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2001-2 |
Buchbesprechungen |

Der Verfasser, Diplom-Religionspädagoge und Prediger[1] untersucht vom biblischen Standpunkt aus Entstehung, Geschichte und heutige Situation der ökumenischen Bewegung und anderer damit zusammenhängender Einheitsbestrebungen. Er macht klar, dass man von der gegenwärtigen Schwäche des ÖRK nicht auf einen Verfall der Bewegung schließen darf. Der ökumenische Gedanke geht inzwischen weit über den Weltrat der Kirchen (ÖRK) oder die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) hinaus. Er hat die meisten Kirchen erfasst, viele Christen geprägt und ist dabei, den evangelikalen Raum zu durchsäuern. Sehr interessant ist die Rolle der Katholischen Kirche. Sie entsendet zwar nur Beobachter zum ÖRK. Diese haben inzwischen aber volles Stimmrecht bei den Versammlungen.
Nach einer kurzen biblischen Betrachtung und einem allgemeinen Überblick über die "Ökumene zwischen Zeitgeist und katholischer Vereinnahmung" erläutert der Verfasser, wie der ursprüngliche Begriff, der in der Bibel zwar vorkommt, aber nie eine geistliche Bedeutung hat, heute neu gefüllt wird. Das geht so weit, dass man inzwischen von "Großer Ökumene" spricht und dabei die Verbindung mit nichtchristlichen Religionen meint. Ihnen gegenüber ist man ebenso tolerant, wie man christlich-konservativen Bewegungen gegenüber intolerant ist. Das Missionsverbot ist nur eine Konsequenz daraus.
Eine Stärke des Taschenbuches ist der sachliche geschichtliche Teil. Der Verfasser beginnt bei den Vorläufern der Ökumene, führt auch andere überkonfessionelle Bünde des 19. Jahrhunderts, wie z.B. die Evangelische Allianz, auf und schildert dann die Entwicklung der modernen Ökumene bis zur Konstituierung des Ökumenischen Rates der Kirchen am 23.8.1948. Deprimierend ist es, die Entwicklung des ÖRK am Beispiel seiner Vollversammlungen zu verfolgen. Interessant ist die Rolle der Orthodoxen Kirchen vor und nach der politischen "Wende", die durch ihren heutigen Einfluss manche Entwicklungen zu bremsen scheinen.
Je ein Kapitel behandelt besonders die Ökumene in Deutschland und das Verhältnis der Evangelikalen zur Ökumene. "Durch die volle Integration der Pfingst- und Charismatischen Bewegung ist der Prozess der Ökumenisierung der Evangelikalen in Deutschland erheblich vorangekommen." Es ist erschreckend, wie weit manche Evangelikale gehen, dass sie selbst "darauf erpicht sind, mit der Römischen Kirche Abendmahlsgemeinschaft aufzunehmen" (S. 123).
An dieser und an einigen anderen Aussagen zur modernen Entwicklung (z.B. S. 117 ProChrist) vermisse ich allerdings aktuelle Belege, was die Glaubwürdigkeit erhöht hätte. Eine Frage ist mir auch, ob man der Stellung des Papstes zur Abtreibung so misstrauisch gegenüber stehen sollte. Könnte man hier nicht doch den Standpunkt einnehmen, wie ihn die Padua-Erklärung (B&G 1/2001 S. 70) formuliert: "Bei der Erfüllung des Kulturauftrags kann es Momente des Kontakts geben ... bei der Erfüllung des Missionsbefehls nicht."? Zwei auffällige Schreibfehler sollten in der nächsten Auflage getilgt werden: S. 163: die Gründerin der Blankenburger Allianzkonferenz hieß "Anne von Weling". S. 17, 2. Absatz ist "ihr Ziel" zu streichen.
Ein Quellenverzeichnis, ausführliche Personenangaben und ein Endnotenverzeichnis runden das aufschlussreiche und unbedingt lesenswerte Buch ab.

"Wie können wir im 21. Jahrhundert leben?" Der Autor stellt sich die Frage im Vorwort und findet 200 Seiten später die Antwort; freilich nicht, ohne sie uns schon von Anfang an zu verraten: "Nur in Verbindung zu Gott, unserem Schöpfer, und zu Jesus Christus, unserem Erlöser" (S. 12). Das wissen wir schon? Ja. Aber Klaus Berger ist es in seinem Buch gelungen, den alten Glauben von neuem auszudeutschen - in bezug auf das 20. Jahrhundert.
"Zehn Markierungen" nennt der Verfasser den ersten Teil des Buches, im dem er die aktuellen und zu erwartenden Entwicklungen im Gesellschaftsleben, der Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion beschreibt. Sein Interesse ist durchaus anthropologisch motiviert, wofür er sich auch rechtfertigt. Kreatürlich, philosophisch und theologisch zu fragen sei darin immer eingeschlossen (S. 14). Stichworte aus diesem Buchteil: Jahrhundertkritik, Ethik, Religiosität, Bildungsnotstand, Turbokapitalismus, Multikulturalität.
"Ent-Täuschungen" aus dem 20. Jahrhundert - der zweite große Abschnitt - rechnen nochmals mit den idealistischen und ideologischen Träumen des verstrichenen Säkulums ab. Nicht wenigen Lesern muss bei der Verabschiedung von ihren alten Träumen geholfen werden. Zu Recht spricht Berger von einem heilsamen Prozess. Stichworte dazu: "Nie wieder Krieg," Individualismus, Liberalismus, Kapitalismus, Psychologismus, Gott ist unwichtig.
"Läuterungen und Läuterungsprozesse" - dafür bleiben noch 29 Seiten. Sie sollen uns sagen, "wie wir im 21. Jahrhundert leben können." Leider geht Berger nicht viel über einen Bekehrungsaufruf hinaus. Er versucht den Lesern zu zeigen, dass die Summe des Bisherigen den Menschen eigentlich zurück zu Gott führen müsse.
Bergers Buch hilft dem christlichen Leser, den Übergang in ein neues Jahrhundert zu bewältigen und eine neue persönliche Standortbestimmung in den gesellschaftlichen und religiösen Herausforderungen der Zeit zu vollziehen. Samuel Huntingtons Hauptthese von den im 21. Jahrhundert zu erwartenden religiös und kulturell motivierten Konflikten zwischen acht großen Kulturkreisen, wie sie vor allem seit dem "mittlerweile legendär gewordenen Artikel (NZZ, Jg. 222, Nr. 21 (26.01.2001), S. 45)" The Clash of Civilisations vom Sommer 1993 im Gespräch ist - diese Auffassung findet sich als eine der Haupt-Ideenquellen im Hintergrund (vgl. S. 12). Manchmal scheinen die Kriterien für die Themenauswahl und -Zusammenstellung nicht ersichtlich. Im Blick auf die Zukunft möchte man sich mehr und mehr mutige Worte wünschen - die Analyse des belesenen Schreibers hatte solche Erwartungen während des Lesens geweckt. Und: Ist das Buch - ich frage seines Endes wegen - vielleicht für den evangelistischen Einsatz bestimmt? Man erkennt es nicht deutlich.
Trotzdem: Das Buch ist bedenkenswert - vor allem für denkende Christen, die eine Analyse ihrer Zeit aus christlicher Perspektive dankbar annehmen werden.

"Wie sollen wir denn nun leben? Was können wir noch tun? Und wie kann Christentum im neuen Millennium aussehen?" Da haben sich mit Stephan Holthaus und Klaus Berger zwei Christen dieselbe Frage zur selben Zeit gestellt. Ein Vergleich zwischen den beiden Büchern liegt nahe.
Zunächst aber zu Holthaus: Bei Operation Zukunft handelt es sich um einen Nachfolgeband zu seiner 1998 veröffentlichten Analyse Trends 2000: der Zeitgeist und die Christen. Das neue Buch verhält sich zum Vorhergehenden wie die Antwort zur Frage. Viele Christen sind damals dankbar gewesen für Holthaus' klaren Blick für die Beeinflussung der Gemeinde Jesu durch den Zeitgeist von heute (nicht gestern, sic!). Bemängelt wurde aber immer wieder, dass er keine Alternative anbiete. Wir erinnern uns noch lebhaft an die historische erste Tagung des Bibelbundes Schweiz nach dessen Gründung im Jahr 1996, als Holthaus seine Analyse vortrug und die Teilnehmer - vornehmlich die Prediger unter ihnen - lebhaft zurückfragten: "Wie sollen wir denn nun leben?" Et voilà: Hier ist Stephan Holthaus' Antwort; seine "Gegenkultur," die er am Schluss von Trends 2000 anmahnte.
"Die Hauptbotschaft dieses Buches lautet: Christsein hat mit allen Bereichen des Lebens zu tun." (S. 13) schreibt der Autor, selbst im Bibelbund engagiert, im Prolog. Und so machen die neun Kapitel einen echten Tour d'horizon, in dem so ziemlich alles zur Sprache kommt. Stichworte: Global village, Wirtschaft, Kinder, Kultur, Beziehungen, Bildung, Gemeinde, Evangelisation, Christsein. Es werden viele gute und schlechte Noten verteilt, nicht an Personen, sondern an die aktuellen Entwicklungen. Wenn der Leser mit der Beurteilung nach dem ersten Blick manchmal nicht einverstanden ist, sollte er dennoch über das Gesagte nachdenken: Vielleicht hat Holthaus doch Recht.
Die Sprache des Buches ist sehr direkt, mutig, die Sätze erscheinen kurz und bündig. Der Leser wird in seiner Welt von heute angesprochen. Der Verlag hat diese Absicht durch die optische Gestaltung (computerbildschirmähnliche Hervorhebungen) optisch unterstützt.
Und im Vergleich zu Bergers Buch: Holthaus hat mehr praktische Seiten, es gibt viele Handlungsaufforderungen. Er nimmt "kein Blatt vor den Mund." Klaus Berger ist dem gegenüber "philosophischer," theologischer, grundsätzlicher. Am besten, Sie lesen beide Bücher! Sie sind geeignet, Orientierung im Blick auf zukünftige Herausforderungen zu geben. Wir sind jedenfalls für die Autorenarbeit sehr dankbar.
Schließen wir mit einem Zitat aus Holthaus' Epilog: "Am Ende dieses Buches steht deshalb mein Appell an alle Christen: Nicht resignieren! Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern die Herausforderungen dieser Welt offensiv annehmen! ... Diese Welt braucht die Botschaft von Jesus Christus - vielleicht dringender als je zuvor. Christsein ist keine zweistündige emotionale High-Erfahrung am Sonntag Vormittag, sondern eine 24-Stunden-Realität, basierend auf klarer Glaubensgrundlage. Christentum ist nicht nur Herz, sondern auch Verstand ... Vielleicht fehlt den heutigen Christen eine Eigenschaft am dringlichsten: der Mut ... Wir brauchen in unserer westlichen Gesellschaft und in unseren Gemeinden einen Neustart, ein

Schön, dass es nun auch eine deutschsprachige Familienbibel gibt. Warum bloß muss jetzt sogar die Familie "verdenglischt" werden: Family-Bibel! Verkauft sie sich dann besser? Ach nein, die Autoren der gleichsprachigen Zeitschrift (ist aber auch deutschsprachig) haben ihre Beiträge zu dieser Bibel beigebracht, daher kommt wohl die "Family."
Der Brunnen-Verlag betreibt - verständlicherweise - auch Werbung in eigener Sache, wenn er die Family-Bibel mit der "Hoffnung für alle" - Bibelübersetzung/-übertragung ausstattet. Dabei trägt der Brockhaus-Verlag Wuppertal die Verantwortung für diese erste Auflage mit. Die Rechte für die "Textzusammenstellung im Vorspann" liegen (Impressum) bei nämlichem Verlag.
À propos Vorspann: Er ist der einzige Teil, der diese Bibel von einer "normalen Hoffnung-für-alle" unterscheidet. "Sich ärgern und wieder versöhnen," "Schulsorgen" und andere Familien-Themen werden in 2-3 -seitigen Abschnitten behandelt. Es fällt auf, dass durchwegs Frauen zu Wort kommen. Und zwar mit Erfahrungsberichten. Meine Frau empfand sie wenig hilfreich in Bezug auf die konkrete Ausgestaltung des geistlichen Lebens in der Familie. Ich auch. Von Erfahrungsberichten kann man nicht leben. Man liest diese Artikel einmal - und das war´s. Passend für eine Zeitschrift - aber für eine Bibel?
Dabei könnte man doch so viel aus der Idee einer Familienbibel machen: Grundsätzliche Artikel, die Bibelwissen in die Alltagssituation des Zusammenlebens vermitteln; Anleitung für tägliche Andachten in der Familie, abgestimmt auf das Alter der Kinder; gemeinsame Familienaktivitäten oder Gebetsanliegen usw. auf JEDER Seite der Bibel (als Fußnoten), Lieder fürs gemeinsame Singen, Kartenmaterial usw. All das habe ich in unserer Familienbibel gefunden, in der Family-Bibel darum um so mehr vermisst. Seit Jahren benutzen wir gern: The Family Worship Bible. New International Version, Nashville, Tn.: Holman Bible Publishers, 1991. Leider gibt es sie nur auf: Englisch. Ich habe sie 1992 auf der Buchmesse in Frankfurt entdeckt. Kein Verlag hat sich bisher gefunden, der eine solche Familienbibel in Deutsch zu verlegen wagte. Dabei wäre sie doch so hilfreich. Ob sich nicht doch noch jemand mit Mut finden lässt?

Das Buch ist ein spannendes Zeugnis einer heimgekehrten verlorenen Tochter. Es beschreibt den Weg einer jungen Frau, die aus behüteten Verhältnissen ausbricht, sich zum Islam bekehrt und dort engagiert mitarbeitet. Wie beim verlorenen Sohn zwingt sie die äußere und innere Not dann zur Umkehr und Heimkehr.
Die Veröffentlichung ist sinnvoll in drei ungleiche Teile gegliedert. Der zweite Teil ist der umfangreichste. Er bildet den Schwerpunkt der Erzählung und handelt von den Erfahrungen der jungen Frau im Islam. Diese Erfahrungen sind eindrucksvoll. Sie machen neugierig, über den Islam Näheres zu erfahren. Diesem Interesse kommen drei Islamkenner jeweils mit einem Exkurs entgegen. Die Exkurse sind ausgezeichnet und passen gut in die Absicht des Buches, Kenntnisse über den Islam zu vermitteln, der in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt. Informiert wird man sowohl über die modernen Erscheinungsformen des Islam, als auch über seine Entstehung, Ausbreitung und Theologie. Wertvoll sind Beschreibungen der praktischen Frömmigkeit und Denkweise der Muslime.
Es werden Unterschiede zwischen Christentum und Islam sowie Möglichkeiten und Grenzen eines Dialogs aufgezeigt. Dabei ist der Begriff Dialog natürlich vorbelastet und nicht unproblematisch. Horst Afflerbach geht darauf ein und merkt an, dass ein Dialog den "Ausschließlichkeitsanspruch" Jesu Christi "nicht ausschließen darf" (S.51). Beim Dialog geht es nicht nur um Gedankenaustausch, sondern und vor allem um das Bezeugen des Evangeliums. Letzteres wird auch im Buch ganzheitlich gesehen. Eine Reduktion des Zeugnisses aufs Reden ist genauso falsch wie die Einstellung, dass die christliche Präsenz schon zeugnishaft genug wäre. Christliches Zeugnis ist an Zeugen gebunden. Es umfasst Reden, Tun, Erscheinungsbild und Lebensweise des Zeugen. All dies versteht sich inklusive seiner Möglichkeiten und Grenzen.
Alle drei Autoren scheinen angesichts evangelistischer Dringlichkeit am faden modernen Christentum zu leiden. Afflerbach bringt dies gut zum Ausdruck: "Kann es sein, dass sich viele echte Christen des Evangeliums von Christus schämen und deshalb nicht erkennbar und auffindbar sind? Kann es sein, dass sie ihre Lichter unter den Scheffel gestellt haben und dass es deshalb so dunkel ist? Kann es sein, dass ihr Salz kraftlos und wirkungslos geworden ist? Warum erkennt man echte Christen so wenig und echte Muslime sofort? Warum beten Muslime öffentlich und bekennen ihren Glauben, während Christen schweigen?" (S.53). Diese Fragen machen tief betroffen.
Noch etwas anderes macht beim Lesen des Buches betroffen. Es ist die Frage der so genannten Vergangenheitsbewältigung, bzw. die Frage der Schuld des Sünders. Wer kann die Schuldfrage lösen? Nur der, der die Sünde ans Kreuz getragen hat. Diese Wahrheit wird gut hervorgehoben. Die andere Seite jedoch, und zwar die, dass ein Sünder seine persönliche Schuld zu bekennen hat, kommt meines Erachtens zu kurz.
Nun gäbe es dafür eine ganze Reihe von Rechtfertigungen. Etwa: Johanna berichtet nicht jede Einzelheit ihrer Bekehrungsgeschichte; oder: Eine Lebensbeschreibung ist keine systematische Lehre; oder: Man freue sich doch darüber, dass jemand "heimgekehrt" sei; oder: Schließlich wisse sie doch, dass sie für ihre "Sünden in der Hölle landen" könnte und dass es "ganz real Sündenvergebung gibt."
All dies ist richtig. Richtig ist auch: Sie hat ihr Leben Jesus übergeben. Dennoch bleibt die Frage nach einem klaren persönlichen Bekenntnis der Schuld im Sinne von etwa Lk 15,18 ff oder 1Jo 1,9 im Buch unklar. Ist dies nur eine Stilfrage? Es mag sein. Und doch: Wenn eine Lebensbeschreibung die Notwendigkeit eines persönlichen Sündenbekenntnisses unterbetont, hat sie eine theologische Schieflage.
Sich aus einer selbstverschuldeten Misere lediglich nach Positivem auszustrecken, ohne persönliche Schuld klar und deutlich zu bekennen, reicht nicht aus. Sündenerkenntnis, aber auch Sündenbekenntnis sind wichtige Bestandteile einer Bekehrung. Bleibt das Bekenntnis aus, kann nur noch gehofft werden, dass dies lediglich eine Schwäche der Erzählung ist und nicht der Realität entspricht. Jedenfalls vermisst man das "Vater, ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor dir."
Eine zweite Schwäche liegt auf der gleichen Ebene. Man hat den Eindruck, dass die Ursachen für Johannas Irrwege tendenziell in ihrer Umwelt und nicht bei ihr selbst gesehen werden. (Vielleicht fehlt deshalb bei der Umkehr ein klares Sündenbekenntnis?) Zu sehr ist sie Opfer ihres sozialen und religiösen Umfeldes und zu wenig Täter. Die persönliche Verantwortung für Johannas Werdegang ist in ihrer Selbstdarstellung ein wenig zu schwach ausgefallen.
Gewiss ist es schade, dass der Religionsunterricht keine Hilfe bot, dass der CVJM-Kreis den Schwenk zu Dritte-Welt-Aktionen machte, dass die Predigt an Pfingsten "nur fromme Parolen und Schlagworte" enthielt. Aber gab es da nicht auch noch betende Eltern, den liebevollen Herrn Blücher und sein warmherziges Heim? Auch an ansprechenden, verständlichen Einladungen zu Jesus zu kommen, fehlte es nicht. Die Sehnsucht im Herzen war ebenfalls vorhanden ...
All dies wird erwähnt, aber nur sehr spärlich auch positiv gewertet. Das spiegelt unser generelles menschliches Problem wieder: Eine geringe Wertschätzung der einladenden Güte Gottes. Statt nun bei unserer Lebensbetrachtung den Blick eben darauf zu lenken, werden wir ständig stimuliert, uns auf dem Hintergrund unseres Umfeldes zu interpretieren und hier auch die Ursachen für persönliche Fehlentwicklungen zu suchen. Das ist nicht schriftgemäß und verhindert die einfache und einfältige Bitte um Vergebung der persönlichen Schuld. Diese Bitte fehlt dann folgerichtig im dritten Teil des Buches. Dem Leser ist wohl klar: Es ist durchaus möglich, dass Johanna im wirklichen Leben sowohl tiefe Dankbarkeit als auch tiefe Sündenerkenntnis besitzt. Aber sie bringt dies in der sonst sehr ausführlichen Bekehrungsgeschichte nicht zum Ausdruck. Hierin liegt eine bedeutende Schwäche des Buches. Jeder Seelsorger ist bereit, im seelsorgerlichen Gespräch einem Lebenszeugnis jede Menge Schwächen und Unvollkommenheit zuzugestehen. Wenn jedoch ein Zeugnis veröffentlicht in Buchform erscheint und zudem von Theologen begleitet wird, dann ist man im Blick auf biblische Lehre, die im Zeugnis mitgeliefert wird, wesentlich empfindsamer.
Wenn Ernst Schrupp auf Seite 207 Johanna für ihre Offenheit dankt, dann kann man sich dem gut und gern anschließen. Der Leser wird gerade durch diese Offenheit in ihre Erlebnisse hineingenommen und entwickelt ein starkes Mitgefühl. Dennoch darf dies die Sensibilität gegenüber der Schriftwahrheit nicht verdrängen.
Im Ganzen ist das Buch lesenswert und an verschiedenen Stellen äußerst hilfreich.

In dem schon empfohlenen Büchlein ("Bibel und Gemeinde" Nr. 1/2000) beschäftigt sich der bekannte Autor, Direktor und Professor bei der PhysikalischTechnischen Bundesanstalt in Braunschweig, mit dem Phänomen der Zeit. Wohl jeder Mensch hat schon einmal darüber nachgedacht, ohne je auf eine andere Lösung gekommen zu sein als Augustinus: "Wenn mich jemand fragt, so weiß ich es. Will ich es aber jemand auf seine Frage hin erklären, so weiß ich es nicht."
Der Verfasser versucht nun einen ganz neuen Ansatz zum Verständnis der Zeit und kann interessante Ergebnisse vermitteln. Zunächst stellt er die Zeit als physikalisch messbare Größe vor. Er schildert die Methoden der Zeitmessung und erzählt die Geschichte der Positionsbestimmung, die bis zum modernen GPS auf genaueste Zeitmessung angewiesen ist, er geht auf Zeitkonstanten, die Zeit in biologischen Systemen und die Relativität der Zeit ein.
Der Hauptteil des Buches ist der Zeit als anthropologischer Größe gewidmet, denn die Zeit geht uns Menschen an. Nachdem der Autor über einige Eigenschaften der Zeit nachgedacht hat, z.B. dass sie nicht speicherbar ist und dass man sie nicht überspringen kann, erläutert er sehr anschaulich die beiden wichtigen biblischen Zeitbegriffe Kairos und Chronos und begründet, warum man beide Größen nicht ineinander umrechnen kann, auch nicht mit Hilfe von 2Pt 3,8.
Dann erläutert er seinen neuen Ansatz zum Verständnis der Zeit. Er wendet die von ihm entwickelte "Naturgesetzliche Informationstheorie" auf die Zeit an. Bei der Übertragung einer Information vom Sender auf den Empfänger sind grundsätzlich fünf Ebenen zu unterscheiden. Die Ebene der Statistik beschreibt die Signalübertragung, wobei man die Menge der übertragenen Signale messen kann. Die nächst höhere Ebene, die Syntax, gibt den vereinbarten Code an (z.B. das deutsche Alphabet) ohne den man keine Information verstehen kann. Die Ebene der Semantik verlangt, dass man die Bedeutung der mitgeteilten Gedanken auch versteht, es also nicht nur eine sinnlose Aneinanderreihung von Buchstaben ist. Die Ebene der Pragmatik erfasst die gedachte bzw. durch die Information bewirkte Handlung. Auf der höchsten Ebene, der Apobetik, geht es um das Ziel, das durch die Information erreicht werden soll.
Werner Gitt stellt nun die Zeit ebenfalls als ein 5-Ebenen-Konzept dar und findet in der Bibel und in Lebensbeispielen eine Menge Veranschaulichungen dazu, die er auch bewusst evangelistisch einsetzt. Am einfachsten lässt sich die Statistik der Zeit darstellen, denn unsere Zeit ist messbar und begrenzt. Unter Syntax der Zeit versteht der Verfasser die Regeln zum Umgang mit der Zeit, von denen er in der Bibel drei entdeckt. Die Semantik der Zeit ist praktisch die erlebte Zeit, die von uns Menschen ganz unterschiedlich bewertet wird. Mit Pragmatik der Zeit ist das Handeln in der Zeit angesprochen und mit Apobetik die Zielorientierung in der Zeit.
Der dritte Teil des Buches befasst sich mit der Ewigkeit. Der Verfasser bemerkt gleich am Anfang sehr richtig, dass es sich dabei keineswegs um eine unendlich verlängerte Zeit handelt, wie es in Märchen dargestellt wird. An dieser Stelle hätte ich mir aber eine positive Darstellung des Prinzips Ewigkeit gewünscht, vielleicht im Sinn von immer währender Gegenwart, ähnlich, wie es beim Kairos erläutert wurde. Es folgen verschiedene Vorstellungen von Ewigkeit bei den Ägyptern, den Indianern, den Buddhisten und den Muslimen. Das äußerst preiswerte und interessante Büchlein, dem man eine weite Verbreitung wünscht, schließt mit einer Darstellung der biblischen Aussagen über Hölle und Himmel. Der Verfasser macht seinen Lesern in zehn sehr konkreten Aussagen den Himmel lieb. Was will man mehr?

Um es gleich vorweg zu sagen: Ein sehr wichtiges und notwendiges Buch, das die Diskussion um Schöpfung und Evolution wohltuend versachlicht. Jeder, der sich Gedanken um diese Fragen macht, sollte es unbedingt gelesen haben.
Die Arbeit will in die geologische Modelldiskussion in der Schöpfungslehre einführen und wendet sich sowohl an Geowissenschaftler als auch an interessierte Laien. Gleich in der Einführung machen die Verfasser - Mitarbeiter der Studiengemeinschaft Wort und Wissen - auf eine Schwäche vieler Diskussionen aufmerksam: Nur zu oft begnügt man sich mit der Aufzählung der Befunde, die zum vertretenen Modell passen und der Auflistung der Schwächen, die das abgelehnte Modell hat. Ein plausibles Modell muss aber alle, jedenfalls den größten Teil der bekannten Befunde deuten können.
Die Verfasser nennen von vornherein ihre Ausgangsposition ("Die globale Sintflutkatastrophe als solche wird als Ereignis vorausgesetzt und steht nicht zur Diskussion.") und stellen im zweiten Kapitel die Frage, ob die Bibel denn wirklich eine junge Schöpfung lehrt. Sie machen deutlich, dass Fossilien Zeugnisse eines gewaltsamen Todes sind und demzufolge nicht aus dem Schöpfungshandeln Gottes hervorgegangen sein können.
Um in die Diskussion der verschiedenen wissenschaftlichen Sintflutmodelle einzuführen, erklären die Verfasser zunächst ausführlich die geologische Schichtenabfolge und die Entwicklung der geologischen Zeittafel. Dem Leser wird es gut tun, sich wenigstens die Grundlagen dieser Zeittafel einzuprägen. Er wird dann verstehen, warum Versuche, diese Zeittafel grundsätzlich in Frage zu stellen, jeder fachlichen Grundlage entbehren. Damit ist nicht gesagt, dass die mit der Zeittafel verknüpften Altersangaben der historischen Geologie richtig sind." Aber die Zeittafel selbst ist die Zusammenfassung zahlloser Geländebeobachtungen, die zum Teil auch von Wissenschaftlern gemacht worden sind, die die Bibel ernst nahmen.
Der Hauptteil des Buches befasst sich mit der Geschichte der Sintflutmodelle, die schon seit dem 17./18. Jahrhundert diskutiert wurden. Nach der Veröffentlichung von The Genesis Flood (1961; deutsch Die Sintflut, 1977) wurde die Diskussion von biblisch orientierten Wissenschaftlern wieder neu belebt. Die wichtigsten neueren Modelle in der Schöpfungslehre werden nun vorgestellt, diskutiert und bewertet. Vielen Anhängern der Schöpfungslehre ist offenbar erst 1994 durch die Referate auf dem 3. Kreationistischen Kongress in Pittsburgh (ICC) bewusst geworden, dass es eine derartige Auseinandersetzung überhaupt gibt.
Die Autoren gehen mit gutem Beispiel voran und nennen nicht nur ihre Bewertungsmaßstäbe, sondern begründen sie auch. Erfreulich außerdem: "Alle Teilnehmer der Modelldiskussion sehen im Wort Gottes den absoluten Maßstab für die Geschichte der Menschheit und des Lebens und folglich auch der damit gekoppelten Erdgeschichte." Die Verfasser machen sich Gedanken darüber, wie Bibeltexte sachgemäß verstanden werden, denn es besteht immer die Gefahr, "unsachgemäße geologische Deutungen in biblische Texte hineinzulegen". Geologische Fakten können nur mit großer Zurückhaltung aus den Texten abgeleitet werden.
Man darf nicht die Augen davor verschließen, dass das Sintflutmodell geologisch gesehen eine grundlegende Schwäche hat: Die Schichtgesteine lassen sich mit den sich ändernden Fossilabfolgen sehr schwer in ein einziges Flutjahr einordnen. Doch Christen brauchen keine Angst vor der Wahrheit zu haben. Wenn das, was die Urgeschichte berichtet, wahr ist, dann werden alle erforschbaren Daten - ehrlich interpretiert - diese Wahrheit einmal bestätigen.
Den Verfassern ist zuzustimmen, dass die heftigen Debatten um die verschiedenen Sintflutmodelle fachlich gesehen einen Fortschritt bedeuten. Angesichts der Schwierigkeiten der bisherigen Modelle plädieren sie aber für eine biblisch-urgeschichtliche Geologie, die den gesamten Rahmen der biblischen Urgeschichte außerhalb der Schöpfungsgeschichte (d.h. 1Mo 3-11) für die Deutung geologischer Daten nutzt.
Bescheiden wollen sie zunächst aber nur "Bausteine" für eine solche Geologie zusammentragen ohne sich allzu schnell an globale Modelle zu wagen. Schön, dass sie schon einige Arbeitsergebnisse vorweisen können, die im letzten Kapitel kurz beschrieben werden.