab für den Umgang mit den historischen Aussagen der Bibel (17). Scheinbare Widersprüche lösten sich häufig nach eingehender Betrachtung (18). Trotz des Vertrauens in die historische Arbeit verweist Hempelmann auf die Begrenzung wissenschaftlicher Erkenntnis. Manche Gegensätze, wie die Liebe und der Zorn Gottes, ergäben sich auch nur für den Menschen und passten im biblischen Denken ohne Probleme zusammen. Den Missbrauch von 'Bibeltreue' als Kampfbegriff gegen andere Christen, lehnt die Liebenzeller Mission ab (20f.). Der Mensch darf die Bibel nicht zensieren oder beurteilen, sondern muss sich der Korrektur Gottes durch sein Wort stellen. Die Bibel ist nicht historisch zuverlässiger Bericht im modernen Sinne sondern 'Zeugnis vom lebendigen Gott' (21f.).

Insbesondere wendet sich H gegen Bibelkritik, die aus weltanschaulichen Gründen Aussagen der Heiligen Schrift in Frage stellt (22f). Dazu zählt nach ihm derjenige, der echte Prophetie prinzipiell leugnet ebenso wie derjenige, der alle Teile des Pentateuch auf Mose zurückführt. Immer wieder betont er, dass die Bibel unvoreingenommen gelesen werden müsse (23f).

Bibeltreue wird in diesem Zusammenhang betont, sie wird nicht als Position, sondern als Motivation dessen erklärt, der sich demütig bemüht, ohne weltanschauliche Schranken auf die Bibel zu hören (24ff). Die in dieser Arbeit gewonnenen Ergebnisse können einander widersprechen, werden aber als miteinander konkurrierende Ergebnisse bibeltreuer Theologie gewertet (26). Dabei kann kein Christ die volle Wahrheit für sich in Anspruch nehmen. Die Auseinandersetzung mit bibelkritischen Aussagen ist um der wissenschaftlichen Redlichkeit willen notwendig (28f). Die Ablehnung der Spätdatierung des Pentateuch, Pseudopaulinen und andere, durch weltanschauliche Einschränkungen gewonnene Daten zu den Einleitungsfragen, sind für H selbstverständlich (31f) - allerdings nur dann, wenn sie aus einer Motivation heraus geboren werden, die echte Prophetie, Wunder und Eingreifen Gottes generell ausschließt. Solche ideologisch begründete Kritik an der Bibel führt nach H zur Unglaubwürdigkeit der Schrift auch in heilswichtigen Aussagen (32f). Ideologiefreie Geschichtswissenschaft hingegen bestätigt nach H die historische Glaubwürdigkeit der Bibel (34f). Spätere Zufügungen und Ergänzungen des Pentateuch müsse der bibeltreue Christ allerdings auch akzeptieren.

Bibeltreue und Bibelkritik

In einem zweiten großen Kapitel will H systematisch darlegen, was er unter Bibeltreue und unter Bibelkritik versteht (37-73). Mit dem Hinweis auf die Bandbreite bibeltreuer theologischer Positionen zu Themen wie Taufe oder Prädestination begründet er seine These, Bibeltreue sei vor allem eine Frage der Motivation, und hänge nicht von bestimmten Überzeugungen ab (37). Ein Urteil über die Bibeltreue anderer Christen verbiete sich (38). Bibeltreue Christen wollen auf Gott hören und achten darauf, die Bibel nicht zu bevormunden (39f). Das richtige Verständnis der Bibel wird nicht durch den Intellekt, sondern vor allem durch das Reden des Heiligen Geistes erschlossen. In pietistischer Tradition verweist H dann auch auf die ethische Praxis des Auslegers, als Maßstab seiner Bibeltreue (40f). Spannungen und mögliche Widersprüche zwischen Jakobus und Paulus oder den verschiedenen Evangelien müssen als von Gott beabsichtigt angenommen und nicht harmonisiert werden (41f). Historisch-kritische Forschung dürfe nur abgelehnt werden, wenn sie dem Offenbarungsanspruch der Bibel widerspreche oder wissenschaftlich ungesichert sei (43f).
Historisch-kritische Arbeit könne und solle nach Hempelmann eigene dogmatisch begründete Überzeugungen in Frage stellen
Bibeltreue bräuchten kein eigenes Instrumentarium, sondern müssten sich allein auf einen 'offenen, unverstellten Wahrnehmungsakt' stützen (44). Historisch-kritische Arbeit könne und solle auch eigene dogmatisch begründete Überzeugungen in Frage stellen. Historische Arbeit sei nötig, weil sich Gott unter historischen Bedingungen geoffenbart habe (46). Wissenschaftlich historische Arbeit sei Grundlage der Exegese und Hauptargument gegen die Bibelkritik (47). Ernst Troeltschs Prinzipien der historischen Arbeit: "Kritik, Analogie und Korrelation" sind für H sinnvolle Werkzeuge der Exegese, sofern sie nicht ideologisch gefüllt werden (48ff). Ideologisch wird das Analogieprinzip, wenn damit jegliche übernatürlichen Ereignisse geleugnet werden sollen, weil sie heute so nicht zu beobachten seien (52). Das Korrelationsprinzip werde ideologisch gebraucht, wenn damit von vornherein die Möglichkeit übernatürlicher Ursachen irdischen Geschehens ausgeschlossen werde (53). Kritik dürfe nicht die Möglichkeit zuverlässiger historischer Kenntnis verneinen (54f). Alle wissenschaftliche Arbeit kann nur Wahrscheinlichkeitsurteile abgeben, nicht aber das Reden Gottes erschließen, das kann nur der Heilige Geist (56f). Der in die Geschichte eingegangene Gott muss mit ideologiefreien historischen Methoden erforscht und beschrieben werden (59). Die Infragestellung eindeutiger biblischer Aussagen durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, wie die natürliche Erklärung der Homosexualität in der Medizin, werden von H abgelehnt (61f). Sachkritik an biblischen Aussagen ist nach Hempelmann legitim, wenn sie sich auf andere Aussagen der Offenbarung Gottes stützt (62f). Obwohl der bibeltreue Christ ihm auffallende Spannungen in der Bibel konstatieren soll, darf er sich nicht zu einem vorschnellen Urteil über mögliche Fehler in der Bibel hinreißen lassen (63). Menschliche Urteile, die mögliche Doppeldeutigkeiten der Bibel erklären oder lösen wollen stehen in der Gefahr die von Gott beabsichtigte Vielschichtigkeit zu verschleiern (64). 'Widersprüche' ergäben sich manchmal durch das Unverständnis dem hebräisch biblischen Denken gegenüber, für das die Einheit uns widersprüchlich scheinender Aussagen kein Problem sei (64). Fromme Bibelkritik ignoriere biblische Aussagen wie die Kopfbedeckung der Frau als unzeitgemäß. Dabei wollten Christen nach zeitgenössischen Maßstäben festlegen, was bis heute noch relevant sei und was nicht, bzw. was Haupt- und was Nebenfragen seien (66f). Zeitbezogene Auslegung interpretiert die Bibel vor dem Hintergrund der Lebenssituation ihrer Entstehungszeit. Insofern ist das Verbot des Erstickten für H noch gültig, muss in rein heidenchristlichen Gemeinden jedoch nicht mehr eingehalten werden (68f).
Hempelmann hält es für Bibelkritik, von einer Schöpfung in sechs Tagen auszugehen
Zwar lehnt H eine durch Selektion und Tod wirkende Evolutionstheorie aus theologischen Gründen ab, hält es aber auch für Bibelkritik, von einer Schöpfung in sechs Tagen auszugehen (69f). Er spricht sich dafür aus den hebräischen Begriff für Tag als Zeiteinheit zu deuten, um nicht in einen unnötigen Konflikt mit der gängigen Kosmologie zu kommen (70). Die ganze Bibel sei gültiges Wort Gottes, welches allerdings 'zeitbezogen' interpretiert werden müsse (71-73).

Spannungen innerhalb der Theologie

In einem dritten Teil seines Buches wendet sich Hempelmann möglichen Spannungen innerhalb der bibeltreu arbeitenden Theologie zu (74-115). Demnach existiert eine nicht aufzulösende Spannung zwischen Glauben und Wissen. Wer die Bibel als Gottes Wort bezeichnet, spricht ein Urteil über die Qualität der Schrift, die ihm eigentlich nicht zusteht. Das hält Hempelmann für Bibelkritik (74f). Korrekt sei nur, vom Anspruch der Bibel zu sprechen, Gottes Wort zu sein. Nicht einem selbstständig urteilender Menschen, sondern nur einem sich Gott unterwerfenden Christen sind gerechtfertigte Aussagen über die Bibel möglich (75f). Nach H wird die Bibel in ihrer Wirksamkeit als Wort Gottes erfahren. Das Bekenntnis zum Wort Gottes ist damit keine Wissens- sondern eine Vertrauensaussage, die Gott in der Ewigkeit bestätigen wird (78). Unstimmigkeiten, Spannungen und Widersprüche in der Bibel sollten mit dem Verstand wahrgenommen und akzeptiert werden (79). Erkannte Widersprüche sollten als solche stehengelassen werden. Angesichts der Bewährung der Bibel in der Geschichte und im persönlichen Leben, solle trotzdem an ihrer Vertrauenswürdigkeit festgehalten werden (80). Manche scheinbaren Widersprüche beruhten auch auf der Begrenztheit und Vorläufigkeit menschlicher (auch wissenschaftlicher) Erkenntnis (82). Die Verschiedenartigkeit biblischer Überlieferung liegt für H in der Absicht Gottes. Die Darstellungen seien wahr, aber nicht unbedingt rational richtig (83).
Die Frage nach dem wirklichen historischen Geschehen ist nach Hempelmann rationalistisch und sei damit abzulehnen
Widersprüchliche Angaben über die in den Evangelien berichteten Ereignisse sind für H Ausweis ihrer Zuverlässigkeit. Die Frage nach dem wirklichen historischen Geschehen sei rationalistisch und damit abzulehnen (83). Widersprüche und Spannungen in der Bibel entspreächen dem anstößigen Charakter der Selbsterniedrigung Gottes im Leben Jesu und in der Abfassung der Bibel (84). Dogmatische Verbesserungen, unterschiedliche Gewichtungen biblischer Schriften und Harmonisierungsversuche werden als Sachkritik abgelehnt (85f). Gott wollte die Bibel als Wort irrtumsfähiger, begrenzter Menschen (86). Ihren menschlichen Charakter zeige die Bibel durch die Vielzahl einander widersprechender Textvarianten, durch ihre menschliche Sprache, sowie durch unterschiedliche historische und dogmatische Perspektiven (87ff). Jede Spannung und jeder 'Widerspruch' sei von Gott gewollt, um die Vielfalt der von Menschen an Gott beobachten Eigenschaften und Merkmale aufleuchten zu lassen (92f). Für H ist die Bibel nicht vollkommen, weil sie fehlerlos ist, sondern weil Gott sie vollkommen so haben wollte, wie wir sie heute vorfinden (93). Inspiration bedeutet nach H nicht die Instrumentalisierung des Menschen als Sprachrohr Gottes, sondern die Bevollmächtigung sündiger, fehlerhafter Menschen unter Einbeziehung ihrer Individualität und Biographie (96f). Inspiration beziehe sich nicht nur auf den Inhalt, sondern auf jedes einzelne Wort (98). Durch das Zusammenwirken von Gott und Mensch sei die Bibel ganz menschlich und ganz göttlich (99). Der menschliche und der göttliche Anteil an der vorliegenden Offenbarung Gottes lasse sich nicht voneinander trennen oder unterscheiden. Die Bibel könne mit der Niedrigkeitsgestalt Gottes in der Inkarnation verglichen werden (103). Unfehlbar und vollkommen sei die Bibel nicht in jeder Hinsicht, sondern vor allem, weil sie unfehlbar und vollkommen den Weg zum ewigen Leben mit Gott zeige (104). Kein bibelfremdes Wahrheitsdenken solle in die Auslegung einbezogen werden. Die inhaltlichen Abweichungen synoptischer Begriffe sollen nicht harmonisiert werden, weil sie dem Willen Gottes entsprechen und die Echtheit der Überlieferung belegen (105). Bibeltreue Theologie hält Fragen und Spannungen aus und muss nicht alle Aussagen der Bibel mathematisch beweisen (107). Wer die Richtigkeit aller biblischen Aussagen verteidigen wolle, kämpfte gegen Gott und trüge ein heidnisch philosophisches Wahrheitsverständnis an die Bibel heran (108).
Fundamentalisten wollen nach Hempelmann in sektiererischer Weise die Bibel auf ihre Meinung festlegen
Biblisch-hebräisches Denken wolle nur die Treue und Zuverlässigkeit Gottes und die in der Bibel genannten Erfahrungen mit Gott ausdrücken (109). Fundamentalisten wollen in sektiererischer Weise die Bibel auf ihre Meinung festlegen und sie damit instrumentalisieren (110). Christen sollen sich der Begrenzung ihrer biblischen Erkenntnis bewusst sein (111). "Hermeneutik der Demut" will die Auslegung der Bibel an Jesu Umgang mit dem Alten Testament, an der Heilsgeschichte und an dem Lebensumfeld der Autoren orientieren (113ff).

Hempelmanns Kernthesen

könnten wie folgt zusammengefasst werden:

Irrtumslosigkeit der Schrift oder Hermeneutik der Demut?

In seiner Schrift formuliert Thomas Schirrmacher (S) einige Einwände gegen die von H vorgebrachten Thesen. Bei dieser Schrift handelt es sich um einen kritischen Kommentar zu Hs vorangegangenem Buch. Rund ein Viertel der Ausarbeitung sind längeren wörtlichen Zitaten aus Hs Schrift gewidmet. Im Wesentlichen werden hier keine Gegenpositionen, sondern Anfragen und systematisierende Verständnishilfen in Bezug auf Hs "Hermeneutik der Demut" formuliert.

Zuerst klärt S seine Argumentationsgrundlage, indem er sich gegen eine polemische Auseinandersetzung verwahrt. Im Verlauf seines Buches macht Schirrmacher mit diesem Vorhaben ernst, indem er H selbst in ausgedehnten Zitaten zu Wort kommen lässt und sich auf reine Sachargumente beschränkt. In dem leider etwas unübersichtlich gegliederten Aufsatz, betont S zuerst seine weitreichende Übereinstimmung mit H, was die Beurteilung liberaler Bibelkritik betrifft. Mit Hempelmann ist er der Überzeugung, dass kein Christ über der Bibel stehen könne (10ff), dass die Bemühung um Bibeltreue im Interesse der ganzen Christenheit stünde (13), dass auch gemäßigte Bibelkritik, die die Schrift nur zeitbedingt oder partiell gelten lassen wolle,
Der Begriff ‘Bibeltreue’ wird gelegentlich missbraucht , um eigene Interessen in die Schrift hineinzulesen
abgelehnt werden muss (14f), dass Bibelkritik von falschen Denkvoraussetzungen ausgeht (16f), dass Einleitungsfragen zu Datierung und Verfasserschaft an biblischen Selbstaussagen orientiert werden müssen (17ff) und dass der Begriff 'Bibeltreue' gelegentlich missbraucht werde, um eigene Interessen in die Schrift hineinzulesen (20ff, 27ff). Auch will S mit H andere theologische Meinungen gelten lassen, soweit sie hinreichend exegetisch begründet sind (29) und sieht in der Bibel Gottes Wort im Menschenwort (33). Wie H betone die CE die Erhaltung der Persönlichkeit bei den Verfassern der Bibel (34f).

Aber S übt auch Kritik an Hs Ausführungen. Trotz allen Bedenken dem Begriff 'Bibeltreue' gegenüber, will S daran festhalten (21ff) und weist H auf die Inkonsequenz hin, mit der er zwar die Unschärfe des Wortes beklagt, ihn aber trotzdem durchgängig benutzt. Sinnvolle Begriffe wie 'Wahrheit', 'gut' oder 'weise' könnten natürlich missbraucht werden, ohne sich jedoch selbst deshalb überflüssig zu machen (22f).

Vorsichtig fragt S an, ob nicht auch die Selbstsicherheit problematisch sei, mit der H für sein Werk eine besondere Bibeltreue reklamiere (24f). Auch beklagt S den inkonsequenten Umgang Hs mit dem Vorwurf der Bibelkritik. Fordere er einerseits dazu auf alle, die ernsthaft um das richtige Verständnis der Schrift ringen, nicht als bibelkritisch zu bezeichnen, hat er andererseits keine Probleme damit, seine evangelikalen Brüder als solche einzuordnen, weil sie auf der Irrtumslosigkeit der Bibel beharrten (27).

Darüber hinaus bemängelt S die fehlende Konkretion Hs. Er baue einen theologischen Gegner auf, der mit subjektiver Auslegung fromme Bibelkritik betreibe, wissenschaftliche Arbeit ablehne und erwecke der Eindruck, dass es sich dabei um typische Vertreter der Irrtumslosigkeit der Schrift handle. Konkrete Namen und Positionen aber vermeide er, so dass ein falscher Eindruck von der theologischen Arbeit der Vertreter der CE entstehe (31ff, 36f). Irreführend sei nach S Hs Zusammenschau von Bultmanns existentialer Theologie mit dem Fundamentalismus in seinem im Jahr 2000 erschienen Buch "Wie wir denken können" (38, 53). H. meint sogar, dass die Vertreter der Irrtumslosigkeit gegen Gott kämpften. Hs. psychologisierenden Vorwurf, Fundamentalisten würden aus Angst und Unsicherheit in der Bibel eine falsche Sicherheit suchen, hält S. für haltlos (38f) und die Basis einer sachlichen Diskussion verlassend (54). Der Entgegensetzung von hebräisch-biblischem Wahrheitsdenken und rationalistischer Unfehlbarkeitslehre der Bibel will S nicht folgen. Dabei verweist er auf eine entsprechende Untersuchung von James Barr, nach der in der Bibel kein krasser Gegensatz zwischen griechischem und hebräischen Denken vorliege, insbesondere im griechisch abgefassten Neuen Testament, das nicht nur als hebraisierend verstanden werden könne. Hs Vorliebe für die moderne Sprachphilosophie, die die Sprache als Vermittler eines Weltbildes betrachte, will S nicht ohne Weiters zur Definition der Bibeltreue heranziehen. Man sollte diese Diskussion nicht "vom jeweils aktuellen Stand der facettenreichen und widersprüchlichen Diskussion der Linguistik abhängig machen" (42f).
Die Chicago-Erklärung warnt davor, an die Schrift ein bibelfremdes modernes Verständnis heranzutragen
Hs Verurteilung der Lehre von der Irrtumslosigkeit der Schrift als cartesianisch und nicht dem Denken der Bibel entsprechend, begegnet S mit einem Hinweis auf die CE, die davor warnt, an die Schrift ein bibelfremdes modernes Verständnis heranzutragen, indem technische Angaben oder ein grammatikalisches Lehrbuch gesucht werden (43f).

S vermisst eine ausführliche exegetische Begründung für die Ablehnung der Lehre von der Irrtumslosigkeit. Auch die Reduzierung der Frage nach dem angemessenen Verständnis der Bibel auf die Stellung zur Unfehlbarkeit, hält S für verkürzt (45). Hs Vorwurf, Fundamentalisten würden ihre Unsicherheit unwissenschaftlich durch rationalistische Harmonisierungsversuche zu bewältigen versuchen, weist S zurück. Demgegenüber bekennt S, dass er und auch andere Fundamentalisten, die Irrtumslosigkeit unter anderem aus eingehender Studien der Schrift gewonnen hätten (46f). Auch Jesus sei von der historischen Glaubwürdigkeit des ganzen Alten Testaments ausgegangen. Im Gegensatz zu H hält S die Aussage: "Die Bibel ist Gottes Wort" nicht für Bibelkritik, sondern für ein legales Nachsprechen biblischer Selbstzeugnisse (48). Da die CE die Göttlichkeit und Menschlichkeit der Bibel betont hält S den Vorwurf des Cartesianismus für verfehlt. Im Gegensatz zur Orthodoxie des 17. Jahrhunderts, berücksichtige die CE die menschlich unvollkommenen Aspekte wie Kultur und Sprache bei der Exegese der Bibel (52). Außerdem hätten gerade diese Vertreter der Irrtumslosigkeit in den vergangenen 300 Jahren zahlreiche linguistische und historische Studien angefertigt, die sich mit dem menschlichen Umfeld der Bibelentstehung beschäftigten (53). Neben der stark von H favoritisierten zeitbedingten Bibelauslegung will S an einer Bibellese festhalten, die den Christen persönlich und unmittelbar auch über den historischen Graben hinweg anspricht (56f). S kritisiert im Weiteren Hs unklare Aussagen zu Fehlern in der Bibel (58ff). Zwar nenne er keinen konkreten Fehler in der Bibel und weigere sich prinzipiell ein diesbezügliches Urteil über die Schrift abzugeben, doch wende er sich auch gegen die Gegner einer Sachkritik, mit dem Hinweis, der Christ müsse Spannungen und scheinbare Widersprüche im Wort Gottes aushalten können. Unklar bleibe jedoch, was H genau unter diesen Unstimmigkeiten und Widersprüchen versteht (61). Darüber hinaus äußert S Unverständnis darüber, warum H die Spätdatierung der Propheten nicht grundsätzlich, sondern nur dann ablehnt, wenn sie aus weltanschaulichen Überzeugungen erwächst (64f). Den von H als Gewährsmann herangezogenen Hamann bewertet S positiv, wenn er von ihm auch vor allem als Gegner der Spätorthodoxie eingeordnet wird. Damit träfen seine Überlegungen zur Menschlichkeit der Schrift die Ausführungen zur CE nicht mehr (68f). Schon die altprotestantischen Theologen wiesen demnach auf die Anpassung des Heiligen Geistes auf Schreiber und Leser der Bibel hin, der sich menschlichen Denkens, menschlicher Sprache und Kultur bediene. Hs Vorwurf an die Vertreter der CE sich von dem Aristotelismus der Neuscholastik bestimmen zu lassen hält S für unbegründet und nicht belegbar. Hamann habe im Kern keine neue Hermeneutik entwickelt, sondern sei zu den Prinzipien der Reformatoren zurückgekehrt. Darüber hinaus habe er zwar wie andere Pietisten von der Niedrigkeit der Schrift im Bezug auf ihre Form gesprochen, Fehler in der Schrift waren für ihn jedoch keine Frage (72ff). Im Gegensatz zu H betonte Hamann unter anderem Gottes direkte Anrede an sich selbst ohne eine zeitbezogene Auslegung und sein wissenschaftlich historisches Wissen dem biblischen Wissen ein- und unterzuordnen (74f). Außerdem ging Hamann im Gegensatz zu H bei seiner Bibelauslegung des öfteren allegorisch und typologisch vor und bezog sich auf die jüdische Kabbalah. Nicht bibeltreu sei Hamann wohl in seiner Auffassung, Gut und Böse, Licht und Finsternis seien schon in Gott selbst angelegt (76). Abschließend weist S darauf hin, das der Begriff der Irrtumslosigkeit der Schrift die Bibel zwar nicht in vollkommener Weise charakterisiere, aber eine zulässige und wahre Aussage sei, weil sie einen Aspekt ihres Wesens deutlich mache (81).

Gemeinsame Liebe

In seinem Buch "Gemeinsame Liebe. Wie Evangelikale die Autorität der Bibel bestimmen" will H auf die Einwände S antworten. Auf 111 Seiten setzt er sich insbesondere kritisch mit der CE auseinander. Dabei bringt er in erster Linie seine schon in früheren Büchern vorgebrachten Argumente vor. Die Lehre von der Irrtumslosigkeit der Schrift sei unbiblisch, weil sie sich über die Bibel stelle, weil sie einen heidnischen Wahrheitsbegriff gebrauche, weil sie zu unkonkret sei und weil sie den personalen Selbstanspruch der Bibel nicht ernst genug nehme.
Die meisten von Schirrmacher vorgebrachten Einwände und Anfragen bleiben bei Hempelmann jedoch unbeantwortet
Die meisten von S vorgebrachten Einwände und Anfragen bleiben bei H jedoch unbeantwortet. Dafür werden in fast jedem Kapitel die selben Argumente in immer neuen Variationen vorgebracht. Wie in Hs vorangegangenem Buch bleibt vieles auf einer persönlichen Betroffenheitsebene, die nicht unbedingt zur Klärung und Schärfung seiner eigenen Gedanken beiträgt. Trotz seiner intensiven Kritik an der CE fehlt ein Überblick über historisches Umfeld, logische Struktur und theologische Absicht der drei CE. Für einen nicht mit der Materie vertrauten Leser müssen seine Ausführungen deshalb irritierend wirken. Vermisst werden muss auch die kaum vorhandene Darstellung und Auseinandersetzung mit theologischen Vertretern der CE, gegen die sich H eigentlich wendet.

Konsens mit Schirrmacher?

In einem ersten Kapitel stellt H seine echten und vermeintlichen Konsense mit S fest (19-30). Ohne Belege konstatiert H eine Übereinstimmung in der Ablehnung einer geschichtlichen Bedingtheit der Bibel als Rationalismus und einer Parallelsetzung der Bibel mit der Zwei-Naturen-Lehre der Christologie. Auch die Bibel solle ganz menschlich und ganz göttlich sein. Nicht erwähnt wird allerdings, was genau unter der Menschlichkeit der Schrift zu verstehen ist. Mit S verbindet H auch seine Kritik an frommer und weltanschaulich begründeter Bibelkritik (22), seine Betonung der Demut als Schlüsselposition der Hermeneutik und seine Überzeugung, der Heilige Geist wirke nicht gegen oder ohne die Persönlichkeit der biblischen Verfasser (22f). H sieht sich mit S auch in der Vorbildfunktion der Bibelauslegung Jesu einig, obwohl er diese gleich rabbinischer Methodik zuordnen und vom modernen historischen Bewusstsein trennen will (25). Die gemeinsame Ablehnung bibelfremder Vorverständnisse bezieht H sofort auf den von ihm unterstellten Rationalismus in der CE (26). Obwohl er im Verlauf seines Buches der CE immer wieder unterstellt, sie behaupte, durch nur einen Fehler sei die gesamte Glaubwürdigkeit der Bibel in Frage gestellt, erwähnt H zu Anfang S gegenteilige Aussage (26). Noch einmal erklärt H seine prinzipielle Ablehnung, von Fehlern in der Bibel zu reden, weil ein solches Urteil sich unerlaubt über die Bibel erhebe (27). Wobei H die Richtigkeit der biblischen Aussagen immer wieder in Zweifel zieht. Wahrheit bezieht H folglich vor allem auf die Treue und Zuverlässigkeit Gottes, nicht auf die sachliche Richtigkeit biblischer Angaben (28). Dabei wehrt er der Opferung des Verstandes, die H insbesondere argwöhnt, wenn über die seelsorgerliche Komponente hinaus historische oder naturwissenschaftliche Erkenntnisse, die modernem Denken entsprechen, aus der Bibel abgeleitet werden sollen. "Es muss - für unser Bewusstsein - nicht alles "richtig" sein, damit wir der Bibel glauben und ihr vertrauen können." (29). Aber warum sollte sie nicht "richtig" sein? Ohne auf S Relativierung Hamanns einzugehen, konstatiert H auch hier eine gemeinsame Basis (30). Lediglich der Bibelbund und die STH leugneten die menschliche Gestalt der Schrift und kämpften für eine perfekte Bibel.

Die Irrlehre von der Irrtumslosigkeit der Schrift

Im Hauptteil seines Buches versucht H die Lehre von der Irrtumslosigkeit der Schrift als bibelkritisch zu verurteilen (31-102). Nachdem er betont, durch seine Kritik an der CE keine Christen verletzen zu wollen (33f), benennt er als Ziel seiner Auseinandersetzung einen Konsens in der Bibelfrage für alle evangelischen Christen - über die Evangelikalen und Pietisten hinaus (35). H spricht von der unfehlbaren Schrift, weil sie Produkt eines unfehlbaren Gottes sei und weil der Mensch erkenntnistheoretisch keine Perspektive über der Bibel einnehmen könne, um dieser Fehler zuzuschreiben (37). Die intellektuelle Wahrnehmung von Problemen sei zulässig, sage aber noch nichts darüber aus, ob diese Widersprüche auch tatsächlich bei Gott vorhanden seien. Zwar könnten auch die historischen, geographischen und biologischen Aussagen der Bibel für sich Fehlerlosigkeit beanspruchen, allerdings nur in dem Rahmen früheren wissenschaftlichen Bewusstseins (38). H unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen fehlerfreien und korrekten Aussagen.
Unfehlbarkeit bezieht sich nach Hempelmann vor allem auf den Bereich der persönlichen Erfahrung
Die von H als wichtige theologische Kategorie angesehene Unfehlbarkeit bezieht sich nach ihm vor allem auf den Bereich der persönlichen Erfahrung, dass der Christ mit Gottes Hilfe zum Ziel kommt, nicht so sehr in der sachlichen Richtigkeit der ausgesagten Sachverhalte (39f). Die Bibel wolle vor allem ethische und soteriologische Hilfe für die Lebensführung des Christen sein. Seinen Kontrahenten unterstellt er, die Bibel nur als Wort Gottes anzuerkennen, wenn sie deren Wahrheit bewiesen und alle geographischen und naturwissenschaftlichen Aussagen überprüft hätten. Das jedoch sei nicht mit Unfehlbarkeit gemeint (41). Schlüssel für die richtige Hermeneutik ist nach H der hebräisch-biblische Wahrheitsbegriff. Demnach will die Bibel nicht in unserem modernen Sinne sachlich wahr sein, sondern sieht Wahrheit als Synonym für Treue und Zuverlässigkeit einer Person (42ff, 49f). Aus der Forderung der CE, die ganze Bibel in jeder Hinsicht als irrtumslos anzusehen, zieht H den von ihren Verfassern abgelehnten Schluss, nur eine Schwäche oder ein von Menschen festgestellter Irrtum würde die Bibel als Wort Gottes disqualifizieren (46, 51-57).

Auf dieser Behauptung baut H seine weitere Argumentation auf. Vertreter der CE wollten erst die Wahrheit aller biblischen Aussagen beweisen, um der Bibel als Ergebnis ihrer Prüfungen die Eigenschaft der Irrtumslosigkeit zu bescheinigen. Dieses von kaum einem 'Fundamentalisten' praktizierte Vorgehen kritisiert H als rationalistisch (48f). Dem stellt er wiederum seine pragmatische Definition von Wahrheit gegenüber, die ohne Sicherheit über die absolute Richtigkeit der Bibel Gottes Handeln erfährt (50). Die absolute Irrtumslosigkeit der Schrift kann natürlich nicht wissenschaftlich bewiesen werden (52f), was in der CE auch nicht behauptet wird (55f). Von dieser mangelnden Beweisbarkeit werden die soteriologischen Aussagen der Bibel allerdings nicht betroffen (54). Weil die CE keinen Weg zur Feststellung von möglichen Fehlern aufzeigt, hält sie nach H modernen Forderungen wissenschaftlicher Logik nicht stand und ist deshalb für ihn bedeutungslos (55f). Damit wird die Widerlegbarkeitsforderung des Kritischen Rationalismus zum Kriterium für legitime Aussagen über die Bibel (62f). Durch die Lehre, nur ein Fehler in der Bibel würde die ganze Heilige Schrift unglaubwürdig machen, werden Christen grundlos in Angst um ihr Heil gestürzt (57). Seltsam undurchdacht wirkt dieser Vorwurf, da er auf die Feststellung Hs folgt, durch die Prinzipien der CE könne man gar keine Fehler identifizieren.

Grundaussage der Chicago-Erklärung:
„Weil die Bibel Gottes Wort ist, ist sie irrtumslos.”

Aber nicht:
„Die Bibel ist Gottes Wort, weil sie irrtumslos ist.”
Hinfällig wird die ganze Argumentationskette, da die CE nicht beabsichtigt, sich sogar dagegen verwehrt, die Irrtumslosigkeit der Schrift in jedem Einzelfall zu beweisen und von diesem Beweis die soteriologische Wahrheit der Bibel abhängig zu machen. Nicht aus rationalistischen oder erkenntnistheoretischen Erwägungen, sondern als Ergebnis eingehender Exegese wird die Irrtumslosigkeit erkannt. H meint, die Argumentation der CE mit der Aussage: "Die Bibel ist Gottes Wort, weil sie irrtumslos ist", zusammenfassen zu können (59). Diese Aussage würde tatsächlich eine menschliche Prüfungsinstanz voraussetzen, die Irrtumslosigkeit bescheinigen kann. Grundaussage der CE dürfte aber eher die Überzeugung sein: "Weil die Bibel Gottes Wort ist, ist sie irrtumslos." Mit dieser Fehlinterpretation erübrigt sich der ganze Rationalismusvorwurf Hs.

Sprachliche Stilelemente

In einem nächsten Abschnitt kritisiert H, dass die CE sprachliche Stilelemente nicht als Fehler betrachtet, und übersieht wiederum, dass die CE keine Anleitung zur Auffindung von Fehlern in der Bibel ist (60ff, 72). Dass sie die Grunderkenntnis der Irrtumslosigkeit mit Hilfen für die konkrete exegetische Arbeit versieht (z.B. Hinweis auf Stilelemente), kann ihr wohl schwerlich zum Vorwurf gemacht werden. Auch der Hinweis auf unterschiedliche theologische Standpunkte der Vertreter der CE kann wohl kaum gegen sie ins Feld geführt werden, um die Lehre der Irrtumslosigkeit selbst zu diskreditieren (61). Bisher hat kein Bekenntnis, nicht einmal die Bibel selbst verhindern können, dass diejenigen, die sich auf sie berufen, radikal unterschiedliche Meinungen vertreten. Auf die Beurteilung der zugrundeliegenden Schrift hat diese Tatsache allerdings nur marginale Bedeutung.

Obwohl H selbst die Mitwirkung der Persönlichkeiten der biblischen Autoren bei der Abfassung ihrer Schriften verteidigt, wirft er der CE vor, mögliche Konsequenzen aus dieser Annahme zu wenig bedacht zu haben (63f, 69). Dabei denkt er insbesondere an den möglichen Missbrauch der Annahme, Gott gebrauche die Persönlichkeit der Verfasser, die zur Behauptung einander widersprechender Theologien führen könne.

Ohne exegetische Begründung verwirft H das Bekenntnis der CE, die Bibel habe in allen von ihr angesprochen Themen unfehlbar göttliche Autorität. H hingegen geht davon aus, dass die Bibel lediglich bei soteriologischen und ethischen Themen, nicht aber bei naturwissenschaftlichen oder geographischen Fragen Unfehlbarkeit in Anspruch nehme (64f). Die auf philosophischen Aussagen Leibniz' aufbauende Kritik an der CE, weil diese sich bemühe, den Begriff der Irrtumslosigkeit zu klären, ist durch seine Pauschalität unbrauchbar und stellt vollkommen unrealistisch jegliches theologische Arbeiten in Frage, das sich mit der Klärung von Begriffen beschäftigt (66).

Ein gravierendes Problem sieht H darin, dass die CE nicht die Hermeneutik der Demut ist und die Bibel nicht vor allem als Menschen- und Gotteswort definiert (67, 96). Obwohl H selbst diese hermeneutischen Grundeinsichten kennt und anwendet, wirft er der CE vor, durch den Hinweis auf sprachliche Stilmittel der biblischen Autoren oder deren zeitbezogene naturwissenschaftliche Ausdrücke die Lehre der Irrtumslosigkeit aufzuweichen (68ff).

Dass die CE nicht für jedes exegetische Problem eine Lösung anbietet oder genau definiert und abwägt, welche Zahlenrundungen erlaubt und welche nicht mehr legitim sind, kann von einem sechsseitigen Bekenntnis wohl kaum erwartet werden (70f). Unverständlich warum H wenig später der CE vorwirft, mit ihrer Festlegung, wann der Gebrauch eines Stilmittels zum biblischen Fehler werde, sich über die Bibel zu erheben (72f). Es scheint unredlich zu sein, sowohl das Fehlen einer detaillierten Aufzählung von Irrtümern zu fordern, eine solche Aufzählung gleichzeitig aber mit dem Vorwurf ungerechtfertigten Urteilens zu belegen.

Im Vergleich zu den reformatorischen Bekenntnissen zur Schrift bemängelt H insbesondere eine rein formale Bestimmung der Bibel, die Christus als Mitte der Schrift, wie auch die menschliche Entstehung des Kanon berücksichtige (78f). Ferner vermisst er neben der Warnung vor den negativen Folgen einer Ablehnung der Irrtumslosigkeit der Bibel einen Hinweis auf die positiven Segnungen Gottes und die Erneuerung der Kirche durch den demütigen Umgang mit der Schrift (79f, 81f).

Hempelmann argwöhnt, dass Vertreter der Chicago-Erklärung das sola scriptura an die Stelle des solus Christus stellen
Obgleich H es später als sinnvoll bezeichnet, eine Dogmatik mit der eigenen Stellung zur Bibel zu beginnen, wirft er der CE vor, sich zu sehr und vor allem zuerst mit der Bibel zu beschäftigen, statt Aussagen zum dreieinigen Gott zu machen (84f.). Sicher will auch kein Vertreter der CE das sola scriptura an die Stelle des solus Christus stellen, wie H argwöhnt (87). Bevor H seine Stellung zur Bibel noch einmal darlegt, fasst er seine Vorwürfe zur CE zusammen und kommt zum Schluss: "Es gibt hier offenbar ein paar philosophische, aussagenlogische und wissenschaftstheoretische Probleme, die die Verfasser der Chicago-Erklärung entweder nicht gesehen oder nicht ernst genug genommen haben ..."

Die Bibel sei nach Hempelmann unklar überliefert und unklar zusammengestellt
Im Folgenden kommt H wieder auf seine Lieblingsthese, dass die Bibel hebräisch-biblisch und zeitbezogen verstanden werden müsse (90f). Dazu gehöre, dass Jesus wie auch seine Zuhörer an der Verfasserschaft Jesajas nicht interessiert seien, auch wenn er als Autorität zitiert wird (90). Die Bibel sei ein Geschichtenbuch, das durch menschliche historische Ereignisse geformt sei. Sie sei unklar überliefert und unklar zusammengestellt. Die Bibel sei nicht perfekt, aber vollkommen ausreichend für Gottes Absichten (93). Seltsam mutet es an, wenn H Gott auch für jeden Abschreibfehler in der Bibel verantwortlich macht (93). Offen bleibt, wie es dann mit der Eigenverantwortlichkeit des Menschen bestellt ist, warum in der Bibel dann so vehement vor der Veränderung ihrer Worte gewarnt wird (5Mo 4,2; Spr 30,6; Mt 5,18; Offb 22,18f), ob Christen sich dann aussuchen können, welcher Variante sie den Vorzug geben. Unklar beibt auch, auf welchen exegetischen Befund sich H bei dieser Behauptung stützt. Auch die Selbstverständlichkeit, mit der H Aussagen über Jesus Christus (Jesus ist erniedrigt und Ärgernis) auf die Bibel bezieht, verwundert (94ff). Nachdem H sein Gottesbild dargelegt hat (Gott kommuniziert, erniedrigt sich, korrigiert sich und ist schwach, 98), stellt er zum Abschluss unmissverständlich fest: "Nur eine Hermeneutik der Demut entspricht dem Gott der Liebe ist."

Liebe zum Wort

In dem jüngst von Helge Stadelmann herausgegebenen Buch: "Liebe zum Wort. Das Bekenntnis zur Biblischen Irrtumslosigkeit als Ausdruck eines bibeltreuen Schriftverständnisses." nehmen Dozenten und Mitarbeiter der Freien Evangelischen Akademie (FTA) zum Entwurf einer 'Hermeneutik der Demut' und Hs Kritik an der CE Stellung. Diese erfrischend zu lesende Aufsatzsammlung geht auf gutem theologischem Niveau den Grundaussagen einer 'Hermeneutik der Demut' nach und weist ohne Polemik auf deren theologische Defizite hin. Bis auf den Beitrag von Hilbrands, der sich mit alttestamentlichen Einleitungsfragen beschäftigt, nehmen alle Aufsätze direkten Bezug auf Hs Hermeneutik und seine Kritik an der CE. Auch unabhängig von der aktuellen Diskussion bieten die Abhandlungen praktisch-theologische und systematisch aufbereitete Thesen, die dem Bibelleser helfen, sich über seinen Umgang mit der Schrift und deren Grenzen klar zu werden. Mit seiner sachlichen und an der Bibel belegten Argumentationsführung, bietet der Band sicher eine gute Grundlage zum weiteren Gespräch über die Hermeneutik Hs.

Bekenntnis zur Biblischen Irrtumslosigkeit

In einem ersten Kapitel verteidigt Helge Stadelmann (St) die CE mit ihrer Lehre zur Irrtumslosigkeit der Schrift (7-33). Neben der Zustimmung zur menschlichen Gestalt der Bibel, verweist St auf die Grenzen eines solchen Vergleichs. Die Menschlichkeit der Schrift umfasse deren mangelnde Systematik, deren unterschiedliche Stilelemente usw. Wie Jesu selbst sei die Bibel aber auch göttlich, wobei ihre Irrtumslosigkeit eingeschlossen werden müsse (8ff). St verweist auf den bibelkritischen Theologen Bultmann, als einem der Väter der Diskrepanztheorie, die den Althebräern einen ganz eigenen persönlichkeitsbezogenen Wahrheitsbegriff zuschreibt. Demgegenüber habe der entsprechende hebräische Begriff sehr wohl auch die von H als heidnisch abgelehnte Bedeutung 'Wahrheit als Übereinstimmung mit den Tatsachen' (10-13). In diesem Zusammenhang belegt St seine Interpretation eingehend mit entsprechenden Aussagen der Bibel. Im Gegensatz zu H will St Wahrheit nicht nur auf zentrale heilsgeschichtliche Ereignisse beziehen, selbst scheinbare Nebensächlichkeiten oder Verfasserschaftsangaben sind unlöslich "verwoben mit Lehre und apostolischer Ermahnung" (13). Der Christ müsse sich vor jedem Wort Gottes beugen. Die CE verwerfe jeden Zweifel an der Irrtumslosigkeit der Schrift, weil die Feststellung eines solchen, den menschlichen Verstand über die Offenbarung Gottes stellen würde (14). Er warnt darüber hinaus, historische von theologischen Fragen zu trennen, wie es bei H gelegentlich vorkomme. Im Folgenden belegt St an zahlreichen Beispielen, dass die Lehre der Irrtumslosigkeit gegen Hs Ausführungen nicht erst eine Erfindung der lutherischen Orthodoxie ist, sondern quer durch die ganze Kirchengeschichte von prägenden Theologen vertreten wurde (16-23). Damit erübrigt sich natürlich auch Hs Einordnung der Irrtumslosigkeit als cartesianischer Rationalismus weitgehend.

Wenn der Verstand seine Grenzen akzeptiert, wird die alle Vernunft infragestellende Offenbarung Gottes nicht relativiert
Dass die CE auf der Grundlage allgemeiner Logik argumentiert, rechtfertigt nach St noch nicht den Vorwurf des Rationalismus. Wenn der Verstand seine Grenzen akzeptiere, werde die alle Vernunft infragestellende Offenbarung Gottes nicht relativiert (24f). Mit der Ablehnung aller positiven Aussagen über Gott oder die Bibel, wie sie in der Konsequenz den Forderungen Hs entspicht, erübrige sich die ganze Dogmatik (25). Des Weiteren bedauert St, dass H sich zu wenig mit der zehnjährigen Gesamtarbeit des 'International Council on Biblical Inerrancy' als Herausgeber der CE beschäftigt hat. Vorwürfe wie die mangelnde Betonung Jesu Christi erübrigten sich bei der Kenntnisnahme der ergänzenden Veröffentlichungen (26f). Entgegen den Vorwürfen Hs werde die Lehre der Irrtumslosigkeit in der 2. CE auch auf materiale Weise mit der Inspirationslehre und der Inkarnation Jesu begründet. Den erkenntnistheoretischen Bedenken der mangelnden Falsifizierbarkeit (Möglichkeit nachzuweisen, dass die entsprechende Behauptung falsch ist) der Irrtumslosigkeit begegnet St mit einem Hinweis auf den Bekenntnischarakter der CE. Darüber hinaus stünde bei einem offensichtlichen Fehler nicht die ganze Bibel, sondern höchstens das entsprechende Buch zur Disposition (28f). Stilelemente und Rundungen nicht als Irrtümer anzusehen habe nicht das Ziel, Ausnahmetatbestände zu schaffen um Fehler zu verschleiern. Solche Festlegungen seien nötig, um überhaupt verständliche Kommunikation zu ermöglichen. Ferner weigert St sich, die Wirklichkeit rationalistisch in eine der Vernunft zugängliche Gegenstandswelt und eine religiösem Glauben vorbehaltene Heilswelt aufzuteilen (30f). Bei Hs Darlegung seiner Hermeneutik der Demut stößt St immer wieder auf diese Unterscheidung, die Naturwissenschaft und Historie der modernen Vernunft reserviert und die Heilstatsachen dem Glauben überlässt (31). Die CE hingegen stehe für eine erkenntnistheoretische Unteilbarkeit der Wirklichkeit.

Anfragen aus der Praxis

Armin Baum (B) setzt sich in einem zweiten Aufsatz aus bibelwissenschaftlicher Sicht mit der 'Hermeneutik der Demut' auseinander (34-48). B will sich in seinen Ausführungen auf das Hauptkennzeichen der von H beschriebenen Hermeneutik, das Verbot positive wie negative Urteile über die Bibel zu fällen, konzentrieren. Wobei er zuerst eine gewisse Inkonsequenz konstatiert, da H selbst sehr wohl von der Bibel als Wort Gottes spricht (35). In diesem Zusammenhang weist B auf die Unsachgemäßheit des Urteilsverbots für die Kanonentstehung hin. In den ersten vier Jahrhunderten wurde die Bücher des Neuen Testaments nach menschlichen Beurteilungskriterien (Authentizität, Theologie) bewertet und gegebenenfalls in den Kanon aufgenommen (35f). Das grundsätzliche Recht, nach der Wahrheit und Geltung biblischer Schriften zu fragen, sollte den Kirchenvätern nicht abgesprochen werden. "Anderenfalls beraubt man den Kanon der Argumente, denen er seine Entstehung verdankt" (37). Das Verbot, Urteile über vorgeblich göttliche Worte zu fällen, steht ebenfalls im Widerspruch zur biblischen Aufforderung, Prophetie durch den Geist Gottes, aber auch durch formale Kriterien zu bewerten. Die bei H beklagte Willkür bei gerundeten Zahlenangaben oder freien Zitaten kann B nicht erkennen. In diesem Zusammenhang verweist er auf konkrete, in der Bibel genannte Zahlen, die auch konkret verstanden werden wollen und auf die heute allgemein angewandten Regeln der Rundung, die schon in der Antike im Gebrauch waren (von 1-4 ab und von 5-9 aufrunden) (38f). Freie Zitation war in biblischer Zeit weit verbreitet ohne dabei von Fälschungen zu reden. Nach allgemein anerkannten Kriterien wurde in der Antike darauf geachtet, den Inhalt des Zitats nicht zu verfälschen. Die Ausdrucksform wurde dem Zitierenden überlassen (41f). Hs Warnung, wir dürften biblischen Autoren keinen modernen Begriff von Verfasserschaft unterstellen, kann B nicht folgen. An Beispielen aus der Umwelt des Alten und des Neuen Testaments weist B das Interesse von Autoren und Lesern an der Echtheit der Verfasserangaben nach.
Dass Jesus sich nicht für Deutero- und Tritojesaja interessiert hat, liegt daran, dass diese Theorie ein Produkt der modernen Bibelwissenschaft ist
"Daß Jesus sich nicht für Deutero- und Tritojesaja interessiert hat, liegt schlicht daran, daß diese Theorie ein Produkt der modernen Bibelwissenschaft ist" (43). Nach B brachte erst Schleiermacher die spekulative These auf, ein falscher Verfassername habe in der Antike nicht als Fälschung gegolten. Die Dominotheorie, nach der Christen die Irrtumslosigkeit der ganzen Schrift behaupten, aus Angst ein Fehler könne die Glaubwürdigkeit der ganzen Bibel in Zweifel ziehen, kann B weder in der Geschichte noch bei heute führenden Evangelikalen entdecken (45f). In den von B angeführten Beispielen zitiert und benutzt Jesus das Alte Testament als absolut glaubwürdig. An keiner Stelle spricht Jesus von einem Irrtum Gottes oder seiner Schriften (46f).

Die Brisanz der Einleitungsfragen zum AT

Walter Hilbrands (Hi) setzt sich in einem weiteren Aufsatz des Sammelbandes mit Äußerungen des Bad Liebenzeller Dozenten für Altes Testament Erich Scheurer (Sch) auseinander (49-71). In einem ersten Teil skizziert Hi die Geschichte der Quellenscheidung im Pentateuch (49-53). Dann geht Hi den einleitungswissenschaftlichen Äußerungen Scheurers in dessen Dissertation: "Altes Testament und Mission. Zur Begründung des Missionsauftrages" von 1996 nach. Sch setzt die hypothetischen Quellen des Pentateuch, Jahwist und Priesterschrift als gegeben voraus. Sowohl im Schöpfungs- als auch im Sintflutbericht geht Sch von verschiedenen Theologien dieser Quellen aus (53f). Hi nennt nun einige alttestamentliche Belegstellen, die den Pentateuch auf Mose zurückführen und verweist auf die jüdische und christliche Tradition, die bis in die Neuzeit fast geschlossen von einer mosaischen Autorschaft ausging (55). Auch bestimmte literarische Formen verweisen auf eine frühe Abfassung des Pentateuch im 2. Jahrtausend v.Chr. Hi zählt einige Beispiele geographischer Aktualisierungen auf, wendet sich aber gegen die Auffassung, der Pentateuch sei nach Mose noch umfangreich ergänzt worden (57). Zwar nenne Mose selbst Quellen auf die er zurückgreife, die Identifikation einzelner Überlieferungsblöcke, die von Mose übernommen sein sollen, ist nach H bisher jedoch nicht glaubwürdig nachgewiesen worden (58). Auch wenn nach Hi von späteren sprachlichen und grammatikalischen Anpassungen des Pentateuch ausgegangenen werden kann, verweist er auf die textgenaue Überlieferung jüdischer Gelehrter, die sich auch in der Umwelt des Alten Israel belegen lässt (60). Nach einer kurzen Darstellung bibelkritischer Quellenscheidung bei Jesaja kommt er zu Schs Sicht der Verfasserschaft.
Scheurer spricht in seinem Buch offen von Deutero- und Tritojesaja und hält die Verfasserangaben der Psalmen teilweise für nicht zutreffend
In seinem Buch spräche Sch offen von Deutero- und Tritojesaja. Auch datiere er Jeremias Prophetie über Babel nach dessen Tod, gehe folglich von einer späteren Ergänzung aus, obwohl die Bibel diese Aussage deutlich Jeremia zuschreibt (63). Die Verfasserangaben der Psalmen hielte Sch teilweise für nicht zutreffend. In apokryphen alttestamentlichen Schriften, in Qumran und bei Josephus würde das Buch Jesaja jedoch auf den gleichnamigen Autor zurückgeführt, ebenso von den meisten christlichen Theologen bis in die Neuzeit. Auch die Angaben zu Geographie, Pflanzenwelt und Geschichte verwiesen auf eine Verfasserschaft im Israel dieser Zeit (65). Ein einheitlicher Stil und Wortschatz ließen eine Aufteilung des Buches nur schwer begründen (66). Die verblüffende Vorhersage des Perserkönigs Kyros und die Ankündigung der jüdischen Verschleppung sollten durchaus als echte Prophetie betrachtet werden und nicht als Grund zur Aufteilung des Jesajabuches herangezogen werden (66f). Weil die Bibel keine literarischen Aktivitäten der Jesajaschüler erwähnt und das ganze Buch dem Propheten zuschreibt, sollte auch nicht von einer späteren Ergänzung des Buches durch Jesajas Gefolgsleute ausgegangen werden (68). Aus den genannten Gründen distanziert sich Hi von Schs Thesen zur Datierung und Verfasserschaft von Pentateuch und Jesaja. Hs offener Position zu dieser Frage im Rahmen seiner Hermeneutik kann sich Hi nicht anschließen.

"Wahrheit" bei den Althebräern

In einem Neuabdruck eines Artikels aus dem Jahr 2000 setzt sich Heinrich von Siebenthal (Si) mit der von H vertretenen Interpretation von Wahrheit bei den Althebräern auseinander (72-93). Ausgangspunkt ist die von ihm als Diskrepanztheorie benannte Überlegung. Demnach weiche der hebräische Wahrheitsbegriff deutlich von dem moderner europäischer Sprachen ab, so dass in der exegetischen Arbeit die Annahme, Wahrheit beinhalte auch sachliche Richtigkeit, zu unsachgemäßen Ergebnissen führe (73).

In seiner Auseinandersetzung geht Si zuerst dem hinter dem Wort 'Wahrheit' stehenden begrifflichen Konzept nach. Im allgemeinsprachlichen Gebrauch unterscheidet St zwischen einem Eigenschaftskonzept, nach dem Wahrheit als 'Übereinstimmung einer Aussage mit den für sie relevanten Tatsachen und der Wirklichkeit' begriffen werde, und einem Sachkonzept, nach dem eine Tatsache, eine Aussage oder die Wirklichkeit selbst als wahr bezeichnet werden. Das Adjektiv 'wahr' wird demnach vor allem zur Bezeichnung der Echtheit oder Tatsächlichkeit eines Sachverhalts (z.B. wahre Gefühle) und zur Bekräftigung einer Aussage (z.B. wahrer Held) benutzt (75ff). Daneben erwähnt er einen speziellen Gebrauch des Wortes Wahrheit auf dem Feld der Logik und der Philosophie (Erkenntnis als Spiegelbild der Wirklichkeit). Für den konkreten Sprachgebrauch stellt Si eine gewisse Bandbreite fest. Wahrheit kann demnach folgende Definitionen erfahren: "Richtigkeit, wirklicher Tatbestand, Wirklichkeit, Realität, Tatsache, Grundsatz bzw. unwiderlegbar, echt, glaubwürdig, eigentlich usw." (78). Im Gegensatz zur Behauptung der Diskrepanztheorie, ein modernes Konzept von Wahrheit sei den Althebräern fremd, verweist Si auf grundsätzlich anthropologische und linguistische Überlegungen. Demnach habe jede Sprache als Kommunikationsmittel den Anspruch, Aussagen über die echte oder vermeintliche Realität zu machen
Das Konzept ‘Wahrheit’ – wie wir es als Deutschsprachige kennen – ist allen Sprachgemeinschaften gemeinsam
"Im Zentrum der sprachlichen Kommunikation stehen Behauptungen, deren ureigenste Rolle darin besteht, etwas als Tatsache hinzustellen ..." (81). "Während Lautung und Grammatik von Sprache zu Sprache erheblich variieren können ... ist das Konzept 'Wahrheit' - wie wir es als Deutschsprachige kennen - allen Sprachgemeinschaften gemeinsam." (82)

Gegen die Behauptung, das hebräische Wort 'emet bezöge sich lediglich auf personale Echtheit und Vertrauenswürdigkeit, belegt Si anhand linguistischer Studien die weitgehende Deckungsgleichheit des hebräischen Wortes mit dem deutschen Begriff 'Wahrheit' (83f). Auch verweist Si darauf, dass 'emet nicht der einzige hebräische Begriff ist, der mit dem allgemeinen Konzept von 'Wahrheit' im Alten Testament verbunden wird (84). Obwohl die etymologische Grundbedeutung von 'emet am ehesten mit 'Festigkeit' und 'Beständigkeit' wiedergegeben werden können, hält Si es zu Recht für irreführend diese Bedeutung automatisch als Konzept der biblischen Autoren zu betrachten. Um den Wandel im konzeptionellen Gebrauch eines Wortes zu illustrieren verweist Si auf die Worte 'Idiot' (ursprünglich = Privatmann) und 'silly' (ursprünglich = selig) (85f). Zudem muss unterschieden werden zwischen Konzept und dem in der realen Kommunikation benutzten Bedeutungselement. Denn zumeist spielt für das alltägliche Gespräch nur ein Merkmal des Konzepts die herausragende Rolle. Die mit 'emet verknüpfte Hauptbedeutung ist nach Si 'vertrauenswert'. Damit deckt sich das hebräische Wort allerdings weitgehend mit der Grundbedeutung und der etymologischen Ableitung des deutschen Wortes 'Wahrheit' und des englischen 'truth' (von trust = vertrauen) (86f). Bei der Suche nach der 'richtigen' Bedeutung des Wortes 'emet darf auch nicht vergessen werden, dass die meisten Wörter in der realen Sprache mehrdeutig sind und so verschiedene Konzepte integrieren, was auch für den Begriff 'Wahrheit' gilt (88f). Eine vollkommene Deckungsgleichheit kann selbst zwischen den nahe verwandten Sprachen Deutsch und Englisch nicht hergestellt werden, auch nicht für die Wörter 'Wahrheit' und 'truth', da sowohl Bedeutung wie Gebrauch der Wörter im Detail voneinander abweichen (89).
Beständigkeit im Sagen der Wahrheit / im Tun des Versprochenen / im Festhalten einer eingegangenen Verpflichtung
Für das hebräische Wort 'emet kommt Si zu folgendem Konzept: "Beständigkeit im Sagen der Wahrheit / im Tun des Versprochenen / im Festhalten einer eingegangenen Verpflichtung o.ä. Mögliche Übersetzungen: Wahrhaftigkeit / wahrhaftig, Vertrauenswürdigkeit / vertrauenswürdig, Treue / treu o.ä." (90). Damit gebe es durchaus eine weitgehende Übereinstimmung mit dem Konzept von 'Wahrheit' im gegenwärtigen Gebrauch der deutschen Sprache.

Vom Dienst theologischer Lehre

In einem letzten Beitrag widmet sich Patrick Nullens (N) der Bedeutung der CE für die akademische Freiheit der evangelischen Theologie in Europa (94-107). Zuerst zeichnet N die Entstehungsgeschichte der CE nach. Dabei widmet er der theologischen Diskussion unter amerikanischen Evangelikalen zum Ende der 70er Jahre des 20. Jhs. besondere Aufmerksamkeit. Hintergrund der 1978 auf einer internationalen Konferenz von 250 Theologen erarbeiteten CE sei u.a. die Relativierung biblischer Irrtumslosigkeit an evangelikalen Ausbildungsstätten. Insbesondere am 'Fuller Theological Seminary' wollten sich Dozenten auf eine 'begrenzte Irrtumslosigkeit' zurückziehen, die Unfehlbarkeit lediglich für Glauben und Leben beansprucht (95f). Absicht der CE sei es nicht gewesen neue Glaubenssätze zu formulieren, sondern klassische Aussagen christlicher Dogmatik verstärkt ins Bewusstsein zu rufen. In reformatorischer Tradition wolle die CE den Christen in seinem Denken und Wahrnehmen der ganzen Wirklichkeit an die Bibel allein binden. Dabei wehre sie einer Bevormundung durch kirchliche Autoritäten genauso, wie der durch die 'Wissenschaft', die die Bibel auf eine Sammlung religiöser Zeugnisse reduzieren will (98). In der europäischen evangelikalen Theologie konstatiert N eine gewisse Zurückhaltung gegen dieses als amerikanisch empfundene Dokument (99). In England sieht N eine zunehmende Kritik an der CE, die mit einer zunehmenden Öffnung evangelikaler Theologen gegenüber universitärer Bibelkritik einhergehe. Ähnliche Bewegungen seien auch in Deutschland und den Niederlanden erkennbar (100). Mit der Begründung individueller akademischer Freiheit werden in evangelikalen Ausbildungsstätten Auffassungen toleriert, die mit der Leugnung der paulinischen Verfasserschaft des Kolosserbriefes oder der Verwerfung der Lehre vom stellvertretenden Sterben Christi, früher einhellig als bibeltreu betrachtete Positionen diametral entgegenstehen (100f). N befürchtet die Aufspaltung des Glaubens in persönliche Frömmigkeit und 'wissenschaftliche' Arbeit unter den europäischen Evangelikalen. Dabei träten immer stärker Erlebnisfrömmigkeit und individuelle Meinung an die Stelle eindeutiger biblischer Verkündigung (101). Die theologische Ausbildung im evangelikalen Europa orientiere sich immer stärker am Ideal säkularer Universitäten, indem sie dem Phantom 'wertfreier Wissenschaft' nachzueifern versuchten. Dabei gelange der Wissenschaftler mit seinem methodischen Zweifel unweigerlich in eine urteilende Stellung über die Bibel (102).

Die CE ziele auf
Die Chicago-Erklärung zielt auf die Bereitschaft des Theologen, sich primär nicht seinem wissenschaftlichen Denken, sondern den Aussagen Gottes unterzuordnen
die Bereitschaft des Theologen, sich primär nicht seinem wissenschaftlichen Denken, sondern den Aussagen Gottes unterzuordnen (103). Diese Forderung wird von manchen Theologen allerdings als 'intellektueller Selbstmord' gewertet und abgelehnt. Die wesentliche Aufgabe der Theologen sieht N in der Hinführung zum Wort Gottes und in der Förderung des absoluten Vertrauens der Gläubigen in die Schrift (104). N begrüßt hingegen eine Tendenz in der evangelischen Theologie, die sich mit neuem Interesse dem frühen Christentum und der Patristik zuwendet und gleichzeitig die vermeintlich wissenschaftliche Neutralität modernistischer Theologie in Frage stellt. Statt individualistischer Forschungsarbeit wünscht sich N aber eine stärkere Einbindung der Gemeinden in die theologische Arbeit (105f). Obwohl sicher Verbesserungsmöglichkeiten bestehen, hält er die CE nach wie vor für eine gute Grundlage evangelikaler theologischer Arbeit, die immer wieder die Grenzen wissenschaftlich individualistischer Arbeit in Erinnerung ruft (107).

Anmerkungen

Inkonsequente Argumentationsstruktur

H wirft den Vertretern der CE auf der einen Seite zwar Rationalismus vor (GL 20, 48f), hält ihnen auf der anderen Seite aber mangelnde Wissenschaftlichkeit und Objektivität entgegen (NA 28f, 30, 33f, 43-52; GL 53), also dass sie ihrer Ratio zu viele Schranken aufbauen. Der von ihm kritisierte fundamentalistische Rationalismus wendet sich also nicht gegen die Auslegung der Bibel mit Hilfe des Verstandes, sondern gegen den unrichtigen Einsatz desselben. Die CE vergewaltige den denkenden Wissenschaftler, weil sie seine 'objektiven' wissenschaftlichen Erkenntnisse relativiert oder aus dogmatischen Erwägungen ablehnt (NA 22f, 30, 39, 44, 47, 53; GL 57).

Unverständlich für den Leser bleibt, wann H eine Wertung biblischer Aussagen für möglich hält und wann sie seiner Auffassung nach heidnisch rationalistisch ist. So lehnt er es ab, die Irrtumslosigkeit der Bibel zu behaupten (GL 38, 54, 88; NA 64, 104, 108f), sieht aber kein Problem darin, die Glaubwürdigkeit der Schrift mit weltlichen historischen Maßstäben zu überprüfen (NA 17, 28-30, 33f) und seine theologischen Aussagen an deren Urteil zu orientieren. Besteht hier nicht die viel stärkere Gefahr biblische Exegese in die Abhängigkeit von zeitgeistlichen wissenschaftlichen Überzeugungen zu bringen?

Der Vorwurf an seine Gegner, rationalistische Theologie zu betreiben und unsachgemäße Weltbilder an die Bibel heranzutragen (GL 34, 104) hindert H nicht, die Interpretation der Bibel heutigen theologischer Sichtweisen unterzuordnen und mit Hilfe philosophischer Zeugen (Aristoteles, Kant, Leibniz) andere Christen anzugreifen.

Der CE wirft H vor, den Begriff der Irrtumslosigkeit nicht vollständig klären zu können, selbst operiert er aber mit zahllosen Zuordnungen und Begriffen, die konsequenter Weise auch unzulässig sein müssten (GL 66f).

H verweist darauf, dass alle Erkenntnis Stückwerk ist (NA 19), bringt seine Überzeugungen aber mit großer Selbstsicherheit vor (GL 91) und vertraut der Wissenschaft als Grundlage theologischer Arbeit (NA 28f, 30, 33f, 43-52, 56, 59).

Hempelmann scheint mit zweierlei Maß zu messen: Er weigert sich, Aussagen über die Bibel zuzulassen, triftt selbst aber zahlreiche Urteile über Wesen und Inhalt der Bibel
H weigert sich Aussagen über die Bibel zuzulassen, weil sie unzulässige Urteile seien (NA 63f, 109; GL 20, 27, 55f, 73, 76, 88), trifft selbst aber zahlreiche Urteile über Wesen und Inhalt der Bibel (NA 26, 28, 36, 41f). Hempelmann scheint mit zweierlei Maß zu messen. Dieselben Aussagen und Vorgehensweisen werden bei Vertretern der Irrtumslosigkeit kritisiert, bei den Vertretern der 'Hermeneutik der Demut' aber gutgeheißen, weil sie dort mit der richtigen Motivation geschehen (NA 74-77).

Uminterpretation bekannter Begriffe

In der Diskussion scheint sich auch eine gewisse Sprachverwirrung zu verbreiten. Früher als bibeltreu bezeichnete Positionen mutieren bei H zum 'Fundamentalismus'. Was bisher von 'bibeltreuen' Theologen als Bibelkritik angesehen wurde (z.B. Quellenscheidung, Datierungsfragen, keine sechs Schöpfungstage), wird von Hempelmann scheinbar nicht mehr als solche betrachtet, wenn sie aus der richtigen Motivation geschieht (NA 22ff, 35-40, 43-52). Wer seine Überzeugungen aus der 'wissenschaftlichen' Beobachtung der Bibel gewinnt, kann nicht bibelkritisch sein (NA 30, 33f), es sei denn er stellt die Grundlagen des Glaubens (Sündenfall, Auferstehung usw.) in Frage (NA 31f).
Bibeltreue wird fast gänzlich von den Inhalten gelöst und an Fragen gemessen, wie: „Wer liebt mehr? Wer liebt angemessener? Wer gibt sich mehr hin?”
Bibeltreue wird fast gänzlich von den Inhalten gelöst und an Fragen gemessen wie: "Wer liebt mehr? Wer liebt angemessener? Wer gibt sich mehr hin?" (GL 35) Eine solche Vorgehensweise verweist auf die aufklärerischen Argumentationen eines G.E.Lessing, der die Wahrheit der Religionen an deren ethischen Verhalten messen will.

Zeitweilig entsteht der Eindruck, 'Bibeltreu' mutiert bei Hempelmann zu einem Synonym für subjektiv beabsichtigte Richtigkeit der eigenen Theologie. Einzig die Motivation soll über die Bibeltreue der Position entscheiden (NA 19, 22, 24ff, 30, 32f, 36-40, 52-57). Quellenscheidung und Spätdatierungen sind nur abzulehnen, wenn sie aus einer falschen Weltanschauung heraus resultieren (NA 31f, 35). Nur Fundamentalisten und liberale Theologen werden als Bibelkritiker gebrandmarkt (NA 22f, 30). Unberücksichtigt bleibt, dass an den deutschen Universitäten Professoren lehren, die ihre bibeltreue Motivation betonen, was sie nicht daran hindert aufgrund ihrer 'wissenschaftliche Ergebnisse' in der Christenheit bisher einhellig bejahte Aussagen abzulehnen. Allein das Bekenntnis bibeltreu arbeiten zu wollen hat bisher weder vor deutlicher Verfälschung biblischer Aussagen noch vor Sektierertum bewahrt.

Bibeltreue wird so zum Unwort, das sich zwar jeder Gläubige selber zusprechen dürfe (NA 24f), die unter Christen aber keinesfalls in Frage gestellt werden könne, es sei denn der Betreffende leugne die Grundlagen des eigenen Glaubens (NA 21, 26, 31f, 38). Einzelnen Christen wirft er vor, nur sich selbst Bibeltreue zuzusprechen und andere als Bibelkritiker zu diffamieren (NA 15, 38, 41), bei der Beurteilung seines Werkes (NA 20, 26ff, 30) im Vergleich zu andersdenkenden Christen (NA 22ff, 30) geht er aber gerade in dieser Weise vor.

Einerseits fordert H unbedingte Offenheit wissenschaftlicher Forschung gegenüber (NA 17, 29f, 33f, 43-52), andererseits lehnt er Theologien ohne nähere Prüfung ab, die sich gegen Jungfrauengeburt oder leibhafte Auferstehung wenden (NA 20f, 31f) oder die seine Grenzen theologischer Ansichten überschreiten (NA 26, 28, 36, 41f). Wer will aber nun bestimmen wann der 'Offenbarungscharakter der Bibel' (NA 43) betroffen ist und die entsprechenden Forschungsergebnisse abgelehnt werden müssten? Wird hier nicht unter neuem Vorzeichen doch ein neuer Kanon im Kanon formuliert?

(Schluss folgt in der nächsten Ausgabe)

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