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2002-3 |
Aus dem Bibelbund |
In jährlichem Abstand lädt der Bibelbund ein, diesmal in das pfälzische Neustadt an der Weinstraße. Nahezu 250 Besucher aus Landeskirchen, Gemeinschaften und Freikirchen folgten der Einladung. Welche Attraktionen mobilisierten so viele? Es war die einfache Frage: "Was ist wirklich bibeltreu?" Nur, was ist daran einfach? Herrscht nicht verbreitet Konfusion? Längst hört man bei dieser Frage keine einheitliche Antwort mehr aus dem evangelikalen Lager. Der Bibelbund versuchte Antworten zu geben.
Michael Kotsch, Bibelschule Brake, untersuchte, was die Bibel selbst über Bibeltreue sagt. Mitunter bedarf es eines sorgfältigen Hinschauens, um jedes Indiz wahrzunehmen. In der Summe aber ist der Anspruch der Bibel eindeutig. Sie ist glaubhaft, weil sie inspiriert ist und sie erwartet uneingeschränkte Anerkennung.
Prof. Dr. Helge Stadelmann von der FTA Gießen schilderte die Lage zum Thema 'Bibeltreue' in Deutschland. Zuerst das Positive: Es gibt nach wie vor viele Christen, die Gottes Wort lieben und studieren und viel Zeit dafür verwenden. Kritisch merkte er an, wie sich der Gebrauch des Wortes "Bibeltreue" seit den 90er Jahren verändert hat. Weil sich vorher viele Christen ihre Bibeltreue nicht ausreden ließen, wurden sie als arrogant bezeichnet. Heute hingegen wurde der Begriff vereinnahmt, dabei aber umgedeutet und ausgehöhlt. Man meint schon bibeltreu zu sein, wenn man überhaupt von der Bibel ausgeht, aber selbst entscheiden will, was in ihr glaubhaft sei und was nicht . Die Landeskirchen würden nach wie vor extreme Bibelkritik dulden, was vor allem ethische Folgen habe. Der Einfluss der Bibelkritik reiche bis in den Religionsunterricht und mache Schüler gegen den Glauben immun. Selbst eine Bewegung, die für das wahre Evangelium einträte, sei für eine gemäßigte Bibelkritik offen. Doch auch in Freikirchen würde immer mehr Bibelkritik geduldet, was sich verhängnisvoll auswirke und die problematische Neuinterpretation von "Bibeltreue" zeige sich selbst in Ausbildungsstätten, die bisher als bibeltreu galten.
Andererseits, so hob er eindringlich hervor, bestehe Bibeltreue auch nicht einfach nur im Vertreten von Lehrsätzen ohne den gehorsamen Lebensvollzug. Bibeltreue ist mehr als ein Bekenntnis, mehr als Tradition. Rechte Bibeltreue erfüllt sich in beidem, nämlich in Wahrheit und in Liebe. Die Zerstrittenheit unter den Bibeltreuen entspräche nicht gerade der Treue zur Bibel und er ließ keinen Zweifel daran, wie er als Betroffener selbst unter den Verhältnissen leide.
Dr. Wolfgang Nestvogel erklärte zunächst, was ein Widerspruch im Licht der Bibel ist. Es sei völlig klar, dass wir auf solche scheinbaren Widersprüche stoßen. Dabei brauchen wir unser logisches Denken nicht zu verleugnen, denn das sei uns vom Schöpfer gegeben. Die entscheidende Frage sei aber, wie wir mit scheinbaren logischen Brüchen in der Bibel umgehen. Wer an die Unfehlbarkeit der Schrift glaubt, wird beginnen, die entsprechenden Schriftstellen gründlicher zu studieren und dabei Einzelheiten entdecken, auf die ein anderer gar nicht kommen würde. An etlichen Beispielen zeigte der Referent verschiedene Lösungsmöglichkeiten.
Das Podiumsgespräch offenbarte, in welche Probleme ein Christ in weltlicher und christlicher Umgebung kommen kann, der die Treue zur Heiligen Schrift ausleben will.
Bibelbundpreis. Die Prüfungskommission des Bibelbundes hat nach langen Erwägungen beschlossen, den Preis in diesem Jahr nicht zu vergeben. Einige der eingereichten Arbeiten werden aber in "Bibel und Gemeinde" abgedruckt. Für den im nächsten Frühjahr zu vergebenden Preis können weitere Arbeiten bis zum 31.12.2002 eingereicht werden (s. Heft 2/02 S. 2).
Dr. Harald Binder von der Studiengemeinschaft Wort und Wissen zeigte in seinem Referat über Bibeltreue und Naturwissenschaft, dass es elementare Fragen gibt, die von der Wissenschaft nicht beantwortet werden können, die aber beantwortet werden müssen, zum Beispiel die Frage nach dem Wesen des Lebens. Nur wer die Bibel ernst nimmt und begreift, dass Leben eine Gabe Gottes ist, wird auch die richtigen Konsequenzen ziehen.
Übrigens. Wir beabsichtigen, alle Referate und auch die Abschlusspredigt im nächsten Heft abzudrucken.
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