Bibel und Gemeinde
2002-1
Buchbesprechungen

Buchbesprechungen


Shallis, Ralph. Lebendige Zellen: Das Modell Gottes für die Gemeinde. Bielefeld: CLV, 1999. 158 Seiten. CHF 14,80; € ca. 7,50. ISBN 3-89397-269-2.

In seinem Buch will Ralph Shallis, ein ehemaliger Missionar in Algier, seine besonderen Entdeckungen bezüglich der Gemeinde mitteilen. Dabei wendet er sich immer wieder an seine "jungen Brüder", die er in Ekklesiologie unterweist, auf Verfolgung und Abfall aufmerksam macht und zu Evangelisation motiviert.

Shallis ist von der "Meisteridee Jesu Christi", die Gemeinde als Zelle zu konzipieren, begeistert. Er beobachtet diese Idee, die effektives Leben ermöglicht, auch in anderen Bereichen: in der natürlichen Schöpfung (98), in der Geschichte (106) und in persönlichen Erfahrungen (144). Insbesondere ist er beim Studium der Evangelien von den Gedanken Jesu über die Gemeinde so beeindruckt, dass sie sein "ganzes Verständnis von der Gemeinde und vom Werk Gottes verändert" (103).

So spricht er eine Reihe von Themen an, die sich alle um die "lebendige Zelle" drehen. Sowohl der Inhalt als auch der sprachliche Stil des Buches spiegeln diese Entdeckung wieder. Letzterer ist abwechslungsreich und "zielorientiert": Sein Ton ist einmal systematisch lehrend, dann auch zuredend und appellierend, er redet einmal wie einer, der (fast zu) selbstbewusst seine Meinung vertritt, dann wieder wie ein väterlicher Seelsorger: "Nun, mein junger Bruder!" (151).

Die ersten drei Kapitel entfalten den ersten Schwerpunkt: die Lehren Jesu im Blick auf seine Gemeinde. Der Autor ist überzeugt davon, dass hier die Quellen der Ekklesiologie liegen. In Kapitel 2 und 3 präsentiert er Jesu Lehren in Form von zehn Lektionen. Dieser Unterrichtsstil ist im Blick auf die Absicht des Buches, biblische Lehre lehren zu wollen, sinnvoll.

Gelehrt muss werden, sagt Shallis, um "in den Wahrheiten des Evangeliums fest gegründet zu werden, damit Christen in der Verfolgung und inmitten des Abfalls bestehen und sich bis ans Ende unaufhaltsam vermehren können" (97). Diese drei Aspekte bilden den zweiten Schwerpunkt des Buches. Man merkt, wie sie den Verfasser zutiefst bewegen. Dennoch wurden sie von ihm nicht auf Grund dieser emotionalen Ergriffenheit, aber auch nicht willkürlich ausgewählt. Er sieht sie in der Gemeindelehre des Herrn eindeutig vorgegeben (72).

Ralph Shallis ist sich darüber im Klaren, dass nicht jeder im Einzelnen mit seiner Bibelauslegung einverstanden sein wird. Er kennt die Auslegungsdifferenzen insbesondere in Endzeitfragen. Aber seine grundsätzliche Haltung dazu ist edel und pragmatisch zugleich: "Ich suche keineswegs Streit mit meinen Brüdern, die das anders sehen. Ich bitte lediglich, dass sie mit uns allen die Herausforderung unseres Meisters annehmen und uns in der Ausführung seines Befehls ermutigen und unterstützen." (94)

In diesem Zitat - und streckenweise im ganzen Buch - offenbaren sich sowohl die Stärken als auch die Schwächen dieser Haltung. Die Stärken sind Weitherzigkeit, Eifer und auch Gründlichkeit in der Ausarbeitung spezieller Themen des Buches. Die Schwächen sind Schwächen eines Eiferers. Er ist um der Sache willen, die er gerade energisch thematisiert, bereit, auf die Berücksichtigung der Komplexität dieser Sache zu verzichten. Dies ist aus didaktischen Gründen auch oft unumgänglich. Wenn aber dazu bewusst aufgefordert wird, dann droht die Wahrheit zu kurz zu kommen. So sind seine wiederholten Aufforderungen die Dinge nicht zu komplizieren, im Blick auf moderne Tendenzen sehr gewagt.

Die evangelistische Botschaft nicht zu komplizieren ist richtig, aber dennoch ist sie umfassender als nur das, was "ködert". Den Gemeindebau nicht zu komplizieren ist auch richtig, aber er ist doch mehr als eine sich selbst organisierende Zelle. Gemeindebau hat - trotz negativer Erfahrungen mit überstrukturierten und überorganisierten Kirchen - doch Strukturierung und Organisation nötig. Dies lehrt zwar weniger Jesus, dafür aber später seine Apostel! Auch die Lebens- und Evangelisationspraxis nicht zu komplizieren ist richtig, aber beides vollzieht sich nicht nur im Rahmen und auf Grund von Erfahrungen der jeweiligen Generation. Schlichte Nachfolge, schlichte Lehre und schlichter Dienst dürfen nicht dahingehend missverstanden werden, dass sie die Erfahrungen der vorhergehenden Generationen möglichst unberücksichtigt zu lassen hätten. Eine negative Einstellung zu Tradition und allem Bestehenden ist im Buch unverkennbar. Auf dem Hintergrund einer Überbewertung der Tradition mag mancher Leser damit übereinstimmen. Dennoch schwächt diese zum Teil unterschwellige, aber auch offen vorgetragene Meinung die guten Anliegen des Buches.

Das Buch ist klar bibelorientiert. Es will zum Gemeindebau und generell "für die Zukunft" motivieren. Angesichts dieser Zielsetzung ist es aber ungeschickt, wenn das Vergangene oder auch Gegenwärtige immer wieder stark diskreditiert wird. Pauschal viele Gemeinden mit "Kühlschränken" oder gar "Friedhöfen" zu vergleichen - der Übersetzer setzt sogar den Ausdruck "Tollhäuser" hinzu (153) - ist mindestens unpassend. Man empfindet Unbehagen bei derart scharfen Urteilen. Hätte etwa Paulus Vergleichbares über eine Gemeinde Christi geschrieben? Spätestens an dieser Stelle fällt auf, dass der Verfasser in seiner Abhandlung zu wenig die neutestamentlichen Briefe berücksichtigt. Gerade diese Teile der Heiligen Schrift hätten wertvolle Ergänzungen zum Thema "Gemeinde" geboten und manche Einseitigkeiten vermeiden lassen.

Dennoch ist das Buch lesenswert. Die gründliche Betrachtung der Evangelien ist ein wertvoller Beitrag zum besseren Verständnis der Gedanken des Bauherrn Jesus Christus über seine Gemeinde.

Otto Wiebe
D-67227 Frankenthal


Ellwell, Walter. Die große Themenkonkordanz zur Bibel. Holzgerlingen: Hänssler, 2001. 1088 S. geb. CHF 136,-; € 78,-. ISBN 3-7751-3094-2.

Wer hat nicht schon Stellen zu einem bestimmten Thema in der Bibel gesucht, und sie nicht gefunden, weil er den genauen Wortlaut nicht wusste, der jedoch für die Suche mit einer Wortkonkordanz unerlässlich ist. Ein nützliches Utensil wäre hierzu eine Konkordanz, mit der man nach Themen suchen könnte ...

Endlich ist nun - nachdem in letzter Zeit einige kleinere Themenkonkordanzen herauskamen - eine umfassende Version aus dem Englischen übersetzt worden. Walter Elwell, Professor für biblische und theologische Studien an der "Wheaton College Graduate School" in Illinois, USA, im Englischen Sprachraum schon lange bekannt für die Herausgabe von biblischen Nachschlagewerken hat mit dieser Themenkonkordanz ein hervorragendes Hilfsmittel geschaffen, das sowohl für Pfarrer, Studenten und Gemeindemitarbeiter als auch für interessierte Bibelleser geeignet ist.

Die "Große Themenkonkordanz zur Bibel" ist anhand der üblichen dogmatischen Einteilung aufgebaut und geht den Hauptthemen der Bibel entlang: zuerst die Lehren von Gott dem Vater, Sohn und heiligen Geist, dann vom Menschen, dem Heil, dem christlichen Leben, der Gemeinde und den letzten Dingen.

Was die Themenkonkordanz aber besonders nützlich macht, sind die umfassenden Bibelstellen- und Themenregister im Anhang. Dadurch lassen sich die Bibelstellen zu den gesuchten Themen leicht auffinden. Ein weiteres Plus: Die Bibelstellen sind alle im vollen Wortlaut abgedruckt. Man braucht nicht in einer Bibel nachzuschlagen, sondern kann die betreffenden Stellen gleich in der Konkordanz nachlesen. Ein wirklich empfehlenswertes Buch, das man sich gönnen sollte - zumindest, wenn man haupt- oder ehrenamtlich mit Bibelauslegung zu tun hat.

Kurt Vetterli
CH-4125 Riehen


Gassmann, Lothar. Anthroposophie. Lehre über die Bibel, Gott, Christus und Erlösung, Hänssler-Verlag, D-71087 Holzgerlingen, 2001, 268 Seiten, € 20,95 ISBN: 3-7751-3676-2.

Ist die Anthroposophie Rudolf Steiners christlich? Der Autor dieses Bandes hat sich im Rahmen seiner Doktorarbeit acht Jahre lang intensiv mit der Anthroposophie beschäftigt und gelangt bezüglich der Christusauffassung Rudolf Steiners und seiner Nachfolger zu folgendem Ergebnis:

"Der Christus Steiners ist nicht wahrer Gott, sondern lediglich ein 'Sonnengeist', ein Glied auf einer Zwischenstufe der anthroposophischen Geisterhierarchie ... Er schenkt dem Menschen durch seinen Kreuzestod keine Erlösung von Sünde und Tod, sondern treibt ihn auf den Weg, die eigene Apotheose (Selbstvergottung) durch Höherentwicklung anzustreben, also auf dem Weg der Absolutsetzung des 'Ich' erst recht in die Sünde. Kurzum: Der sogenannte 'Christus Jesus' der Anthroposophie ist ein neuzeitliches gnostisches Gegenbild zum dem Jesus Christus, von dem die Heilige Schrift spricht" (S. 189 f.).

Nach einleitenden Hinweisen beginnt der Autor mit biographischen Abrissen über das Leben und die Entwicklung der wichtigsten Vertreter der Anthroposophie und der von dieser inspirierten "Christengemeinschaft" (neben Steiner vor allem Friedrich Rittelmeyer, Emil Bock und Rudolf Frieling). Danach setzt Gassmann sich ausführlich und grundlegend mit dem anthroposophischen Erkenntnisweg, der "Akasha-Chronik" und der "spirituellen Deutung der Heiligen Schrift" auseinander, um sodann auf die Frage nach der Einheit und Ganzheit der Bibel sowie die anthroposophischen Behauptungen, sie sei ein "Einweihungs- und Meditationsbuch" sowie eine "zeitbedingte und relative Größe" (im Vergleich zu den neuen "Schauungen" Steiners wie auch anderer "Hellseher") einzugehen. Zu allen diesen Lehren nimmt er zunächst aus empirischer und dann aus biblisch-theologischer Sicht Stellung und widerlegt sie auf beiden Ebenen fundiert.

Im letzten Hauptteil konfrontiert er sich mit der anthroposophischen Lehre über Gott ("Elohim - ein Gott oder viele Götter?"), mit Reinkarnation und Karma, mit der Steinerschen Deutung der zwei Stammbäume bei Matthäus und Lukas auf "zwei Jesusknaben", mit der esoterischen Auffassung vom "Christus-Sonnengeist" und dem "Mysterium von Golgatha", von "Lazarus als Verfasser des Johannesevangeliums" und "Paulus als erstem Ätherseher" - Dinge, von denen häufig ein anthroposophisch oberflächlich Interessierter nur wenig gehört hat, die aber das Herzstück der Anthroposophie ausmachen und ohne die die ganze Philosophie nicht zu verstehen ist. Alle diese Lehren verweist Gassmann in den Bereich der Spekulation, die über die Bibel gemäß ihrem Wortsinn und Gesamtkontext weit hinausgeht, ja in Gegensatz zur biblischen Lehre tritt. So lautet das Gesamtergebnis seiner Untersuchung:

"Die anthroposophische Exegese führt nicht zu einem vertieften Bibelverständnis, sondern sie führt von der [Heiligen] Schrift weg - hin zu okkulter Spekulation. Das anthroposophische Bibelverständnis ermöglicht keine sachgemäße Auslegung. Es ist mit dem biblisch-reformatorischen Schriftverständnis unvereinbar" (S. 208).

Dieses Ergebnis erhält dadurch besondere Aktualität und Brisanz, weil das anthroposophische Auslegungsverfahren mit seinen spekulativen Ergebnissen eingeflossen ist "in die Literatur der New-Age-Bewegung, in Teile der Feministischen Theologie sowie in die tiefenpsychologische Bibelauslegung z.B. bei Eugen Drewermann", worauf im Vorwort zurecht hingewiesen worden ist. Ob mit Gassmanns Arbeit nicht nur "die Anthroposophie aus den Angeln gehoben" wird (so Prof. Tadayoshi Araki aus Tokio auf der Rückseite des Buches), sondern auch die von der Anthroposophie beeinflussten Auslegungsmethoden, bleibt abzuwarten. Jedenfalls kommt in Zukunft kein ernsthafter Diskutant der anthroposophischen und esoterischen Exegese um Gassmanns Buch herum.

Jürgen-Burkhard Klautke
D-35633 Lahnau


Gassmann, Lothar. Esoterik als Lebenshilfe? Die Wahrheit über Astrologie, Spiritismus, Magie und Zauberei. Mit einem Beitrag von Prof. Dr. Reinhard Franzke über Harry Potter, Verlag für Reformatorische Erneuerung: Wuppertal 2001. 96 S. CHF 9,80, € 4,90. ISBN 3-87857-306-5.

Der unermüdliche Autor zahlreicher Aufklärungsschriften (u.a. im Logos-Verlag) greift hier ein Thema auf, von dem es landläufig scheint, es habe im Zusammenhang mit New Age schon etwas "Schimmel" angesetzt. Dem ist aber gar nicht so, der Untertitel korrigiert diese Meinung deutlich und aktualisiert das Thema: "Die Wahrheit über Astrologie, Spiritismus, Magie und Zauberei. Mit einem Beitrag von Prof. Dr. Reinhard Franzke über Harry Potter".

Die Nachfrage dazu ist in den missionarischen christlichen Buchhandlungen eher steigend. Nur gab es in der letzten Zeit kaum mehr etwas Brauchbares, Handliches, das man jedermann in die Hand geben konnte. Die in diesem Buch vielen angeführten Bibelstellen setzen allerdings auch einen gewissen Umgang mit Gottes Wort voraus - was heute nicht unbedingt bei den Lesern vorausgesetzt werden kann.

Eins ist festzuhalten: Das Buch ist in einem für jedermann leicht verständlichen, flüssigen Stil geschrieben. Auch wer die angeführten Bibelstellen überspringt, erhält doch das nötige Grundwissen und wird auf den Boden der Schrift gestellt. Der Autor weiß, wovon er spricht und führt zahlreiche Beispiele als Illustration zum Gesagten an, was dem Leser das Verständnis für die Zusammenhänge erleichtert.

Leider ist das Inhaltsverzeichnis zum Untertitel des Buches nicht sehr aussagekräftig und lässt dem Leser, der einen bestimmten Bereich sucht, keine andere Wahl, als seine Entdeckungen erst im Lauf der Lektüre zu machen; aber er wird früher oder später fündig! Lothar Gassmann hat nämlich den Aufbau des Buches ganz dem Thema Esoterik untergeordnet.

Interessant ist das Kapitel "Die Wahrheit über den Spiritisums", das eine leicht verständliche "Geschichte des Spiritismus" unter Nennung vieler Namen und Daten bringt. Er geht aber auch weiter in die Details über Astrologie, New Age, Welteinheitsreligion(en) etc. und verweist den Leser ab Seite 52 auf einen Weg aus der Esoterik heraus.

Es ist wohltuend am ganzen Buch, dass es nicht dabei bleibt, Fakten aufzuzeigen. Es wird auch der Weg ("wie mach ich das!") hinaus auf Grund der Erlösung durch Jesus Christus dargestellt. Er nimmt fast ebensoviel Raum ein und wurde in seiner Darstellung sorgfältig erarbeitet. Ein gutes, empfehlenswertes Buch.

Peter Toscan
CH-8052 Zürich


Franzke, Reinhard; Gassmann, Lothar; Samuel Leuenberger. Ökumene der Religionen und Absolutheit Jesu Christi: Gibt es ein gemeinsames Weltethos? Wuppertal: Verlag für Reformatorische Erneuerung, 2001. 100 S. CHF 9,80, € 4,90 ISBN: 3-87857-305-7.

Die dreiteilige Aufsatzsammlung bewirbt sich auf dem Buchrücken mit dem Satz "Endlich eine Antwort auf Küngs "Projekt Weltethos" Dafür werden 100 Seiten wohl kaum reichen. Franzkes Beitrag "Ein Weltethos? Beten wir alle zum gleichen Gott?" (gemeint ist wohl "zum selben Gott") fragt zu Beginn, ob denn "bereits tatsächlich einen Konsens unter den Religionen" gebe, "der die Grundlage für ein Weltethos bilden" könne, wie Hans Küng behauptet. Nachdem der Autor die Hauptreligionen in ihren Grundzügen dargestellt hat, kommt er verneint er: "Die Menschen unterschiedlicher Religionen beten nicht den gleichen Gott an. (S. 42)." Im Kern unterschieden sich die verschiedenen Weltreligionen voneinander. Es sei grundfalsch, dass alle Religionen einen gemeinsamen ethischen Kern haben. "Allein das strikt biblisch fundierte Christentum ist eine Religion der uneingeschränkten Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit."(S. 43.) Franzke weist auf die Gefahr hin, dass die grenzenlose Toleranz der heutigen Gesellschaft gerade die bibeltreuen Christen mit dem "Fundamentalismus"-Vorwurf ausgrenzt, während durchaus gewaltbereite andere Religionen unangefochten bleiben müssen. Seine Lösung (in wenigen Zeilen) heißt "humane Toleranz." Sie verbietet tatsächliche Gewalt gegen Personen und Sachen, lässt aber die verbale Auseinandersetzung zu (S. 47/48).

Leider geht es bei der Darstellung der einzelnen Religionslehren eher holzschnittartig, mitunter polemisch zu (der Koran "diffamiert Ungläubige", S. 11; "Jeder Jugendliche oder Zeitungsleser weiß, dass muslimische Jugendliche leider noch gewaltbereiter sind und häufiger eine Waffe (ein Messer) bei sich haben als deutsche Jugendliche", S. 39). Der Buddhismus wird auf 3 Seiten abgehandelt. Für eine sachliche Auseinandersetzung sollte man wohl auf Polemik verzichten, die das Gegenüber in seiner Position eher verhärtet, weil er sich falsch dargestellt fühlt. In punkto "Religion und Gewalt" hätten auch ein paar Sätze zum Thema "Kriege im AT" und "Kreuzzüge" nicht geschadet, weil daraus immer wieder Gegenargumente zur christlichen Gewaltlosigkeit geschmiedet werden. Eine Verhältnisbestimmung des Christentums zum Judentum findet sich nicht. Letzteres scheint unter dem Christentum gleichsam - unausgesprochen - subsumiert. Dabei ist es begriffsgeschichtlich ungeschickt, vom "Gott des Neuen Testaments" zu sprechen, der keine Opfer mehr verlangt (S. 29).

Es ist des Autors Verdienst, Dinge beim Namen zu nennen: Die Gefahr der Ausgrenzung von Christen mit dem modernen Toleranzbegriff ist offenkundig. Auch die Gefährdung unserer Kinder durch die als harmlos getarnten Meditationsübungen in der Schule gehören inzwischen zu den Standarderfahrungen der Eltern. Es wird erkennbar, dass die grenzenlose Toleranz sich letztlich ins

Gegenteil verkehrt, weil sie in die Unfreiheit führt (S. 45).

Der zweite Aufsatz besteht zum Einen aus einer hilfreichen Auflistung Bibelstellen, die das "Heidentum auf der einen und Judentum/Christentum auf der anderen Seite in einem unüberbrückbaren Gegensatz zueinander"stellen (S. 65). Der zweite Teil von Gassmanns "Ökumene der Religionen: Was sagt die Bibel dazu?" informiert den Leser über die theologische Diskussion. Gemeinsamkeiten der Religionen findet Gassmann begründet durch Gottes [Ur-]Offenbarung, nicht aber durch religiöses Bewusstsein begründet. ("Modell der positiv anknüpfenden Konfrontation", S. 66). Der Unterschied zwischen Heidentum und Judentum/Christentum sei kein erkenntnismäßiger, sondern ein seinsmäßiger (S. 67). Gassmann betont den Ausschließlichkeitsanspruch des Gottes der Bibel, er lehnt auch das gemeinsame Gebet der Religionen ab. Zurecht, wie die von ihm zitierten Bibelstellen zeigen. Auffällig ist, dass der Autor auch positive und liberale Theologen zitieren kann, soweit sie sich über den biblischen Textbefund äußern.

Der reformierte Pfarrer Leuenberger aus Schlossrued (Ruedertal/Aargau) gibt dem Buch eine Abhandlung über "Die Absolutheit Jesu Christi" bei. Der Absolutheitsanspruch Christi wird herausgestellt: "Der exklusive Wahrheitsanspruch und die Deklaration, das Leben schlechthin zu beinhalten, das zeugt deutlich vom Absolutheitsanspruch Jesu Christi (S.87)." Hier liegt m.E. der Kern der Verhältnisbestimmung des Christentums zu den anderen Religionen. Eine Ökumene der Religionen wird niemals Jesus als den einzigen Weg akzeptieren. Dann aber auch nicht die biblische Gottesoffenbarung als die von Jesus bestätigte.

Ein Vorwort zum Buch würde dem Leser bei der Orientierung helfen. Insgesamt wünscht man sich nach der Lektüre noch mehr zu wissen. Das Thema ist noch weiteres Engagement wert.

Steffen Denker
CH-Kilchberg ZH


Jaeschke, Wolf Christian (Hg.). Adolph Zahn. Von Gottes Gnade und des Menschen Elend: Ein Querschnitt durch das Werk eines faszinierenden Verfechters einer vergessenen Theologie. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2001, 603 S. Pb. CHF 79,80, € ca. 40,-. ISBN 3-932829-27-1.

Für alle, die auf der Suche nach einem Buch sind, das die reformierte Gedankenwelt lebendig und auf hohem theologischen und schriftstellerischen Niveau vorträgt, gibt es eine gute Nachricht: der in Bonn beheimatete Theologe Wolf Christian Jaeschke hat im Verlag für Kultur und Wissenschaft eine Sammlung mit Texten von Adolph Zahn herausgegeben.

Adolph Zahn (* 28.09.1834 - † 27.02.1900), übrigens ein Vetter Adolf Schlatters, war reformierter Pfarrer in Halle (Domprediger von 1859-1875), Elberfeld (er amtierte als einer von zwei Pfarrern in der reformierten Gemeinde Kohlbrügges von 1876-1877) und Stuttgart (ab 1881). Seinerzeit als der "klagende Jeremia auf den Trümmern der reformierten Kirche in Deutschland" bezeichnet (vgl. dazu S. 369f.), vereinte er als begnadeter und fleißiger Schriftsteller herausragende theologische Einsichten mit überzeugenden pastoralen Anliegen. Er war "ein Mann sprühenden Geistes, auf hoher Warte stehend und weit hinausblickend, eine Persönlichkeit schärfster Prägung" (Johannes Ninck).

Der Sammelband besteht aus zwei Teilen. Im ersten (S. 45-349) befindet sich eine gut gewählte und gründlich erläuterte Anthologie. Jaeschke entschied sich für Texte um die Schwerpunktthemen Pastorendienst, Schriftauslegung sowie Historische Theologie und bildet damit die Schaffensbreite von Zahns Wirken gut ab.

Jeder Themenschwerpunkt entpuppt sich dem Leser schnell als Schatzkammer. So werden nahezu alle, die selbst im Verkündigungsdienst stehen, von Zahns erstaunlichen seelsorgerlichen Einblicken profitieren, so wie sie im Aufsatz "Empfindungen eines Predigers" niedergeschrieben sind. Exegeten werden überrascht sein von der Tiefe und Qualität der Schriftauslegungen. Zahns Thesen zur Verbalinspiration entsprechen den Positionen von Princeton und den Missouri-Lutheranern (S. 105-107). In der im Band wiedergegebenen Besprechung des von Theodor Zahn 1898 gehaltenen Vortrags "Die bleibende Bedeutung des neutestamentlichen Kanons für die Kirche" wendet er sich entschieden und originell gegen jede Kanonkritik (S. 225-241). Sein vehementes Eintreten für die Autorität der Heiligen Schrift erhellt, warum historisch-kritisch lehrende Zeitgenossen, wie der Bonner Alttestamentler Kamphausen, vom "leider unzurechnungsfähigen Adolph Zahn" sprachen.

Erfrischend und höchst beachtenswert sind die Texte aus dem Bereich der historischen Theologie. Obwohl die Beiträge über hundert Jahre alt sind, wird so mancher gelehrte Theologe Überraschungen erleben. Wussten Sie, dass dem Reformator Zwingli in der Nacht vor dem ersten "zwinglianischen" Abendmahl im Traum eine Gestalt erschien und den Predigttext für den darauffolgenden Sonntag offenbarte (nämlich Ex 12,11 - siehe S. 249f.)? All jene, die sich mit den Positionen der Charismatischen Bewegung auseinandersetzen, werden zweifellos gewinnbringend Zahns Aufsatz über "Das inwendige Wort" lesen. Interessant außerdem, dass der Altcalvinist Zahn sich nicht für den "optimistischen Amillenniarismus" Calvins, sondern den "pessimistischen" Luthers stark machte.

Aber damit nicht genug. So fesselnd der erste Teil des Buches ist, im zweiten (S. 373-589) - obwohl Anhang genannt, eigentlich viel mehr als das - erörtert der Herausgeber den kultur- und theologiegeschichtlichen Kontext, in dem Zahn wirkte, auf souveräne und überaus horizonterweiternde Weise. Dem Leser kommt es vor, als ob bei der Weitung des Blickes A. Zahn aus dem Fokus gerät und man ihn trotzdem - weil im Zusammenhang sehend - noch besser verstehen lernt.

Im Anhang A widmet sich Jaeschke den theologiegeschichtlichen Fronten, zwischen denen Zahn in der Hochzeit des Liberalismus stand. Als Grundlage dafür steht Zahns Abriss einer Geschichte der evangelischen Kirche auf dem europäischen Festlande im neunzehnten Jahrhundert, das, obwohl weitaus weniger bekannt als Karl Barths Die protestantische Theologie im 19. Jahrhundert, durchaus mit diesem vergleichbar ist. Im Anhang B-F untersucht Jaeschke die Besonderheiten des "Zahnschen Calvinismus". Der Leser wird hineingenommen in wichtige theologische Auseinandersetzungen, wie z.B. in die um die Lehre der Heiligen Schrift und der Rechtfertigung. Eingehend entfaltet der Autor die Lehrunterschiede zwischen Lutheranern und Reformierten (S. 489-523). Die Erläuterungen zur Eschatologie Zahns fallen so umfangreich aus, dass man sie gut als kurze Einführung in christliche Endzeitmodelle lesen kann.

Abgeschlossen wird das Buch mit Quellennachweisen, einem Abkürzungsverzeichnis und einem Namensregister, das die Erschließung des Werkes erheblich vereinfacht.

Wolf Christian Jaeschke verfügt über profunde Kenntnisse der reformierten Theologie und kann diese auf packende und anregende Art vermitteln. Das Buch ist sicher teuer, gibt aber mehr als es verspricht. Es ragt weit aus der unüberschaubaren Masse der theologischen Publikationen heraus. An der Qualität dieses Sammelbandes sollten sich theologische Neuerscheinungen unserer Zeit messen lassen.

Ron Kubsch
D-Bonn

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