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Die 128 Seiten umfassende Schrift wird in ansprechender Aufmachung als Verteilbuch angeboten und kann kostenlos (ggfs. gegen Spende) beim Dillenburger Verlag angefordert werden.[0] Hier hat man evangelistische, apologetische und didaktische Gesichtspunkte wirkungsvoll miteinander verbunden und die Christen im deutschsprachigen Europa um ein wichtiges Missionsinstrument bereichert.
Das gleiche inhaltliche Anliegen verfolgt Hans-Werner Deppe mit einer eigenen Homepage (www. dasjahrderbibel.de). Diese Internet-Adresse war von der offiziellen Großorganisation des Bibeljahres (vollständiger Name: 2003. Das Jahr der Bibel) noch nicht besetzt worden. Dort hatte man sich auf www.2003dasjahrderbibel.de und www.jahrderbibel.de beschränkt. Deppe erkannte die Lücke und hofft nun, dass auch viele Nicht-Evangelikale, die im Internet nach einer Erstinformation über das Projekt suchen, "zufällig" auf seine Homepage stoßen. Dort finden sie gründliche Artikel über die Autorität und Vertrauenswürdigkeit der Bibel und Kontakthinweise zu Bibelkreisen. Das kleine Buch "Ist die Bibel Wahrheit" steht zum kostenlosen Download (als PDF-Datei) bereit.
Beide Initiativen nutzen die Chancen des Bibeljahres, indem sie nicht nur den Bibeltext verbreiten, sondern Hilfen zu dessen rechtem Verständnis bieten und dabei ein eindeutiges bibeltreues Profil erkennen lassen. Sie beweisen damit, dass man das Bibeljahr offensiv und evangelistisch aufnehmen kann, ohne von der ökumenischen Strategie vereinnahmt zu werden.
Damit setzen sie den ermutigenden Kontrapunkt zu einer anderen Tendenz, auf die im Folgenden hinzuweisen ist.
2. Das Jahr der Bibel (abgekürzt als JdB) instrumentalisiert die Bibel im Dienst einer strategischen Ökumenisierung. Der "ökumenische Charakter" erweist sich als Hauptinhalt und eigentliches Ziel des Projektes, nicht nur als dessen Nebeneffekt.
Die Begründung unserer These stützt sich auf die Selbstdarstellung der multi-konfessionellen Großorganisation des Bibeljahres. Diese erfolgt u.a. über die bereits genannten Internet-Seiten und in programmatischer Weise durch das 84 Seiten starke Ideenheft zum Jahr der Bibel 2003.[1] Wenn nicht anders ausgewiesen, beziehen sich die Seitenangaben der folgenden Darstellung auf diese Quelle (zitiert als Ideenheft).
Schon auf der Innenseite des Titelblattes finden sich die Grußworte jener vier Organisationen, bzw. Gruppierungen, die das JdB gemeinsam verantworten: Präses Manfred Kock spricht für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Kardinal Karl Lehmann repräsentiert die römisch-katholische Deutsche Bischofskonferenz. Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), gleichsam der deutsche Zweig des Genfer Weltkirchenrates, wird durch den methodistischen Bischof Walter Klaiber vertreten. In der vierten Säule des Bibeljahres sind die evangelikalen Organisationen unter dem Titel "Kirchliche Werke und Verbände" zusammengefasst. Für sie schreibt Präses Peter Strauch, der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA).[2]
Drei Anliegen werden als offizielle Ziele des Bibeljahres benannt:
Bei genauerer Untersuchung der Texte kristallisiert sich jedoch ein viertes Anliegen heraus, das in verschiedenen Ausprägungen und Zugängen immer wieder zur Sprache gebracht wird[3] und in seinem Gewicht die anderen drei Anliegen überlagert:
Die lehrmäßigen Unterschiede sollen dabei lediglich als "unterschiedliche Frömmigkeitsstile und Mentalitäten" wahrgenommen werden, die "Vielfalt der Kirchen und kirchlichen Gruppierungen" sei als "ein großer Reichtum" zu verstehen. Diese ökumenische Lesart will nun gerade das JdB an der Gemeindebasis verbreiten, darin läge "ein sehr erwünschter Nebeneffekt des Bibeljahres" (a.a.O., S. 3). Darum stehen "im Zentrum des JdB … besonders die gemeinsamen, überkonfessionellen Initiativen am Ort", denn "gerade im überkonfessionellen Miteinander wird das gemeinsame Einladen zur Bibel glaubwürdig" (7). Strategisch will man "alle Gemeinden und Gruppen motivieren, ihre ökumenischen Initiativen zu verstärken" (6). Auf dieser programmatischen Grundlage dürfen folglich nur jene mitarbeiten, die das ökumenische Anliegen unterstützen. Das gehöre zum "Grundsatz für die Aktion", zur "Leitlinie", die "von allen, die mitmachen wollen, zu akzeptieren" sei (22f.). Von den anderen heißt es:
Das Statement ist in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich und bietet einen erhellenden Einblick in die Absicht der Organisatoren.
a) Offenkundig tragen die evangelikalen Vertreter den "ökumenischen Charakter der Aktion" mit, ansonsten gäbe es für sie "hier keine Plattform", geschweige denn eine gleichberechtigte Leitungsverantwortung gemeinsam mit Bischofskonferenz, EKD und ACK.
| Wer den ökumenischen Charakter des Jahres der Bibel ablehnt, wird auf eine Stufe mit Sektierern und friedensgefährdenden Konfessionalisten gestellt |
Das ökumenische Strategieziel nimmt die Bibel in Dienst, benutzt sie und muss daher deren eigenes Anliegen verfehlen. Dies führt uns zu einer dritten These.
3. Das JdB verbreitet ein unsachgemäßes Verständnis der Bibel sowohl hinsichtlich ihrer eigenen Autorität und Dignität als auch hinsichtlich ihrer Inhalte. Die Bibel soll nicht als Quelle des (unter)scheidenden Evangeliums, sondern als einheitsstiftende Gesprächsgrundlage des ökumenischen Prozesses gelesen werden.
| Die Bibel sei als einheitsstiftende Grundlage des ökumenischen Prozessesanzuwenden |
Nur wenigen scheint aufzufallen, dass man mit solchen Behauptungen die Kirchengeschichte auf den Kopf stellt, vor allem die Reformationsgeschichte. Als die Reformatoren zu den Quellen zurückgingen und die Wahrheit der Bibel entdeckten, führte dies nicht zur Stärkung einer allgemein-christlichen Einheit, sondern zur Trennung vom Katholizismus! Wer die biblischen Aussagen, etwa über den von Gott offenbarten Erlösungsweg, ernst nimmt, wird nicht mit der katholischen Werkgerechtigkeit ausgesöhnt, sondern von dieser weggeführt. Wo die Bibel ihr eigenes Wort sprechen darf und nicht als Instrument einer Strategie "benutzt" wird, da scheidet sie zwischen evangeliumsgemäßer Rechtfertigung und deren Verfälschung im System der römisch-katholischen Dogmatik.
Dieser theologische Tatbestand soll nun durch das JdB offenkundig überspielt, bzw. in sein Gegenteil verkehrt werden. Deshalb dürfte es kaum ein Zufall sein, dass der sog. "Bibelsonntag" als "ökumenischer Auftakt mit dem Römerbrief" zu feiern ist (17). Das heißt: Ausgerechnet der Römerbrief, die Basisepistel der Reformation, in der Luther das von der Römischen Kirche verfälschte Evangelium wiederentdeckte (bei der Auslegung von Rö.1,16f.), soll nun zur ökumenischen Brücke umfunktioniert werden. Ausgerechnet mit der Lektüre des Römerbriefes will man erreichen, dass "die Bibel als gemeinsame Grundlage des Glaubens aller Christen ins Bewusstsein gerufen wird" (17). Nimmt man den Römerbrief ernst, hebt er das römisch-katholische System aus den Angeln. Will man dagegen - mit den Strategen des Bibeljahres - den Römerbrief als Grundlage (auch) des katholischen "Evangeliums" deuten, muss man ihm exegetisch Gewalt antun und ihn in sein Gegenteil verkehren. Sollte dem JdB wirklich dieser Husarenstreich gelingen, den Römerbrief als ökumenisches Verbindungsglied darzustellen, hätte man ein gewichtiges Hindernis des Einheitsprozesses beiseite geräumt. Wollen sich die evangelikalen Funktionäre für ein solches Projekt vereinnahmen lassen?
Aber nicht allein der Inhalt der Bibel bleibt hier auf der Strecke, auch die Autorität und Dignität des Gotteswortes wird untergraben. Das geschieht zwangsläufig, wenn man mit liberalen, bibelkritischen Theologen gemeinsame Sache macht. So wirbt das - von den Evangelikalen mit herausgegebene - Ideenheft z.B. für Walter Hollenwegers Bibeltheater-Vorschläge zum Kolosserbrief (29) , für den katholischen Fernkurs Bibel (56, er verbindet Bibelkritik und katholisches Bibelverständnis), für die Methode des Bibliodramas, dessen Anwendung "psychologische und gruppenpädagogische Kenntnisse" voraussetzt, die in durch das Katholische Bibelwerk vermittelten Spezialkursen erlernt werden sollen (59). Das Projekt "Bibeltag" soll, vertieft durch "Körperübungen", "das Bild von Gott als Vater Jesu und als Vater der Menschen" erfahrbar werden lassen, so heißt es auf Seite 61. Das ist wirklich Irrlehre kompakt: als wäre Jesu Gottessohnschaft nur ein "Bild", als wäre Gott nicht nur der Schöpfer, sondern auch der Vater aller Menschen.
| Hier wächst zusammen, was ganz und gar nicht zusammengehört |
4. Die gemeinsame Verantwortung für das JdB durch verschiedene Träger, die bisher als Vertreter einander widersprechender Bibelverständnisse bekannt waren, verharmlost deren Gegensätze (etwa zwischen historisch-kritischer und bibeltreuer Theologie). So fördert man den Eindruck der Gleichwertigkeit und gegenseitigen Ergänzungsfähigkeit dieser unterschiedlichen "Zugänge" zur Heiligen Schrift.
Die vier verantwortlichen Gruppierungen standen bisher für z.T. sehr gegensätzliche Auffassungen von der Heiligen Schrift. EKD und ACK glauben an die Sachgemäßheit der historisch-kritischen Methode und treten entschieden für die Berechtigung der Bibelkritik ein. Die römisch-katholische Kirche vertritt, kombiniert mit der historisch-kritischen Methode, ein Traditionsverständnis, wonach Bibel, kirchliche Auslegungstradition und aktuelles Lehramt (mit dem Papst an der Spitze) nahezu gleichberechtigte Instanzen für die rechte Lehre darstellen. Die Evangelikalen galten, wenn auch mit unterschiedlichen Akzentuierungen in den eigenen Reihen, als Gegner der Bibelkritik und Verteidiger des "Sola-Scriptura-Prinzips".
Jetzt entsteht der Eindruck, als träte man einmütig für das gleiche Anliegen ein. Hat man sich einmal dem Glauben an die "bereichernde Vielfalt" verschrieben, scheint vergessen oder verdrängt, dass die verschiedenen Bibelverständnisse einander auch widersprechen könnten; dass die Entscheidung für den einen Weg zugleich eine Entscheidung gegen die anderen Wege bedeutet, darf dann nicht mehr gedacht, schon gar nicht gesagt werden. Sonst wäre die postmoderne Harmonie gefährdet und der Verstoß gegen das Gebot der political correctness schnell bei der Hand. So aber fällt kaum jemandem auf, dass die katholische Version der Bibel, die Einheitsbibel inklusive der Apokryphen (auf die sich bestimmte katholische Sonderlehren stützen), neben Lutherbibel, Hoffnung für alle und Gute Nachricht als eine unter vielen legitimen Ausgaben zum Verkauf angeboten wird (Ideenheft, S. 83).
Die beschriebene Entwicklung zielt auf langfristige Veränderungen, die über das Jahr der Bibel hinausreichen.
5. Die aktive Beteiligung einflussreicher evangelikaler Organisationen am JdB ist ein weiterer Schritt zu deren Einbindung in eine ökumenische Aktions- und Gesinnungsgemeinschaft. Dadurch werden sie als Kritiker dieses Prozesses ausgeschaltet und ihre eigenen Grenzen gegenüber bibelkritischen Einflüssen geöffnet.
Wenn die Evangelikalen auch nicht unter ihrem eigenen Signum, sondern als "Kirchliche Werke und Verbände" geführt werden (siehe zu These 2), leisten sie doch einen erkennbaren Beitrag zum Gesamtkonzept. Ihre typischen Projekte wie "Allianzgebetswoche" und "Pro Christ" lassen sich scheinbar nahtlos in das Mosaik des Bibeljahres einfügen. Auf Seite 16 des Ideenheftes wirbt jeweils eine Spalte für die Allianzgebetswoche ("Mit der Allianzgebetswoche in das Jahr der Bibel starten") und für die ökumenische Gebetswoche für die Einheit der Christen. Beides versteht sich danach nicht mehr als inhaltliche Alternative, sondern nur noch als kompatible Ergänzung.
Noch deutlicher wird die evangelikale Einbindung auf der Doppelseite 18/19 dokumentiert: Die erste Spalte beschreibt den "Weltgebetstag der Frauen" (Untertitel: "Ökumene um die Welt erfahren"). Dabei handele es sich um "die größte ökumenische Bewegung von Frauen weltweit". Vergessen scheint, dass gerade dieser Weltgebetstag jahrzehntelang von evangelikalen Frauenverbänden kritisiert wurde, da seine Liturgien oftmals religionsvermischende und politisierende Inhalte propagierten. Der Weltgebetstag hat sich nicht geändert, die Haltung evangelikaler Meinungsbildner umso mehr.
| Das Projekt steht für Gemeindemitarbeiter aller christlichen Konfessionen offen |
Das dritte Projekt auf Doppelseite 18/19 ist nach Weltgebetstag und "Pro Christ" schließlich der Ökumenische Kirchentag. Hier wolle man zeigen, "dass über alle Konfessionsgrenzen hinweg, die Gemeinsamkeit im Glauben stärker und bedeutender ist als das Trennende". Eine "Begegnung in der Vielfalt der Traditionen" (siehe oben!) solle "Mut machen für den weiteren ökumenischen Weg".
| So lassen sich die Evangelikalen ins ökumenische Konzert integrieren und öffnen ihre eigenen Tore für die inhaltlichen Einflüsse der anderen |
Bedenkt man diese Zusammenhänge, drängt sich eine weitere Schlussfolgerung auf:
6. Die strategische Bedeutung des JdB kann nur angemessen gewürdigt werden, wenn man dessen Vernetzung mit anderen ökumenischen Großprojekten wie dem "Ökumenischen Kirchentag 2003" und "Pro Christ 2003" berücksichtigt.
Vor diesem Hintergrund erhalten auch andere Ereignisse der letzten Monate ein über den Einzelfall hinausgehendes Gewicht. Ich denke dabei z.B. an den programmatischen Artikel des Gnadauer Präses, Christof Morgner, mit dem er die Landeskirchlichen Gemeinschaften und den Pietismus als ganzen dazu aufrief, sich intensiver für ökumenische Kontakte und Kooperationen zu öffnen.[4]
Auch die im Herbst bekanntgewordene Zusammenarbeit des pietistischen Bischofs Gerhard Maier mit dem päpstlichen Ökumene-Strategen Kardinal Kasper weist in dieselbe Richtung.[5]
Kaspar leitet als Prokurator die ökumenische Initiative Unità Dei Cristiani e.V., als Stellvertreter des Prokurators amtiert Maier. Unità Dei Cristiani unterstützt ausdrücklich auch den Assisi-Synkretismus des Papstes, wie aus dem Internet-Auftritt ersichtlich ist.[6]
| Wer diesen Weg nicht mitgehen will, hat gute Gründe, andere Zukunftskonzepte zu erwägen und dann mit Gottes Hilfe auf den Weg zu bringen |
Diese Herausforderung haben wir in sechs Thesen zu beschreiben versucht, die abschließend noch einmal erinnert seien:
| Falsche Alternative: „Entweder Du machst mit bei der großen Koalition oder Du versäumst die missionarische Chance.“ |
Dazu ist festzuhalten:
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Anschriften |
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